Das Unternehmen Zeidler & Wimmel (kurz Z&W) war in den 1930er Jahren eine der größten Steinmetzfirmen Deutschlands mit mehr als 1.600 Beschäftigten. Sie wurde im Jahr 1776 in Berlin gegründet und ist damit eine der ältesten Steinmetzfirmen Deutschlands. Seit 2004 ist das Unternehmen eine 100-prozentige Tochter der Geiger-Gruppe (Stand 2021).Zeidler&Wimmel. zeidler-wimmel.de; abgerufen am 18. Januar 2021
mini|hochkant=1.5|Reichstagsgebäude in Berlin, in Zusammenarbeit von Paul Wallot mit der Firma Zeidler & Wimmel erbaut Im Jahr 2014 waren im steinverarbeitenden Werk der Geiger-Gruppe in Kirchheim in Unterfranken 55 Mitarbeiter beschäftigt.Landrat Nuß zu Besuch beim ältesten Unternehmen des Landkreises. Landkreis Würzburg, 2014. Im Oktober 2022 waren noch 21 Mitarbeiter beschäftigt und nach Aussage des Ortsbürgermeisters von Kirchheim wird das traditionsreiche Z&W-Werk Ende 2022 geschlossen. Als Grund für die Schließung werden von der Geiger-Gruppe „drastisch steigende“ Energiepreise genannt,Z&W schließt Werktore. In: Naturstein, 12/2022, S. 63. während der Branchenverband „strukturelle Probleme“ sieht.Aaron Niemeyer, Torsten Schleicher: „Damit stirbt ein Stück Kirchheim“: Natursteinbetrieb im Lkr. Würzburg entlässt Fachkräfte aufgrund der Energiekrise In: Mainpost, 20. Oktober 2022.
Geschichte Die Steinmetzfamilien Wimmel, Zeidler und später auch Metzing waren an mehreren bedeutenden Steinbauten Deutschlands beteiligt. Der Steinmetzmeister Johann Heinrich Wimmel gründete 1776 einen Steinmetzbetrieb in Berlin, der sich unter der Bautätigkeit Friedrich II. in kurzer Zeit zum größten Berliner Steinmetzbetrieb entwickelte. Bekannt sind das Brandenburger Tor und das Reichstagsgebäude; nahezu unbekannt ist, dass diese Bauwerke von Z+W ausgeführt wurden. Die meisten durch die Firma Z+W ausgeführten Bauarbeiten spiegeln deutsche Geschichte wider. In allen historischen Epochen pflegten die Steinmetze der Familien Wimmel, Zeidler und später auch Metzing die Zusammenarbeit mit Architekten und Bildhauern. Zwischen Z+W und den Architekten Karl Friedrich Schinkel und Paul Wallot und den Bildhauern Christian Daniel Rauch und Johann Gottfried Schadow bestanden nicht nur geschäftliche, sondern auch partnerschaftliche bzw. freundschaftliche Beziehungen. Der Schwerpunkt der Bautätigkeit von Z+W lag in Berlin, und die verbauten Steine stammten größtenteils aus den östlichen Steinabbaugebieten Deutschlands.
Im Jahre 1939 beschäftigte die Firma rund 1.600 Arbeiter in sieben Werken und 21 Steinbrüchen und war damit einer der größten Steinmetzbetriebe, die es je in Deutschland gegeben hat. Am Ende des Zweiten Weltkrieges hatte Z+W acht Zehntel ihrer Betriebssubstanz verloren und gründete sich in Kirchheim neu. 1989 verkaufte Hellmut Metzing Z+W an die Philipp Holzmann AG, die diese wiederum 2004 an die H. Geiger Stein- und Schotterwerke aus Kinding weiter verkaufte.
mini|Berlin, Königskolonnaden durch die Fa. Z+W aus Elbsandstein 1778–1780 aufgebaut mini|Neue Wache von Fa. Z+W 1818 in Elbsandstein aufgebaut
Persönlichkeiten Am 11. März 1776 wurde durch den Steinmetzmeister Johann Heinrich Wimmel die Steinmetzfirma Wimmel in Berlin gegründet, die sich durch die rege Bautätigkeit von Friedrich II. rasch zur größten Steinmetzfirma Berlins entwickelte. Dabei hatte er den Einspruch der Steinmetzmeister Berlins zu überwinden, die meinten, dass „… der Steinmetzmeister in Berlin genug seyen …“ Dieser Einspruch wurde „per decretum Magistratus“ aufgehoben.Welt am Sonntag, 7. Juni 1964, S. 23. Johann Heinrich Wimmel wurde als Sohn einer Bürgerfamilie 1749 in Kassel geboren, erlernte den Beruf des Steinmetzen, und seine Wanderschaft führte in unter anderem nach Straßburg und nach Berlin, wo er am 4. Januar 1776 den Meisterbrief erhielt und an der Pommeranzenbrücke seine erste Werkstatt, in der Ufernähe eines heute zugeschütteten Seitenarms der Spree, aufbaute. In seiner Schaffenszeit erwarb der Steinmetzmeister das Vertrauen von berühmten Berliner Architekten wie Carl von Gontard, Carl Gotthard Langhans und David Gilly, und dessen Sohn Friedrich Gilly und von Steinbildhauern wie beispielsweise Johann Gottfried Schadow. Als Wimmel 1818 starb, hatte er das Brandenburger Tor und die Königskolonnaden in Berlin gebaut.
