Eine Luftschiffhalle ist ein großes Gebäude zur Unterbringung von Luftschiffen.

Luftschiffe werden während des Baus und zum Schutz vor Wind und Wetter in diesen Hallen, später auch Hangars genannt, untergebracht. Die historischen Starrluftschiffe wurden bei kurzen Liegezeiten mit ausreichend Ballast auf Böcken gelagert. Bei längeren Liegezeiten (z. B. Überholung) wurden sie meist an der Decke der Halle aufgehängt. Ebenso wie die historischen großen Luftschiffe stellten die für damalige Verhältnisse riesigen Hallen zu ihrer Zeit beeindruckende Ingenieursleistungen dar.

Bei kurzen Liegezeiten ohne Unterbringung in einer Halle wird ein Ankermast im Freien verwendet, um das Luftschiff festzumachen. Oft ist dieser auch verfahrbar, um das Schiff einfacher in die Halle bugsieren zu können. mini|hochkant=1.3|Die Cargolifter-Luftschiffhalle ist heute ein Freizeitpark

Geschichte Als erste Luftschiffhalle der Welt wurde in Chalais Meudon bei Paris im Jahr 1879 der Hangar „Y“ gebaut (). Jahrzehnte vor Graf Zeppelin bauten hier die Ingenieure Charles Renard und Arthur Constantin Krebs Luftschiffe, allerdings keine Starrluftschiffe. Am bekanntesten wurde das Luftschiff La France. Als eine der wenigen historischen Luftschiffhallen in Europa ist Hangar „Y“ bis heute erhalten.

Hallen in Deutschland mini|Erste drehbare Luftschiffhalle in Berlin-Biesdorf um 1911

mini|Vollständig im Boden versenkbare „umlegbare Luftschiffhalle“, gezeigt 1912 auf der Allgemeinen Luftfahrzeug-Ausstellung in Berlin von Walter Fischer und W. Dieterich

1896 ließ Friedrich Hermann Wölfert auf dem Gelände der Berliner Gewerbeausstellung eine Luftschiffhalle errichten. Ein Sponsor finanzierte den Bau mit 50.000 Mark (entspricht inflationsbereinigt etwa Euro). Da in dem Jahr fast nur schlechtes Wetter (Regen, Sturm usw.) war, konnte Wölfert mit seinem Luftschiff Deutschland nur am 20. Mai sowie am 28. und 29. August aufsteigen. In der Halle konnte das Luftschiff aber besichtigt werden.

Das erste Starrluftschiffs (1899) von Graf Zeppelin, der LZ 1, wurde in einer Montagehalle gebaut, die auf dem Bodensee, in der Bucht von Manzell bei Friedrichshafen, schwimmend verankert war. Diese erleichterte den schwierigen Vorgang des Aushallens, dem Herausbringen des Luftschiffes aus der Halle, da sie sich selbstständig in den Wind drehte.

Die erste maschinell drehbare Luftschiffhalle stand in Biesdorf (heute ein Berliner Ortsteil), die 1909 eingeweiht wurde. Sie wurde von der Firma Siemens-Schuckert unter Vorsitz Georg Wilhelm von Siemens gebaut. Sie war 135 m lang, 25 m breit, 25 m hoch und 1200 Tonnen schwer, ruhte auf einem kreisrunden Gleisbett und konnte je nach Windrichtung in jede beliebige Position gebracht werden. Von dort unternahm am 23. Januar 1911 das Luftschiff Siemens-Schuckert I die erste Probefahrt. 1918 wurde die Halle abgebrochen, weil die erhofften Aufträge zum Bau weiterer Luftschiffe durch die Siemens-Schuckertwerke ausblieben.

mini|Anteilschein der Deutsche Luftschiffhallen-Bau-Gesellschaft „System Ermus“ mbH vom 6. September 1913 Anfang 1910 wurde von der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG (MAN) eine eiserne Luftschiffhalle auf einem Gelände westlich des Bahnhofes Baden-Oos errichtet. Sie war ca. 160 × 30 Meter groß und hatte eine Höhe von fast 30 Metern. In ihr wurde der Zeppelin LZ 6 untergebracht, der dort im September 1910 nach Wartungsarbeiten verbrannte. Das Gebäude trug nur geringen Schaden davon. Die Halle wurde später abgebaut. Ein Teil wurde in Auggen wiedererrichtet und wird dort (Stand März 2005) als Sägewerk genutzt.

