Die Deutsche Psychoanalytische Vereinigung (DPV) e. V. ist eine Zweig-Gesellschaft der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung. Sie wurde 1950 gegründet und widmet sich seither der Ausbildung und Forschung im Themenfeld der von Sigmund Freud begründeten Psychoanalyse.
Geschichte mini|Ernest Jones, Präsident der IPA, regte die Gründung der Gesellschaft an. Die Deutsche Psychoanalytische Vereinigung wurde am 10. Juni 1950 als Abspaltung von der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (DPG) von Carl Müller-Braunschweig und fünf weiteren Psychoanalytikern (darunter Käthe Draeger, Ingeborg Kath und Gerhart ScheunertErnst Klee: Deutsche Medizin im Dritten Reich. Karrieren vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-10-039310-4, S. 205.) gegründet. Dem ging voraus, dass die DPG, die sich im Jahr 1936 von der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (engl.= "International Psychoanalytic Association", IPA) gelöst hatte, beim Weltkongress der IPA nur als vorläufiges Mitglied wiederaufgenommen wurde.Geschichte der DGP auf der Website der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft, aufgerufen am 17. Februar 2026 Die Anerkennung als IPA-Zweigvereinigung erhielt sie aber nicht. Diese Entscheidung der IPA basierte auf der Rolle der DPG während der Zeit des Dritten Reichs, in der die Gesellschaft dem "Göring-Institut" genannten Deutschen Institut für psychologische Forschung und Psychotherapie (benannt nach Matthias Heinrich Göring) angehört hatte. In der Folge hatte Ernest Jones, Präsident der IPA, Carl Müller-Braunschweig, seinerseits Präsident der DGP, dazu angeregt, eine neue Psychoanalytische Vereinigung zu begründen.Bernd Nitzschke: "Psychoanalyse und Nationalsozialismus: Verbot oder Anpassung? Bruch oder Kontinuität?" in Phase 2. Zeitschrift gegen die Realität, Nr. 41, aufgerufen am 17. Februar 2026 1951 wurde die DPV in Amsterdam von der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPV) einstimmig anstelle der DPG als deutsche Zweig-Gesellschaft der IPA anerkannt.
Ein Jahr nach der Gründung der Deutschen Psychoanalytische Vereinigung entstand in Berlin das Berliner Psychoanalytische Institut, das personalidentisch mit der Gesellschaft war und sich unter Leitung von Carl Müller-Braunschweig um eine Rückbesinnung auf Freud'sche Prinzipien bemühte.Geschichte des Karl-Abraham-Institutes auf der Website des Berliner Psychoanalytisches Instituts (Karl-Abraham-Institut), aufgerufen am 17. Februar 2026 Das BPI war lange Jahre der Mittelpunkt der Ausbildungen der DPV. Es wurde nach dem Gründer Karl Abraham in Karl-Abraham-Institut umbenannt, um an die Tradition des Berliner Instituts vor 1925 anzuknüpfen. 1959 wurde in Frankfurt am Main das Sigmund-Freud-Institut als Ausbildungszentrum der DPV unter Alexander Mitscherlich gegründet. Es wurde unter Mitscherlichs Leitung zum bedeutendsten psychoanalytischen Ausbildungszentrum in Deutschland.Geschichte des Sigmund-Freud-Instituts auf der Website des Sigmund-Freud-Instituts, aufgerufen am 17. Februar 2026 Es folgte der Aufbau von 12 weiteren Ausbildungseinrichtungen.
