Das Ludwigsgymnasium Saarbrücken ist das älteste Gymnasium im Saarland.

Geschichte Das Stift Sankt Arnual unterhielt bereits im Jahr 1223 eine Stiftsschule. Nach der Auflösung des Stiftes 1569 und der Einführung der Reformation 1575 bildete Philipp III. von Nassau-Saarbrücken daraus im 16. Jahrhundert eine Lateinschule. Im Jahr 1604 gründete Graf Ludwig II. von Nassau-Saarbrücken schließlich als Bildungszentrum für Nassau-Saarbrücken ein Gymnasium, welches durch die Einkünfte des Stifts St. Arnual finanziert wurde. Erster Rektor war Wilhelm Ursinus. Entsprechend der kirchlichen Tradition des Gymnasiums und seiner hauptsächlichen Bestimmung während der Barockzeit, den Pfarrer- und Beamtennachwuchs des Landes auf das Theologie- oder Jurastudium vorzubereiten, waren die Lehrer und Rektoren des Gymnasiums zugleich evangelische Pfarrer.

Die Geschichte der Schule verlief, parallel zum Auf und Ab der Geschichte der Region, sehr wechselhaft. Mitte des 18. Jahrhunderts erlebte die Schule unter ihrem Förderer Fürst Wilhelm Heinrich eine große Blüte. Der Dreißigjährige Krieg und die Französische Revolution hingegen brachten existenzbedrohende Krisen mit sich.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war das Ludwigsgymnasium das einzige Saarbrücker Gymnasium.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Schule in den 1960er Jahren einen starken Aufschwung. Sie galt als führendes Gymnasium im Saarland, und die dort vermittelte humanistische Bildung hatte einen hohen Stellenwert. Es gab und gibt einen altsprachlichen Zweig mit Latein, Französisch und Griechisch und bis 1964 Hebräisch sowie einen alt-neusprachlichen Zweig mit Latein, Französisch und Englisch als Fremdsprachen. Französisch als zweite Fremdsprache war eine Besonderheit im humanistischen Gymnasium, die auf einem das Saarland betreffenden Staatsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich beruhte.

mini|Ludwigsgymnasium auf Briefmarke (1952)

Anfang der 1970er Jahre stellte die Schule im Rahmen des Reformversuchs Oberstufe Saar die höchsten Schülerjahrgänge von einem Klassen- auf ein Kurssystem um. In jenen Jahren nahm das traditionell reine Jungengymnasium auch erstmals Mädchen auf.

mini|Schulhof

Nach zurückgehenden Neuanmeldungen (im Schuljahr 1990/91 umfasste die Sexta nur 50 Schüler) und Schließungsgerüchten wurde im Schuljahr 1991/92 ein rein neusprachlicher Zweig mit der Sprachfolge Französisch–Englisch–Spanisch eingefügt.

Im Schuljahr 2017/18 lernen am Ludwigsgymnasium Saarbrücken 850 Mädchen und Jungen in insgesamt 38 Klassen und Kursen, wobei inzwischen die Zahl der Mädchen überwiegt. Die Schule beschäftigt 71 Lehrer.

Schulgebäude

In seiner Geschichte blieb das Gymnasium nie längere Zeit am selben Platz. Oft beengt von weltlicher und geistlicher Interessenwahrnehmung, fast immer unter Sparzwängen, getrieben von politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen seiner Zeit, begleitet von nahezu immerwährender Raumnot und den zerstörerischen Einwirkungen ständiger Konflikte, bezog die Schule wechselnde Gebäude auf dem Gebiet der Saarstädte Saarbrücken und Sankt Johann.

