mini|Marsilius-Arkaden, Heidelberg Das Marsilius-Kolleg ist ein interdisziplinäres Kolleg der Universität Heidelberg. Es wurde 2007 im Rahmen des vom Wissenschaftsrat bewilligten Antrags der Universität in der dritten Förderlinie der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder als „Institute for Advanced Study“ eingerichtet.Ergebnisse der Frühjahrssitzungen des Wissenschaftsrats (21.–23. April 2021), auf wissenschaftsrat.de Übergreifendes Ziel des Marsilius-Kollegs ist es, das Gespräch zwischen verschiedenen Wissenschaftskulturen (Lebenswissenschaften, Naturwissenschaften, Sozial- und Rechtswissenschaften, Geistes- und Kulturwissenschaften) am Wissenschaftsstandort Heidelberg zu fördern sowie disziplinübergreifende Forschungsprojekte zu initiieren und zu konkretisieren. Damit einhergehend widmet sich das Kolleg auch zunehmend dem Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft.
Das Kolleg ist nach dem Gründungsrektor der Universität Heidelberg, Marsilius von Inghen, benannt.
Hochschulpolitischer Hintergrund Ausgangspunkt der Gründung des Marsilius-Kollegs war eine Diskussion über die Zukunft des Modells der Volluniversität im Rahmen der Antragstellung für die Exzellenzinitiative.
Das Marsilius-Kolleg ist eine institutionelle Antwort auf die Probleme ständig zunehmender wissenschaftlicher Spezialisierung und der damit verbundenen Isolierung der Wissenschaftskulturen. Beabsichtigt wird eine Vernetzung der Wissenschaftskulturen auf der Grundlage und nicht auf Kosten disziplinärer Spezialisierung. Durch das Marsilius-Kolleg sollen insbesondere auch die experimentell arbeitenden Natur- und Lebenswissenschaften in den interdisziplinären Dialog eingebunden werden, da diese an den bestehenden „Institutes for Advanced Study“ aufgrund ihrer stärkeren Ortsgebundenheit (Labore und Arbeitsgruppen) nur selten partizipieren können.
Ziele Das Marsilius-Kolleg verfolgt gemäß der vom Senat der Universität Heidelberg verabschiedeten Satzung die folgenden Ziele:Satzung des Marsilius-Kollegs, auf marsilius-kolleg.uni-heidelberg.de Förderung des Dialogs zwischen den Vertretern verschiedener Wissenschaftskulturen im Rahmen eines integrativen Verständnisses von Natur, Geist und Kultur Netzwerkbildung innerhalb der Universität sowie zwischen ihr und den im Raum Heidelberg angesiedelten außeruniversitären Forschungseinrichtungen und mit ausgewählten nationalen und internationalen Partnern Initiierung neuer Forschungsprojekte, die eine einzelne Wissenschaftskultur überschreiten Durchführung solcher Forschungsprojekte auch unter Einbeziehung von Nachwuchswissenschaftlern Vermittlung der gewonnenen Erkenntnisse in die universitäre und außeruniversitäre Öffentlichkeit Durchführung interdisziplinärer Lehrveranstaltungen im Rahmen der Marsilius-Studien nach der Satzung der Marsilius-StudienSatzung der Marsilius-Studien, auf marsilius-kolleg.uni-heidelberg.de
Instrumente interdisziplinärer Zusammenarbeit am Marsilius-Kolleg Um die genannten Ziele zu erreichen, wurden folgende Instrumente entwickelt:
Fellows Die Universität beruft jedes Jahr 10 bis 15 Wissenschaftler als Fellows des Marsilius-Kollegs.Fellows, auf marsilius-kolleg.uni-heidelberg.de Die Fellows bearbeiten am Kolleg Arbeitsvorhaben, die die Zusammenarbeit unterschiedlicher Wissenschaftskulturen erfordern. Die wöchentlichen Diskussionen der Fellows bilden den Kern des Marsilius-Kollegs. Die Fellows des Marsilius-Kollegs werden nach eingehender Bewerbung auf Vorschlag des Auswahlausschusses, dem auch externe Wissenschaftler angehören, vom Rektorat berufen.
Ziel der Fellowships ist es auch, längerfristige interdisziplinäre Forschungsprojekte zu initiieren (z. B. Marsilius-Projekte)Projekte, auf marsilius-kolleg.uni-heidelberg.de, die entweder durch externe Drittmittelgeber oder durch das Kolleg selbst gefördert werden können.
