Die Litauischen Luftstreitkräfte () sind eine Teilstreitkraft der Litauischen Armee und unterstehen dem litauischen Verteidigungsministerium. Der Befehlshaber der Luftstreitkräfte ist Oberst Antanas Matutis. Wichtigster Stützpunkt der Luftstreitkräfte ist der Flughafen Šiauliai.

Geschichte mini|links|Litauische ANBO III, entworfen von Antanas Gustaitis

Im Zusammenhang mit der staatlichen Unabhängigkeit, wurde im November 1918 mit dem Aufbau der litauischen Luftstreitkräfte begonnen. Die ersten Flugzeuge der Truppe stammten aus Russland und Deutschland. Acht deutsche LVG C VI bildeten ab Februar 1919 den Grundstock. In den 1920er und 1930er Jahren wurde die Luftwaffe ausgebaut und verfügte in dieser Zeit über drei größere Stützpunkte und jeweils drei Aufklärungs- und Kampfflugzeug- sowie zwei Bomberstaffeln. Ein Teil der damals eingesetzten Maschinen stammte sogar aus heimischer Produktion, auf Grundlage von Entwürfen von Antanas Gustaitis. Ende der 1930er Jahre verfügten die litauischen Luftstreitkräfte über 117 Flugzeuge.

Litauen wurde 1940 ohne Gegenwehr von der Sowjetunion besetzt. Die eigenständigen litauischen Luftstreitkräfte wurden aufgelöst – Teile des Fluggeräts und der Mannschaften wurden in der Folgezeit von der Roten Armee genutzt.Lietuvos karo aviacija 1919–1940 metais, abgerufen am 13. November 2014 (litauisch). mini|links|Litauische Antonow An-26 Als Litauen Anfang der 1990er Jahre die Unabhängigkeit zurückerlangte, wurde auch die Luftwaffe neu aufgestellt. Das Personal wurde zunächst aus zumeist aus Litauen stammenden Angehörigen der sowjetischen Luftstreitkräfte rekrutiert. Die erste An-2 mit litauischen Hoheitszeichen flog am 18. Juni 1992; das Datum ist seitdem der Feiertag der Luftstreitkräfte. Zwischen 1993 und 1999 kamen einige Transport- und Verbindungsflugzeuge und Hubschrauber hinzu, darunter zwei Let L-410 der ehemaligen NVA der DDR sowie fünf Mil Mi-2 aus Polen.

Nachdem man anfangs einige sowjetische Einrichtungen übernommen hatte, wurden die Anlagen in den nächsten Jahren modernisiert und erweitert (Aufbau weiterer Radarstationen, Konzentration und Sanierung bei den Flugplätzen). Dies galt und gilt auch für die Ausrüstung, die nach und nach durch neu und gebraucht erworbenes Gerät (Flugzeuge, Hubschrauber, Radargeräte und Waffensysteme) erweitert und modernisiert wurde. Zudem wurden, insbesondere seit dem NATO-Beitritt des Landes im Jahr 2004, die Standards des Bündnissystems u. a. bei der Überwachung des Luftraums schrittweise implementiert.

Aktuell steht der Ausbau der Luftabwehr, insbesondere der Aufbau eines Abwehrsystems mittlerer Reichweite, im Mittelpunkt. Daneben ist man (z. B. bei der Ablösung der Transporthubschrauber Mil Mi-8 durch UH-60M) bemüht, das verbliebene Inventar aus sowjetischer und russischer Produktion durch Ausrüstung aus dem Westen zu ersetzen.

Befehlshaber der Luftstreitkräfte

Seit ihrem Wiederaufbau im Jahr 1992 wurden die litauischen Luftstreitkräfte von folgenden Offizieren geführt:Nuo 1992 metų Karinėms oro pajėgoms vadovavo (litauisch) mini|hochkant|Antanas Matutis Name Dienstzeit Bemerkung Zenonas Vegelevičius 2. Januar 1992 – 15. Mai 2000 Edvardas Mažeikis 16. Mai 2000 – 16. Juni 2002 Jonas Patašius 17. Juni 2002 – 22. September 2002 vertretungsweise Edmundas Adomynas 23. September 2002 – 17. August 2003 vertretungsweise Edvardas Mažeikis 18. August 2003 – 5. September 2004 Jonas Marcinkus 6. September 2004 – 22. September 2005 Artūras Leita 20. Januar 2006 – 9. Januar 2011 amtierend bereits ab September 2005 Edvardas Mažeikis 10. Mai 2011 – 10. Juni 2014 2. Amtszeit Audronis Navickas 10. Juni 2014 – Februar 2017 seit November 2016 suspendiert und vertreten vom Stabschef (Devis Martusevičius) Dainius Guzas 29. Mai 2017 – 28. Juni 2022 Antanas Matutis seit 28. Juni 2022

Aufgaben Die Aufgabe der litauischen Luftstreitkräfte ist die Überwachung, Kontrolle und Verteidigung des eigenen Luftraums, sowie die Unterstützung der Land- und Seestreitkräfte, insbesondere bei Transport- und Search-and-Rescue-Aufgaben.

