mini|Staaten mit mehrheitlich slawisch sprechender Bevölkerung:Die teils anerkannte Unabhängigkeit des Kosovo ist auf dieser Karte nicht berücksichtigt. Kosovo hat eine albanischsprachige Bevölkerungsmehrheit.
Die Slawen sind die nach Bevölkerungszahl größte Gruppe von Ethnien in Europa. Sie bewohnen seit dem 6. Jahrhundert vor allem das östliche Mitteleuropa, Osteuropa und Südosteuropa. Die slawischen Sprachen zählen zur indogermanischen Sprachfamilie.
Siedlungsgebiete Staaten mit slawischen Titularnationen sind:
ostslawische Staaten: Russland, die Ukraine und Belarus. westslawische Staaten: Polen, Tschechien und die Slowakei. südslawische Staaten: Bulgarien, Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien und Herzegowina, Nordmazedonien und Montenegro.
Große slawische Minderheiten (etwa 15 bis 35 % der Bevölkerung) leben in den ehemals zur Sowjetunion gehörigen Staaten Litauen, Lettland, Estland, Kasachstan und Moldau. In Deutschland und Österreich leben, abgesehen von der großen Bevölkerungsgruppe slawischer Zuwanderer, die autochthonen slawischen Volksgruppen der Sorben in der Lausitz, der Kroaten im Burgenland, der Tschechen und Slowaken in Wien sowie der Slowenen in Kärnten und der Steiermark. Im Norden Polens lebt die slawische Minderheit der Kaschuben. Im äußersten Südwesten der Ukraine (→ Karpatenukraine) und in der Slowakei lebt die slawische Minderheit der Russinen.
Sprachen mini|250px|Verbreitung der slawischen Sprachen Die slawischen Sprachen sind eine der Untergruppen der indogermanischen Sprachen und stehen hier den baltischen Sprachen am nächsten, vermutlich über eine (von manchen bestrittene) vorhergehende baltoslawische Zwischenstufe. Man unterscheidet drei Hauptzweige: das Ostslawische, Westslawische und das Südslawische.Brockhaus, Band 20, ISBN 3-7653-3680-7, S. 311.
Die zahlreichen gegenseitigen Entlehnungen zwischen Slawisch und Germanisch kennzeichnen die heute noch bestehende lange Nachbarschaft.
Das nichtindogermanische Ungarisch hat die Namen der meisten Wochentage und einige andere Begriffe aus slawischen Sprachen übernommen.
Ursprünge und Ausbreitung mini|hochkant=1.5|Das Römische Reich unter Hadrian (Regierungszeit 117–138 n. Chr.). Der Siedlungsraum der Venedi lag zu der Zeit zwischen Ostsee und Karpaten mini|hochkant=1.5|Die Ausbreitung der slawischen Sprache im 5. bis 10. Jahrhundert In der lebhaften und noch keineswegs abgeschlossenen Diskussion über den Ursprung der Slawen stehen sich zwei völlig unterschiedliche Forschungsansätze gegenüber. Ausgehend von der Grundannahme, dass die Slawen ein Ursprungsgebiet haben, geht die klassische Auffassung von der Einwanderung einer oder mehrerer homogener „urslawischer“ Gruppen aus, deren Identität und Herkunft sie zu ermitteln sucht („Urheimat“).Dass eine solche überhaupt existierte, bestritt in neuerer Zeit Florin Curta. Er geht davon aus, dass die Byzantiner die neuen Gruppen an ihrer Grenze nur kennzeichnen wollten und sich dort eine eigene Identität erst später entwickelte (Florin Curta: The Making of the Slavs. Cambridge 2001, S. 335ff.). Dabei sollen nach einem älteren Modell homogene Verbände eingewandert sein, während sich nach einer moderneren, modifizierten These die slawischen Völkerschaften erst auf der Wanderung oder am Ankunftsort im Rahmen einer Ethnogenese aus den wandernden Protoslawen gebildet haben. Insbesondere Sprachforscher haben als slawische „Urheimat“ einen Raum nördlich der Karpaten zwischen oberer Weichsel, mittlerem Dnepr und Desna vermutet.
Demgegenüber hat der rumänisch-amerikanische Forscher Florin Curta die umstrittene These aufgestellt, die Slawen als ethnisch-politische Kategorie seien eine oströmisch-frühbyzantinische „Erfindung“ in Form einer Fremdbezeichnung, also einer Kategorisierung von außen, durch die unterschiedliche Gruppen als Einheit gesehen worden seien. Curtas Thesen haben zu einer angeregten Debatte geführt, in der auch lange als sicher geltende Deutungen archäologischer Kulturen als „slawisch“ neu diskutiert werden.
