Die Bahnstrecke Lübeck–Puttgarden (auch: „Bäderbahn“NN: Neuer Bahnhof für Timmendorf – Aus für die Bäderbahn. In: Wochenspiegel Lübeck + Ostholstein vom 25. Januar 2017; abgerufen am 16. Juli 2023. msege: Ulmer 218 auf Bäderbahn in Schleswig-Holstein. In: Eisenbahn-Revue International 2023, S. 298.) ist eine Hauptbahn in Schleswig-Holstein. Sie führt von Lübeck entlang der Lübecker Bucht und über die Halbinsel Wagrien auf die Ostseeinsel Fehmarn. Bis zur Einstellung der Eisenbahnfährverbindung Puttgarden–Rødby 2019 wurde die Strecke als Teil der Vogelfluglinie von internationalen Fernzügen zwischen Hamburg und Kopenhagen befahren.
Im Vorgriff auf die Bauarbeiten für die Hinterlandanbindung der Festen Fehmarnbeltquerung wurde ab 2022 der gesamte Zugbetrieb zwischen Neustadt (Holstein) und Puttgarden auf Busse umgestellt und die Strecke nördlich von Neustadt zum Baugleis.
Streckenbeschreibung Von Lübeck aus werden bis Bad Schwartau die Gleise der Bahnstrecke Kiel–Lübeck benutzt. Die eingleisige Strecke folgt dann über Timmendorfer Strand, ScharbeutzVgl.: Riepelmeier, Haffkrug und Sierksdorf der Ostseeküste. Im Güterbahnhof von Neustadt in Holstein zweigt eine Stichstrecke zum Neustädter Personenbahnhof ab. Die Stammstrecke geht weiter durch Ostholstein und erreicht via Lensahn, Oldenburg in Holstein, Großenbrode und nach Überquerung des Fehmarnsunds auf der Fehmarnsundbrücke schließlich den Bahnhof Puttgarden auf Fehmarn.
Geschichte Von der Eisenbahnstrecke wurde der nördliche Abschnitt zwischen Neustadt und Oldenburg zuerst gebaut. Das südliche Teilstück zwischen Lübeck und Neustadt wurde knapp 47 Jahre später, im Juli 1925, in Betrieb genommen.
Entstehen der Strecke Neustadt (Holst) – Oldenburg (Holst) Die erste Teilstrecke der Bahnstrecke Lübeck–Puttgarden war das 23 Kilometer lange Streckenstück von Neustadt (Holstein) bis Oldenburg (Holstein). Es wurde von der Kreis Oldenburger Eisenbahn gebaut und am 30. September 1881 eröffnet. Erst am 17. Januar 1898 wurde sie weiter in Richtung Lütjenbrode und Heiligenhafen (20 Kilometer) gebaut.
Eine direkte Verbindung von Lübeck nach Neustadt fehlte jahrzehntelang, denn Neustadt war nur mit Umstieg in Eutin (Bahnstrecke Eutin–Neustadt) mit Lübeck verbunden. Erst am 1. Juni 1928 wurde die Direktverbindung Lübeck–Neustadt von der Deutschen Reichsbahn hergestellt.
Idee einer „Vogelfluglinie“ Bereits in den 1920er Jahren griffen die Deutsche Reichsbahn (DR) und die Danske Statsbaner (DSB) die Idee des Ingenieurs Gustav Kröhnke (1826–1904) auf, eine Eisenbahn-Fährverbindung über den Fehmarnbelt zwischen Puttgarden und Rødby einzurichten. Auch eine Brücke über den Fehmarnsund wurde erstmals 1921 geplant. Auf der deutschen Seite gab es, wie oben erwähnt, zu dieser Zeit bereits die Strecken von Lübeck nach Hamburg der Lübeck-Büchener Eisenbahn (LBE) und von Neustadt in Holstein nach Heiligenhafen der Kreis Oldenburger Eisenbahn (KOE), der auch eine Kleinbahn mit Fähre nach Fehmarn gehörte.
Die ersten baureifen Pläne für die Vogelfluglinie entstanden 1940 durch Heinrich Bartmann. Ein formales Regierungsabkommen zwischen dem Deutschen Reich und dem besetzten Königreich Dänemark wurde am 8. April 1941 unterzeichnet. Nachdem die LBE bereits am 1. Januar 1938 von der DR übernommen worden war, wurden mit der Eutin-Lübecker Eisenbahn (ELE) am 1. Januar 1941 und der KOE am 1. August auch die übrigen Eisenbahngesellschaften auf der deutschen Seite verstaatlicht. Im September desselben Jahres begannen sowohl in Deutschland als auch in Dänemark die Bauarbeiten. Sie wurden 1943 bedingt durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen.
