mini|Vierling als aktiver Corpsstudent (1909) Wilhelm Johannes Vierling (* 12. September 1889 in Nossen; † 22. September 1956 in Leipzig) war ein deutscher Jurist und von April bis Juli 1945 Oberbürgermeister der Stadt Leipzig.

Werdegang Johannes Vierling war der Sohn des Wahrener Pfarrers Wilhelm Vierling. Nach dem Abitur am König-Albert-GymnasiumKönig Albert-Gymnasium (bis 1900 Königliches Gymnasium) in Leipzig: Schüler-Album 1880–1904/05, Friedrich Gröber, Leipzig 1905 nahm Vierling ein Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Leipzig auf. 1908 wurde er Mitglied des Corps Budissa.Kösener Corpslisten 1930, 91, 176 1913 wurde er in Leipzig zum Dr. iur. promoviert.Dissertation Die Besonderheiten des Schadensersatzanspruches aus § 249 Satz 2 BGB. Nach der Großen Juristischen Staatsprüfung war Vierling als Rechtsanwalt und Notar tätig. In der Weimarer Republik war er Mitglied der Deutschnationalen Volkspartei. Er war Vorstand der Anwaltskammer.

Nach 1933 war Vierling Mitglied in verschiedenen NS-Organisationen wie der DAF und der NSV, gehörte aber nicht der NSDAP an. 1944 übernahm er als Wahlverteidiger, vor allem vor dem Volksgerichtshof und dem Sondergericht Leipzig, die Verteidigung in 57 politischen Prozessen, unter anderem für den späteren Leipziger Bürgermeister Johannes Sachse, die Ärztin Margarete Blank und die Familie Goerdeler.

Wenige Tage nach der Einnahme Leipzigs durch die US-Armee am 18. April 1945 wurde der parteilose Vierling vom US-amerikanischen Stadtkommandanten Colonel Jim Dan Hill am 23. April 1945 als Bürgermeister des Stadtkreises eingesetzt. In den darauf folgenden Monaten begann er mit dem Aufbau einer neuen Stadtverwaltung. Von Seiten der Leipziger Kommunisten regte sich Widerstand gegen die Berufung des parteilosen Vierling. So wurde etwa Ende Juni 1945 auf Flugblättern sein Rücktritt gefordert. Nach der Übernahme Leipzigs durch die Rote Armee Anfang Juli 1945 wurde Vierling vom neuen Militärbefehlshaber der Stadt, Generalleutnant Nikolai Iwanowitsch Trufanow, mit Wirkung zum 16. Juli 1945 abberufen und Erich Zeigner ins Amt des Oberbürgermeisters eingesetzt.

Nach seiner Abberufung war Vierling zunächst noch einige Zeit als Rechtsberater in der Leipziger Stadtverwaltung tätig. Anschließend arbeitete er bis 1956 als Rechtsanwalt. Seine Bestellung zum Notar sollte nach Beschluss der Entnazifizierungskommission des Landes Sachsen vom 30. Januar 1947 zurückgenommen werden. In langwierigen Verhandlungen konnte Vierling das jedoch verhindern und weiter als Notar tätig sein.

Erinnerung Im Gegensatz zu dem nach dem Besatzungswechsel von der sowjetischen Besatzungsmacht als Bürgermeister berufenen Erich Zeigner erinnert in Leipzig bis heute nichts an den ersten Nachkriegsbürgermeister. Auch sein Grab auf dem Leipziger Südfriedhof ist bis heute nicht namentlich gekennzeichnet. In der Bürgermeistergalerie im Neuen Rathaus ist zwar Zeigner vertreten, nicht aber Vierling. Damit wirkt die Diffamierung Vierlings und der Befreiung Leipzigs durch die US-Armee aus der Zeit der sowjetischen Besatzung (SBZ) und der DDR bis in die Gegenwart. Bei den Gedenkveranstaltungen anlässlich der Befreiung Leipzigs am 18. April 1945 kritisiert der Leiter der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ Tobias Hollitzer diese Ungleichbehandlung bisher erfolglos.

Siehe auch Geschichte der Stadt Leipzig#Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg Liste der Bürgermeister der Stadt Leipzig

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

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