Die Baureihe SJ Rc ist eine für die schwedische Staatsbahnen Statens Järnvägar (SJ) von ASEA gebaute Elektrolokomotive. Die Lokomotiven waren die ersten thyristorgesteuerten Serien-E-Loks in Schweden. Mit 366 in verschiedenen Varianten hergestellten Exemplaren ist die Baureihe der in Schweden am meisten verbreitete Loktyp.

Vorgeschichte Die Beschaffung dieser Baureihe erfolgte aus der Erkenntnis der SJ, dass die seit 1925 gebauten 333 alten D-Lokomotiven ersetzt werden müssen. Dazu kamen beschäftigungspolitische Gründe, da ASEA an Auftragsmangel litt sowie Erfahrungen mit dem Bau von Wechselstromlokomotiven sammeln sollte. Deshalb wurde 1962 eine Vorserie von sechs Exemplaren in verschiedenen Ausführungen hergestellt und in die Unterbaureihen Rb1, Rb2 und Rb3 eingereiht. Nur wenige Jahre vor dem Bau der Lokomotiven kamen die ersten Thyristoren auf den Markt. Diese erschienen den Entwicklern noch nicht so weit ausgereift, um sie gleich beim Bau der Baureihe Rb einzusetzen. Als der Einsatz von Thyristoren möglich war, wurde die Rb1 1001 1965 zur Thyristorlok umgebaut und als Rb1T bezeichnet.

Technische Ausrüstung Grundsätzlich können bis zu drei Rc-Loks (einschließlich der aus ihnen abgeleiteten Type Rm und El 16) über eine Vielfachsteuerung miteinander verbunden und von einem Führerstand aus bedient werden. Teilweise wurden die Loks nachträglich mit Rangierbühnen und Funkfernsteuerung ausgerüstet – erkenntlich an dem zusätzlich schräg nach oben verlaufenden roten Streifen.

Die Loks waren zunächst orange lackiert, später blau mit rotem Streifen. Die Loks, die 2001 auf Green Cargo übergingen, erhielten anfangs alle einen entsprechenden Aufkleber und werden Stück für Stück grün lackiert. Ende 2006 hatte SJ AB (nach einem kurzen Test mit grauen Loks entsprechend dem Design der X40-Triebwagen) begonnen, seine blauen Rc3 und Rc6 schwarz zu lackieren.

Einsatz Die Lokomotiven kommen vor allen Zuggattungen in allen Teilen des Landes sowie bis nach Norwegen hinein zum Einsatz. Die Möglichkeit der Dreifachtraktion wurde vorzugsweise beim Einsatz der Rm/Rc-Loks vor Erzzügen und vor den Stahlzügen der SSAB von und nach Borlänge ausgenutzt.

Im Bereich Mälardalen wurden zeitweise Regionalzüge mit zwei Rc-Loks bespannt. Dabei befand sich eine Lok an der Spitze des Zuges, die andere am Zugende. Hierdurch verkürzten sich die Fahrzeiten, da der Zug nicht gewendet werden muss. Die hintere Lok lief dabei ohne Antrieb mit. Eine ähnliche Konstellation wurde im SJ-Pendelverkehr zwischen Stockholm und Uppsala verwendet, hierbei handelt es sich um eine serielle Multipelsteuerung (SMS), die hintere Lok sorgt ebenfalls für Traktion und ermöglicht damit eine sehr hohe Beschleunigung der Zuggarnitur. Die Steuerimpulse werden von der vorderen Lok über das UIC-Kabel an die hintere Lok übermittelt.

Nach der Aufteilung der SJ sind die Loks heute der SJ AB, der Green Cargo und dem Affärsverket Statens Järnvägar (SSRT – nach dessen Auflösung seit 2012 Trafikverket) zugeordnet.

