mini|Mungo Park

Mungo Park (* 11. September 1771 in Foulshiels bei Selkirk, Schottland; † Januar/Februar 1806 bei Bussa, Nigeria) war ein britischer Afrikareisender.

Seine beiden Reisen (1795–1797 und 1805–1806) führten ihn über den Fluss Gambia an den Lauf des Nigers. Bei seiner ersten Reise im Auftrag der African Association geriet er in Gefangenschaft, konnte jedoch mittellos fliehen. Er überlebte nur durch die Hilfe eines Afrikaners. Sein daraufhin veröffentlichter Reisebericht Travels in the Interior of Africa war damals schon ein Bestseller und gilt noch heute als Klassiker. Bei seiner zweiten Reise an den Niger, die durch die britische Regierung finanziert wurde, kam er 1806 ums Leben.

Kindheit, Jugend und Ausbildung Mungo Park wurde höchstwahrscheinlich am 11. September 1771 auf einem Bauernhof in Foulshiels am Fluss Yarrow Water bei Selkirk, Scottish Borders, geboren. Das ist das Datum, wie es im Taufbuch angegeben ist, wenngleich etliche ältere Biographien und Schriften den 10. September als Geburtsdatum nennen.Anthony Sattin: The Gates of Africa: Death, Discovery and the Search for Timbuktu, HarperCollinsPublishers, London 2003, S. 1 Er war das siebte von insgesamt 13 Kindern. Während seiner Kindheit beschrieben seine Mitmenschen ihn vorwiegend als „zurückhaltend“ (Lit: Müller, 1980, S. 22) – eine Einschätzung, die ihm auch später oft zuteilwurde.

Parks Eltern waren als Farmer nicht wohlhabend, hatten jedoch genug Geld, um ihren Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Mungo wurde „strenggläubig“ calvinistisch erzogen, und seine Eltern drängten ihn, Geistlicher zu werden. Dennoch ging er 1785 mit 14 Jahren beim Landarzt Thomas Anderson in Selkirk in die Lehre. Während dieser dreijährigen Ausbildung lernte er dessen Kinder Allison und Alexander kennen. Allison wurde später seine Frau. Alexander wiederum nahm als Parks engster Vertrauter an der zweiten Expedition teil und kam dabei ums Leben.

Im Herbst 1788 zog Park nach Edinburgh, um an der dortigen Universität bis zum Sommer 1792 die Fächer Anatomie und Chirurgie zu studieren. Jedoch faszinierte ihn die Botanik mehr als sein medizinisches Studiengebiet.

Nach Beendigung seines Studiums unternahm Park zusammen mit seinem Schwager James Dickson botanische Wanderungen durch die Schottischen Highlands. Dickson, Autodidakt und anerkannter Fachmann der Botanik, hatte sich als Samenhändler am Covent Garden in London einen Namen gemacht. Er war Mitglied der Linnean Society of London, in welcher auch Sir Joseph Banks, der Präsident der Royal Society und selbst begeisterter Botaniker, verkehrte. Es muss noch 1792 gewesen sein, als Park während eines Besuchs bei seiner Schwester Margaret und seinem Schwager James Dickson mit dem einflussreichen Joseph Banks bekannt wurde.

Auf die Empfehlung von Joseph Banks hin wurde Mungo Park Assistenzarzt an Bord des Ostindienfahrers Worcester, welcher am 5. April 1793 in Portsmouth mit militärischem Geleit für ein Jahr nach Benkulen, Sumatra, aufbrach. Das militärische Geleit war durch den Krieg zwischen Großbritannien und Frankreich notwendig. Nach seiner Rückkehr 1794 präsentierte Park für die Linnean Society einen Vortrag über Acht kleine Fische von der Küste Sumatras,Eight small fishes from the coast of Sumatra, so der Originaltitel von Parks Aufsatz (Anthony Sattin: The Gates of Africa: Death, Discovery and the Search for Timbuktu, HarperCollinsPublishers, London 2003, S. 132) darunter auch unbekannte Arten. Bis zu seinem Tode blieb Park außerordentliches Mitglied dieser Gelehrtengesellschaft (Lit.: Müller, 1980, S. 27).