Aktuell verfügt die Luftwaffe nur über Trainings- und Transportluftfahrzeuge – keine Kampfflugzeuge. Daher wird der Teil der Luftraumüberwachung und -verteidigung, der von Kampfflugzeugen übernommen wird, zurzeit von anderen NATO-Partnern durchgeführt (siehe hierzu Air Policing Baltikum).

Organisation Struktur Die litauischen Luftstreitkräfte sind aktuelle in folgende Bereiche gegliedert:

25px Fliegerhorst Flughafen ŠiauliaiNach dem Abzug der russischen Luftstreitkräfte wurden zunächst mehrere Basen übernommen. Anfang des 21. Jahrhunderts konzentrierte man sich ausschließlich auf Šiauliai und begann diese Basis nach und nach zu modernisieren. 25px LuftraumverteidigungDas Luftverteidigungsbataillon wurde im Jahr 2000 aufgestellt. Zur Ausrüstung und Ausbildung der Einheit war man im Vorfeld eine Kooperation mit Schweden eingegangen. 25px Luftraumüberwachung und -kontrolleDas Luftraumüberwachungs- und -kontrollkommando in seiner heutigen Form geht auf das Jahr 2000 zurück. Mit der Überwachung des nationalen Luftraums wurde aber bereits 1992 begonnen. Insgesamt wurden im Laufe der Jahre sechs Radarstationen eingerichtet, um den litauischen Luftraum und dessen mögliche Verletzung zu überwachen.Um die Leistungsfähigkeit der Einheit zu verbessern, wurde 2015 begonnen die Stationen in Antaveršis (Rajongemeinde Prienai), Degučiai (Rajongemeinde Šilutė) und Ceikiškės (Rajongemeinde Ignalina) zu modernisieren und mit neuen 3D-Langstrecken-Radarsystem auszustatten. Diese Arbeiten sollen bis 2021 abgeschlossen werden.Veröffentlichung des Verteidigungsministeriums vom 27. November 2015, abgerufen am 14. Dezember 2015 (englisch) 25px Depot der LuftstreitkräfteDie Reparatur- und Versorgungseinrichtung der Luftstreitkräfte in ihrer heutigen Form wurde im Jahr 2004 gegründet.

Dienstgrade Generäle Stabsoffiziere Offiziere 30px 30px 30px 30px 30px 30px 30px 30px 30px 30pxDienstgradGenerolasGenerolas leitenantasGenerolas majorasBrigados generolasPulkininkasPulkininkas leitenantasMajorasKapitonasVyresnysis leitenantasLeitenantas GeneralGeneralleutnantGeneralmajorBrigadegeneralOberstOberstleutnantMajorHauptmannOberleutnantLeutnant

Unteroffiziere 30px 30px 30px 30px 30px 30px 30px 30px 30pxDienstgradSeržantas majorasViršilaŠtabo seržantas specialistasŠtabo seržantasVyresnysis seržantas specialistasVyresnysis seržantasSeržantas specialistasSeržantasGrandinis OberstabsfeldwebelStabsfeldwebelHauptfeldwebelHauptfeldwebelOberfeldwebel/FeldwebelFeldwebelStabsunteroffizier/UnteroffizierUnteroffizierStabsgefreiter Mannschaften 30px 30px 30pxDienstgradVyresnysis eilinisEilinisJaunesnysis eilinis Hauptgefreiter/ObergefreiterGefreiterFlieger

Ausrüstung Fluggerät Von den litauischen Luftstreitkräften wurden Ende 2022 folgende Luftfahrzeuge eingesetzt:

Luftfahrzeuge Foto Herkunft Verwendung Version Aktiv Bestellt Anmerkungen Flugzeuge Let L-410 120px Kurzstrecken-Transportflugzeug L-410 UVP2 Im Jahr 1992 wurden zwei L-410 aus Altbeständen der Nationalen Volksarmee übernommen und 2006 grundlegend überholt.Transportinis lėktuvas L-410 UVP Turbolet (litauisch) Alenia C-27J 120px Mittleres Transportflugzeug Spartan3 in den Jahren 2006 bis 2009 von Alenia Aeronautica geliefertThird C-27J "Spartan" Meldung auf der Webseite des litauischen Verteidigungsministeriums vom 20. Oktober 2009, abgerufen am 8. Dezember 2015 (englisch) Hubschrauber Mil Mi-8 120px120px TransporthubschrauberSAR Mi-8MTW-1Mi-8T2 Eurocopter AS365 120px SAR AS 365 N3+3 im Jahr 2015 geliefert (ersetzten z. T. die Mil Mi-8), Meldung auf janes.com vom 14. Januar 2016, abgerufen am 23. Januar 2016 (englisch) Sikorsky UH-60 120px Transporthubschrauber/SAR UH-60M22 ersetzen die letzten verblieben Mil Mi-8,, Meldung auf der Webseite des litauischen Verteidigungsministeriums vom 16. November 2020, abgerufen am 16. November 2020 (englisch) zwei weitere Exemplare sind geplant Darüber hinaus besaßen die Luftstreitkräfte lange Jahre eigene Aero L-39 Schulflugzeuge. Die letzte Maschine wurde 2021 an die Ukraine abgegeben.Lithuania to gift training plane to Ukraine, Onlinemeldung des litauischen Rundfunks vom 3. November 2021, abgerufen am 19. Dezember 2021 (englisch)