Versionen SJ Rc / Rc1 mini|Rc1 1016 in Kalmar

1967/68 wurden die 20 Rc der ersten Serie von ASEA in Västerås in Zusammenarbeit mit ASF-F in Falun, Nydqvist och Holm in Trollhättan sowie Motala Verkstad geliefert. Sie erhielten die Nummern 1007–1026. Erst mit der Bestellung der Folgeserie Rc2 erhielten diese Lokomotiven die Bezeichnung Rc1.

Die Lokomotiven wurden für den Personen- und Güterzugdienst gebaut, zuerst jedoch vordringlich im schnellen Reisezugdienst verwendet, um die Baureihen Ra und F zu ersetzen. Die Farben des Lokkastens waren ursprünglich rot-orange, weiß und dunkelblau mit hellblauem Dach.

Immer wieder wurden an den Lokomotiven Umbauten und Verbesserungen vorgenommen. Am Ende der 1970er Jahre wurden die Bremsen um- und Rangiertritte angebaut. Zudem erhielten die Lokomotiven elektrische Filter, um Störungen an Telekommunikationseinrichtungen durch die Motoren zu verhindern. Das Farbschema wurde geändert, so dass das rote Feld über den Pufferbohlen verschwand und wie der Rest der Lokomotiven unten schwarz wurde. Das gelbe Flügelrad wurde durch die „SJ-Marke“ ersetzt – ein quadratisches Logo mit Streifen auf beiden Seiten, das ein stilisierte Laufrad symbolisiert.

Rc1 1013 verunglückte am 23. November 1974 bei Östansjö, wurde daraufhin ausgemustert und 1977 in Örebro verschrottet.

SJ Rc1R Die größte Umbauaktion fand zwischen 1996 und 2000 statt. Die Lokomotiven bekamen neue Lufteinlässe, die sich über die gesamte Länge der Dachkante erstrecken, wurden mit Funksteuerung für den Rangierbetrieb ausgerüstet und erhielten einen neuen blauen Anstrich. Durch den Funkeinbau (R=radiostyrning) wurden die Lokomotiven intern mit der Bezeichnung Rc1R geführt.

GC Rc1R mini|GC Rc1R 1019 mit Holztransport

Im Rahmen der Privatisierung der Statens Järnvägar zum 1. Januar 2001 wurden die Geschäftsbereiche neu geordnet. Die noch vorhandenen 19 Rc1R wurden Green Cargo zugeordnet, die die Loks vor allem in Hallsberg, Sävenäs und Borlänge im Rangierdienst einsetzten. Sie behielten das blaue Farbschema und erhielten einen roten schrägen Streifen, der das A-Ende (das vordere Ende der Lokomotive) markierte.

Ab 2013 bis Ende 2014 erfolgte die generelle Abstellung der Lokomotiven; sie wurden meist nach Eskilstuna zur Hinterstellung gebracht und sind teilweise bereits verschrottet. Lediglich 1026 hielt sich bis zum Verkauf im Juni 2015 im Einsatzdienst.

Ausmusterungen 1012 brannte 2002 bei Ryggen ab, wurde ausgemustert und 2004 in Örebro verschrottet. 1015, 1017, 1022 und 1025 wurden 2014 in Eskilstuna verschrottet. 1020 brannte bereits 1999 in Hallsberg, wurde jedoch an GC übertragen. Die Ausmusterung erfolgte 2002, die Verschrottung 2004 in Örebro.

Verkäufe 1007 wurde 2014 an Sveriges Järnvägsmuseum in Gävle verkauft und in den Stil um 1978 mit der SJ-Marke zurückversetzt. Mit ihr wurde die 1021 vom Museum erworben, um Ersatzteile zu erhalten. Im Frühjahr 2016 wurde bestimmt, dass die Lokomotive wieder hergerichtet und für interne Transportaufgaben von Trafikverket verwendet werden soll. 1009, 1014 und 1026 wurden 2015 an Tågab verkauft. Die 1009 wurde Ersatzteilspender.

Tågab Rc1 2015 wurden die Lokomotiven 1014 im Mai und 1009 und 1026 im Dezember von Green Cargo als Tågab Rc1 übernommen. 1009 wurde als Ersatzteilspender abgestellt.