Young Marsilius Fellows Ab 2021 wird das Young Marsilius Fellow Program for Interdisciplinarity and Science Communication (YMFP) eingerichtet.Young Marsilius Fellows, auf marsilius-kolleg.uni-heidelberg.de
Konzipiert für Postdoktoranden und weit fortgeschrittene Doktoranden der Universität Heidelberg und der umliegenden außeruniversitären Forschungseinrichtungen, umfassen die einjährigen Fellowships die Zusammenarbeit an einem gemeinsam entwickelten interdisziplinären Projekt sowie Workshops zum Thema Wissenschaftskommunikation. Umfang, Inhalte und Ausrichtung der Young Marsilius Fellowships sind auf die Besonderheiten der Karrierestufe von Postdoktoranden angepasst. Die jährlichen Projekte der interdisziplinären Zusammenarbeit der YM-Fellow-Klassen stehen unter einem für alle Disziplinen anschlussfähigen Jahresmotto (z. B. 2021 „Freund & Feind“).
Marsilius-Studien Auf Anregung von Studierenden wurden 2010 die „Marsilius-Studien“, ein ergänzendes interdisziplinäres Studienprogramm, eingerichtet.Marsilius-Studien, auf marsilius-kolleg.uni-heidelberg.de
Die Marsilius-Studien dienen der Möglichkeit, dem akademischen Nachwuchs einen Zugang zur interdisziplinären Grundlagenforschung zu eröffnen. Teilnehmende können andere Wissenschaftskulturen kennenlernen und das Erlernte mit den Theorien und Methoden ihrer eigenen Disziplin verknüpfen.
Um das Zertifikat zu erhalten, müssen Absolvent zwei Brücken-Seminare der Marsilius-Studien absolvieren sowie an einer dem eigenen Studienfach fremden Veranstaltung teilnehmen. Als Abschlussleistung halten die Studierenden einen Fachvortrag für ein fachfremdes Publikum, zu dessen Vorbereitung sie von einem/einer Fellow des Marsilius-Kollegs als Mentor begleitet werden.
Marsilius-Vorlesungen Das Marsilius-Kolleg organisiert jedes Semester eine „Marsilius-Vorlesung“,Marsilius-Vorlesungen, auf marsilius-kolleg.uni-heidelberg.de bei der namhafte Wissenschaftler aus unterschiedlichen Bereichen zu disziplinenübergreifenden Themen sprechen. Diese werden dort mit der „Marsilius-Medaille“ ausgezeichnet, die für besondere Verdienste für das Gespräch zwischen den Wissenschaftskulturen verliehen wird. Redner und Preisträger waren bislang:
Datum Festredner WissenschaftsdisziplinVorlesungsthema14.11.2024Ulrike MalmendierÖkonomieWie Erfahrungen uns prägen01.07.2024George Q. DaleyStammzellforschung und KrebsbiologieSientific Progress and the Need for Oversight25.01.2024Frank C. WorrellPsychologieTime Constructs — A critical Concept in Human Functionning10.07.2023Donald E. IngberBiologie und IngenieurskunstBridging Science, Engineering, and Art: From Mechanobiology to Human Organs-on-Chips27.10.2022Ute FrevertBildungsforschungPolitik und Gefühl — Eine unheilige Allianz?21.07.2022Mathias RissePhilosophieDigitaldemokratie24.02.2022Ingolf U. DalferthReligionsphilosophieHoffnung - Grundlinien einer menschlichen Orientierungsweise22.07.2021Antje BoetiusMeeres- & PolarforschungMensch und Meer – zur Zukunft von Ozeanen und Polarregionen04.02.2021Lambert WiesingPhilosophieWahrnehmung und Selbstbewusstsein16.07.2020Bernhard SchölkopfInformatikSymbolische, Statistische und Kausale Intelligenz30.01.2020Angelika NußbergerRechtswissenschaftEuropa, deine Menschenrechte23.05.2019Daniel Jobst MüllerBiophysikEngineering Molekularer und Zellulärer Systeme für ein besseres Leben31.01.2019Hermann ParzingerKulturgutforschungKulturgut auf Abwegen. Zwischen Provenienzforschung, Wiedergutmachung und Shared Heritage17.05.2018Petra SchwilleBiophysikLeben. Der (kleine) Schritt zur belebten Materie30.11.2017Marina MünklerGermanistikFremdheit. Mittelalterliche Lösungen und moderne Probleme01.06.2017Kevin EsveltBiotechnologieWisely Engineering Shared Ecosystems. Leveraging gene drive to ensure open and community-responsive genetic engineering research26.01.2017Elke SeefriedGeschichtswissenschaftZukünfte. Eine Geschichte der Zukunftsforschung seit 194512.05.2016Joachim von BraunAgrarökonomieBioökonomie: Nachhaltig leben und wirtschaften03.02.2016Jutta AllmendingerSoziologieWissenschaft als Berufung? Karrieren im Wissenschaftssystem des 21. Jahrhunderts11.06.2015Elio RiboliMedizin und Public HealthCan we prevent Chronic Disease? The role of Nutrition and Lifestyle29.01.2015Melanie Wald-FuhrmannMusikwissenschaftWarum lieben Sie Brahms? Musikgeschmacksforschung zwischen Historie, Soziologie und Neurowissenschaft05.06.2014Felix SchürmannPhysik„Wettlauf ums Gehirn?