Im Rahmen des Strategic-Airlift-Capability-Programms werden von Litauen und den anderen Teilnehmerstaaten zudem drei C-17 Globemaster III betrieben, die für den militärischen strategischen Lufttransport genutzt werden können.

Flugabwehr Zur Flugabwehr verfügt Litauen aktuell über folgende Kurzstrecken-Abwehr-Systeme:Oro gynybos ginkluotė – Übersicht über die Flugabwehrwaffensysteme auf der Internetseite der litauischen Streitkräfte, abgerufen am 20. November 2016 (litauisch). Stinger RBS 70

Zudem wurden 2020 zwei NASAMS-Raketenbatterien mit mittlerer Reichweite aus Norwegen geliefert. Bis 2021 sollten diese in das Luftüberwachungs- und -verteidigungssystem der baltischen Staaten und der NATO integriert werden., Onlinemeldung auf der Internetseite der litauischen Streitkräfte vom 30. Oktober 2020, abgerufen am 10. November 2020 (englisch) Für die Anschaffung und notwendige Schulung waren von Litauen Ausgaben von etwa 110 Millionen Euro geplant., Onlinemeldung auf der Internetseite der litauischen Streitkräfte vom 27. Dezember 2018, abgerufen am 27. Dezember 2018 (englisch)

Radar Zur Überwachung des Luftraums werden folgende Systeme eingesetzt: Langstrecken-Zielerfassungsradar P-37 Langstrecken-Zielerfassungsradar P-18 Mittelstrecken-Zielerfassungsradar TRML-3D/32

Bis zum Jahr 2019 sollen zusätzlich fünf Kurzstreckenradarsysteme aus israelischer Produktion in Varėna, Švenčionys, Vilnius, Jurbarkas und Pagėgiai aufgebaut werden. vom 29. März 2018, abgerufen am 29. März 2018 (englisch) Darüber hinaus sollen, in Kooperation mit der NATO, bis 2021 drei 3D-Langstrecken-Radarsysteme der nächsten Generation angeschafft werden.

Internationale Zusammenarbeit BaltNet BaltNet (Baltic Air Surveillance Network) ist das seit dem Jahr 2000 bestehende radargestützte militärische Luftraumüberwachungssystem der Streitkräfte von Estland, Lettland und Litauen. Es ist seit der NATO-Mitgliedschaft der baltischen Staaten in die Luftraumüberwachung (Air Policing) des nordatlantischen Bündnisses integriert.

Die Zentrale des BaltNet, das Regional Airspace Surveillance Co-ordination Centre (RASCC), befindet sich in Kaunas.

Air Policing Baltikum Seitdem Estland, Lettland und Litauen im Jahr 2004 der NATO beitraten, wird die Überwachung und Sicherung des Luftraums von anderen NATO-Mitgliedern übernommen. Der Grund für das Air Policing Baltikum ist, dass die litauischen, lettischen und estnischen Streitkräfte zwar durch Zusammenarbeit im Baltic Air Surveillance Network (BALTNET) seit 2006 Luftraumüberwachung durchführen können, aufgrund des Fehlens fliegender Waffensysteme jedoch nicht in der Lage sind Sichtidentifikation durchzuführen oder die Lufthoheit (zum Beispiel durch Abfangen oder Abdrängen) selbst durchzusetzen.

Strategic Airlift Capability Die Strategic Airlift Capability ist eine Initiative mehrerer NATO-Mitgliedsstaaten und zweier Partnernationen (Schweden und Finnland), welche Absichtserklärungen zum gemeinsamen Kauf und Betrieb von drei C-17 Globemaster III unterzeichneten. Diese Maschinen operieren auf ähnliche Weise wie die AWACS-Flugzeuge der NATO – mit multinationalen Besatzungen und einer multinationalen militärischen Führungsstruktur und sind auf dem Luftwaffenstützpunkt Pápa in Ungarn stationiert.

Literatur

Interview mit Artūras Leita, dem damaligen Befehlshaber der Luftstreitkräfte aus dem Jahr 2009 kam.lt (PDF) World Air Forces 2017, Flight Global, 2016, S. 12 flightglobal.com (PDF)

Weblinks

Internetseite der Luftstreitkräfte (englisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Nationale Luftstreitkraft