Ab 1951: Großenbrode Kai Die Bauarbeiten wurden 1949 wiederaufgenommen. Dabei wurde die Strecke der ehemaligen KOE modernisiert, eine Umgehungskurve um Lütjenbrode gebaut und die Verbindungsstrecke zur Umgehung von Neustadt fertiggestellt. Auf dem Gelände des früheren Seefliegerhorstes Großenbrode entstand der Bahnhof Großenbrode Kai. Am 15. Juli 1951 eröffneten die Deutsche Bundesbahn und die DSB von hier die Eisenbahnfähre Großenbrode–Gedser nach Gedser auf der dänischen Insel Falster.
Ab 1963: Puttgarden–Rødby Mit dem Bau der Verbindung von Großenbrode nach Puttgarden im Norden Fehmarns begann man erst 1958. Am 14. Mai 1963 ging in Anwesenheit des Bundespräsidenten Heinrich Lübke und des dänischen Königs Frederik IX. mit der Fehmarnsundbrücke und der Fährverbindung über den Fehmarnbelt die Vogelfluglinie in ihrer heutigen Form in Betrieb. Anlässlich der Eröffnung gab die Deutsche Bundespost eine Sonderbriefmarke heraus.Sondermarke Vogelfluglinie (1963), abgerufen am 29. Oktober 2023. Die parallel verkehrende Eisenbahnfähre von Großenbrode über den Fehmarnsund bis zum gleichnamigen Ort auf der Insel Fehmarn wurde aufgegeben.
Über die Vogelfluglinie verkehrten seitdem viele bedeutende Fernverkehrszüge wie beispielsweise der Nord-Express und der Italia-Express Rom–Kopenhagen. Hinzu kam ein reger Güterzugverkehr. So wurden beispielsweise 1994 laut Deutsche Bahn AG 190.757 Güterwagen trajektiert. Die Schnellzüge, der TEE Merkur und die TEEM-Güterzüge Richtung Puttgarden wurden von Diesellokomotiven der Baureihe 221, später mit der Baureihe 218 in Doppeltraktion und den Großdiesellokomotiven der Baureihe 232 bespannt.
Im Regional- und Nahverkehr setzte die Deutsche Bundesbahn zwischen Lübeck und Puttgarden mit der Baureihe 212 bespannte Wendezüge mit n-Wagen („Silberling“) ein, die teilweise sogar die Stichstrecken nach Heiligenhafen und Burg auf Fehmarn befuhren.
Ferner wurde von 1963 bis 1983 in den Sommermonaten vor allem von Ostseeurlaubern der Fehmarn-Express genutzt. Das Zugpaar verkehrte von Köln via Ruhrgebiet, Ostwestfalen, Hannover, Lüneburg, Büchen, Lübeck und einigen Urlaubsorten an der Lübecker Bucht nach Puttgarden beziehungsweise Burg auf Fehmarn.D 1841 und D 1840 auf fernbahn.de, abgerufen am 29. Oktober 2023. Zu zahlreichen nicht an der Strecke liegenden Seebädern, zum Beispiel nach Dahme und Grömitz, gibt es nach wie vor Busanschlüsse.
Wegen des starken Verkehrs auf der eingleisigen Strecke wurde die Strecke 1971, zunächst zu Versuchszwecken, mit Zugbahnfunk ausgerüstet. Bereits in den 1970er Jahren wurde die Bedienung der meisten Unterwegshalte zwischen Neustadt und Puttgarden aufgegeben und der Nahverkehr mit Bussen durchgeführt.DB-Kursbuch Sommer 1975 Auf der Stichstrecke vom Gleisdreieck Lütjenbrode Ost nach Heiligenhafen wurde der Personenverkehr am 30. Mai 1976 und der Güterverkehr am 31. Oktober 1984 eingestellt. Die Strecke ist inzwischen stillgelegt und wurde demontiert. Teilweise befindet sich hier ein Bahnradweg. mini|Zuglaufschild des letzten IC auf der Vogelfluglinie am 30. Aug. 2022. Nach der Inbetriebnahme der festen Eisenbahnverbindung über den Großen Belt zwischen den dänischen Inseln Fünen und Seeland im Jahr 1997 wurde die Trajektierung von Güterzügen über den Fehmarnbelt – und damit der Güterzugverkehr auf der Vogelfluglinie – eingestellt. Der internationale Güterzugverkehr zwischen den Großräumen Hamburg und Kopenhagen wird seitdem über Flensburg und Fredericia geführt. Dies bedeutet einen Umweg von 160 Kilometern. Wegen der verminderten Anzahl von Zügen wurden die Bahnhöfe Sierksdorf Bbf, Hasselburg und Beschendorf als Kreuzungsbahnhöfe aufgelassen.
