Stavudin (d4T) (Handelsname: Zerit®; Hersteller: Bristol-Myers Squibb) ist ein Arzneistoff zur Behandlung von mit HIV-1 infizierten Patienten im Rahmen einer antiretroviralen Kombinationstherapie, wird heute in den westlichen Industrieländern jedoch kaum noch eingesetzt.
Er gehört zur Gruppe der nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTI).
Eigenschaften Stavudin kann in vier verschiedenen Kristallformen auftreten. Die polymorphen Formen I, II und IV unterscheiden sich anhand ihrer Schmelzpunkte mit 168,1 °C, 165,5 °C und 169,5 °C. Form I ist die bei Raumtemperatur thermodynamisch stabile Form. Bei Form III handelt es sich um 1/3-Hydrat mit einem stöchiometrischen Verhältnis von Wirkstoff zu Wasser von 3 : 1 im Kristallgitter.
Pharmakologie In vitro wurde die antiretrovirale Aktivität von Stavudin nachgewiesen. Die Substanz ist in vitro ca. 5- bis 10-mal schwächer als Zidovudin. In Kombination mit anderen antiviralen Wirkstoffen konnten synergistische Wirkungen nachgewiesen werden. Die Entwicklung Stavudin-resistenter HI-Viren wurde in vitro nachgewiesen.
Pharmakokinetik Die Bioverfügbarkeit von Stavudin ist gut. Etwa 90 % werden oral resorbiert. Die gleichzeitige Einnahme mit der Nahrung hat nur geringe, klinisch nicht relevante, Auswirkungen. Nach Einnahme von 40 mg werden im Plasma Spitzenkonzentrationen von ca. 0,8–1,0 mg/l erzielt. Liquorkonzentrationen: bis ca. 70 % der Plasmakonzentrationen. Eliminationshalbwertzeit: ca. 1,6 Stunden. Intrazelluläre Halbwertzeit des biologisch aktiven Triphosphates: ca. 3,5 Stunden.
Nebenwirkungen Stark mitochondrial toxisch, Lipoatrophie, periphere Neuropathien (PNP), vor allem in Kombination mit DDI, selten Diarrhoe, Übelkeit, Kopfschmerzen, Steatosis hepatis, Pankreatitis, sehr selten: Laktatazidose. Kontraindiziert bei PNP. Neurotoxische Medikamente vermeiden (Ethambutol, Cisplatin, INH, Vincristin etc.).
Entwicklung Die Substanz wurde 1966 von Jerome P. Horwitz synthetisiert.J. R. Horwitz, J. Chua, M. A. Da Rooge, M. Noel, I. L. Klundt: Nucleosides. IX. The formation of 2',2'-unsaturated pyrimidine nucleosides via a novel beta-elimination reaction. In: The Journal of organic chemistry. Band 31, Nummer 1, Januar 1966, S. 205–211, PMID 5900814.
Weblinks AIDSMeds.com Informationen für Ärzte und Apotheker zur rationalen Infektionstherapie: Stavudin, ein weiteres Nukleosid-Analogon zur Behandlung der HIV-Infektion
Einzelnachweise
Kategorie:Arzneistoff Kategorie:Nukleosid Kategorie:Pyrimidindion Kategorie:Reverse-Transkriptase-Inhibitor