mini|300px|Alter Hafen

Weener ist eine Kleinstadt in Ostfriesland im Nordwesten des deutschen Bundeslandes Niedersachsen. Es ist die einzige Stadt der historischen Region Rheiderland, und sie erstreckt sich linksseits der Ems. Politisch gehört Weener seit 1932 zum Landkreis Leer und war vorher die Kreisstadt des Kreises Weener, der mit dem Rheiderland nahezu flächengleich war.

Weener hat Einwohner auf 81,24 Quadratkilometer Fläche. In der Kernstadt Weener leben mit rund 6700 Einwohnern knapp 43 % aller Weeneraner. Die Stadt ist durch Eingemeindungen im Jahr 1973 stark gewachsen. 4,4 % der Einwohner der grenznahen Stadt sind Niederländer.

In vergangenen Jahrhunderten hatte Weener einen Hafen an der Ems und lag an der linksemsischen Handelsroute ins südlich gelegene Münsterland. Die Stadt war vor allem durch ihre Vieh- und Pferdemärkte bekannt und exportierte landwirtschaftliche Handelsgüter. Mittlerweile spielen der Hafen als Warenumschlagsort und der Viehhandel keine Rolle mehr. Wirtschaftlich ist Weener vom Einzelhandel für die Region Rheiderland, von der Landwirtschaft und vom Tourismus geprägt. In der Stadt befinden sich auch einzelne Industriebetriebe.

Auf kulturellem Gebiet hat Weener durch das Organeum Bedeutung. Das ist ein Kultur- und Bildungszentrum mit einem Museum für Tasteninstrumente inmitten der Orgellandschaft Ostfriesland, einer der bedeutendsten Orgellandschaften weltweit. In der um 1230 erbauten Georgskirche steht darüber hinaus eine Orgel von Arp Schnitger, die als eines seiner Spätwerke gilt. Außer der Georgskirche ist unter den Sakralbauten die Stapelmoorer Kirche zu nennen: Die romano-gotische Kreuzkirche gilt als einer der herausragenden Kirchenbauten Ostfrieslands.

Geographie Lage und Ausdehnung Die Stadt Weener liegt im südwestlichen Ostfriesland. Sie ist die einzige Stadt der Region am westlichen Ufer der Ems. Sie bezeichnet sich selbst auch als „Grüne Stadt im Rheiderland“Zum Beispiel auf der offiziellen Internetseite der Stadt, Weener.de: Grußwort des Bürgermeisters, abgerufen am 2. November 2018. und ist das Zentrum des deutschen Teils der Region. Unweit der Stadt liegen der Dollart und die Grenze zur niederländischen Provinz Groningen. Nahe gelegene Großstädte sind Oldenburg und Groningen in den Niederlanden. Das Regionale Raumordnungsprogramm des Landkreises Leer teilt der Kernstadt Weener die Funktion eines Grundzentrums für das Stadtgebiet zu.Regionales Raumordnungsprogramm des Landkreises Leer 2006. (PDF; 587 kB) landkreis-leer.de, S. 13 nach ursprünglicher Paginierung; abgerufen am 2. November 2018. Das Stadtgebiet von Weener umfasst den südöstlichen Teil des Rheiderlandes und hat in Nord-Süd-Richtung eine Länge von 15,2 Kilometern, in Ost-West-Richtung beträgt die Ausdehnung maximal 10,6 Kilometer.

Stadtgliederung Die Stadt Weener besteht aus der Kernstadt und 14 weiteren Stadtteilen. Angegeben sind die Einwohnerzahlen vom 31. Dezember 2025.

Stadtteil EinwohnerDaten und Fakten. Weener.de; abgerufen am 2. November 2018. Weener 7205 Möhlenwarf 1855 Tichelwarf 1836 Holthusen 1125 Stapelmoor 1107 Stadtteil Einwohner Stapelmoorerheide 784 Diele 548 Holthuserheide 387 Weenermoor 376 Kirchborgum 269 Stadtteil Einwohner Vellage 195 Dielerheide 194 Beschotenweg 160 Halte 146 St. Georgiwold 68

Ortschaften im kommunalrechtlichen Sinne sind dabei Beschotenweg, Diele, Holthusen, Kirchborgum, Stapelmoor, St. Georgiwold, Vellage, Weener und Weenermoor.Ortschaften und Ortsteile. weener.de, abgerufen am 2. November 2018. Bei diesen handelt es sich um die Kommunen, die sich 1973 zur neuen Stadt Weener zusammenschlossen. Die übrigen Ortsteile gehörten früher zu einer jener Ortschaften.

Nachbargemeinden mini|Weener im Rheiderland Weener grenzt an sechs Kommunen. Dies sind im Uhrzeigersinn, beginnend im Westen, Bunde, Jemgum, Leer und Westoverledingen (jenseits der Ems). Diese vier Kommunen liegen im Landkreis Leer. Zudem grenzt Weener an Papenburg (jenseits der Ems) und Rhede, beide im Landkreis Emsland.

Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete

Das Stadtgebiet von Weener liegt hydrologisch im Flusssystem der Ems. Die Ems, der Hauptfluss der Region, bildet die östliche Stadtgrenze von Weener.

Durchzogen ist das Stadtgebiet von einem engmaschigen Netz aus Gräben und Sieltiefen, die zur Entwässerung nötig sind.Die Angaben in diesem Absatz stammen aus: Theodor Janssen: Gewässerkunde Ostfrieslands. Verlag Ostfriesische Landschaft, Aurich 1967, S. 174–180. Die Schöpfwerke Diele und Stapelmoor, denen die nach den Orten benannten Sieltiefe zufließen, entwässern das südliche Stadtgebiet zur Ems. Im nördlichen Kernstadtbereich besteht ein weiteres Schöpfwerk, das vom Buschfelder Sieltief gespeist wird. Dieses Schöpfwerk entwässert den zentralen Bereich der Stadt. Gekreuzt wird das Buschfelder Sieltief vom Dwarsdeep (plattdt.: Quertief), das in etwa parallel zur Ems verläuft und die in West-Ost-Richtung verlaufenden Sieltiefe miteinander verbindet. Das Dwarstief kreuzt in der nördlichen Nachbargemeinde Jemgum unter anderem das Großsoltborger Sieltief, das somit auch Teile des nördlichen Weeneraner Stadtgebietes entwässert. Lediglich ein sehr geringer Teil der Stadtfläche entwässert zum Dollart: Es sind die westlichsten Teile der Gemarkungen Tichelwarf und Holthuserheide. Sie entwässern letztlich über das in der Nachbargemeinde Bunde verlaufende Wymeerer Sieltief. Zuständig für die Entwässerung ist die Sielacht Rheiderland, die gemeinsam mit der Rheider Deichacht ihren Sitz in der Nachbargemeinde Jemgum hat.

Das Stadtgebiet von Weener weist zahlreiche Niederungs-, Moor- und Feuchtgebiete auf, die landschaftsgeschichtlich zur ostfriesischen Geest- und Moorzone gehören. Die Feuchtgebiete entstanden überwiegend infolge hoher Grundwasserstände und unzureichender natürlicher Entwässerung nach der letzten Eiszeit. Große Teile der ursprünglichen Moorflächen wurden seit dem 18. Jahrhundert kultiviert und entwässert.

Zu den bedeutenderen Moor- und Feuchtgebieten im Umfeld Weeners zählt das Stapeler Moor südöstlich des Stadtgebietes. Es handelt sich um ein Resthochmoor, das teilweise unter Naturschutz steht. Darüber hinaus prägen Feuchtwiesen und Niederungsflächen entlang der Ems das Landschaftsbild. Diese Gebiete dienen zahlreichen Wiesenvogelarten als Brut- und Rastgebiet.

Im nordwestlichen Bereich des Stadtgebietes gehen die Niederungsflächen in die Feuchtgebiete des Dollarts über. Dort finden sich tidebeeinflusste Salzwiesen und Prielsysteme, die ökologisch mit dem Wattenmeer verbunden sind. Charakteristisch für die Region sind ferner die durch Entwässerungskanäle geprägten Fehnlandschaften mit ihren wasserreichen Niederungsbereichen und linearen Siedlungsstrukturen. Kleinere naturnahe Feuchtbiotope befinden sich innerhalb des Stadtgebietes, unter anderem im Bereich des Hesseparks.

Auf dem Stadtgebiet befinden sich mehrere geschützte Gebiete. Das Naturschutzgebiet „Püttenbollen“ (NSG WE 114) ist ein Moorkomplex im Rheiderland und dient dem Schutz typischer Moor- und Feuchtlebensräume. Das teilweise auf Weeneraner Gebiet liegende Naturschutzgebiet „Süderkolk“ (NSG WE 112) umfasst einen verlandenden Kolksee mit Röhricht- und Feuchtzonen. Es gehört zu den ökologisch wertvollen Stillgewässern des Rheiderlandes. Im südlichen Stadtgebiet befindet sich zudem das Naturschutzgebiet „Vellage“ (NSG WE 302). Das 2018 ausgewiesene Gebiet ist Bestandteil des FFH-Gebietes „Ems“.

Die Stadt Weener hat Anteil am 8750 ha großen Landschaftsschutzgebiet „Rheiderland“, das sich auch auf die Nachbargemeinden Bunde und Jemgum erstreckt. Es hat laut NLWKN „nationale bis internationale Bedeutung (…) für nordische Gänse, die hier überwintern und denen landwirtschaftliche Nutzflächen zur Nahrungssuche dienen. Die Grünlandbereiche haben nationale bis internationale Bedeutung als Zwischenrastplatz namentlich für Goldregenpfeifer, Großer Brachvogel, Regenbrachvogel und Kiebitz“.Landschaftsschutzgebiet „Rheiderland“. nlwkn.niedersachsen.de; abgerufen am 29. April 2013.