SJ Rc2 Die zweite Serie, eine verbesserte Ausführung der Rc1, wurde in einer Auflage von 100 Stück von 1969 bis 1975 ausgeliefert. Sie erhielten die Nummern 1027 bis 1056 und 1067 bis 1136. Die Lokomotiven hatten bei der Lieferung eine orange Farbgebung und wurden im Laufe der 1990er Jahre in das neue blaue Design umlackiert.

Die Lokomotiven wurden wie die Rc1 zur Beförderung aller Zuggattungen eingesetzt.

In den 1990er Jahren wurden 23 Rc2 zu Rc3 umgebaut: 1993: 1056; 1995: 1051–1053, 1055; 1996: 1046–1050, 1054; 1998: 1039, 1040, 1042, 1044, 1045, 1067, 1068, 1070, 1073–1075; 1999: 1041. Damit verbunden war die Erhöhung der Höchstgeschwindigkeit auf 160 km/h.

Bereits ein Jahr später wurde Rc3 1070 wieder in eine Rc2 zurückgebaut.

Rc2 1027 wurde 1997 in Rc2R sowie 1999 in Rc3R umgebaut. Rc2 1039 wurde 1998 in Rc3 und 1999 in Rc3R umgebaut

Ausmusterungen Rc2 1029 entgleiste am 11. November 1971 in Grevie und hatte am 23. Dezember 1972 erneut einen Unfall mit Rc2 1044 in Sävsjö. Dabei wurde ein Mensch getötet. Danach wurde sie ausgemustert und 1973 in Vislanda verschrottet. Rc2 1042 entgleiste am 10. September 1973 in Vikingstad und erlitt einen Totalschaden. Im gleichen Jahr erfolgte die Ausmusterung, 1977 wurde sie in Örebro verschrottet. Rc2 1109 verunglückte am 2. Juni 1980 mit Ma 830 in Hinsnoret, wobei elf Menschen starben. Die Ausmusterung erfolgte 1981, die Verschrottung 1982 in Örebro. Vermietungen die Österreichischen Bundesbahnen liehen 1970 zu Testzwecken die Rc2 1049 aus. Es sollte geprüft werden, ob Thyristorlokomotiven für den Einsatz auf Hochgebirgsstrecken geeignet seien. Die Testfahrten verliefen so erfolgreich, dass sie in eine Bestellung von zehn leicht modifizierten Rc2 mündeten. Diese erhielten in Österreich die Baureihenbezeichnung ÖBB 1043. von 1999 bis 2002 wurde Rc2 1113 an Tågkompaniet als TKAB Rc2 13 sowie Rc2 1117 als TKAB Rc2 14 ausgeliehen.

SJ Rc2R Wie bei der Rc1R wurde ein Teil der Lokomotiven der Serie zwischen 1996 und 2000 mit Funksteuerung für den Rangierbetrieb ausgerüstet. Durch den Funkeinbau (R=radiostyrning) wurden die Lokomotiven intern mit der Bezeichnung Rc2R geführt. Dies betrifft die Lokomotiven Rc2R 1027, 1028 und 1030–1038.

GC Rc2 Im Rahmen der Privatisierung der Statens Järnvägar zum 1. Januar 2001 kamen alle noch vorhandenen Lokomotiven zu Green Cargo. Ab diesem Zeitpunkt wurden sie ausschließlich im Güterverkehr eingesetzt. Dort wurde ein Teil der Maschinen mit dem grünen Anstrich der Gesellschaft versehen.

GC Rc2R Rc2R 1028 und 1030–1038 wurden von SJ in dieser Ausführung übernommen und erhielten die Bezeichnung GC Rc2R 1028 und 1030–1038.

TKAB Rc2 13 und 14 Von 1999 bis 2002 waren Rc2 1113 als TKAB Rc2 13 sowie Rc2 1117 als TKAB Rc2 14 durch die Svenska Tågkompaniet AB ausgeliehen. Nach der Rückgabe an SJ wurden sie an Green Cargo verkauft.