Veneter Plinius der Ältere, Tacitus und Claudius Ptolemäus von Alexandria erwähnen ab dem 1. Jahrhundert in unterschiedlichen Schreibweisen ein Volk der „Veneter“ (Venedi / Venethi / Venadi oder Ouenedai), das östlich der Weichsel beziehungsweise an der Danziger Bucht siedelte. Somit wird es – schon geografisch – auch eindeutig von den Venetern des Alpenraumes unterschieden.
Eine ethnische Kontinuität von Venethi/Venedi und Wenden wird in der modernen Forschung überwiegend bezweifelt.
Die Vorbehalte stützen sich auf das späte Auftreten zweifelsfrei den Slawen zuzuordnender Keramik. Diese sogenannte frühslawische Keramik zeichnet sich jedoch im Wesentlichen durch ihre Einfachheit und Unscheinbarkeit aus. Zwischen den älteren Kulturen derselben Region und der frühslawischen Keramik liegen die Hinterlassenschaften des Gotensturms, und die Getica des Jordanes berichten von der Unterwerfung der verschiedenen Völker durch die Goten.
Sklavenoi Zur Zeit des Kaisers Justinian I. (527–565)Zu dessen Balkanpolitik und den ersten Kontakten mit den Slawen siehe nun ausführlich Alexander Sarantis: Justinian’s Balkan Wars. Campaigning, Diplomacy and Development in Illyricum, Thace and the Northern World A.D. 527–65. Prenton 2016. gerieten Slawen (in griechischen Quellen als Sklavenoi, in lateinischen als Sclaveni bezeichnet) und Anten dann erstmals in das Blickfeld oströmischer Geschichtsschreiber.Christian Lübke: Das östliche Europa. Die Deutschen und das europäische Mittelalter. München 2004, S. 42ff.; Sebastian Brather: Archäologie der westlichen Slawen. Siedlung, Wirtschaft und Gesellschaft im früh- und hochmittelalterlichen Ostmitteleuropa. 2. Auflage Berlin 2008, S. 51f. Zu den frühen Belegen für das Ethnonym „Slawen“ siehe: Günter Weiß: Das Ethnikon Sklabenoi, Sklaboi in den griechischen Quellen bis 1025 (= Glossar zur frühmittelalterlichen Geschichte im östlichen Europa. Beiheft 5). Franz Steiner, Stuttgart 1988, ISBN 3-515-05297-6; Jutta Reisinger, Günter Sowa: Das Ethnikon Sclavi in den lateinischen Quellen bis zum Jahr 900 (= Glossar zur frühmittelalterlichen Geschichte im östlichen Europa. Beiheft 6). Franz Steiner, Stuttgart 1990, ISBN 3-515-05610-6. Dazu gehörten zuerst Cassiodor (auch Cassidor genannt), der eine heute verschollene Gotenchronik im Auftrag Theoderichs schrieb, die Jordanes später in seiner Getica nutzte, und dann Prokopios von Caesarea (auch Prokop genannt), der unter dem oströmischen Feldherrn Belisar gegen die Goten kämpfte. Beide Historiker hatten also Information aus erster Hand.
Nun folgen mehrere Wellen der Justinianischen Pest, die zu allerlei wirtschaftlichen und politischen Verwerfungen führen. Erst danach setzt die Geschichtsschreibung wieder ein und beginnt rückwirkend an die Werke der Antike anzuschließen.
Nach dem Jahr 600 folgen größere Erwähnungen durch frühbyzantinische Chronisten wie Agathias sowie in der folgenden Zeit Menander Protektor und Theophylaktos Simokates. Sie berichten von zahlreichen Sklavenoi und Anten, die aus den Karpaten, der unteren Donau und vom Schwarzen Meer kommend seit der Mitte des 6. Jahrhunderts plündernd in die Donauprovinzen des Oströmischen Reiches eingefallen seien.
Prokopios beschrieb, dass die Anten und Sklavenoi seiner Zeit in fast allen Dingen gleich seien, gleiche Bräuche gehabt und dieselbe Sprache gesprochen hätten.
