Neuquén [] ist die Hauptstadt der Provinz Neuquén in Argentinien. Sie wurde 1904 gegründet und ist mit rund 231.780 Einwohnern die größte Stadt Südargentiniens. Zusammen mit den Städten Plottier und Cipolletti (Provinz Río Negro) bildet sie die wichtige Agglomeration Neuquén – Plottier – Cipolletti mit 345.097 Einwohnern, die auch „Hauptstadt des Comahue“ genannt wird.

Sie liegt am Zusammenfluss des Río Limay und des Río Neuquén zum Río Negro, im Osten der Provinz, im Norden Patagoniens. Sie gilt als ein Zentrum der Öl- und Erdgasindustrie. Als regionales Kulturzentrum verfügt sie über die Staatliche Universität des Comahue (UNC) sowie über Museen und Schauspielhäuser. Außerdem ist Neuquén der Sitz des römisch-katholischen Bistums Neuquén.

Name der Stadt Die kleine Siedlung, die anfänglich als Ort des Zusammenflusses wegen des Zusammenflusses des Río Neuquen und des Río Limay bekannt war, bekam den Namen Neuquén nach der Provinzhauptstadtverlegung von Chos Malal in die Region. Sie wurde nach dem gleichnamigen Fluss genannt. Der Name stammt vom Mapudungun-Vokabel Ñedquén ab, der mutig, arrogant und verwegen bedeutet.

Geografie Lage Die Stadt liegt am Zusammenfluss von Río Limay und Río Neuquén zum Río Negro, durchschnittlich 260 Meter über dem Meeresspiegel, inmitten eines fruchtbaren, teilweise bewässerten Tales im Südwesten Argentiniens. Der Abfluss der Flüsse wird durch ein Deichsystem reguliert. Der Abfluss des Río Limay beträgt etwa 650 m³/s und der des Río Neuquén etwa 280 m³/s.

Neuquén erstreckt sich über zwei geographische Regionen: Hochebene und Tal. Das Gebiet nördlich der Eisenbahnlinie auf der Hochebene wird als El Alto bezeichnet und der südliche, der das städtische finanzielle und kommerzielle Zentrum darstellt, wegen seiner flachen Topographie als El Bajo. Am Übergang von der Hochebene zum Tal kennzeichnen die Landschaft, steile Hänge, die durch die Wind- und Wassererosion geformt wurden, und in der Region Barda genannt werden.Universidad Nacional del Comahue, Departamento Geografía: Componentes y dinámica natural del ambiente – Ciudad de Neuquén. Neuquén 2011, S. 59. Die Umgebung ist steppenhaft und rau, das Klima kontinental-gemäßigt und trocken. Der Boden besteht aus Lehm und Kieselsteinen.

Die Stadt befindet sich im Departamento Confluencia und ist der östlichste Ort der Provinz. Sie gehört zur Region Alto Valle (oberes Tal des Río Negro). Sie grenzt im Osten an Cipolletti in Río Negro und im Westen an Plottier, mit denen sie die Agglomeration Neuquén – Plottier – Cipolletti bildet. Andere wichtige nahe Städte sind General Roca in Río Negro (etwa 50 km östlich), Centenario (15 km nördlich) und die kleine Gemeinde Senillosa (etwa 33 km westlich).

Stadtgliederung Der erste Stadtplan wurde 1904 vom Gründer Bouquet Roldán gezeichnet. Nach den Eisenbahnbauarbeiten teilte das Unternehmen Buenos Aires Great Southern Railway die Stadt in zwei Sektoren auf, die als El Alto im Norden und als El Bajo im Süden bezeichnet wurden. Obwohl die Stadtteilung nur bis 1930 dauerte, sind beide Teile noch zu erkennen. Während im Alto sich die Provinz- und Stadtverwaltung sowie die Finanzinstitutionen befinden, gilt El Bajo als Einkaufs- und Handelszentrum.

Das Stadtgebiet umfasst eine Fläche von 63 Quadratkilometern und gliedert sich in 46 Stadtteile: Alta Barda Area Centro Este Area Centro Oeste Area Centro Sur Bardas Soleadas Barrio Nuevo Belgrano Bouquet Roldán Canal V Colonia Nueva Esperanza Confluencia Rural Confluencia Urbano COPOL 14 de Octubre Cumelen Don Bosco II Don Bosco III El Progreso Gran Neuquen Norte Gran Neuquen Sur Gregorio Alvarez HIBEPA Huiliches Islas Malvinas La Sirena Limay Mariano Moreno MELIPAL Militar Parque Industrial Provincias Unidas Rincón de Emilio Rio Grande San Lorenzo Norte San Lorenzo Sur Santa Genoveva Sapere Terrazas del Neuquen Unión de Mayo Valentina Norte Rural Valentina Norte Urbano Valentina Sur Rural Valentina Sur Urbano Villa Ceferino Villa Farrell Villa Florencia Villa María

2022 wurde beschlossen, das bis dahin 12.500 Hektar umfassende Stadtgebiet im Bereich zwischen dem Stadtviertel Colonia Nueva Esperanza und dem Stausee Mari Menuco um 8000 Hektar zu erweitern.

