hochkant=1.2|mini|alt=Links und rechts je 5 Flaggen an Stöcken, hinten an der Wand die aktuelle Dienstflagge der Deutschen Marine, vorne Tafeln mit Erläuterungen zu jeder Flagge|Flaggen deutscher Flotten im Marine-Ehrenmal Laboe Die deutsche Marinegeschichte umfasst die Marinen bzw. Flotten von deutschen Staaten, sowohl Einzelstaaten wie zum Beispiel Preußen als auch Bundesstaaten wie der Bundesrepublik Deutschland. Teil dieser Geschichte sind auch die Pläne und weiteren Versuche, Streitkräfte zur See aufzubauen.
Die heutige Deutsche Marine sieht als ihren Gründungstag den 14. Juni 1848 an, an dem die Frankfurter Nationalversammlung die Aufstellung der Reichsflotte beschloss. Mit der Gründung des Norddeutschen Bundes 1867 beginnt die Geschichte des heutigen deutschen Staates sowie seiner Marineorganisation. In der Nachkriegszeit in Deutschland war das Land einige Jahre lang ohne Marine.
Aufgabe einer deutschen Marine ist normalerweise die Verteidigung der deutschen Küsten und eventuell von Gewässern, die relevant für die deutsche Sicherheit und Wirtschaft sind. Deutschland hat in seiner Marinegeschichte nur wenige Versuche unternommen, als Seemacht mit weiter gehenden Ambitionen aufzutreten. Das bekannteste Vorhaben war der Aufbau der Hochseeflotte unter Kaiser Wilhelm II. vor dem Ersten Weltkrieg, während der ähnlich ambitionierte Z-Plan der Kriegsmarine wegen des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs nur in geringem Umfang realisiert wurde und deshalb weniger bekannt ist.
Heiliges Römisches Reich mini|Darstellung der Seeschlacht von Giglio in der Nuova Chronica des Giovanni Villani aus dem 14. Jahrhundert: Die kaiserliche Flotte führt den Reichsadler auf Wappenschilden und Marineflaggen.
Bereits seit Karl dem Großen hat sich das Reich gegen Bedrohungen seiner Küsten wehren müssen. Zur Abwehr von Friesen, Normannen und Mauren wurden immer wieder Kriegsschiffe ausgerüstet. Im 11. bis 13. Jahrhundert nahmen Schiffe, die von der Nordsee und ihren Zuflüssen stammten, an den Kreuzzügen teil.John B. Hattendorf: Deutschland und die See: Historische Wurzeln deutscher Seestreitkräfte bis 1815. In: Werner Rahn (Hrsg.): Deutsche Marinen im Wandel. Vom Symbol nationaler Einheit zum Instrument internationaler Sicherheit. ISBN 3-486-57674-7, S. 17 ff.
Kaiser Friedrich II. ließ ab 1215 eine schlagkräftige Mittelmeerflotte aufbauen und ernannte den Genuesen Guilelmus (Wilhelm) Porcus zum Reichsadmiral.Köhlers Flottenkalender, 1968, 56. Jg., Wilhelm Köhler Verlag. Minden/Westf. In der Seeschlacht von Giglio besiegte Friedrichs Flotte am 3. Mai 1241 die der Seerepublik Genua. Mit der Orientierung nach Süden begann das Interesse des Reichs an einer Flotte im Nord- und Ostseeraum zu schwinden.
Hanse
mini|Kraweel Lisa von Lübeck, Nachbau eines typischen Hanseschiffes
Den ersten bedeutenden Auftritt einer deutschen Seemacht unternahmen die Städte der Hanse, ein Zusammenschluss von Handelsstädten. Sie bewaffneten ihre Handelsschiffe, rüsteten diese in Kriegszeiten zu Kriegsschiffen um und wurden wie beispielsweise Lübeck zu einer politischen und militärischen Macht in Nordeuropa. Die Hanse führte auf ihren Schiffen seit dem 12. Jahrhundert so genannte rote Flüger im Mast als Zeichen der kaiserlichen Macht.Elmer B. Potter, Chester W. Nimitz, Jürgen Rohwer: Seemacht. München 1974, S. 16.
Der Seekrieg wurde zumeist als Kaperkrieg geführt, daneben waren Seeblockaden üblich. Angesichts ihrer Überlegenheit zur See konnte die Hanse auch an Land schnell militärische Schwerpunkte bilden, indem sie mit ihren Schiffen Soldaten in den Einsatz beförderte. Den Typus des späteren Marinesoldaten gab es zu dieser Zeit noch nicht, die Besatzungsangehörigen waren Seeleute und Soldaten zugleich, die Kapitäne zudem noch Kaufleute. Im 16. Jahrhundert verfiel die Macht der Hanse.