1977 beantragte die DPV beim internationalen Kongress der IPV, den Kongress von 1981 in Berlin auszurichten. Die Ablehnung dieses Antrags führte zu einem Reflexionsprozess hinsichtlich der Verstrickungen deutscher Analytiker zur Zeit des Nationalsozialismus. 1985 wurde die DPV Gastgeberin des 34. Kongresses der IPV in Hamburg. Eine begleitende Ausstellung zeigte Dokumente zur Psychoanalyse im Dritten Reich und rekonstruierte die Vernichtung psychoanalytischer Einrichtungen und die Ermordung von Psychoanalytikern in der Zeit des Nationalsozialismus und die von Widersprüchen gekennzeichnete Zeit seit ihrer Gründung. Auf dem 42. Internationalen Psychoanalytischen Kongress in Nizza wurde schließlich auch die DPG wieder in die IPA aufgenommen – als "Provisional Society of Council", also als zunächst nur beratendes Mitglied. Im Jahr 2009 erhielt sie auf dem Weltkongress in Chicago den Status als Zweig-Gesellschaft der IPA. Unter dem Thema „Erinnern, Wiederholen und Durcharbeiten in der Psychoanalyse und Kultur heute“ fand 2007 nach 85 Jahren unter großer internationaler Beteiligung der 45. Kongress der IPV wieder in Berlin statt und erlaubte in einzigartiger Weise die psychoanalytische Auseinandersetzung mit den Folgen von Nationalsozialismus und Holocaust."45. Kongress der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung in Berlin", Meldung vom 25. Juli 2007 im Infoportal lifepr.de, aufgerufen am 17. Februar 2026
Vorsitzende 1950–1956 Carl Müller-Braunschweig 1956–1964 Gerhart Scheunert 1964–1968 Horst-Eberhard Richter 1968–1972 Helmut Thomä 1972–1975 Wolfgang Loch 1975–1978 Clemens de Boor 1978–1982 Heinz Henseler 1982–1986 Dieter Ohlmeier 1986–1988 Gottfried Appy 1988–1990 Hermann Beland 1990–1992 Lore Schacht 1992–1994 Carl Nedelmann 1994–1996 Joachim F. Danckwardt 1996–1998 Ekkehard Gattig 1998–2000 Winfrid Trimborn 2000–2002 Werner Bohleber 2002–2004 Georg Bruns 2004–2006 Manfred G. Schmidt 2006–2008 Gertraud Schlesinger-Kipp 2008–2010 Gerhard Schneider 2010–2012 Martin Teising 2012–2014 Christoph E. Walker 2014 Rainer Paul 2014–2017 Gebhard Allert 2017–2019 Maria Johne 2019–2021 Valérie Bouville 2021–2023 Lisa Werthmann-Resch 2023–2025 Thomas Beier seit 2025 Dorothee C. von Tippelskirch-Eissing Ausbildungsinstitute Zurzeit gibt es 14 DPV-Institute in Deutschland.
Berlin 1950: Berliner Psychoanalytisches Institut (BPI) e. V. Karl-Abraham-Institut Hamburg 1959: Psychoanalytische Arbeitsgemeinschaft Hamburg (PAH) e. V. Michael Balint-Institut Hessen 1964: Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie e. V. (IPP) Gießen Baden-Württemberg 1965: Psychoanalytisches Seminar Freiburg (PSF) e. V. Baden-Württemberg 1968: Ulmer Psychoanalytisch-Psychotherapeutisches Institut (UPPI) e. V. Baden-Württemberg 1969: Institut für Psychoanalyse Psychoanalytische Arbeitsgemeinschaft Stuttgart/Tübingen (IfP) e. V. Nordrhein-Westfalen 1970: Psychoanalytische Arbeitsgemeinschaft Köln-Düsseldorf (PSA) e. V. Bayern 1973: Psychoanalytische Arbeitsgemeinschaft München (PAM) e. V. Bremen (seit 1974 in der DPV): Bremer Psychoanalytische Vereinigung (BPV) e. V. Hessen 1977: Alexander-Mitscherlich-Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie Kassel (AMI) e. V. Baden-Württemberg 1990: Psychoanalytisches Institut Heidelberg/Karlsruhe e. V. Hessen 1995: Frankfurter Psychoanalytisches Institut (FPI) e. V. Rheinland-Pfalz 2002: Mainzer Psychoanalytisches Institut (mpi) Sachsen 1990: Sächsisches Institut für Psychoanalyse e. V. (SPP)
Das 1959 gegründete Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt am Main ist seit 1995 eine Stiftung des öffentlichen Rechts, die sich ausschließlich der Forschung widmet. Die Ausbildungsfunktion wurde vom im gleichen Jahr gegründeten Frankfurter Psychoanalytischen Institut übernommen.
Weblinks Offizielle Website der DPV Geschichte der DPV Online-Zeitung der DPV
Fußnoten
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