Effigy Mounds National Monument ist eine Gedenkstätte und ein archäologisches Schutzgebiet vom Typ eines National Monuments im Tal des Mississippi Rivers im Nordosten des US-Bundesstaates Iowa. Es bewahrt über 200 Mounds genannte, künstliche Hügelstrukturen, von denen 31 als Geoglyphen in den Umrissen verschiedener Tiere geformt sind. Sie entstanden zwischen 500 v. Chr. und 1200 n. Chr. und wurden von einer präkolumbischen Indianerkultur der Woodland-Periode als Begräbnis- und Kultbauten angelegt, wobei die figürlichen Formen erst um das Jahr 700 aufkamen und bis etwa 1200 angelegt wurden. Die Kultur ihrer Erbauer wird als Effigy-Mounds-Kultur („Kultur der abbildhaften Erdhügel“) bezeichnet, sie waren die letzten Jäger und Sammler in der Region.Peter Neal Peregrine, Melvin Ember: Encyclopedia of Prehistory. Springer, New York 2001, ISBN 0-306-46260-5, S. 255 ff.
Die Erforschung der Mounds begann im 19. Jahrhundert, fundierte Erkenntnisse über die Erbauer konnten erst im 20. Jahrhundert erlangt werden. Das Schutzgebiet wurde 1949 von Präsident Harry S. Truman eingerichtet und mehrfach erweitert. Es wird vom National Park Service verwaltet. Der Name stammt vom englischen Wort effigy für figürliches Abbild und grenzt die Mounds der Region von den wesentlich größeren, überwiegend jüngeren, und meist geometrischen künstlichen Hügeln im Südosten der Vereinigten Staaten ab.
Lage des Gebietes mini|links|Vorkommen der Effigy Mounds im heutigen südlichen Wisconsin und benachbarten Staaten mini|hochkant=1.1|Flusstal im Schutzgebiet mini|hochkant=1.1|Zwei Mounds in Vogelform (die Umrisse sind zu Forschungszwecken mit Kalk eingefärbt)
Das Gebiet liegt am Westufer des Mississippi Rivers in der Übergangszone zwischen den Prärien der Great Plains im Westen und der Mischwald-Zone im Umfeld der Großen Seen. Es war in der letzten Eiszeit (in Nordamerika Wisconsin glaciation genannt) eisfrei, das Steilufer des Flusses hat daher seine schroffen Formen erhalten und die Region wurde vergleichsweise früh besiedelt.Effigy Mounds Administrative History, The First Inhabitants Die Landschaft des eisfreien Driftless Areas ist geprägt durch Plateaus aus Kalkstein mit teils tief eingeschnittenen Flusstälern, an vielen Stellen treten Karsterscheinungen auf. Die Region war in prähistorischer Zeit überwiegend locker bewaldet, wobei der Baumbestand durch häufige kleine Brände offen gehalten wurde. Der Fels des Steilufers im heutigen Schutzgebiet weist eingelagerte Schichten von Feuerstein auf.
Effigy Mounds Als Mounds werden alle künstlichen Hügel bezeichnet, die in den östlichen Vereinigten Staaten von prähistorischen Indianerkulturen errichtet wurden. Die ältesten Mounds sind Grabhügel aus der Archaischen Periode und wurden im Südosten der USA ab etwa 3500 v. Chr. angelegt. Am Oberlauf des Mississippi Rivers kam dieser Begräbnisbrauch erst um 500 v. Chr. am Anfang der Woodland-Periode auf, aus ihm entwickelten sich die figürlichen Effigy Mounds der späten Woodland-Phase zwischen 700 und 1200 n. Chr.
Das Vorkommen von Effigy Mounds erstreckt sich über das südliche Wisconsin und die Grenzregionen zu Illinois, Iowa und Minnesota im Einzugsgebiet des Mississippi Rivers und seines Zuflusses Wisconsin River. Das Effigy Mounds National Monument am Rand des Verbreitungsgebietes bewahrt die größte Zahl und die besterhaltenen Mounds der Kultur, deren Überreste andernorts zumeist von Land- und Forstwirtschaft zerstört wurden. Nur im zerklüfteten Flusstal des Mississippi sind die Hügel weitgehend erhalten geblieben.
Die Mounds des Effigy Mounds National Monument sind gegenüber denen anderer Kulturen im Südosten der Vereinigten Staaten klein. Der größte hat eine Länge von rund 40 m, typisch für die figürlichen sind etwa 25 m, die ältesten, runden kommen oft nur auf unter 10 m. Alle sind zwischen 60 cm und wenig über einen Meter hoch. Sie erscheinen in Gruppen und bilden gemeinsame Strukturen.Beschreibung der Mounds nach Lane A. Beck: Regional Approaches to Mortuary Analysis. Springer, New York 1995, ISBN 0-306-44931-5, S. 105 f.