Kaiserliche Flotten im 15. bis 17. Jahrhundert Die Streitkräfte des Reiches bestanden aus den Truppenkontingenten der Gliedstaaten. Die Reichsheeresverfassung kannte Wehrkreise, die bestimmte Regimenter zu stellen hatten. Sie regelte nur die Aufstellung der Landstreitkräfte, eine Regelung für die Seestreitkräfte bestand nicht. Es bürgerte sich ein, nur die habsburgisch-österreichischen Truppen als kaiserliche Truppen zu bezeichnen. Eine kaiserliche Marine gab es deshalb nur insofern, als es immer wieder habsburgische Flotten gab, die die kaiserliche Flagge führten. So wurden ab 1528 in Triest Schiffe unter der Flagge des Kaisers ausgerüstet, die in den verschiedenen Auseinandersetzungen mit den Türken und Venezianern zum Einsatz kamen.
Flottenprojekte im 15. und 16. Jahrhundert
Darüber hinaus gab es einige Versuche, echte Reichsflotten aufzustellen. So bestand ab 1487 in Antwerpen für einige Jahre eine Reichsadmiralität, deren Tätigkeit sich allerdings auf die örtliche Bekämpfung der Piraterie beschränkte.Franz Hermann Huberti: Deutsche Flottenpolitik in der Wende des Mittelalters zur Neuzeit. Rezension zu Karl R. H. Frick: Vergessene Flotten – Flotten und Flottenbaupläne im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation vom 15. Jahrhundert bis 1632. In: Marineforum. Nr. 4, 1991, S. 121.
Spätere Planungen wurden nicht realisiert. Dazu gehörten Versuche, die Schiffe des niedersächsischen, des niederrheinisch-westfälischen und des burgundischen Reichskreises 1571 im Kampf gegen die niederländischen Wassergeusen zusammenzufassen, oder der Plan der ostfriesischen Grafen, sich zum Reichsadmiral machen zu lassen. Auch preußisch-brandenburgische Flotteninitiativen waren nur von kurzer Dauer und standen zudem teilweise unter dem Einfluss polnischer Lehenshoheit.
Einige Seefahrer führten die kaiserliche Flagge, um von deren hohem Ansehen zu profitieren, so zum Beispiel Ferdinand Magellans Schiffe bei der Weltumsegelung 1519.Elmer B. Potter, Chester W. Nimitz, Jürgen Rohwer: Seemacht. München 1974, S. 28. Die Besatzungen der mit diversen Unterbrechungen bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts existierenden Triester Flotten waren meist Italiener. Eine wirkliche deutsche Marinetradition entstand nicht.
Wallensteins kaiserliche Flotte hochkant|mini|Albrecht von Wallenstein, kaiserlicher „Admiral der Nord- und Ostsee“ im Dreißigjährigen Krieg
Im Dreißigjährigen Krieg gab es für kurze Zeit eine kaiserliche Flotte in der Ostsee. Nach der kaiserlich-katholischen Besetzung Norddeutschlands wurde das Herzogtum Mecklenburg Wallenstein als Entschädigung für seine finanziellen Auslagen für den Kaiser zugesprochen. Damit fiel auch Wismar in die Hand der Kaiserlichen. Um den dänischen König in diesem als niederdeutsch-dänischen Krieg genannten Teil des Dreißigjährigen Krieges besiegen zu können, sollten die dänischen Inseln erobert werden. Daran hatten auch die Könige von Spanien und Polen und die Statthalterin der spanischen Niederlande ein großes Interesse. Deshalb hatte 1627 Kaiser Ferdinand II. Wallenstein zusammen mit dem Titel „General des Ozeanischen und Baltischen Meeres“ den Auftrag gegeben, eine Flotte aufzubauen, um den Protestanten in der Ostsee entgegenzutreten. Zum Führer dieser Flotte wurde Philipp von Mansfeld ernannt. Neben dem direkten Gegner König Christian IV. von Dänemark sollten besonders die Handelsverbindungen der Niederländer in die Ostsee unterbrochen werden. Der Schiffsbestand setzte sich aus requirierten und gekauften Schiffen aus Wismar und Mecklenburg, neu gebauten Kleinfahrzeugen und ab 1629 auch aus übergebenen polnisch-danziger Schiffen zusammen. Nachdem Wallenstein seine dänischen Pläne bereits im Frühjahr 1628 aufgeben musste, wurden die Schiffe unter Admiral Gabriel de Roy zu Kaperungen in die Ostsee entsandt. Sicherlich spielten auch finanzielle Engpässe eine Rolle. Nachdem erst dänische und später schwedische Einheiten den Hafen von Wismar blockierten und ein Fahrzeug nach dem anderen eroberten, verringerte sich der Aktionsradius auf die Nähe Wismars. Mit der Eroberung der Stadt wurden die Einheiten entweder verkauft, zerstört oder in die schwedische Flotte übernommen. Einzelne Schiffe desertierten auch vorher schon und liefen zum schwedischen Feind über, da die kaiserliche Seite nicht oder zu wenig zahlte. Nachgewiesen für diese Flotte sind das Flaggschiff König David (polnisch: Król Dawid), eine 40-Kanonen-Galeone, und die Galeone Meermann (polnisch Wodnik).Dieter Flohr: Die vergessene Flotte – Wallensteins Schiffe in Wismar (1628–1632). In: Marineforum. Nr. 7/8, 1999, S. 35f.