Jordanes schrieb um 550 in seinem Hauptwerk Getica, Sclaveni, Antes und Venethi seien verschiedene Bezeichnungen für dieselbe Gruppe. Dabei bezieht er sich auf Cassiodor. Ihm zufolge siedelten zu seinen Lebzeiten die Sclaveni zwischen Weichsel und Donau und die Anten zwischen Dnister und Don.Jordanes: Getica 34f., Karte bei Sebastian Brather: Archäologie der westlichen Slawen. Siedlung, Wirtschaft und Gesellschaft im früh- und hochmittelalterlichen Ostmitteleuropa. 2. Auflage Berlin 2008, S. 53. Laut Cassidor seien die Sclaveni wie auch die Anten und Veneter einst von den Goten unterworfen worden, als diese noch am Schwarzen Meer lebten. In der modernen Forschung ist umstritten, ob die Anten slawischer Identität waren; andere Hypothesen gehen unter anderem von einer skythischen (iranischen) Herkunft aus.Antae. In: Oxford Dictionary of Byzantium. Bd. 1, New York / Oxford 1991, S. 108f.
Die Sklavenoi rückten dabei auch in den Bereichen vor, die im Verlauf der sogenannten Völkerwanderung von germanischen Gruppen geräumt worden waren.Zu diesem Prozess siehe Walter Pohl: Die Völkerwanderung. 2. Auflage. Stuttgart u. a. 2005, S. 206–212.
Das Strategikon des Maurikios stellt Sklavenoi als fähige Schwimmer und Taucher dar, die in Sümpfen und im Gebirge zu Fuß als Guerilla kämpften und Bogenschützen und Speerwerfer stellten.
Arabische Quellen Unter arabischen Autoren des Mittelalters ist besonders Ibrahim ibn Yaqub bedeutend, der im 10. Jahrhundert die Mecklenburg, den Sitz der Stammeskönige des westslawischen Stammesverbandes der Abodriten besuchte und beschrieb, wobei er auch deren Herrscher Nakon namentlich erwähnte. Daneben bereiste und beschrieb er ausführlich Prag, das Zentrum des entstehenden Herzogtums Böhmen. Die Stadt Prag erwähnte er wie auch Krakau als erster Autor überhaupt. Er belegt auch als früheste Quelle das entstehende polnische Staatswesen unter Herzog Mieszko I., der namentlich auftaucht. Daneben erwähnte er das Zentrum der Heveller, die Brandenburg, sowie die Sorben, die Rus, die Prußen, die Mährer, die slawisierten Donaubulgaren, die Guduscani und die Dudleben, wobei er einen Herrscher nennt, der oft mit Wenzel dem Heiligen von Böhmen identifiziert wird. An anderer Stelle nennt er dessen Bruder Boleslav I. von Böhmen. Ein weiterer Reisender in arabischer Sprache war Ahmad ibn Rustah, der die Kiewer Rus und ihre Gesellschaft ebenfalls im 10. Jahrhundert neben der Gesellschaft Kroatiens, Bulgariens, und Mährens schilderte. So erwähnte er und einige andere Geographen eine Stadt, die nach Lage und Namen das erste politische Zentrum der ostslawischen Wjatitschen in der Region um das spätere Moskau war, vielleicht das alte Moskau selbst, das zwar unter heutigem Namen erst um 1147 gegründet wurde, nach archäologischen Untersuchungen aber schon vorher wichtiges Wjatitschen-Zentrum war. Ein späterer Reisender durch die Wolgaländer, die Fürstentümer der Rus und Ungarn war im 12. Jahrhundert Abu Hamid al-Gharnati, der beispielsweise Kiew beschrieb.
Ausführliche Schilderungen der landwirtschaftlichen, kommerziellen, politischen und religiösen Verhältnisse in der Kiewer Rus und benachbarter slawischer Länder wurden von mehreren muslimischen Geographen, besonders Al-Masʿūdī, Ibn Hauqal, aber auch Ibn Chordadhbeh, Abū Zaid al-Balchī, im Hudūd al-ʿĀlam und anderen überliefert, die die Länder aber nicht selbst gesehen hatten, sondern ihre Informationen von zumeist warägischen Söldnern und Händlern (Rus, im Unterschied zu den bäuerlichen Saqāliba) und anderen Händlern, Reisenden und Geographen bezogen. Einige geographische Angaben sind heute nur noch schwer zu identifizieren und manchmal wird der Begriff Saqāliba („Slawen“, Einzahl Saqlab) nur als ungenauer geographischer Sammelbegriff für Bewohner Ostmittel-, Südost- und Osteuropas verwendet. Diese gelegentlichen Mängel der geographischen Beschreibung entfernter Länder hat schon das Hudūd al-ʿĀlam reflektiert.Alle Angaben nach: al-Saḳāliba. in: Encyclopaedia of Islam. New Edition, Bd. 8, Leiden 1995, S. 872–881
Häufiger sind Nachrichten über einzelne oder Gruppen von Saqāliba in der Diaspora, die im islamischen Herrschaftsbereich oder dessen näherer Nachbarschaft auftauchten – Händler, Söldner, Sklaven, Militärsklaven, Würdenträger usw.
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