Als Freundlichkeit bezeichnen Umgangssprache und Sozialpsychologie das wertschätzende und liebenswürdige Verhalten eines Menschen gegenüber seiner sozialen Umgebung. Kinderfreundlichkeit bezeichnet dementsprechend ein solches Verhalten Kindern gegenüber. Der Begriff Familienfreundlichkeit wird häufig synonym verwendet, benötigt jedoch auch die Freundlichkeit den Eltern gegenüber.

In einem weiteren Wortsinn können auch eine physische Umgebung, eine Institution oder eine Ausprägung eines gesellschaftlichen Systems als kinderfreundlich bezeichnet werden, sofern ein Einfluss auf die Lage und das Wohlbefinden von Kindern und ihren Angehörigen von diesen Faktoren ausgeht.

Die Verwendung der Geburtenrate als Indikator für Kinderfreundlichkeit von Individuen oder in der Gesellschaft ist umstritten (siehe auch Vorurteile über Kinderlose).

Umfrageergebnisse zum Thema Kinderfreundlichkeit mini|Springendes Kind auf einem Hüpfkissen

Zwischen Juli und September 2004 befragte das Forsa-Institut Eltern von Kindern bis 13 Jahren nach ihren Wünschen an Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Veröffentlicht wurde diese Umfrage in einer Pressemitteilung des Verlags „Gruner + Jahr“ vom 11. Januar 2005. Das Fazit der Umfrage:

Zu den Studien, die sich mit der Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen befassen, gehören auf internationaler Ebene die UNICEF-Berichte zur Lage der Kinder, die HBSC-Gesundheitsstudien der WHO, die World Vision Kinderstudie und die PISA-Studien der OECD, in Deutschland zudem die Kinder- und Jugendgesundheitsstudie KiGGS, das LBS-KinderbarometerDas LBS-Kinderbarometer, das Kinderpanel des DJI, der Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung, der Robert-Koch-Survey, die World Vision KinderstudieKlaus Hurrelmann et al.ii; World Vision Deutschland (Hrsg.): Kinder in Deutschland 2010: 2. World Vision Kinderstudie, Fischer 2010, Frankfurt, ISBN 3-596-18640-4, ISBN 978-3-596-18640-2, die Shell-Jugendstudie, und in der Schweiz die Schweizer Kinder- und Jugendstudie COCON.

Kinderfreundliches Verhalten Einzelner Eine Person, die Kinder mag und im Umgang mit ihnen besondere Freundlichkeit und Warmherzigkeit zeigt, wird umgangssprachlich als kinderlieb bezeichnet. Kinderfreundliches Verhalten setzt eine besondere Aufmerksamkeit gegenüber den Wünschen und Bedürfnissen von Kindern voraus. Diese Eigenschaften sind auch für die Ausübung einiger Berufe wichtig, insbesondere in den Bereichen der professionellen Kinderbetreuung und -erziehung, wo sie heute in demokratischen Ländern zu den erforderlichen Eingangsvoraussetzungen gehören (weitestgehende Abkehr von der in autoritären Systemen oft anzutreffenden missbräuchlichen Erziehung).

Dass Kinder Rücksichtnahme nicht nur von Anderen erwarten sollten, sondern sie umgekehrt auch Anderen gegenüber üben sollten, wurde bereits durch Freiherr von Knigge hervorgehoben, der in seinem Werk Über den Umgang mit Menschen von sich selbst schrieb, er habe dies in jungen Jahren nicht genügend erlernt: „… ich war in der ersten Erziehung ein wenig verzärtelt und durch große Aufmerksamkeit, deren man meine kleine Person früh gewürdigt hatte, gewöhnt worden, sehr viel Rücksichten von andern Leuten zu fordern“. Eine antiautoritäre oder verzärtelnde Erziehung, die Kindern keine Grenzen setzt, ist nicht unbedingt Ausdruck von Kinderfreundlichkeit.vgl. auch die Titelgeschichte Los, erzieht mich!. In: Stern, Heft 22/2008

Im öffentlichen Raum zeigt sich Kinderfreundlichkeit im alltäglichen Umgang mit Kindern und in besonderer Weise im Maß der Rücksicht, die Verkehrsteilnehmer im Straßenverkehr zeigen, um Sicherheit von Kindern im Straßenverkehr zu gewährleisten. Dabei ist juristisch die erforderliche Sorgfaltspflicht ein Mindestmaß an Rücksicht, das gegenüber Kindern im Straßenverkehr vorgeschrieben ist.