Nach Plänen des Zivilingenieurs Ernst Meiers entstand 1913 in Dresden die erste aerodynamisch günstig geformte Luftschiffhalle. Der holzgedeckte Metallbau, 193 Meter lang, 56 Meter breit, 37 Meter hoch mit einer Dachfläche von 20.300 Quadratmetern, stand auf den Elbwiesen der Vorstadt Kaditz. Durch die Kuppeldrehtore war der Bau stromlinienförmig, was ein glattes Abstreichen der Luftströmung ohne große Verwirbelung erlaubte. Diese Zeppelin-Halle musste 1921 gemäß dem Versailler Vertrag demontiert werden.Roland Fuhrmann Dresdens Tor zum Himmel, Thelem Universitätsverlag, Dresden, 2019, 536 Seiten, ISBN 978-3-95908-482-6

Die Firma Deutsche Luftschiffhallen-Bau-Gesellschaft “System Ermus” mbH wurde kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs auf Anregung des Deutschen Heeres gegründet. Sie entwickelte mobile Luftschiffhallen, die in kürzester Zeit an jedem Ort einsatzfähig waren. Über ein Stahlskelett aus zusammenklappbaren Elementen wurde eine Dachhaut gezogen. Von dieser Firma wurde auch die 1914 fertiggestellte Luftschiffhalle Düren des Luftschiff-Einsatz-Hafens Düren-Distelrath im heutigen Nordrhein-Westfalen gebaut.

Auf dem Luftschiffplatz Nordholz wurde am 21. August 1914 die Doppeldrehhalle NOBEL fertiggestellt. Sie bestand aus zwei parallelen Hallenschiffen und gilt auch heute noch als bautechnisches Meisterwerk. Die Halle hatte ein Gewicht von 4600 t, war 182 m lang (im Ersten Weltkrieg auf 200 m verlängert), 30 m hoch und hatte eine Breite von 70 Metern. Die gesamte Konstruktion ruhte auf acht Laufwagen, die von je zwei Elektromotoren angetrieben wurden.

mini|WDL-Zelthalle Die WDL Luftschiffgesellschaft besitzt auf dem Flughafen Essen/Mülheim eine große Zelthalle, die als Winterquartier für zwei Luftschiffe dient. Diese Halle hat die Ausmaße von 90 m Länge, 46 m Breite und 26 m Höhe.Bock/Knauer: Leichter als Luft: Transport- und Trägersysteme. S. 338. Das Tor wird per Seilwinde nach oben gezogen.

Auf der Nordseite des Flughafens Friedrichshafen wurden in den Jahren 1996/1997 die Luftschiffhalle mit angrenzendem Gebäude der ZLT Zeppelin Luftschifftechnik GmbH & CO KG gebaut. Die Halle wird sowohl vom Herstellungs- und Instandhaltungsbetrieb der ZLT wie auch zur Unterbringung der Luftschiffe LZ N07 der Deutschen Zeppelin-Reederei GmbH genutzt. Die Innenmaße der Halle sind: Länge 105 m, Breite 65 m; Höhe 30 m. Sie hat eine Dock-Kapazität zur Aufnahme von drei LZ N07. Derzeit sind zwei Luftschiffe dieses Typs dort stationiert, das dritte Dock wird vom Herstellbetrieb genutzt.

Die bis heute höchste Luftschiffhalle wurde in Briesen/Brand einem südlichen Ortsteil der Gemeinde Halbe, im Landkreis Dahme-Spreewald, etwa 60 Kilometer südlich des Zentrums und etwa 35 Kilometer südlich der Stadtgrenze von Berlin, für die Cargolifter AG errichtet (). Sie ist mit einer Länge von 360 m, einer Breite von 210 m und einer Höhe von 107 m die größte stützenfrei konstruierte Halle weltweit (Stand 2005). In ihr wurden nur kleinere Prall- und Testluftschiffe untergebracht, bevor die Halle wegen der Insolvenz der CargoLifter AG verkauft und in einen tropischen Freizeitpark (Tropical Islands) umgestaltet wurde.

Hallen in den USA und in weiteren Ländern USA Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts wurden insbesondere in den USA zahlreiche, meist kleinere Luftschiffe bei Ausstellungen, Luftschauen, Luftrennen und in Freizeitparks als Attraktionen gezeigt. Dort waren sie meist in Zelten untergebracht.Bilder:

Die Luftschiffhalle Airdock #2 in Weeksville/North Carolina war bis 1995 eines der größten Holzgebäude der Welt. Sie hatte eine Länge 331 m, war rund 91 m breit und etwa 58,5 m hoch. Die 180 t schweren Toren liefen auf Schienen. Sie war 1942 errichtet worden und Stützpunkt der US-Marine-Luftschiff-Squadron ZP-14 gewesen, die damals die Küste vor feindlichen deutschen U-Booten schützte. 1966 wurde die stillgelegte Halle an Westinghouse verkauft. In ihr waren unter anderem bekannte Werbeluftschiffe, wie „Bud One“, „Fuji“ oder „Met Life“ gebaut worden. Am 3. August 1995 wurde das Airdock #2 durch ein Feuer in den frühen Morgenstunden zerstört. In ihr verbrannte auch der Prototyp des Luftschiffes Sentinel 1000. Dies geschah während der Reparatur der Lager für die Tore. Der Gesamtschaden des Brandes wurde auf 100 Mio. US-Dollar geschätzt.