NRFAB Rc2 Die 143.039 wurde 2021 an die Leasing-Gesellschaft Nordic Re-Finance AB (NRFAB) verkauft. Da die 143.039 ursprünglich bei SJ die Rc2 1039 war und erst 1998 zur Rc3 umgebaut wurde, erhielt sie ihre ursprüngliche Baureihenbezeichnung zurück und läuft nun als NRFAB Rc2 1039.

Tågab Rc2 Bei Rc3 1045 und Rc3 1052 wurde 2015/16 die Getriebeübersetzung geändert und die Höchstgeschwindigkeit auf 135 km/h verringert. Nach dem Umbau erhielten sie die Baureihenbezeichnung Tågab Rc2 bei gleichen Betriebsnummern.

SJ Rc3 Die Rc3 sind, abgesehen von der Getriebeübersetzung, mit den Rc2 identisch. Durch diese Übersetzung sind die Rc3 für eine Geschwindigkeit von 160 km/h ausgelegt. Ursprünglich wurden 1970/71 zehn Rc3 für SJ gebaut. Sie waren vor allem für schnelle Reisezüge vorgesehen, beförderten jedoch umlaufbedingt zeitweise Güterzüge. Sie erhielten die Nummern 1057 bis 1066.

Umbauten Diese als originale Rc3 gelieferten Lokomotiven wurden mehrmals umgebaut: Rc3 1057 und Rc3 1058 wurden 1987 zur Rc2, der Rückbau zur Rc3 erfolgte 1988. Rc3 1059 wechselte gleich mehrmals die Baureihenbezeichnung. Sie wurde 1981 zur Rc2, Anfang 1984 zur Rc3 und im Juni 1984 wieder zur Rc2. 1986 erfolgte erneut der Umbau zur Rc3 und wieder zur Rc2. 1988 wurde sie wieder eine Rc3-Lokomotive. Rc3 1064 wurde 1976 eine Rc2, der Rückumbau zur Rc3 erfolgte 1979. Rc3 1065 wurde 1989 eine Rc2, der Rückumbau zur Rc3 erfolgte 1989. Rc3 1066 wurde 1976 eine Rc2, der Rückumbau zur Rc3 erfolgte 1978.

Rc4 1198 wurde 1981 in eine Rc3 umgebaut. Der Rückumbau in eine Rc4 erfolgte 1988. Rc4 1255 wurde im November 1981 in eine Rc3 umgebaut. Der Rückumbau in eine Rc4 erfolgte einen Monat später im Dezember 1981. Die gleichen Umbauten folgten im März 1982, als sie eine Rc3 wurde, die im April 1982 zur Rc4 zurückgebaut wurde.

In den 1990er Jahren wurden 23 Rc2 zu Rc3 umgebaut: 1993: 1056; 1995: 1051–1053, 1055; 1996: 1046–1050, 1054; 1998: 1039, 1040, 1042, 1044, 1045, 1067, 1068, 1070, 1073–1075; 1999: 1041. Damit verbunden war die Erhöhung der Höchstgeschwindigkeit auf 160 km/h.

Verkäufe 2004 erwarb die zum 1. Januar 2001 gegründete Leasing-Gesellschaft Affärsverket Statens Järnvägar die Rc3 1040 und 1041. Sie erhielten die Betriebsnummern SSRT Rc3 1040 und 1041.

Im Jahre 2013 beschlossen SJ, diese Baureihe vollständig zu veräußern. 2014 verkauften sie im Frühjahr acht Lokomotiven an Hector Rail sowie fünf an Tågåkeriet i Bergslagen.

Rc3 1045, 1052, 1062, 1063 und 1066 gingen an Tågåkeriet i Bergslagen AB. Sie erhielten die Baureihenbezeichnung Tågab Rc3 und behielten die gleichen Betriebsnummern.