mini|Ulrich Schneider (2020) Ulrich Schneider (* 14. August 1958 in Oberhausen) ist ein ehemaliger deutscher Soziallobbyist. Von 1999 bis 2024 war er Hauptgeschäftsführer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Seit Juni 2026 gehört er dem Vorstand der Partei Die Linke an.
Leben Ulrich Schneider wurde als zweites Kind des gelernten Buchbinders und Bildereinrahmers Joseph Schneider und dessen Frau Franziska, geb. Hickl, in Oberhausen geboren. Sein Vater arbeitete als Bierfahrer und als Mitarbeiter einer Wach- und Schließgesellschaft.„Hartz IV ist völlig gescheitert“, Interview des DLR Kultur, 14. Mai 2011. Abgerufen am 15. Mai 2011: „Mein Vater musste tagsüber als Bierfahrer arbeiten und am Anfang dann Nachts noch mal als Mitarbeiter der Wach- und Schließgesellschaft, da floss nicht viel Geld“. Nach dem Abitur am altsprachlichen Staatlichen Gymnasium Oberhausen (später Heinrich-Heine-Gymnasium) im Juni 1977 und dem Zivildienst beim Jugendwerk „Die Brücke“ in Oberhausen studierte Schneider Erziehungswissenschaften, Soziologie und Religionswissenschaften an den Universitäten Bonn und Münster. Im März 1984 schloss er in Münster als Diplom-Pädagoge ab. Von April 1984 bis Dezember 1987 war Schneider wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Sozialpädagogik, Weiterbildung und empirische Pädagogik an der Universität Münster und wurde im Oktober 1988 ebendort mit einer von Dieter Sengling betreuten Arbeit zur Jugendpolitik der 1970er und 1980er Jahre promoviert.
Ab Januar 1988 war Schneider als Referent für Sozialpolitik und Informationstechnik beim Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband in Frankfurt tätig. Dort arbeitete er später zudem als DDR-Beauftragter, Geschäftsführender Hauptreferent, Geschäftsführer für die Bereiche Grundsatzfragen, Gremien und Kommunikation, bevor er 1999 dessen Hauptgeschäftsführer wurde.Ulrich Schneider auf den Seiten des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. 2010. Abgerufen am 20. April 2011. Ende Juli 2024 schied er aus diesem Amt aus. Ihm folgte Joachim Rock nach. Seither ist Schneider als freier Autor und Berater tätig. Schneider trat in Fernseh-Talkshows wie beispielsweise Anne Will auf und war Interviewpartner.Ulrich Schneider: Frontmann im Kampf gegen Armut. In: Der Tagesspiegel. 8. April 2010. Abgerufen am 20. April 2011. Kritisch äußerte sich Schneider über die im Rahmen der Agenda 2010 durchgeführten Reformen.Wir haben noch reichere Reiche und noch ärmere Arme. Interview mit Ulrich Schneider auf Deutschlandradio Kultur. 17. März 2008. Abgerufen am 20. April 2011.Es hat sich nichts gebessert. auf: N-TV. 17. Januar 2010. Abgerufen am 20. April 2011. mini|Ulrich Schneider auf dem Bundesparteitag von Die Linke (2021)
2016 wurde Schneider Mitglied der Partei Die LinkeÄrger um Verbandsfunktionär Ulrich Schneider. Abgerufen am 21. Januar 2017., trat aber 2022 wieder aus, nachdem Sahra Wagenknecht in einer Bundestagsrede pro-russische Positionen vertreten hatte. Ende 2023 wurde er Teil der Erneuerungskampagne Eine Linke für alle! der Linken, die nach dem Austritt von Wagenknecht und neun weiteren Bundestagsabgeordneten aus Linkspartei und -fraktion initiiert wurde, ohne zunächst jedoch wieder Mitglied der Partei zu werden. 2026 trat er der Linkspartei wieder bei. Am 20. Juni 2026 wurde er auf dem Potsdamer Parteitag mit 61,1 % der Delegiertenstimmen in den Parteivorstand gewählt.
Schneider ist verheiratet, Vater von zwei Kindern und musiziert privat in einer Rockband.Ulrich Schneider: Frontmann im Kampf gegen Armut. In: Der Tagesspiegel. 8. April 2010. Abgerufen am 20. April 2011.
Veröffentlichungen Autobiografie Mutti, komma ans Fenster: Eine Arbeiterkindheit im Ruhrgebiet. Westend, Neu-Isenburg 2026, ISBN 978-3-98791-374-7
Monografien Jugendhilferechtsreform. Eine Fallanalyse zur Jugendpolitik der 70er und 80er Jahre. (Münster (Westfalen), Univ., Diss., 1988). Solidarpakt gegen die Schwachen. Der Rückzug des Staates aus der Sozialpolitik. Droemer Knaur, München 1993, ISBN 3-426-80033-0. Armes Deutschland. Neue Perspektiven für einen anderen Wohlstand. Westend, München 2010, ISBN 978-3-938060-57-5. Mehr Mensch! Gegen die Ökonomisierung des Sozialen. Westend, Frankfurt am Main 2014, ISBN 978-3-86489-079-6. Krise. Das Versagen einer Republik. Westend, Neu-Isenburg 2024, ISBN 978-3-86489-454-1.
Herausgeberschaften Über das Dialogische. Festschrift anläßlich der Verleihung der Wilhelm-Polligkeit-Plakette an Prof. Dr. Marianne Grewe-Partsch am 25. April 1993 in Frankfurt am Main. Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband, Berlin 1993. Die Bekämpfung von Armut und Unterversorgung in Deutschland. Positionspapier der Nationalen Armutskonferenz in der Bundesrepublik Deutschland. [Bonn] 1993. Arbeits- und Gesundheitsschutz in der Kindertagesbetreuung. Der Paritätische Gesamtverband, Berlin 2010. mit Beiträgen von Olaf Bandt, Elisabeth Fresen, Mara Dehmer und Cornelia Harrer: Für alle, nicht die Wenigen. Warum wir unsere Zukunft nicht den Märkten überlassen dürfen. Westend, Frankfurt am Main 2021.
Essays, Beiträge Armes Deutschland. Warum wir Perspektiven brauchen. In: NDV. 3/2011, S. 105–112.
Auszeichnung Schneider wurde 2014 mit dem Marburger Leuchtfeuer für Soziale Bürgerrechte ausgezeichnet.Preisbegründung durch die Jury
Weblinks
Deutschlandfunk Zeitzeugen im Gespräch vom 29. Januar 2026: Birgid Becker im Gespräch mit Ulrich Schneider, ehemaliger Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands
Einzelnachweise
Kategorie:Sachbuchautor Kategorie:Deutscher Kategorie:Verbandsfunktionär (Deutschland) Kategorie:Die-Linke-Parteivorstand Kategorie:Absolvent der Universität Münster Kategorie:Geboren 1958 Kategorie:Mann