Lettland mini|Die Markthallen in Riga – Gesamtansicht 2004 In Riga, der Hauptstadt Lettlands, befinden sich mitten in der Stadt fünf große Hallen, die 1924–1930 errichtet wurden. Dabei wurden Teile der beiden Luftschiffhallen aus Vaiņode (deutsch: Wainoden) benutzt. Die Hallen waren während des Ersten Weltkrieges durch das Deutsche Reich errichtet worden und befanden sich nach dem Krieg im neu entstandenen Staat Lettland. Sie wurden durch die ursprüngliche Baufirma Seibert aus Saarbrücken und eine einheimische Firma am Luftschiffhafen Wainoden abgebaut, um die Teile im Stadtzentrum für den Bau der Markthallen des Zentralmarktes Riga zu benutzen. Teilweise wurden die Stahlbinder ganz zerlegt und in geänderter Geometrie wieder zusammengebaut.Eduard Möckel: Die neue Zentralmarkthalle der Stadt Riga (Letland) Stahlbau Heft 24, 1931 S. 287.

Mobile Luftschiffhallen mini|Französischer mobiler Hangar im Manöver (1909) Bereits vor dem Ersten Weltkrieg wurden auch mobile Luftschiffhallen, vor allem beim französischen Militär, benutzt. Sie kamen in großen Manövern zum Einsatz. abgerufen am 26. Februar 2021 Führender Hersteller und Konstrukteur war in Frankreich der Amerikaner Melvin Vaniman. abgerufen am 5. Februar 2017 1912 kam er in den USA bei einem Luftschiffsabsturz ums Leben. In Deutschland stellte die Firma Arthur Müller Zelthallen her. abgerufen am 5. Februar 2017 abgerufen am 5. Februar 2017

Liste der Standorte von Luftschiffhallen 1879–1945 Die Liste ist alphabetisch geordnet. Die Jahreszahl gibt das Baujahr der ersten Halle am Standort an. Gegebenenfalls zusätzliche spätere Hallen sind nicht immer erwähnt. Als Land wird der Staat angegeben, zu dem der Standort heute gehört. Besonders in Polen und im Baltikum weicht das von der Situation zur Entstehungszeit ab. Insbesondere dort sind auch die deutschen Ortsnamen angegeben, da sie in der Regel in der Literatur benutzt werden. Bei Hallen, die einen Namen trugen, wird dieser in Anführungsstrichen angegeben. Die Angabe im Format xxx/xx/xx gibt die maximale Länge, Breite und Höhe der Halle in Metern an, gegebenenfalls auch Lichtmaße (i.L.). In der Regel ist davon auszugehen, dass die Hallen nicht mehr existieren. Die wenigen existierenden Hallen aus der Zeit zwischen 1879 und 1945 sind entsprechend gekennzeichnet mit Angabe des Jahres, für das die Existenz noch nachgewiesen ist. Ebenfalls aufgenommen sind Standorte wohin Teile von Luftschiffhallen versetzt wurden, um dort anderen Zwecken zu dienen.

Nicht aufgeführt sind die Standorte mobiler Hallen, wenn diese, z. B. zu Manöverzwecken oder zu Messen nur kurzfristig errichtet wurden. Aufgeführt sind aber mobile Hallen, wenn sie etwas länger am Ort verblieben.

Algerien Baraki bei Algier, 150/20/22 und 150/24/28 Wahran (Oran) La-Senia, 150/20/22 und 150/20/28

Belgien Antwerpen-Wilryck 1911, Militärluftschiffhalle, 90/18/20 1912, Militärluftschiffhalle, 70/20/20 Brüssel Brüssel-Agathe 1909 180/34/22, 1915 Brüssel-Etterbeek, 170/34/23, 1910 Brüssel-Evere 1910 180/34/28, 1914, Abriss 1923–1926 Melle-Gontrode bei Gent, 180/34/22, 1915 Namur-Cognelée, Halle 1 Marine „Nathan“, Heer: „Friedrich“ 180/28 im Lichten/30, später verlängert auf 210 m, Breite an der Basis 75 m, 1914 Abriss zwischen 1926 und 1938 Halle 2 Marine „Natalie“, Heer: „Baldur“ 180/28 im Lichten/30, Breite an der Basis 75 m, 1914 Abriss zwischen 1926 und 1938 Halle 3 Marine „Nanni“, Heer: „Eitel“ 180/28 im Lichten/30, Breite an der Basis 75 m, 1914 Abriss zwischen 1926 und 1938

Bosnien und Herzegowina Sarajevo, 1914, Militärluftschiffhalle

Brasilien mini|Luftschiffhalle, Rio de Janeiro Santa Cruz mini|Südtor des berühmten Luftschiffhangars auf dem ehemaligen Bartolomeu-de-Gusmão-Flughafen, heute Militärflugplatz Base Aérea de Santa Cruz bei Rio de Janeiro Rio de Janeiro (Santa Cruz), 251/54/60, 1936,Roland Fuhrmann: Dresdens Tor zum Himmel, Thelem Universitätsverlag, Dresden, 2019, S. 411–419, ISBN 978-3-95908-482-6erhalten 2020 auf der Base Aérea de Santa Cruz () Rio de Janeiro Vila Militar, 1893, für Luftschiff Bartolomeu de Gusmao

Bulgarien