An Bord der Worcester lernte er auch astronomische Grundkenntnisse und Methoden, um geographische Breite und Länge bestimmen zu können (Lit.: Müller, 1980, S. 30). Dadurch empfahl er sich der African Association als zukünftiger Reisender. Zudem war er Arzt, konnte also notfalls sich selbst und auch andere behandeln, was ihm aus Sicht der Association eventuell den Respekt der Afrikaner einbringen könnte. Als erfahrener Amateur-Botaniker war er in der Lage, Beschreibungen und Skizzen unbekannter Spezies anzufertigen. Darüber hinaus hatte er während der Reise nach Sumatra bewiesen, dass er dem feuchtwarmen Tropenklima gewachsen war.

Seine Beziehungen zu Joseph Banks erwiesen sich nun als Sprungbrett, um über die African Association seinen Hunger nach Ruhm und Abenteuerlust zu stillen. Denn, so Park in einem Brief an seinen Schwager Alexander vor der ersten Reise: „wenn ich Erfolg habe, werde ich mir einen größeren Namen als [ein Mann?] jemals zuvor erwerben!““if I succeed I shall acquire a greater name than any (man?) ever did!” (Lit.: Lupton, 1979, S. 36)

Politischer und geographischer Rahmen Mungo Parks Unternehmungen werden von den Koalitionskriegen eingerahmt. In diesen kämpfte Großbritannien an der Seite unterschiedlicher Bündnispartner vom 1. Februar 1793 mit kleinen Unterbrechungen 22 Jahre lang gegen das republikanische Frankreich. Obwohl Park aus Schottland stammte, verhielt er sich stets loyal zum britischen Königreich. So waren auch seine Briefe nach Selkirk, Nord-Britannien, und nicht Schottland adressiert (Lit.: Müller, 1980, S. 16).

Eine weitere Klammer bildete die Unabhängigkeit der USA von Großbritannien. Großbritannien suchte nun nach neuen Kolonien und Märkten. Der weitestgehend noch unbekannte afrikanische Kontinent wurde bislang nur für das lukrative Sklavengeschäft genutzt und weckte Hoffnungen auf ein zweites Amerika.

mini|Von Rennell erstellte Karte der Meeresströmungen der Ozeane um Afrika (1799), aus seinem Buch The Geographical System of Herodotus. Der Niger fließt hier ostwärts, um im Gebiet der Wangara in einen See zu münden, südlich davon sind die Mountains of the Moon zu sehen.

Allerdings war „die Landkarte seines Innern noch immer nur ein weit ausgedehnter weißer Fleck“, was aus Sicht der African Association „als große Schande für das gegenwärtige Zeitalter betrachtet werden muss.““… the map of its Interior is still but a wide extended blank …” und “… that ignorance must be considered as a degree of reproach upon the present age.” (Lit.: Lupton, 1979, S. 21) Insbesondere was den Niger betraf, waren zu Ende des 18. Jahrhunderts in Europa weder Quelle noch Lauf oder Mündung bekannt. Es gab nur einige vage Theorien, welche sich noch an die Überlieferungen von frühzeitlichen Geographen wie Herodot, Al-Idrisi oder Leo Africanus anlehnten: Man vermutete beispielsweise, beim Niger könne es sich um keinen eigenständigen Fluss, sondern lediglich um einen anderen Namen für den westwärts fließenden Gambia oder Senegal handeln. Oder, sofern das unzutreffend wäre, dass er ostwärts in den Nil oder Kongo übergehe. Eine weitere beliebte Theorie wurde auch von James Rennell vertreten, dem Kartographen der African Association, wonach der Niger östlich von Timbuktu in einen großen Sumpf oder Binnensee münde (Lit.: Sattin, 2003, S. 120; Müller, 1980, S. 235).

mini|Zum Vergleich: Der Niger in seinem tatsächlichen Verlauf.

Die Bestimmung der Lage des Nigers wurde durch dessen ungewöhnliche Sichelform erschwert: Nur 300 km vom Atlantischen Ozean entspringend fließt er in nordöstlicher Richtung landeinwärts, um dann hinter Timbuktu um 90 Grad nach Südosten zu drehen und schließlich in den Golf von Guinea zu münden. Man vermutete zudem, dass sich südlich des Nigers durch ganz Afrika eine Gebirgskette namens Mountains of the Moon bzw. Berge von Kong ziehe, welche der Niger unmöglich passieren könne.