Klima Das Klima ist in der Gegend kontinental-gemäßigt und trocken. Die Stadt liegt in einem sehr windigen Gebiet im Norden Patagoniens. Die Winde sind trocken, kalt und rau. Der durchschnittliche Niederschlag beträgt 237 Millimeter im Jahr. Im Sommer beträgt die mittlere Temperatur rund 22 °C und im Winter rund 7 °C. Schneefall ist in der Region wegen des trockenen Klimas selten. Es schneit ungefähr alle fünf Jahre. Fröste sind in den Winternächten häufig.

Geschichte mini|links|200px|Erster Stadtplan aus 1904

Circa 1500 kamen die ersten spanischen Konquistadoren in die Region. 1604 beschloss der Gouverneur von der Provinz Buenos Aires Hernando Arias de Saavedra, die Wege nach Patagonien zu erkunden. Die Expedition erreichte die Ufer des Río Negro. Nachdem sie von den lokalen Ureinwohnern attackiert wurde, sah sie sich gezwungen, nach Buenos Aires zurückzukehren.

1783 schiffte der Erkunder Vasilio Villarino durch den Río Negro von Carmen de Patagones nach der Gegend der heutigen Neuquén. Er schlug den Behörden der damals spanischen Kolonialregierung vor, dort eine Befestigungsanlage gegen die Indianer zu erbauen, die aber letztlich nicht zustande kam. mini|links|240px|Ausblick auf die Avenida Argentina im Jahr 1932

1833 wurde eine Militärexpedition von Juan Manuel de Rosas, dem damaligen Gouverneur von Buenos Aires, mit Unterstützung von Grundherren aus seiner Provinz und den Provinzen Córdoba, San Luis, San Juan und Mendoza in den Bereich des heutigen Neuquén geschickt. Diese konnte die argentinische Dominanz nicht über die damaligen Grenzen erweitern.

Vor der Wüstenkampagne führten die Routen der Mapuche nach Chile durch die Gegend. Zwischen 1878 und 1880 führte General Julio Argentino Roca die sogenannte Wüstenkampagne durch, mit der er die argentinische Dominanz über Patagonien sicherstellte. Als die Reihe militärischer Kampagnen beendet waren, wurde die Gegend an das Telegrafienetz angeschlossen. Ende des 19. Jahrzehntes galt die Umgebung der Quelle des Río Negro nicht nur als ein Übergangspunkt nach Chile, sondern auch als eine gute Lage, um eine Stadt zu gründen. Zu dieser Zeit kamen die ersten Siedler mit Booten auf dem Río Negro und wurden die ersten Häuser erbaut.

Die britische Kompanie Buenos Aires Great Southern Railway erbaute 1902 die Eisenbahnbrücke über den Río Neuquén und den Bahnhof Neuquén, wo schon damals eine kleine Siedlung existierte. Es ist kein konkretes Gründungsdatum bekannt, doch 1904 wurde die Hauptstadt der Provinz von Chos Malal hierher verlegt, wo sich damals schon eine spontan entstandene Kleinstadt befand. Obwohl die Entscheidung, die Provinzhauptstadt nicht in der Nähe der Grenze zu Chile zu verlegen, aus geopolitischen Gründen kritisiert wurde, wurde die Stadt später zum wichtigen Handelsverkehrsknotenpunkt zwischen Buenos Aires, der Provinz und Chile.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1904 fing die Stadt an zu wachsen. Vier Jahre später wurde der erste Stadtrat gewählt. 1916 wurden das Wasserversorgungssystem gebaut und die ersten Straßenlaternen aufgestellt. In den 1920er Jahren waren die meisten provinziellen Verwaltungstätigkeiten in der Stadt ausgeübt. Die Bevölkerung der Provinz konzentrierte sich in der Gegend. Damals wurden die nahen ländlichen Siedlungen Plottier und Senillosa gegründet. 1937 wurde die erste Autobrücke zwischen Neuquén und Cipolleti über den Río Neuquén errichtet. Aufgrund der in den 1960er Jahren von der Firma YPF in der Provinz entdeckten Erdöl- und Erdgas-Quellen gewann die Stadt an Bedeutung. 1970 wurde die UNC – Staatliche Universität Comahue eröffnet.