“ – Das europäische Human Brain Project06.02.2014Hans-Jörg RheinbergerWissenschaftsgeschichteNatur und Kultur im Spiegel des Wissens16.05.2013Onur GüntürkünNeurowissenschaftenDie Evolution des Denkens07.02.2013Alvin RothWirtschaftswissenschaftenKidney Exchange and other market and near-market approaches to transplantation10.05.2012Simon WhiteAstrophysikKosmische Evolution: Der Ursprung unseres Universums01.02.2012Edna B. FoaMedizin und PsychiatriePost-traumatic Stress: Etiology and treatment taking social aspects into account30.06.2011Douglas PriceArchäometrieIsotopes and ancient teeth: A new window on the human past03.02.2011Gerd GigerenzerPsychologieDie Illusion der Gewissheit: Wie wir uns von Statistiken verwirren lassen08.07.2010Jörg WidmannKomposition & Klarinette„Die Zukunft soll das höhere Echo der Vergangenheit sein“ (Robert Schumann) – Über Tradition und Innovation in der Musik04.02.2010Christiane Nüsslein-VolhardBiologieWachstum in Natur und Kultur02.07.2009Dieter GrimmRechtswissenschaftDie Kunst ist frei – aber was ist Kunst?19.02.2009Wolfgang Frühwald †Germanistik„Lies nur die linken Seiten eines Buches!“ – Über Mehrung und Zerfall moderner Wissenswelten 18.07.2008 Günter Blobel † BiomedizinDie Zelle als Kunstwerk
Marsilius kontrovers Das Veranstaltungsformat „Marsilius kontrovers“ ist als Diskussion zwischen einer Expertengruppe, bestehend aus Fellows des Kollegs, und dem Publikum zu einem gesellschaftlich relevanten Thema konzipiert.Marsilius kontrovers, auf marsilius-kolleg.uni-heidelberg.de Nachdem die Wissenschaftler ihre Forschung zu der Thematik aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven in Kurzvorträgen präsentiert haben, besteht die Möglichkeit für das Publikum, kritische Rückfragen zu stellen und in einen Dialog zu treten.
Gastprofessur für Wissenschaftskommunikation Auf die Nature-Marsilius Gastprofessur für Wissenschaftskommunikation (ehem. Springer Nature Gastprofessur) werden Experten berufen, die im Rahmen eigener Veranstaltungen Anregungen und Erkenntnisse um den Themenkomplex Berichterstattung und Kommunikation in der Wissenschaft bieten und das Bewusstsein dafür schärfen sollen.Springer Nature Gastprofessur, auf uni-heidelberg.de
Die Nature-Marsilius Gastprofessur ist eine gemeinsame Initiative der Holtzbrinck Berlin (ehem. Holtzbrinck Publishing Group), der Klaus Tschira Stiftung (KTS) und der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.
Alle bisherigen und aktuellen Gastdozierenden: GastdozierendeKamingesprächeWintersemester 2018/2019Sir Philip Campbell (Editor-in-Chief von Springer Nature)AufzeichnungWintersemester 2019/2020Dagmar Röhrlich (Wissenschaftsjournalistin)Aufzeichnung2021/2022Eva WolfangelAufzeichnung2022/2023Ionica SmeetsAufzeichnungWintersemester 2022/2023Mai Thi Nguyen-Kim (Wissenschaftsjournalistin und Fernsehmoderatorin)Aufzeichnung2023/2024Michele CatanzaroAufzeichnungWintersemester 2023/2024Martin EnserinkAufzeichnung2024Fiona FoxAufzeichnungWintersemester 2024/2025Kai KupferschmidtAufzeichnung2025Verena Mischitz
Das Direktorium Das Marsilius-Kolleg wird von zwei Direktoren aus unterschiedlichen Wissenschaftskulturen geleitet, die dem Rektorat der Universität Heidelberg berichten. Sie werden vom Senat der Universität für drei Jahre gewählt. AmtszeitDirektoriumSeit 2020Michael Boutros (Genomforschung) & Friederike Nüssel (Systematische Theologie)2014–2020Thomas Rausch (Molekulare Pflanzenbiologie) & Bernd Schneidmüller (Mittelalterliche Geschichte)2007–2014Gründungsdirektoren: Hans-Georg Kräusslich (Virologie) & Wolfgang Schluchter (Soziologie)
Weblinks Website des Marsilius-Kollegs