mini|Markus Lüpertz, 2020 Markus Lüpertz (* 25. April 1941 in Reichenberg, Reichsgau Sudetenland) ist ein deutscher Maler, Grafiker und Bildhauer. Er zählt zu den bekanntesten deutschen Künstlern der Gegenwart. Seine Bildgegenstände zeichnen sich durch suggestive Kraft und archaische Monumentalität aus.Andrea Firmenich, Johannes Janssen (Hrsg.): Markus Lüpertz – Durs Grünbein, Daphne – Metamorphose einer Figur. Wienand, Köln 2005, ISBN 978-3-87909-870-5, S. 15; vgl. auch die Pressemappe der Albertina Wien zur Ausstellung Markus Lüpertz. Metamorphosen der Weltgeschichte, 11. März 2010, S. 1. Lüpertz dringt darauf, den Darstellungsgegenstand mit einer archetypischen Aussage seines Daseins festzuhalten. Viele seiner Werke werden dem Neoexpressionismus zugeschrieben. Von 1988 bis 2009 war Lüpertz Rektor an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf. Die Presse stilisierte ihn zum modernen Malerfürsten.Lüpertz hasst Bezeichnung „Malerfürst“, monopol-magazin.de, 19. März 2016.
Leben Kindheit und Ausbildung mini|Abtei Maria Laach 1948 siedelte die Familie aus der Tschechoslowakei nach Rheydt im Rheinland über. Sein Großvater mütterlicherseits war ein Koch aus Sizilien. Aus einer Lehre als Maler von Weinflaschenetiketten wurde Lüpertz wegen mangelnden Talents entlassen. Sein zweiter Lehrherr, ein Gebrauchsgraphiker, ging pleite. Lüpertz studierte von 1956 bis 1961 an der Werkkunstschule Krefeld bei Laurens Goossens, dann folgte ein Studienaufenthalt im Kloster Maria Laach. Dort beschäftigte er sich unter anderem mit einem Kreuzigungsbild und verbrachte eine „fanatisch religiöse Zeit“. Er arbeitete während seines Studiums zwischenzeitlich unter anderem im Bergbau unter Tage, im Straßenbau und war ein Semester lang an der Kunstakademie Düsseldorf. Der kurze Akademiebesuch endete als „riesiges Fiasko“; ein Professor hätte „beinahe gekotzt“, weil Lüpertz Cowboys am Lagerfeuer malte. In einem Radio-Interview mit dem Sender SWR1 in der Sendung Leute am 4. Oktober 2013 erzählte Markus Lüpertz, eine „physische Auseinandersetzung, die sehr eskalierte“, habe damals zu seiner Exmatrikulation von der Düsseldorfer Kunstakademie geführt. „Als Ungeliebter, als Verstoßener bin ich aus diesem Haus gewiesen worden“, beurteilte Lüpertz rückblickend diese „peinliche Niederlage“ seiner Studentenzeit. auf www.swr1.de, 4. Oktober 2013. Seit 1961 war er in Düsseldorf als freischaffender Künstler tätig.
West-Berliner Bohème Lüpertz suchte zunächst das Abenteuer und verpflichtete sich bei der französischen Fremdenlegion. Aus dieser desertierte er aber schon nach wenigen Monaten, noch bevor er nach Algerien abkommandiert werden konnte.Nach seinen eigenen Angaben bereits als 17-Jähriger, vgl. Interview im ZEITmagazin vom 6. Januar 2011, in den veröffentlichten biographischen Daten der Fachliteratur fehlen aber entsprechende Hinweise, vgl. Gohr (1997), S. 210, sowie Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland (2009), S. 371 1962 zog er nach West-Berlin, wodurch ihm der Wehrdienst erspart blieb. In Berlin begann er seine eigentliche malerische Laufbahn. Dort gründete er 1964 zusammen mit Karl Horst Hödicke, Hans-Jürgen Diehl, Wolfgang Petrick, Peter Sorge und elf weiteren Künstlern die Selbsthilfegalerie Großgörschen 35. Die 68er-Bewegung blieb ihm trotz einschlägiger Begegnungen an den Treffpunkten der West-Berliner Bohème, unter anderem in der Kneipe Zwiebelfisch am Savignyplatz, innerlich fremd.Künstlergespräch im Rahmen der Ausstellung Markus Lüpertz, Albertina, 8. März 2010 1969 zeigte der Baden-Badener Kunsthallendirektor Klaus Gallwitz Werke von Lüpertz in seiner Talentschau 14 × 14. 1970 erhielt Lüpertz den Villa-Romana-Preis und verbrachte im Rahmen des damit verbundenen Stipendiums ein Jahr in Florenz. In Italien waren damals nicht nur die Kunst und die Architektur des Faschismus überall gegenwärtig. Auch die Kinofilme suchten die Auseinandersetzung mit dem nationalsozialistischen Deutschland, während in der Bundesrepublik die Zeit des Dritten Reichs noch weitgehend verdrängt wurde.Vgl. Siegfried Gohr (Hrsg.), Markus Lüpertz, Hirmer, München 1997, S. 17. 1974 organisierte Lüpertz die 1. Biennale Berlin. Im Jahr darauf veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband 9 × 9.