Vor der Gründung mini|Am Sankt Arnualer Markt, seit 1897 Stadtteil der Landeshauptstadt Saarbrücken mini|Stadtplan von Alt-Saarbrücken um 1740 nach Adolph Köllner, zu Füßen der Schlosskirche am östlichen Ende der Altneugasse mit Nummer „133“ das so bezeichnete „Gymnasium“ hochkant|mini|Mit Unterbrechungen war das Comeniushaus in der Keplerstraße bereits zweimal fester Standort – dazwischen ebenfalls ständiges Ausweichquartier des Gymnasiums mini|Im Obergeschoss der Friedenskirche in der Wilhelm-Heinrich-Straße wurden 80–170 Schüler unterrichtet. Die „Übergangslösung“ hatte immerhin 72 Jahre lang Bestand

Die Anfangsjahre der damals noch katholischen Stiftsschule Sankt Arnuals fanden vermutlich in Gebäuden statt. Nach Quellenlage kann der Schulbetrieb ab 1472 belegt werden, sie kann aber schon viel früher eingerichtet worden sein.Hans-Walter Herrmann: Aus der Geschichte des Saarbrücker Ludwigsgymnasiums, in: Ludwigsgymnasium Saarbrücken 1604–1979 – Erbe und Auftrag, Festschrift zur 375-Jahr-Feier; Schulverein des LG e. V., Joachim Widera (Hrsg.); Saarbrücken 1979 Mit Errichtung der gotischen Schlosskirche um das Jahr 1475 bezog auch die Schule am Fuße des Schlossfelsens (heute unbestimmbare) Räumlichkeiten. In den 1550er- und den frühen 1560er-Jahren kam der Überlieferung nach der Lehrbetrieb an diesem Ort gänzlich zum Erliegen – mangels interessierter Schüler.

Ostpforte Altneugasse (1576–1750) Erst 1569 wurde in einem Vertrag der beiden Saarstädte ein Neubau der Schule und damit die Wiederbelebung ihres Betriebs beschlossen. Ein Gebäude lässt sich nun erstmals klar verorten, es befand sich an einem am Ende der Altneugasse, an welchem nach dem Schmalkaldischen Krieg und dem Fürstenaufstand zur Regierungszeit des Grafen Johann zunächst ein Altersheim erbaut wurde, das nun dem Neubau weichen sollte. Erst sein Nachfolger Philipp legte 1575 mit Errichtung des so genannten Sommerhauses die Grundlage des späteren Saarbrücker Schlosses und bestimmte der Bildungsanstalt nach Einführung der Reformation ihren neuen Zweck als Lateinschule, wobei ein Teil der Aufwendungen aus dem 1569 eingezogenen Vermögen des Chorherrenstifts St. Arnual bestritten wurde. Die Schulaufsicht wechselte zur Pfarrei Alt-Saarbrücken. Da das Bauvorhaben sich sehr in die Länge zog, wurde der Neubau erst 1576 seiner Zweckbestimmung übergeben, die Schule hatte somit erstmals eine feste Bleibe – immerhin für knapp 175 Jahre.

Durch den Regierungsantritt des Grafen Ludwig im Jahre 1602 vergrößerte sich die materielle Ausstattung der Lateinschule, aber damit auch der Einfluss weltlicher Macht. Als offizielles Gründungsdatum des Gymnasiums gilt das Jahr 1604. Ein Festakt wurde zum 1. August in der Schlosskirche zelebriert, Schulleiter Stumpf übertrug feierlich die Amtsgeschäfte an Rektor Ursinus. Auf der Grundlage regelmäßiger Einkünfte des 1544 aufgehobenen Klosters Herbitzheim wurden in der Folgezeit neue Lehrkräfte angestellt und der Horizont um humanistische Bildungsideale erweitert.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Saarbrücken nahezu vollständig zerstört und bis auf sieben verbleibende Häuser niedergebrannt. Die weltliche und geistliche Elite, die Grafen nebst Beamtenschaft flüchteten 1635 nach Metz, nachfolgend wütete die Pest und machte auch vor dem Lehrkörper der Lateinschule nicht halt. Rektor Philipp Schröter und drei weitere Lehrkräfte fielen ihr zum Opfer, übrig blieb alleine der Magister Johann Philippi. Er unterrichtete, ohne Besoldung, neben seinen Pfarrerspflichten in Sankt Arnual, Fechingen und Wilhelmsbrunn die wenigen verbliebenen Schüler. Die Stadtbevölkerung Saarbrückens war auf 70 Personen geschrumpft. Die unruhigen Zeiten endeten keineswegs im Westfälischen Frieden, da Spanien und das Herzogtum Lothringen davon ausgenommen waren und sich erst Jahrzehnte später mit Frankreich einigten. 1677 steckten die Franzosen Saarbrücken im Französisch-Niederländischen Krieg abermals in Brand, Stadt und Schule erholten sich von den Folgen nur langsam, bis weit ins 18. Jahrhundert hinein.