Phillip Heinrich Wimmel Von seinen Söhnen übernahm der älteste, Phillip Heinrich Wimmel, der als einziger den Beruf des Steinmetzen erlernt und 1801 das Meisterrecht erworben hatte, die Unternehmung. Die anderen Söhne wurden Baudirektoren in Berlin und bei Fürst Hermann von Pückler-Muskau. Der Ruf der leistungsfähigen Unternehmung und die aufgebauten Firmenbeziehungen halfen der Steinmetzfirma, die schwierige Zeit der Freiheitskriege zu überleben, als geplante Steinfassaden aus Kostengründen in Stuck- und Putz ausgeführt wurden.
Friedrich der Große hatte am 6. Juni 1754 verfügt, dass für Staatsbauten ausschließlich der Ummendorfer Sandstein, ein Weichgestein aus der Gegend von Magdeburg, zu verwenden sei. Wimmel verbaute das Material am Berliner Stadtschloss, Zeughaus Berlin, Brandenburger Tor, Alten Museum und an der Neuen Wache.Zeidler & Wimmel: 150 Jahre. S. 38. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde begonnen, auch Hartgesteine zu verarbeiten und hierfür verwendete man zunächst die Findlinge aus der Mark Brandenburg und aus Preußen. König Friedrich Wilhelm III. gab den Steinmetzmeistern Wimmel und Trippel den Auftrag, die Säulenvorhalle des Mausoleums im Schloss Charlottenburg mit inländischem Granit umzubauen. Weitere Denkmalsockel und Denkmale, Säulen, Schalen usw. wurden in dieser Firma maschinell hergestellt, poliert und erfolgreich verkauft.
Goethe lobte in einem Schreiben die Granitarbeiten, wobei er neben den vier Granitsäulen am Mausoleum im Charlottenburger Schloss insbesondere die große Granitschale im Lustgarten mit 6,91 Metern Durchmesser und 75 Tonnen Gewicht davor hervorhob.Der Tagesspiegel, 7. Mai 1967, S. 31.
Wimmel pflegte nicht nur geschäftliche Beziehungen zu Architekten und Bildhauern, wie z. B. zu Schinkel, sondern eine freundschaftliche, die brieflich dokumentiert ist.Zitat aus einem Brief des großen preußischen Baumeisters Schinkel am 11. Januar 1830 an Philipp Heinrich Wimmel: „Sollte es ihre Zeit erlauben, mir ein Stündchen zu schenken, um mit mir wegen einiger großer Projekte vorläufige Überschläge zu machen, so würde es mir sehr lieb sein, wenn sie sich etwa um halb 3 Uhr zu mir bemühen wollen.“ Welt am Sonntag, 7. Juni 1964, S. 23.
Für hervorragende technische Leistungen erhielt Phillip Heinrich Wimmel 1828 vom König die Medaille für Kunst und Gewerbe.
Im Jahre 1831 verstarb er. Die Witwe Phillips zeigte besonderen Bürgersinn, als sie als einzige Frau in der Berliner Bürgerwehr 1848 für Berlin und für die Verfassung Preußens auf die Barrikaden ging.
Adolf Heinrich Wimmel Sein Sohn Adolf Heinrich Wimmel übernahm das Geschäft und knüpfte neben den bestehenden Kontakten zu Schinkel, auch zu weiteren Berliner Architekten und Bildhauern wie Carl Ferdinand Langhans, Friedrich August Stüler, Ludwig Persius, Heinrich Strack und zu den Bildhauern Christian Daniel Rauch und Friedrich Drake Kontakte. Zu seinen größten Leistungen zählten der Bau das Palais von Kaiser Wilhelm I., der Säulenhalle vor dem Palais von Prinz Albrecht in der Wilhelmstraße und der Kapelle im Schloss Berlin über dem Eosanderportal. 1853 wurde er für den gelungenen Kapellenbau zum Königlichen Hofsteinmetzmeister ernannt. Im gleichen Jahr ließ sich der Steinmetzmeister Johann Gottlieb Zeidler aus Frankfurt (Oder) in Berlin nieder, der geschäftliche und freundschaftliche Beziehungen zu den Wimmels aufbaute. Dies sollte für die Firmenentwicklung von Z+W von großer Bedeutung werden.