Lehrtätigkeit in Karlsruhe mini |Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe (Hauptgebäude) Nach einer Tätigkeit als Gastdozent 1973 nahm er 1974 die Professur für Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe an.Städtische Galerie Karlsruhe (Hrsg.), Die Malerei ist tot, es lebe die Malerei, 2004, S. 71. Die Gedichtsammlung „Und ich, ich spiele …“ veröffentlichte Lüpertz 1981, im folgenden Jahr legte er die Gedichtsammlung Ich stand vor der Mauer aus Glas vor. 1983 übernahm er eine Professur an der Sommerakademie in Salzburg. Einen Amerikaaufenthalt verarbeitete er in seinem Tagebuch New York 1984, im selben Jahr erschien auch Bleiben Sie sitzen Heinrich Heine. Bis 1986 war er Professor in Karlsruhe. Welche Bedeutung diese Jahre für ihn hatten, beschrieb er später in einem Gedicht:
Düsseldorfer Rektorat mini |Kunstakademie nördlich der Düsseldorfer Altstadt mini|hochkant|Flur der Kunstakademie mini|hochkant|Ratinger Tor (2015) 1986 veröffentlichte Lüpertz Texte zu Camille Corot unter dem Titel Hommage à Prévost, Berthe Morisot und Trouillebert. Im selben Jahr erhielt er eine Professur an der Kunstakademie Düsseldorf, 1988 wurde er zu ihrem Rektor berufen. Er leitete in einer langen Amtszeit von über 20 Jahren eine der bedeutendsten deutschen Akademien, keine andere hat so viele Documenta-Teilnehmer hervorgebracht.KulturSPIEGEL 2/1996 Er besetzte offene Stellen an der Akademie mit international bekannten Künstlern. Dazu zählten beispielsweise A. R. Penck, Michael Buthe, Jannis Kounellis, Rosemarie Trockel, Jörg Immendorff, Jeff Wall, Georg Herold, Albert Oehlen, Tal R, Peter Doig und Tony Cragg. Lüpertz hat als Rektor trotz zahlreicher Hochschulreformen den Erhalt des Klassensystems für die Düsseldorfer Akademie und alle Kunsthochschulen Deutschlands durchgesetzt.Helga Meister: Ich bin ein radikaler Materialist. Kunstforum-Gespräch mit Tony Cragg, in: Kunstforum International, Bd. 200, Januar/Februar 2010, S. 424. Zur Biennale in Venedig 1993 wurde Lüpertz zusammen mit Georg Baselitz und Anselm Kiefer in den deutschen Pavillon eingeladen. Er überließ seinen Platz den anderen Künstlern, um auszustellen, wenn er zu einer Einzelpräsentation eingeladen würde. Walter Grasskamp charakterisierte Lüpertz:
Im Jahr 2005 räumte Lüpertz seine Düsseldorfer Werkstatt frei, um dort zum 60. Geburtstag seines erkrankten Malerfreundes Jörg Immendorff eine Feier zu veranstalten. Auch mit anderen Kollegen wie Baselitz, Kiefer und A. R. Penck pflegt er freundschaftlichen Umgang. Seine Position in diesem Künstlerkreis beschrieb Lüpertz: „Nehmen wir Baselitz. Ich habe ihm mal gesagt: Georg, du bist der größte lebende Maler, den ich kenne. Aber das Genie bin ich. Infolgedessen kann ich damit blendend leben. Deswegen kann ich mich auch über jeden Erfolg meiner Kollegen freuen.“Süddeutsche Zeitung Magazin, Heft 37/2007 Gegen Ende seines Rektorats wurde Lüpertz vorgeworfen, er habe es versäumt, eine zweite Foto-Klasse an der Düsseldorfer Akademie einzurichten, und damit die neuen Medien im Vergleich zu den traditionellen Fächern Skulptur und Malerei vernachlässigt.Zu den Künstlern, die Kritik an der Akademie geübt hatten, gehörte insbesondere Andreas Gursky. Vgl. Helga Meister: Ich bin ein radikaler Materialist. Kunstforum-Gespräch mit Tony Cragg. In: Kunstforum International, Bd. 200, Januar/Februar 2010, S. 424–425. Im Juni 2009 wurde Lüpertz verabschiedet, sein Nachfolger als Rektor wurde Tony Cragg.