Einige überwiegend alte, runde Mounds sind Grabhügel, die Toten sind zumeist in Hockstellung mit umfangreichen Grabbeigaben wie Speerspitzen und Keramik bestattet. Viele figürliche Effigy Mounds enthalten keine Gräber. Frühere Ausgrabungen und heutige zerstörungsfreie Aufnahmen mit Bodenradar zeigen, dass die meisten Mounds durch Abräumen der Humusdecke und Schaffung eines flachen Untergrunds mit anschließendem Aufschütten von Erdreich in einzelnen Klumpen aufgebaut wurden. Bei einigen wurde eine flache Grube in der späteren Form ausgehoben oder der Hügel auf der unbearbeiteten Oberfläche errichtet. Die Struktur aus zusammengefügten Erdklumpen passt zu einem Transport des Materials in Körben.
Vereinzelt wurden auch in anderen Regionen und Epochen Mounds in Tierform angelegt, sie werden jedoch nicht der Effigy Mounds Culture zugerechnet. Eine eventuelle Beziehung zwischen den Effigy Mounds des oberen Mississippi zum größten bekannten Mound in Tierform, dem Great Serpent Mound in Ohio, ist ungeklärt, da dessen Alter und kulturelle Tradition wegen widersprüchlicher Datierungen nicht bestimmt sind.
Geschichte Die ältesten Mounds der Region um das südliche Wisconsin entstanden am Ende der archaischen Periode um 500 v. Chr. aus Begräbnisformen des red ochre-Typs, bei dem gemahlenes rotes Hämatit in Grabstätten gestreut wurde. Im Süden des Schutzgebietes wurde ein Mound mit Hämatit-Schichten gefunden; ob sie künstlich entstanden und den red ochre-Kulturen zuzurechnen sind, ist fraglich, da der Hügel ansonsten eindeutige Merkmale einer wesentlich späteren Entstehung aufweist.Die Darstellung dieses Kapitels stützt sich auf Cockrell, viertes Kapitel.
Die Mounds des Effigy Mounds National Monument entstammen der Woodland-Periode zwischen 500 v. Chr. und etwa 1150. Über die zugehörige Kultur ist nur wenig bekannt. Im feuchten Klima der Region mit starken jahreszeitlichen Temperaturschwankungen verwittern die meisten Artefakte schnell, Material für eine 14C-Datierung liegt nur vereinzelt vor. Die Menschen verfügten seit der archaischen Periode über Keramik, um 500 v. Chr. kommt die Nutzung von Kupfer auf. Dieses wurde im heutigen Ontario gefunden und über den ganzen Osten Nordamerikas gehandelt. Die Bewohner der Region am Mississippi und Wisconsin waren nomadische Jäger und Sammler und folgten den Nahrungsquellen je nach Saison. Im Herbst und Winter nutzten sie die Ressourcen der Hügelketten, insbesondere durch die Jagd auf Weißwedelhirsche und das Sammeln von Eicheln und den Nüssen des Hickorybaumes, in der wärmeren Jahreszeit lebten sie nahe Flüssen und ernährten sich überwiegend vom Fischfang und dem Sammeln von Muscheln sowie den Samen von wildem Wasserreis. Daneben standen Anfänge des Ackerbaus mit dem Anbau von Kürbis und Sonnenblumen.Theler/Boszhardt, S. 443. Im Sommer bewohnten sie im Familienverband oder Kleingruppen temporäre Wigwams aus mit Rinde abgedeckten Ästen, im Winter verbanden sich mehrere Familien und sie zogen sich in wettergeschützte Felsnischen zurück. Ihre Jagdwaffe war der Speer mit der Speerschleuder, wichtigste Werkzeuge waren steinerne Schaber und Beile. Werkzeuge aus Bein waren verbreitet, sind aber nicht erhalten. Die Bewohner legten regelmäßig kleine Waldbrände, als Mittel zur Treibjagd und um die von ihnen genutzten fruchttragende Baumarten im Waldbestand zu fördern. Feuer diente auch als Werkzeug beim Fällen großer Bäume.Theler/Boszhardt, S. 442 f.