Regelwerke wie eine kinderfreundliche Hausordnung, welche Kindern Freiräume zum Spielen gewährt, sind für ein kinderfreundliches Wohnumfeld von Bedeutung. Bei Gemeinschaftseigentum entscheiden oft jeweils vorliegende Mehrheitsverhältnisse (beispielsweise in Eigentümerversammlungen) über die konkrete Ausgestaltung der Wohnsituation. In den Fällen, in denen es einen einzelnen Vermieter gibt, kann dieser durch eine entsprechende Ordnung seine Kinderfreundlichkeit unter Beweis stellen. Ein weiterer Beweis für die Kinderfreundlichkeit von Wohnungseigentümern ist es, wenn sie Mehrkindfamilien die Chance geben, eine Wohnung anzumieten. Sofern ein solcher Einsatz dem unmittelbaren wirtschaftlichen Interesse widerspricht, kann hierbei auch Altruismus eine Rolle spielen.

Kinderfreundlich werden auch Tiere, insbesondere Haustiere wie zum Beispiel Hunde, genannt, wenn sie besonders freundlich, vorsichtig und spielerisch mit Kindern umgehen, und der Begriff wird zur Charakterisierung solcher Hunderassen verwendet, die typischerweise solches Verhalten zeigen. Im gesellschaftlichen Umgang zwischen Hundebesitzern und Kindern treten teils Konflikte über die Nutzung öffentlichen Raumes auf. Je nach Standpunkt variieren die Forderungen zwischen einem größeren Schutz ausgewiesener Kinderspielbereiche, der Aufstellung und Nutzung von Hundeklos, der Anlage umzäunter Hundewiesen oder ausgewiesener Bereiche mit Leinenpflicht.

Kinderfreundliche Gesellschaft, Wirtschaft und Politik Der Grad, nach dem Individuen sich im öffentlichen Leben kinderfreundlich verhalten, prägt die Lebenswelt von Kindern und ihrer Eltern und ist in diesem Sinne kennzeichnend für die Kinderfreundlichkeit einer Gesellschaft. Die Kindheitsforschung untersucht Zugänge zur kindlichen Perspektive, und Kinder werden dabei ausdrücklich als aktiv Handelnde und (Mit-)Gestaltende betrachtet.

Kinderfreundlich ist eine Gesellschaft, in der die Bestimmungen der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen vom 20. September 1990 in die Praxis umgesetzt sind, das heißt in der die Versorgungsrechte, die Entwicklungsrechte, die Schutzrechte und die Mitbestimmungsrechte der Kinder verwirklicht sind.Kinderschutzbund Karlsruhe: Die wichtigsten Forderungen der Kinderrechtskonvention

Eine gesellschaftliche Wertschätzung von Kindern ist keine Selbstverständlichkeit. So werden in der Gesellschaft Kinder vielfach unterschwellig als lästig empfunden, und Familien mit geringem Einkommen und mehreren Kindern werden in der Gesellschaft oft als „asozial“ angesehen.

Gemäß Abs. 1 Nr. 4 des Achten Buches Sozialgesetzbuch soll Jugendhilfe „dazu beitragen, positive Lebensbedingungen für junge Menschen und ihre Familien sowie eine kinder- und familienfreundliche Umwelt zu erhalten oder zu schaffen“.

Zu einer kinderfreundlichen Gesellschaft gehört insbesondere, so der gesellschaftliche Konsens, eine geeignete Vermittlung von Werten. So gab das Bundesforum Familie am 25. November 2008 als Teilergebnis eines zweijährigen Projekts die Berliner Erklärung zur wertorientierenden Erziehung heraus. (PDF-Datei; 1,57 MB), herausgegeben vom Bundesforum Familie

Kinderfreundliche Infrastruktur Kinderfreundlichkeit zeigt sich darin, ob bzw. inwieweit die öffentliche, aber auch die private Infrastruktur den Bedürfnissen von Kindern entspricht.

Zur kinder- und familienfreundlichen Infrastruktur gehören nach weitgehendem gesellschaftlichem Konsens beispielsweise Spielplätze und Freizeit- und Sportangebote für Familien. Öffentliche und privatwirtschaftliche Infrastrukturelemente überschneiden sich teilweise. So bestehen neben kommunalen Kindergärten auch kirchliche und private Kindergärten; neben öffentlichen Spielplätzen existieren auch als Wirtschaftsunternehmen geführte überdachte Kinderspielbereiche; Kinderbildungsangebote können durch die öffentliche Hand oder auch durch private Anbieter bereitgehalten werden.

Für die Kinderfreundlichkeit von Kindertagesstätten ist die Qualität der Betreuung und Bildung, insbesondere der Betreuungsschlüssel, entscheidend.