Die erste Reise: Die Ein-Mann-Expedition Im Auftrag der African Association Nachdem Park Anfang 1794 aus Sumatra zurückgekehrt war, bot er seinen Dienst der African Association an, die nach einem Nachfolger für Major Daniel Houghton suchte. Houghton war 1790 ausgesandt worden, um ebenfalls den Verlauf des Niger zu erkunden, aber nach einem Überfall mittellos in der Sahelzone verhungert.siehe Anthony Sattin: The Gates of Africa: Death, Discovery and the Search for Timbuktu, HarperCollinsPublishers, London 2003, ISBN 0-00-712234-9, S. 123

Am 17. April 1794 erhielt Park mit Unterstützung von Joseph Banks die feste Zusage der African Association. Er war nach Simon Lucas, John Ledyard und Daniel Houghton somit der vierte Afrika-Reisende, der von ihrem fünfköpfigen Komitee ausgewählt wurde. Vom 1. August 1794 an sollte er 7½ Schilling pro Tag erhalten, ab seinem Aufbruch vom Gambia ins Landesinnere Afrikas für zwei Jahre das Doppelte. Außerdem wurden 200 Pfund für seine Ausrüstung gewährt. Das war deutlich mehr als die 50 Schilling pro Monat, die er als Hilfsarzt an Bord der Worcester erhalten hatte, allerdings auch nicht übermäßig viel für solch eine gefährliche Reise. Der Grund hierfür war, dass die African Association seine Reise nur über Subskriptionen ihrer Mitglieder finanzieren konnte.

Am 21. April 1794 bekam er die förmlichen Anweisungen seines Auftraggebers, über die er später in seinem Reisebericht sagte:

„Meine Instruktionen waren klar und knapp. Ich wurde beauftragt, nach meiner Ankunft in Afrika zum Niger vorzudringen, entweder über Bambouk oder auf jedem anderen Weg, der sich als der geeignetste erweisen würde. Dass ich die Richtung und wenn möglich Ursprung und Ende dieses Flusses in Erfahrung bringen sollte. Dass ich mir die größte Mühe geben sollte, die wichtigsten Dörfer und Städte in seiner Nachbarschaft, besonders Tombuctoo und Houssa, zu besuchen; und dass es mir danach freistehen sollte, entweder über den Gambia oder auf dem Weg, der mir unter den dann bestehenden Umständen meiner Lage und meiner Aussichten ratsam erscheinen würde, nach Europa zurückzukehren.““My instructions were very plain and concise. I was directed, on my arrival in Africa, ’to pass on to the river Niger, either by way of Bambouk, or by such other route as should be found most convenient. That I should ascertain the course, and, if possible, the rise and termination of that river. That I should use my utmost exertions to visit the principal towns or cities in its neighbourhood, particularly Timbuctoo and Houssa; and that I should be afterwards at liberty to return to Europe, either by the way of the Gambia, or by such other route as, under all the then existing circumstances of my situation and prospects, should appear to me to be most advisable.” (Park: Travels in the Interior of Africa)

Seine Angehörigen waren alles andere als begeistert, „denn sie waren sicher, er werde nie zurückkommen“, so sein Schwager James Dickson.“for they were sure he would never return” (Lit.: Lupton, 1979, S. 19) Auch Park wusste um die Gefahr seiner Reise:

„Sollte ich auf meiner Reise zugrunde gehen, war ich bereit, meine Hoffnungen und Erwartungen mit mir untergehen zu lassen; und sollte es mir gelingen, meinen Landsleuten die Geographie Afrikas vertrauter zu machen und ihrem Ehrgeiz und Fleiß neue Quellen des Wohlstands und neue Handelswege aufzutun, wusste ich, dass ich in den Händen von Ehrenmännern war, die nicht versäumen würden, die Belohnung zu geben, die meine erfolgreichen Dienste in ihren Augen verdienten.““If I should perish in my journey, I was willing that my hopes and expectations should perish with me; and if I should succeed in rendering the geography of Africa more familiar to my countrymen, and in opening to their ambition and industry new sources of wealth and new channels of commerce, I knew that I was in the hands of men of honour, who would not fail to bestow that remuneration which my successful services should appear to them to merit.” (Park: Travels in the Interior of Africa)