Bevölkerung Vor der Ankunft der spanischen Eroberer war die Region von den Mapuche und Tehuelche besiedelt. Während der Wüstenkampagne dezimierte die argentinische Armee die indigene Bevölkerung und es kamen die ersten nichtindianischen Siedler in die Region. Im frühen 20. Jahrhundert kamen Migranten aus Europa (vor allem Spanier und Italiener) und in geringerem Maße aus Syrien und dem Libanon. Gegen Ende des Jahrhunderts erreichte die Stadt eine Migrationswelle aus Chile und den Nordprovinzen Argentiniens. Anfang des 21. Jahrhunderts wuchs die bolivianische und paraguayische Einwanderung in die Region. Außerdem existieren einige Gemeinschaften der Mapuche und Tehuelche in Neuquén. Sie ist heute die größte Stadt Patagoniens.

Einwohnerentwicklung Bevor die Provinzhauptstadt nach Neuquén verlegt wurde, wohnten in der Region rund 500 Personen. Die Zahl erhöhte sich bis 1905 auf 1400. Seit ihrer Gründung im Jahr 1904 wuchs die Stadt stetig an. 1930 hatte die Stadt rund 5000 Einwohner. Seit der Entdeckung von Erdöl- und Erdgas-Quellen in der Provinz hatte sie einen größeren Bevölkerungszuwachs ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und war zwischen den 1970er Jahren und den 1980er Jahren die am schnellsten wachsende Stadt Argentiniens. 1970 lebten 45.140 Menschen in Neuquén. Bis zur nächsten Volkszählung verdoppelte sich diese Zahl auf 92.047. 1991 hatte sie 167.296 Einwohner. Laut der Volkszählung 2010 wohnten in Neuquén rund 231.780 Menschen und damit 42,3 % der Bevölkerung der Provinz.

Religionen Die meisten Einwohner der Stadt gehören einer christlichen Konfession an. Obwohl die größte Gruppe der römisch-katholischen Kirche angehört, stieg in den späten 2000er Jahren die Zahl der Anhänger der evangelischen Kirchen. Während es 2009 52 römisch-katholische Kirchen gab, existierten rund 250 evangelische Tempel verschiedener Größe und Bedeutung. Die verbleibenden sind Angehörige der freien christlichen Kirchen, der Zeugen Jehovas oder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Andere kleinere Gruppen sind Juden und Buddhisten.

Seit 1961 ist Neuquén der Sitz des Bistums Neuquén, das dem Erzbistum Mendoza als Suffraganbistum untersteht.

Wohnsituation Die Bauindustrie erlebte in den späten 1990er Jahren und den 2000er Jahren einen großen Aufschwung, während den große Supermärkte, Kinos, Einkaufszentren und neue Wohn- und Bürogebäude errichtet wurden, die die Stadtlandschaft prägen. Projekte wie die Uferpromenada auf der Insel 132 des Río Limay oder der Bau der Einkaufszentren Portal de la Patagonia und Irsa wurden zu dieser Zeit geplant, begonnen oder durchgeführt.

Im größten Teil der Stadt sind Wohnviertel der Mittelschicht zu finden. Die Oberschicht lebt vor allem in vornehmen Wohngebieten wie den Country Clubs Rincón de Campo oder Comahue Golf Club, dem historischen Zentrum sowie in den Gebieten nahe dem Río Limay. Rund um den Flughafen befinden sich noch landwirtschaftlich geprägte Gebiete, deren Bewohner verschiedenen sozioökonomischen Schichten anhören. Unter ihnen gibt es eigenständige Landwirte, kleine Unternehmer und Großgrundbesitzer.

In isolierten Gebieten im Süden und in jüngerer Zeit im Westen der Stadt befinden sich Marginalsiedlungen, die in der Region als Tomas bekannt sind. Ihre Anwohner leben unter prekären Bedingungen und haben in manchen Fällen keine Strom- und Wasserversorgung. Obwohl die Stadtregierung mit neugebauten Wohnvierteln wie Cuenca Batilana im Norden versucht, die Situation zu verbessern, wohnen weiterhin viele Menschen auf informeller Basis, die wegen der hohen Mieten keine bezahlbare Wohnung finden können.

Der Westteil der Stadt hat die höchste Kriminalitätsrate.

Politik 1904 wurde Neuquén zur Provinzhauptstadt ernannt. Die Provinzregierungsarchive sowie die Beamten wurden von Chos Malal nach Neuquén übertragen. Die Gründung des Stadtrats (Concejo Municipal) erfolgte am 12. Dezember 1905. Die erste Wahl fand am 11. März 1906 statt.