Kirchheim am Ries ist eine Gemeinde in Baden-Württemberg und gehört zum Ostalbkreis.
Geographie Geographische Lage Kirchheim am Ries liegt am Rande der östlichen Schwäbischen Alb, am Westrand des Nördlinger Rieses im Geopark Ries, am Fuße des Blasienbergs.
Nachbargemeinden Die Gemeinde grenzt im Norden an Unterschneidheim, im Osten an Wallerstein im bayrischen Landkreis Donau-Ries, im Südosten an Riesbürg und im Süden und Westen an die Stadt Bopfingen.
Gemeindegliederung Zur Gemeinde Kirchheim am Ries mit den ehemals selbstständigen Gemeinden Benzenzimmern und Dirgenheim gehören neun Dörfer, Weiler und Höfe. Zur ehemaligen Gemeinde Benzenzimmern gehört das Dorf Benzenzimmern. Zur ehemaligen Gemeinde Dirgenheim gehören das Dorf Dirgenheim und das Gehöft Kreuthof sowie die abgegangenen Ortschaften Stolzenberg und die „Burg des Ortsadels“, die wahrscheinlich innerhalb Dirgenheims lag. Zur Gemeinde Kirchheim am Ries im Gebietsstand vom 31. Dezember 1971 gehören das Dorf Kirchheim am Ries, die Weiler Jagstheim und Osterholz und die Höfe Heerhof, Kalkofen und Weihermühle sowie die abgegangenen Ortschaften Goldbach und Ziegelhütte.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1, S. 691–694
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Kirchheim am Ries.
Geschichte mini|Das Kloster dominiert die Dorfansicht von Kirchheim
Frühe Geschichte Am Westrand des Ortes liegt ein alamannisches Gräberfeld. Es besteht nach den Grabungsergebnissen von 1962 bis 1964 aus einem großen Haupt- und einem kleineren Nebenfriedhof sowie aus einem deutlich abgesetzten Adelsbestattungsplatz. Es wurden 518 Gräber mit wenigstens 570 Bestatteten festgestellt. Während auf dem Hauptgräberfeld die Toten in der Regel in einfachen Erdgräbern beigesetzt wurden, fanden sich im Adelsfriedhof auch große Holzkammern. Der Friedhof wurde seit der Mitte des 6. bis ins 8. Jahrhundert belegt.
Die Dame von Kirchheim/Ries Gegen Ende des 7.Jahrhunderts entstand der Separatfriedhof, wobei die Mehrzahl dieser ursprünglich prunkvollen Gräber bereits früh beraubt worden sind. Von besonderer Bedeutung ist das Grab der Dame von Kirchheim (Grab 326), welches durch seine besonders prunkvolle Ausstattung heraussticht.
mini|Dame von Kirchheim im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart Das Skelett war gut erhalten. Die Dame hatte 131 Perlen bei sich, welche im Brust- und Rippenbereich gefunden wurden. Das Material der Perlen ist sehr vielfältig (Amethyst, Glas, Gold, Silber). Zwischen den Perlen fand sich ein Lagerstein (weiß/blau) welcher in Goldblech gefasst wurde. Auch fand sich römische Gemmen. Auf der einen ist ein Satyr dargestellt auf der anderen ist eine Figur zu sehen, welche Flügel hat und einen Helm auf dem Kopf hat. In den Händen hält die Figur ein Steuerruder und Ähren. Darüber hinaus fanden sich folgende Beigaben: eine Goldscheibenfiebel, bronzene Drahtorhrringe, ein Armring aus Silber, ein goldener Fingerring in welchen ein Amethist eingearbeitet ist, 3 Bronzenadeln, ein Gürtel, ein Silbergehänge, eine Kugelkapsel aus Silber, eine Wadenbindengarnitur aus Bronze, eine Silberne Schuhgarnitur, ein Bronzebeschlag, eine Eisenschnalle, 2 Fragmente Eisenglieder, ein Messer aus Eisen, ein Kamm aus Bein mit Futteral, 3 Riemenzungen, eine große