Eine Reaktivierung eines Teils der Inselbahn Fehmarn wurde beschlossen, um Burg, den größten Ort auf Fehmarn, wieder zentrumsnah mit Personenzügen anfahren zu können. Der ÖPNV-Aufgabenträger Landesweite Verkehrsservicegesellschaft Schleswig-Holstein (LVS, seit 2014: Nah.SH) legte mehrere Gutachten vor, die die Einrichtung eines Haltepunktes in unmittelbarer Ortsnähe als verkehrlich sinnvollste Lösung darstellten. Hiergegen regte sich vor Ort vereinzelter Protest. Die Bauarbeiten sollten bis Ostern 2010 abgeschlossen sein, eröffnet wurde der neue Bahnhof schließlich zum Fahrplanwechsel Ende Juli 2010.
Die Regionalbahn-Züge von Lübeck zweigten seitdem in Burg (Fehmarn) West von der Hauptstrecke ab und fuhren zum neuen Bahnhof Fehmarn-Burg am Ortsrand. Einige der Züge wendeten unmittelbar und setzen ihre Fahrt fort, um zum Bahnhof Puttgarden zu gelangen, andere fuhren direkt von Burg zurück nach Lübeck.
Ab dem 31. August 2022 wurde der planmäßige Zugbetrieb zwischen Neustadt (Holstein) und Puttgarden beendet und der Personenverkehr auf Busse umgestellt. Die Strecke nördlich von Neustadt dient nun als Baugleis der Baustelle für den Fehmarnbelt-Tunnel.Eisenbahnatlas Deutschland. [12. Auflage]. Schweers + Wall, Köln 2023, ISBN 978-3-8446-6440-9, S. 4, 13.
Lokomotiven und Triebwagen
Die bekanntesten Lokomotiven der Vogelfluglinie waren die Diesellokomotiven der Baureihe V 200.1, die 1963 fabrikneu vom Bahnbetriebswerk Lübeck aus den Betrieb übernahmen. Sie galten neben den Fährschiffen und der Fehmarnsundbrücke jahrelang als Symbol modernen und schnellen Reisens und wurden so in der Werbung der Deutschen Bundesbahn und der Region dargestellt. Schon zuvor waren schnelle Triebzüge der Baureihe VT 12 als Kopenhagen-Expreß zwischen Hamburg und Kopenhagen über Großenbrode eingesetzt worden.
Ab 1978 wurde die Beförderung der Züge schrittweise durch in Doppeltraktion eingesetzte Lokomotiven der Baureihe 218 übernommen.
Die Deutsche Bahn AG setzte nach der deutschen Einheit 1991 auch Dieselloks der Baureihen 232 bzw. 234 auf der Vogelfluglinie ein.
Dampflokomotiven verkehrten in den 1950er-Jahren nach Großenbrode Kai. Sie fuhren nach Fertigstellung der Fehmarnsundbrücke im Plandienst Puttgarden mangels Drehscheibe oder anderer Wendemöglichkeiten im Bahnbetriebswerk Puttgarden nicht an. Gelegentlich verkehrten Dampfsonderzüge nach Puttgarden (siehe unten).
1993 übernahmen dänische MF-Garnituren etwa zur Hälfte den Fernverkehr der Vogelfluglinie. Von 2007 bis 2015 verkehrten die meisten Züge mit der deutschen Baureihe 605. Von 2016 bis 2019 fuhren im Fernverkehr nur noch dänische MF-Garnituren. Regionalzüge von Puttgarden nach Lübeck verkehrten mit der Baureihe 648; nur an Wochenenden im Sommerhalbjahr fuhren zwei Zugpaare Puttgarden–Hamburg und zurück. Diese bestanden aus Doppelstockwagen, gezogen von der Baureihe 218.
Zeitweise pendelte über das Himmelfahrtswochenende eine Museumsdampflok mit historischen Wagen zwischen Oldenburg und Puttgarden.
Betriebsstellen Bad Schwartau (Bf) Der Bahnhof Bad Schwartau war mit zwei durchgehenden Hauptgleisen und zwei Überholungsgleisen sowie vier Anschlussgleisen ausgestattet. Gesteuert wurde die Betriebsstelle von zwei mechanischen Stellwerken der Einheitsbauform von 1941 bis 2003. Danach wurde der Bahnhof auf die restlichen zwei Hauptgleise verkleinert und wird seitdem vom ESTW Lübeck als Abzweigstelle mit Haltepunkt ferngesteuert. In Bad Schwartau zweigt die eingleisige Bahnstrecke Kiel–Lübeck ab. Nördlich von Bad Schwartau ist die Vogelfluglinie ebenfalls eingleisig.
Ratekau (Bf) Ratekau dient seit 1968 nur noch betrieblichen Zwecken, dem Überholen und dem Kreuzen von Zügen. Die Betriebsstelle ist zweigleisig ausgeführt und wird seit 1966 von einem DrS2-Stellwerk gesteuert und wurde im selben Jahr auf das Streckenstellwerk Puttgarden Pzf als Fernsteuerung aufgeschaltet. Der Bahnhof Ratekau trägt als Bahnhofsziffer die 00.
Timmendorfer Strand (Bf)