Frühe Woodland-Periode (500–100 v. Chr.) Die Hügel der frühen Woodland-Stufe sind rund, mit einem Durchmesser von unter zehn Metern und weniger als einen Meter hoch. In ihnen sind zumeist mehrere Tote in individuellen Gruben bestattet. Rotes, hämatitreiches Gesteinsmehl wurde noch oft in die Gräber gestreut. Einige alte Mounds im Süden des Schutzgebietes, in der Sny Magill Unit, werden dem Ende der frühen Woodland-Stufe zugerechnet.
Mittlere Woodland-Stufe (100 v. Chr.–700) Die mittlere Woodland-Periode ist gekennzeichnet durch das Aufkommen von Fernhandel, komplexen Begräbnissitten und neuen, feineren Keramikformen. Die Menschen im oberen Mississippi-Tal wurden durch den neuen kulturellen Austausch mit der Hopewell-Kultur im Tal des Ohio Rivers beeinflusst. Die Verbindungen erlaubten den Fernhandel von Kupfer von den Großen Seen und Obsidian aus den Rocky Mountains durch den ganzen Osten Nordamerikas und die Prärie-Regionen. Auch Glimmer, Bleiglanz und Feuerstein wurden über weite Strecken transportiert. Die Mounds im Schutzgebiet, die der Epoche zugeordnet werden, sind oft größer als früher, die runden Kuppen sind glatt ausgeformt und werden als conical (konisch, kegelförmig) bezeichnet. Auch sie enthalten in der Regel Gräber und Grabbeigaben. Viele Leichname zeigen Anzeichen für eine Sekundärbestattung: Im Winter oder der Erntesaison wurden die Toten in Tierhäute oder Matten aus pflanzlichem Material gehüllt und auf Bäumen oder hölzernen Plattformen abgelegt, bis Zeit war ihnen einen Mound zu errichten. Vereinzelt kam auch die Feuerbestattung und ein Begräbnis in rechteckigen Gruben mit senkrechten Wänden aus Ton auf. Die letztgenannten Sitten kamen aus der Hopewell-Region an den Oberlauf des Mississippis. Gegen Ende der mittleren Woodland-Periode entstanden die ersten zusammengesetzten Mounds: Neben dem großen konischen Grabhügel wurde eine Reihe kleinerer, runder oder länglicher Hügel ohne Gräber angelegt. Die längste derartige Struktur im Schutzgebiet erstreckt sich über mehr als 140 m.
Späte Woodland-Stufe (700–1150) mini|hochkant=1.5|Marching Bear Mounds (Nordteil; die Umrisse sind zu Forschungszwecken mit Kalk eingefärbt)
In der späten Woodland-Periode begann der Bau der figürlichen Effigy Mounds und die Kultur der Effigy Mound Builders verbreitet sich im Übergangsgebiet zwischen den Prärien und den Großen Seen mit einem Schwerpunkt im heutigen Wisconsin. Unkalibrierte 14C-Daten der figürlichen Hügel liegen zwischen 700 und 1030.Theler/Boszhardt, S. 436. Während auch weiterhin runde Mounds angelegt wurden, erscheinen daneben Hügel in Tierform. Gefunden werden Vögel, Schildkröten, Eidechsen, auf der Seite liegende Bären, Panther oder Wildkatzen und vereinzelt Menschen. Im Effigy Mounds National Monument wurden ausschließlich Vögel und Bären entdeckt. Sie sind nur noch teilweise Grabhügel, auch fehlen Grabbeigaben fast völlig.
Die Effigy Mounds wurden immer in Gruppen angelegt, oft mit runden und länglichen Hügeln kombiniert. Diese Gruppen erreichten teilweise beachtliche Größe. Bei Harpers Ferry, Iowa, nur wenig nördlich des Schutzgebietes wurden in den 1890er Jahren 895 Mounds kartiert, bis 1930 waren alle bis auf etwa zwanzig durch Land- und Forstwirtschaft zerstört. Die Gruppe in der Sny Magill Unit des Schutzgebietes gilt als die größte erhaltene Konzentration an Mounds.Paul L. Beaubien, Archaeological Investigation of the Sny-Magill Mound Group, 1952, Memorandum für den National Park Service, U.S. Department of the Interior, vom 16. März 1953, aus den Akten des Effigy Mounds National Monument, zitiert nach Cockrell, viertes Kapitel. Die Gruppen waren entweder flächig dicht verteilt oder in linearen Strukturen angeordnet. Letztere verlaufen in der Regel entlang von Geländeformen, wie Hangkanten und Flussterrassen. Sofern die Strukturen eine Bewegungsrichtung andeuten, orientieren sich die Formen nahezu immer hangabwärts.Effigy Mounds Administrative History, The First Inhabitants