Die Matthäus-Passion (SWV 479), Originaltitel Historia des Leidens und Sterbens unseres Herrn und Heiland Jesu Christi nach dem Evangelisten Matthäus (Kapitel 26 und 27), ist ein geistliches Chorwerk von Heinrich Schütz. Es wurde im Jahre 1666 geschrieben, als Schütz auch die Johannes-Passion komponierte, und steht in g-Dorisch. Als Passion vertont das Werk den biblischen Passionstext und stellt in diesem Genre einen frühen Höhepunkt dar, wie Kurt Gudewill im Vorwort der Gesamtausgabe feststellt: „In den Historien von Heinrich Schütz kulminiert die Entwicklung der ausschließlich auf das Bibelwort gegründeten Passion; auf lange Zeit hinaus war sie abgeschlossen.“

Besetzung Die Besetzung (Gemischter Chor/SATB) ist, anders als in den berühmten Passionen Bachs, rein vokal. Folgende Rollen treten in dem Werk auf:Matthäus-Passion nach der Gesamtausgabe: Heinrich Schütz, Neue Ausgabe sämtlicher Werke, Bd. 2, hrsg. v. Bruno Grusnick, Kassel 1957:

Rolle Stimmlage Textbeispiele aus der Matthäus-Passion von Heinrich SchützChristusBassNehmet, esset, das ist mein Leib!EvangelistTenorDa antwortete Judas, der ihn verrietJudasAltusBin ichs, Rabbi?CaiphasBassAntwortest du nichts zu dem, was diese wider dich zeugen?PetrusTenorIch kenne des Menschen nicht!Ancilla I (Magd I)SopranUnd du, du warest auch mit dem Jesus aus Galiläa!Ancilla II (Magd II)SopranDieser war auch mit Jesus aus Nazareth!PilatusTenorBist du der Juden König?Pilati WeibAltusHabe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten.Zweene falsche ZeugenTenor I und II gemeinsamEr hat gesaget: Ich kann den Tempel Gottes abbrechen ...

Der Chor ist meist vierstimmig besetzt mit Diskant, Alt, Tenor und Bass. Wenn aber die Hohenpriester im Vordergrund stehen, wechselt Schütz schon einmal in die dunklere Besetzung Alt – Tenor – Tenor – Bass. „Dunkle“ Szenen werden also effektvoll durch einen tieferen und dunkler klingenden Chorklang verstärktOtto Brodde, Heinrich Schütz. Weg und Werk, Kassel 1979, 2. Aufl., S. 266, ISBN 3761801599.

Aufführung und liturgischer Ort Uraufführung 1666 Die Matthäuspassion hatte im Gottesdienst der Dresdener Schlosskirche ihren festen Platz. Sie wurde also für liturgischen Gebrauch geschaffen. Musikinstrumente durften während der Passionszeit wie vielerorts auch in Dresden in der Kirche nicht verwendet werdenHans Eppstein, Heinrich Schütz, Neuhausen-Stuttgart 1975, S. 150, ISBN 377510190X . Selbst der Generalbass ist bei der Matthäuspassion von Schütz ausgeschlossen. Die Passion war ursprünglich für den Sonntag Judica bestimmt, den 5. Sonntag der Passionszeit.Einleitung von Kurt Gudewill in der Gesamtausgabe: Heinrich Schütz, Neue Ausgabe sämtlicher Werke, Bd. 2, hrsg. v. Bruno Grusnick, Kassel 1957, ohne Seitenzahl

Eigenheiten Wenn Heinrich Schütz das Werk in g-Dorisch schreibt und damit den althergebrachten f-Modus als Passionston verlässt, bricht er eine Tradition, die er in seiner Lukas-Passion noch aufrechterhalten hatte.

Otto Brodde interpretiert dies so: „Der Evangelist Matthäus stellt Christus als den Schöpfer der neuen Gemeinde dar, eine grundlegende und darum für den Christen allgemeinverbindliche Aussage. Um solche grundlegende Allgemeinverbindlichkeit zu symbolisieren, nimmt Schütz die universelle Tonartengruppe, die in der Gabrieli-Schule die Mitte aller möglichen Affektlagen zeichenhaft symbolisiert“Otto Brodde, Heinrich Schütz. Weg und Werk, Kassel 1979, 2. Aufl., S. 263; auch Siegfried Schmalzriedt, Heinrich Schütz und andere zeitgenössische Musiker in der Lehre Giovanni Gabrielis. Studien zu ihren Madrigalen, Dissertation Tübingen 1969, Neuhausen Stuttgart 1972, S. 81 f.

Schütz hat der Passion neben dem üblichen Introitus „Das Leiden uns’res Herren Jesus Christus, wie es beschreibet der heilige Evangeliste Matthäus“ einen etwa zweieinhalb Minuten dauernden Schlusschor „Ehre sei dir, Christe“ hinzugefügt.

Wiederentdeckung Das Werk wurde über 200 Jahre lang nicht aufgeführt und erst zu Beginn der 1880er Jahre auf Anregung Friedrich Spittas durch Arnold Mendelssohn in Bonn wiederaufgeführt. In der Originalfassung, also a cappella, wurde diese Passion 1929 auf dem zweiten Heinrich-Schütz-Fest in Celle erstmals wieder zu Gehör gebrachtFritz Schmidts Vorwort von 1929, abgedruckt in der Matthäus-Passion nach der Gesamtausgabe: Heinrich Schütz, Neue Ausgabe sämtlicher Werke, Bd. 2, hrsg. v. Bruno Grusnick, Kassel 1957, S. 107.

Quelle Als Quelle gilt die kalligraphisch ansprechende Handschrift von Johann Zacharias GrundigFritz Schmidts Vorwort von 1929, abgedruckt in der Matthäus-Passion nach der Gesamtausgabe: Heinrich Schütz, Neue Ausgabe sämtlicher Werke, Bd. 2, hrsg. v. Bruno Grusnick, Kassel 1957, S. 107.

Literatur Friedrich Spitta: Die Passionen nach den vier Evangelisten von Heinrich Schutz, 1886, Neuauflage: Kessinger Publishing (2010), ISBN 9781168863591

Einzelnachweise

Weblinks Gemeinfreie Noten der Matthäus-Passion in der Choral Public Domain Library (ChoralWiki) (englisch) Markus Bautsch: Matthäus-Passion von Heinrich Schütz (1585 - 1672) (PDF; 40 kB) MendelssohnKammerChor Berlin (online)

Kategorie:Werk von Heinrich Schütz Matthaus Schutz Kategorie:Matthäusevangelium Kategorie:Musik 1666 Kategorie:Chorwerk aus dem 17. Jahrhundert