Von 2008 bis 2017 hatte Lüpertz sein Atelier im südlichen Torhaus des Ratinger Tors.Lüpertz behält Mietvertrag fürs Ratinger Tor, auf wz.de vom 22. Februar 2017 2009 wurde Lüpertz in die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste gewählt.
Seit 2014 ist er Dozent an der Akademie der Bildenden Künste an der Alten Spinnerei.
2021 tritt Markus Lüpertz erstmals als Theaterregisseur in Erscheinung. Er inszeniert mit La Bohème eine Oper am Staatstheater Meiningen und zeigt sich hier auch für das Bühnenbild und die Kostüme verantwortlich. Das von ihm entworfene Bühnenbild besteht aus 33 Teilen, die beiden größten Prospekte für den Bühnenhintergrund fertigt er selbst im Malsaal des Theaters an.MDR Thüringen-Journal: Künstler Lüpertz inszeniert La Bohème in Meiningen, gesendet am 28. Oktober 2021.
Der Maler als Freigeist Lüpertz lebt und arbeitet in Berlin, Karlsruhe, Düsseldorf und Florenz. Sein Atelier hat er in Teltow. Er ist verheiratet und hat fünf Kinder. Lüpertz konvertierte zum katholischen Glauben.Markus Lüpertz enthüllt Kirchenfenster. In: Der Tagesspiegel, 17. Dezember 2007
Neben seiner Tätigkeit als Maler und Bildhauer widmet sich Lüpertz dem Free Jazz, unter anderem am Klavier. Gelegentlich gibt er Konzerte zusammen mit professionellen Musikern. 2011 spielte er zum Geburtstag von Manfred Schoof auch als Solist der WDR Big Band Köln, vgl. Er gibt die von ihm gegründete Kunst- und Literaturzeitschrift Frau und Hund heraus, in der er auch eigene Lyrik und Prosatexte veröffentlicht. „Abseitige Texte mit abstrusen Privatphilosophien finden sich ebenso wie originelle Beiträge nicht ohne Anmut und Witz.“Martin Krumbholz, Schräges Denken, in: Deutschlandfunk, Büchermarkt, 20. März 2008 Auch auf seine körperliche Leistungsfähigkeit achtet Lüpertz. Er macht jeden Morgen Liegestütze und fährt mit dem Rennrad. Bis 2006 spielte er in seiner eigenen Mannschaft „Lokomotive Lüpertz“ Fußball, was er dann aber wegen eines Autounfalls aufgab; er war beim Fahren eingeschlafen. Lüpertz plante in der ehemaligen Villa des Bankiers Henckel am Pfingstberg in Potsdam eine private Kunstakademie. Im Herbst 2010 sollte der Studienbetrieb der Akademie Souci GmbH Markus Lüpertz Potsdam eröffnet werden. Das Projekt sagte Lüpertz ab.Der Tagesspiegel, 9. Juli 2010 Auf die Frage, wie man sich selbst erfindet, antwortete Lüpertz:
Werke (Auswahl) Malerei Markus Lüpertz schuf um 1960 die ersten Gemälde. Im Gegensatz zu den vorherrschenden abstrakten Tendenzen in der Malerei seiner Zeit gestaltete der junge Lüpertz einfache gegenständliche Motive in expressiver Manier. Seine frühen Werke zeigen häufig eine kraftvolle Bildwelt mit monumentalen Darstellungen gegenständlicher Formen. Das Ende der Malerei war seit dem Beginn der Moderne mehrfach ausgerufen worden, trotzdem hielt Lüpertz an seinem Metier fest. In seiner Malerei verband er Widersprüchliches. Als spürbaren Zwiespalt nahm er den Zweifel der Moderne an der Tradition in seine Bildkonstruktionen hinein und suchte den Weg aus der damals übermächtigen Abstraktion. 1962 entwickelte er in Berlin seine „dithyrambische Malerei“ und begann die Mickey Mouse-Serie sowie ein Jahr später die Donald Duck-Serie.