Wilhelm-Heinrich-Straße zum Ludwigsplatz (1750–1820) Unter Fürst Wilhelm Heinrich erlebte die Schule eine neue Blütezeit. Das zwischen den zurückliegenden Kriegen und Verwüstungen immer wieder notdürftig zurechtgeflickte alte Gebäude aus den 1560er Jahren jedoch war schon lange baufällig und nicht mehr zu gebrauchen – oftmals unterrichteten die Lehrer ihre nicht eben zahlreichen Schüler einfach bei sich zu Hause. Am damaligen Stadtrand, in der Flucht der heutigen Wilhelm-Heinrich-Straße, entstand der für zunächst 80 bis 100 Schüler. Der Grundstein wurde am 10. Mai 1749 gelegt, Fertigstellung und Aufnahme des Schulbetriebs erfolgten zum 1. Oktober 1750. Das Gebäude entsprach in Grundriss und Größe dem heute erhaltenen Comeniushaus in der Keplerstraße, war jedoch nur in zwei Etagen mit Dachgeschoss ausgeführt und wollte daher zu den ausnahmslos höher angelegten Häusern der übrigen Bebauung am Ludwigsplatz nie so recht passen. Zudem stand es genau mittig, etwa im Bereich der Freitreppe, dem Zugang zum Ludwigsplatz von der heutigen Eisenbahnstraße aus. Damit lag es ebenfalls in der Sichtachse der Wilhelm-Heinrich-Straße und versperrte den direkten Durchgang zum neuen Komplex der Schlossplatzbebauung. Schon 1763 wurden Forderungen laut, das Gebäude abzutragen und so die gewünschte Verbindung zwischen Schloss und der gerade neu entstehenden Ludwigskirche doch noch zu erhalten. Alle grundsätzlichen Einsprüche dagegen verhallten ungehört, am Ende wurde immerhin darüber verhandelt, nur einen Teil des Gebäudes aufzugeben. Ein Schulgebäude diente – zu damaliger Zeit üblich – ebenfalls dem Lehrpersonal als Wohnstätte. Am 29. Januar 1768 verfügte der Fürst, den Mitteltrakt ersatzlos zu beseitigen – ein halbes Jahr später starb er. Die Bautätigkeit seines Sohnes, des Fürsten Ludwig, war strengen Sparzwängen unterworfen. Überdies war die Verwaltung (damals schon) der Ansicht, dass ein Schulbetrieb überhaupt möglichst wenig zu kosten habe. So musste sich die Schule lange Zeit mit den beiden übrig gebliebenen Seitenflügeln begnügen. Später wurde der Unterricht zum Teil in einem dem Stift gehörenden Haus am Ludwigsplatz gehalten. Darüber hinaus mussten die ohnehin beengten Schulräume bald als Lagerstätte für gerettete Akten aus dem Saarbrücker Schloss herhalten, als dieses von der französischen Revolutionsarmee besetzt und geplündert wurde und schließlich 1793 in Brand geriet. Zum großen Ärger war mit dem bedauernswerten Abriss an der Schule die Aula untergegangen, so dass bereits jetzt für alle Versammlungen und Feierlichkeiten das Comeniushaus beansprucht werden musste, zu fürstlicher Zeit ein Waisen-, Zucht- und Arbeitshaus, in welches mit den Koalitionskriegen zu Beginn der Franzosenzeit um die Jahrhundertwende auch noch ein französisches Militärlazarett einzog.

Friedenskirche (1820–1892)