Riemenzunge, Riemenzungen aus Silber, ein Messingbeschlag, eine Zierscheibe, ein Steckriegel aus Eisen, eine fragmentierte Schere, ein Spinnwirtel aus Ton, Fragmente von Bronzedraht, stark korrodierte Eisenfragmente, ein bandförmiges Eisenstück, ein Eisenring, eine Nähnadel aus Bronze und ein Tummler aus grünem Glas.Christiane Neuffer-Müller: Der alamannische Adelsbestattungsplatz und die Reihengräberfriedhöfe von Kirchheim am Ries (Ostalbkreis), S. 172 f.Eduard M. Neuffer, Die Ausgrabungen in den alamannischen Reihengräberfriedhöfen von Bopfingen und Kirchheim/Ries In: Ellwanger Jahrbuch Band XXXIII (1969–1970), S. 53–58 Neuffer zufolge dürfte das Grab der Dame von Kirchheim – vergleichbar mit den organischen Funden in Zöbingen ebenfalls im Ostalbkreis – zusätzlich einen wesentlich umfangreicheren Bestand an organischem Material besessen habenEduard M. Neuffer, Die Ausgrabungen in den alamannischen Reihengräberfriedhöfen von Bopfingen und Kirchheim/Ries In: Ellwanger Jahrbuch Band XXXIII (1969–1970), S. 53 f.: „Hier wird man aber sicherlich noch weitere Beigaben vermuten dürfen, wie sie in Oberflacht und Zöbingen erwähnt sind. Daß wir sie nicht mehr finden können, liegt nur daran, daß in Kirchheim die Erhaltungsbedingungen für organisches Material so ungünstig wie nur möglich sind. Alle solchen Gegenstände sind vergangen.Eduard M. Neuffer, Die Ausgrabungen in den alamannischen Reihengräberfriedhöfen von Bopfingen und und Kirchheim/Ries In: Ellwanger Jahrbuch Band XXXIII (1969-1970), S. 54 “
Auf dem Gelände des Gräberfeldes befindet sich heute die Alemannenschule. Am Schulgebäude und bei der Straße sind Informationstafeln zum Gräberfeld angebracht. Von 16. Juli 2004 bis 9. Januar 2005 zeigte das Alamannenmuseum Ellwangen die Sonderausstellung: „Die Dame von Kirchheim/Ries‘ – Gewand und Schmuck der alamannischen Frauhttps://www.obib.de/Links/Alamannen/ellwangen.html (25.09.2026; 13:15)“.
Mittelalter Graf Ludwig von Öttingen gründete am Ort 1267 das Kloster Mariä Himmelfahrt.
Neuzeit 1552 setzte der protestantische Graf Ludwig von Öttingen-Öttingen im Passauer Vertrag durch, dass das Dorf Kirchheim evangelisch wurde, wogegen das Kloster katholisch bleiben durfte. 1731 übernahm der katholische Graf Josef Anton Karl von Öttingen-Wallerstein die Vogtei, so dass das Kloster die Dorfbewohner in der folgenden Zeit zum größten Teil wieder zum Katholizismus bekehren konnte.
1802 fielen Kloster und Dorf im Zuge der Säkularisation unter die Herrschaft des noch minderjährigen Fürsten Ludwig von Öttingen-Wallerstein. 1805 wurde das Kloster aufgelöst. 1806 kam Kirchheim an das Königreich Bayern und auf Grund des Grenzvertrags von 1810 an das Königreich Württemberg. Kirchheim wurde dem württembergischen Oberamt Neresheim unterstellt. Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Kirchheim 1938 zum Landkreis Aalen. 1945 geriet der Ort in die Amerikanische Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging. 1973 erfolgte die Kreisreform in Baden-Württemberg, bei der Kirchheim zum Ostalbkreis kam.
Eingemeindungen 40px|Wappen Benzenzimmern Am 1. Januar 1972 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Benzenzimmern eingemeindet.
40px|Wappen Dirgenheim Am 1. Januar 1973 kam die bis dahin selbständige Gemeinde Dirgenheim hinzu.