Die Stadt Weener ist aufgrund ihrer Lage an der Ems besonders von Hochwasser, Starkregen und Entwässerungsproblemen betroffen. Der geringe Höhenunterschied zum Meeresspiegel erschwert den natürlichen Wasserabfluss, weshalb Schöpfwerke und Deichanlagen eine zentrale Rolle spielen. Zudem führen Sedimentablagerungen im Hafenbereich regelmäßig zu Verschlickung und beeinträchtigen die Schiffbarkeit.

Ökologisch gelten Teile der Gewässer als belastet. Im Buschfelder Sieltief wurden unter anderem Nährstoffeinträge und Schadstoffbelastungen festgestellt. Gleichzeitig stehen Feuchtgebiete und Moorflächen durch Entwässerung und Nutzungsdruck unter Stress. Schutzgebiete wie „Vellage“ sollen wertvolle Lebensräume sichern.

Zu den wichtigsten Maßnahmen zählen Modernisierung von Deichen und Schöpfwerken, Sedimentmanagement und Entschlickung, Renaturierung von Gewässern und Feuchtgebieten, Wiedervernässung von Moorflächen und Verringerung landwirtschaftlicher Nährstoffeinträge.

Untergrundverhältnisse Das Weeneraner Stadtgebiet vereint die drei typischen Landschaftsformen Ostfrieslands in sich: Marsch, Moor und Geest. Der geologische Untergrund wird durch Sedimente aus dem Pleistozän und Holozän bestimmt. Das Kerngebiet der Stadt liegt auf einem Geestrücken entlang der Ems, der in der Saale-Eiszeit durch den Druck des von Norden vordringenden Eises aufgestaucht wurde.In der Lokalliteratur wird der Rücken als Endmoräne bezeichnet, siehe Bebauungsplan Jelsgaste (PDF; 1,6 MB) Weener.de, S. 15 abgerufen am 2. November 2018 (PDF). Dieser Geestrücken erstreckt sich von Diele im Süden bis zur Kernstadt und Beschotenweg im Norden. Unmittelbar vor der Kernstadt erreicht er eine Höhe von 6,0 m über NHN. Das Stadtgebiet selbst liegt auf einer Höhe von 2,1 bis 2,4 m über NHN. Es sind Podsolböden in trockener Lage mit Ortstein darunter.Angaben in diesem und den folgenden Absätzen stammen, sofern nicht anders referenziert, aus Heinz Voigt, Günter Roeschmann: Die Böden Ostfrieslands. In: Karl-Heinz Sindowski, Heinz Voigt, Günter Roeschmann, Peter Schmid, Waldemar Reinhardt, Harm Wiemann: Geologie, Böden und Besiedlung Ostfrieslands. (= Ostfriesland im Schutze des Deiches. Band 1). Verlag Deichacht Krummhörn, Pewsum 1969, S. 51–106, hier S. 96 sowie kartografische Beilage. Südlich von Stapelmoorerheide schließt sich ein kleiner Streifen Podsolböden in feuchter Lage an, örtlich auch mit Anmoor und abgetorften Flächen. Im äußersten Südwesten bei Dielerheide findet sich zudem Hochmoor, desgleichen im Norden des Stadtgebietes bei Weenermoor. Im nördlichen Stadtgebiet schließen sich östlich von Weenermoor überschlickte Randmoore (Überflutungsmoore) an. Weiter in Richtung Ems gibt es Knickmarschböden und schließlich Übergangs-Brackmarschböden. Im Süden der Stadt finden sich nahe der Ems Flussmarschböden.

Die Hydrogeologie des Stadtgebietes von Weener wird durch die Lockergesteine der Norddeutschen Tiefebene geprägt. Der Untergrund besteht überwiegend aus pleistozänen und holozänen Sand-, Klei-, Moor- und Marschablagerungen. Hydrogeologisch gehört das Gebiet zur ostfriesischen Geest- und Marschlandschaft mit mehreren übereinanderliegenden Grundwasserstockwerken.

Der erste Grundwasserleiter befindet sich überwiegend in quartären Sanden der Geest- und Niederungsbereiche. Seine Oberkante liegt je nach Geländeform häufig bereits wenige Dezimeter bis mehrere Meter unter der Geländeoberfläche. Die Mächtigkeit des ersten Grundwasserleiters beträgt im Raum Weener meist etwa 10 bis 30 m. In den Marsch- und Moorgebieten wird er lokal durch gering durchlässige Klei- und Torfschichten überdeckt.