Die Folgen des Dreißigjährigen Krieges
Das Ende dieses Krieges 1648 bedeutete für Deutschland einen weitgehenden Verlust seines Zugangs zur See. Die Niederlande wurden unabhängig, und viele Häfen an Nord- und Ostsee kamen unter dänische oder schwedische Herrschaft. Damit endeten für genau 200 Jahre alle Versuche einer einheitlichen deutschen Marine. Es entwickelte sich keine deutsche Marinekontinuität, wie man sie in anderen Ländern findet, was hauptsächlich an der mangelnden kaiserlichen Zentralgewalt lag.
Flotten deutscher Teilstaaten hochkant|mini|Hamburgische Admiralitätsflagge hochkant|mini|Das hamburgische Konvoischiff Wapen von Hamburg von 1722
Nicht nur zu Lande, sondern auch auf dem Wasser festigten die deutschen Teilstaaten und Städte ihre Macht durch den Unterhalt eigener Streitkräfte. Sie waren nicht gegen den Zentralstaat gerichtet, sondern wegen dessen Schwäche notwendig, um sich zu verteidigen.
Hansestädte
Einige Hansestädte unterhielten noch lange nach dem Ende der Hanse eigene Kriegsschiffe. Hamburg, dessen Schifffahrtsbehörden noch heute die alte Hamburger Admiralitätsflagge führen, tat dies zum Beispiel bis 1747. Die Kriegsschiffe wurden im Rahmen der Konvoischifffahrt zum Schutz des Seehandels gegen die Piraterie eingesetzt. Später wurden diese Flotten immer mehr vernachlässigt und im 18. Jahrhundert schließlich aufgegeben.
Herzogtum Preußen
Aufgrund der Grafenfehde schuf Herzog Albrecht von Preußen eine Flotte, die nach einer Ausgabenrechnung für die Jahre 1534/35 folgende Schiffe umfasste:
Herkules (andere Schreibweise Erkles), Admiralsschiff, 160 (Kriegs)Knechte und 106 Bootsleute, Admiral Johann Pein Auer, 100 Knechte und 70 Bootsleute, Hauptmann Reinhold Sachs Narr, 110 Knechte und 80 Bootsleute, Hauptmann Endres Ruf Eule, 80 Knechte und 70 Bootsleute, Hauptmann Fris Melusine, 30 Knechte und 30 Bootsleute, Hauptmann Urkul Leu (andere Schreibweise Lawichen), 25 Knechte und 20 Bootsleute, Hauptmann Kamenick Sperber, 20 Bootsleute, Schiffer Peter (in einer Person Hauptmann und Steuermann).Forstreuter, S. 93.
Die Flotte wurde 1535/36 vor Gotland, Ösel und Kopenhagen im Verband mit den verbündeten Schweden und Dänen unter dem Oberkommando des dänischen Admirals Peder Skram eingesetzt. Als Skram am 13. November 1535 in einer Seeschlacht vor der Insel Amager südlich von Kopenhagen verwundet wurde, übernahm kurzfristig Johann Pein das Oberkommando. Zeitweise traten 1535 einzelne Schiffe der Flotte als Kaper auf. Die Schiffstypen sind weitgehend unbekannt; für die Herkules ist die Bezeichnung Kraffel überliefert, für zwei namentlich nicht identifizierte Schiffe der Typ Holk. Nach Forstreuter vermoderte die Flotte bereits ab 1537 in preußischen Häfen. 1544 sind einzelne Schiffe noch nachweisbar, um 1555 hatte sie sich „aufgelöst“.Forstreuter, S. 100.
Brandenburg und Preußen
mini|Schiffe der Kurbrandenburgischen Marine 1684