Religion Die katholische Kirchengemeinde St. Maria in Kirchheim gehört zur Seelsorgeeinheit Ries des Dekanats Ostalb der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Als Pfarrkirche am Ort dient den Katholiken die ehemalige Klosterkirche Mariä Himmelfahrt. Die evangelische Kirchengemeinde am Ries ist dem Kirchenbezirk Aalen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg zugeordnet.
Politik Bürgermeister Im Dezember 2021 wurde der parteilose Danyel Atalay zum Bürgermeister gewählt und löste damit den langjährigen Bürgermeister Willi Feige (CDU) ab.staatsanzeiger.de
Gemeinderat Nach der Wahl 2014 hat der Gemeinderat 14 Mitglieder.kirchheim-am-ries.de Verwaltungsgemeinschaft Die Gemeinde ist Mitglied der Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft der Stadt Bopfingen.
Wappen
Banner 60px Banner: „Das Banner ist weiß-rot gespalten mit dem aufgelegten Wappen oberhalb der Mitte.“
Partnerschaften Kirchheim am Ries unterhält partnerschaftliche Beziehungen zur Gemeinde Solarolo in der Emilia-Romagna in Italien.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Das ehemalige Kloster Theater Alle drei Jahre finden im Ortsteil Dirgenheim Passionsspiele in der St. Georgskirche statt.
Bauwerke Kapelle St. Martin Ein auf dem Kopf stehender römischer Opferstein dient als Altar. Zisterzienserinnenkloster Mariä Himmelfahrt in Kirchheim am Ries Wallfahrtskapelle Jagstheim
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Durch die beiden Orte Dirgenheim und Benzenzimmern verläuft die Landesstraße L 1060, welche von der bayerischen Landesgrenze bis nach Ellwangen führt.
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Gemeinde Georg Adam Michel (* 23. September 1708 in Benzenzimmern; † 21. März 1780 in Oettingen), Generalsuperintendent in Oettingen Matthias Jakob Adam Steiner (* 1740 in Kirchheim am Ries; † 13. Dezember 1796 in Augsburg), lutherischer Theologe Viktor von Sandberger (* 10. April 1835 in Benzenzimmern; † 12. Mai 1912 in Stuttgart), Theologe, Präsident des Konsistoriums der Evangelischen Landeskirche in Württemberg Theodor Waßer (* 23. Mai 1875 in Kirchheim am Ries; † 23. Juli 1952 in Gelsenkirchen), Architekt, Vertreter des Backstein-Expressionismus Anton Stark (* 23. August 1929 in Dirgenheim; † 10. Februar 2018), Jurist und Politiker (CDU), Mitglied des Bundestages Dietrich Bundschuh (* 26. Januar 1930 in Dirgenheim; † 22. Juli 2022 in Karlsruhe), Jurist, Richter am Bundesgerichtshof Heinrich Hiesinger (* 25. Mai 1960 in Bopfingen), Industriemanager und Vorstandsvorsitzender der thyssenkrupp AG
Literatur U. Knapp: Klosterkirche Mariae Himmelfahrt in Kirchheim, Ries. Beobachtungen zur Baugeschichte. In: Rieser Kulturtage, 10, 1995, S. 430–477 Ch. Neuffer-Müller: Der alamannische Adelsbestattungsplatz und die Reihengräberfriedhöfe von Kirchheim am Ries (= Forsch. u. Ber. Vor- u. Frühgesch. Bad.-Württ., 15). Stuttgart 1983
Dr. Eduard M. Neuffer: Die Ausgrabungen in den alamannischen Reihengräberfeldern von Bopfingen und Kirchheim/Ries In: Geschichts und Altertumsverein Ellwangen (Hrsg.), Ellwanger Jahrbuch. Ein Volksbuch für die Heimatpflege in Virngrund und Ries XXIII (1969–1970), 1971, Schwabenverlag Ellwangen, S. 31–60
Weblinks
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Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Ostalbkreis Kategorie:Gräberfeld in Baden-Württemberg
Kategorie:Ort auf der Schwäbischen Alb Kategorie:Archäologischer Fundplatz im Ostalbkreis