Früh starb Adolf Heinrich Wimmel im Jahre 1859 und hinterließ einen minderjährigen Sohn namens Paul.
Paul Wimmel mini|Gedenktafel am Borussia-Monument, Am Sandwerder 1, in Berlin-Wannsee Die Witwe Adolfs führte die Geschäfte weiter und Paul Rasche, ein Architekt, der mit Heinrich Strack zusammengearbeitet hatte und beim Bau der Siegessäule eine leitende Stelle innehatte, war in der Zwischenzeit in die Firma Wimmel eingetreten, die unter der Firmenbezeichnung Paul Wimmel&Co. weitergeführt wurde.
Inzwischen war in der Lehrter Straße das Firmengelände und die Werkstatt mit modernem Maschinenpark ausgestattet worden, so dass zum ersten Male in Berlin mit diamantbesetzten Sägeblättern Steine zerteilt wurden.
Im Jahre 1886 übernahm ihr Sohn, Paul Wimmel, in vierter Generation die Firma Wimmel. In der Zwischenzeit hatten die Söhne Carl und Otto Zeidler die Firma ihres Vaters als Steinmetzfirma Gebr. Zeidler übernommen. Aufgrund der großen Bautätigkeit schlossen sich Wimmel und die Zeidlers im Jahre 1872 zusammen und errichteten in Bunzlau neben den Sandsteinbrüchen ein gemeinsames Werk mit der neuen Firmenbezeichnung Zeidler & Wimmel. Diese Firma erschloss, kaufte und pachtete schlesische Sandsteinbrüche in Alt-Warthau, Rackwitz, Sirgwitz, Plagwitz und Hockenau. Ferner wurde in Löwenberg ein Werkplatz eingerichtet. Damit waren die drei Firmen, die Firma Z+W in Bunzlau, die Steinmetzfirmen Gebr. Zeidler und Paul Wimmel&Co in Berlin in der Lage, den großen Bedarf an Werksteinen im Wettbewerb mit anderen Firmen nicht nur zu befriedigen, sondern diesen Wettbewerbsvorteil zu nutzen. Die Großaufträge in Berlin häuften sich, wie zum Beispiel die Dombauarbeiten am Gendarmenmarkt, der Bau des Berliner Abgeordnetenhauses, des Kunstgewerbemuseums, der Technischen Hochschule, des Museums für Völkerkunde und des Kaiserlichen Marstalls. Aber nicht nur in Berlin war die Firma erfolgreich, es folgten Bauaufträge für den Römer in Frankfurt a. M., für die Rochuskapelle in Bingen, für das Schloss in Posen und Bauten in Potsdam. Der Bau des Reichstagsgebäudes 1884 begann durch die Firma Paul Wimmel&Co, ein Bau, der bis zur Fertigstellung 24 Millionen Mark kostete. 1884 beschäftigte das Bunzlauer Unternehmen bereits 800 Arbeiter und war damit eines der größten deutschen Steinmetzunternehmen.
Im Jahr 1892 erhielt das Unternehmen die Goldene Staatsmedaille. Im gleichen Jahr wurde Z+W mit dem Bau des Stieglitzmuseums in St. Petersburg beauftragt. Weitere bemerkenswerte ausländische Aufträge schlossen sich an: Der Schlossbau Massandra auf der Krim, der Denkmalsbau für den russischen Zaren Alexander II., der Bau des Palais für die Großfürsten Wladimir, Paul und Alexei Alexandrowitch und weitere Bauten.
Adalbert Metzing mini|Fassade des KaDeWe, 1907 Kaufhaus des Westens in Berlin 1896 erhielt die Firma Gebr. Zeidler für ihre Werksteinarbeiten die Silberne Staatsmedaille. 1903 ging die Bunzlauer Z+W in den Besitz der Gebr. Zeidler über. Im Jahre 1905 übernahm die Leitung dieser Firmen der Steinmetzmeister Adalbert Metzing, ein Nachkömmling der traditionellen Steinmetzfamilie Metzing.Siehe zu Adalbert Diese Firma Gebr. Zeidler baute das Kaufhaus des Westens (KaDeWe), das Warenhaus Tietz und erstellte weitere Steinbauten.
Im Jahr 1907 kaufte Paul Metzing die drei Steinmetzbetriebe auf und führte die Betriebe unternehmerisch getrennt weiter, um sie 1920 durch Adalbert Metzing zu einem Unternehmen Zeidler & Wimmel zusammenzuführen.Geschichte einer alten Steinmetzhütte, 150 Jahre Berliner Steinmetz-Handwerk (Zeidler & Wimmel). In: Deutsche Bauzeitung, 1920, Heft 1, S. 67. Damit hatte der geschickte Wimmel ein Unternehmen geschaffen, das den deutschsprachigen Raum dominierte und ferner zahlreiche Aufträge auch aus dem Ausland erhielt.