Zur öffentlichen Infrastruktur gehören z. B.: ein durchgängiges Radwegenetz mit Ampeln an gefährlichen Übergängen; Stadtbibliotheken und Bücherbusse mit Kinder- und Jugendliteratur; Einrichtungsdetails wie eine die reale Körpergröße berücksichtigende Bestuhlung in Schulen; Umsetzung neuer museumsdidaktischer Erkenntnisse in Museen usw. Zur privatwirtschaftlichen Infrastruktur gehören z. B. Kinderstühle und kindgerechte Portionen in Restaurants, Kinderbetreuungsangebote in Geschäften, Familientickets bei privaten Dienstleistern aller Art usw.

Kinderhilfswerke bemühen sich um eine Verbesserung der Infrastruktur im Inland, aber auch in anderen Ländern (siehe auch UNICEF).

Die Baby-friendly Hospital Initiative von UNICEF und der Weltgesundheitsorganisation WHO wurde 1991 initiiert und fordert Spitäler weltweit auf, ein 10-Schritte-Programm zur Schaffung stillfreundlicher Rahmenbedingungen in Geburtsstätten umzusetzen. Gemäß dem Internationalen Kodex für die Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten darf insbesondere als „babyfreundlich“ bezeichneten Krankenhaus keinerlei Werbung für Muttermilchersatz stattfinden.

Kinderfreundliche Angebote, Produkte und Dienstleistungen Ausgerichtetheit auf die Bedürfnisse von Kindern und Familien: kinder- und familienfreundliche Hotels und Gaststätten, kinder- und familienfreundliche Preise (beispielsweise ermäßigte Tarife für Kinder oder auch Familienermäßigungen, verbilligte Kinderportionen in Gaststätten, Familienrabatte), Kinderabteile in Zügen oder – wie in Skandinavien – ganze Kinderwaggons zum Spielen.

Auf Kinder als Zielpersonen oder Konsumenten zugeschnittene und als „kinderfreundlich“ bezeichnete Produkte sind nicht notwendigerweise an tatsächlichen Bedürfnissen von Kindern orientiert: „kinderfreundliche Werbung“, „kinderfreundliches Fernsehen“.

Das Gütesiegel OK für Kids – Kinderfreundlichkeit wurde vom TÜV Nord CERT und dem Deutschen Kinderschutzbund entwickelt. Es soll kinderfreundliche Produkte und Dienstleistungen auszeichnen und eine qualitative Orientierung im Markt zu ermöglichen. Es umfasst Prüfkriterien zur Kinderfreundlichkeit in Hotels, Ferienhäusern, Pensionen und Freizeitparks.

Kinderfreundliche Politik des Staates Es wird argumentiert, dass eine kinderfreundliche Politik auf den Kinderwunsch und die Realisierung von Kinderwünschen Einfluss haben könne. Gefordert werden (höhere) Transferleistungen und niedrigere Zahlungen von Steuern und Sozialabgaben von Familien (in Deutschland als Familienleistungsausgleich zusammengefasst) sowie öffentliche Investitionen in die soziale Infrastruktur für Familien, Kinder und Jugendliche. Im Kontext einer Marktwirtschaft ist allerdings stets ordnungspolitisch zu prüfen, ob wirklich im Einzelfall die öffentliche Hand für die Erbringung bestimmter kinderfreundlicher Dienstleistungen zuständig ist.

Aus dem 2002 beschlossenen Abschlussdokument „Eine kindgerechte Welt“ der Vereinten Nationen ging als Initiative der deutschen Bundesregierung der Nationale Aktionsplan „Für ein kindergerechtes Deutschland 2005-2010“ (NAP) (PDF) hervor. Basis des Nationalen Aktionsplans ist die Kinderrechtskonvention, die 1989 von der UN-Vollversammlung angenommen und bisher von 192 Staaten der Erde ratifiziert wurde. Zuständig für die Entwicklung und Umsetzung des NAP ist das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Bundesfamilienministerium).

Grundanliegen des deutschen NAP ist die Verbesserung der Lebensbedingungen von Kindern, hierzu wurde er in sechs Themenfelder unterteilt:

Chancengerechtigkeit durch Bildung Aufgrund der bedeutenden Rolle der Schule für Kinder ist hier vorrangig die Qualität und Ausgestaltung des Schulsystems zu nennen. Insbesondere ist es erforderlich, dass Kinder eine ihrem Alter und ihren Fähigkeiten entsprechende Förderung erfahren und dass sich der Schulalltag weitestmöglich ohne Angst, Mobbing oder Gewalt gestaltet.