Engelbach (mundartlich Ingelboch) ist ein Dorf im Nordosten des Hessischen Hinterlandes und als solches ein Stadtteil der Stadt Biedenkopf im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Es liegt am Übergangsbereich von Mittel- und Nordhessen, in den Sackpfeifen-Vorhöhen, die zu den südöstlichen Ausläufern des Rothaargebirges zählen, am Lauf des Engelbaches.
Geographie Geographische Lage Engelbach erstreckt sich in einem Tal zu beiden Seiten des gleichnamigen Baches umgeben von Wäldern. Im Nordwesten erhebt sich die Sackpfeife, mit 674 m die höchste Erhebung im Landkreis Marburg-Biedenkopf und im Südwesten das Aarnest mit 591,5 m, der Hausberg von Engelbach. Die Gemarkung Engelbach ist 843 Hektar groß, davon ist der weitaus größte Teil Waldfläche. In zehn Kilometer Entfernung liegt der Burgwald. Mittelgebirgserhebungen rund um Engelbach sind neben den bereits erwähnten Bergen der Engelberg, die Planke, der Bronkekopf, die Engelbacher Hardt, die Treisbacher Hardt, der Rothskopf, der Große Hardenberg, der Rahnsberg, der Hassenroth und der Kohlenberg.
Benachbarte Orte Benachbarte Orte sind Treisbach, Dexbach, Eifa, Biedenkopf, Amönau, Warzenbach, Kombach, Eckelshausen, Katzenbach, Breidenstein, Gemeinde Münchhausen (am Christenberg).
Geschichte Ortsgeschichte Die Entstehungszeit des Ortes Engelbach ist nicht bekannt. Es kann aber angenommen werden, dass die Gründung sehr weit zurückreicht, spätestens in die Zeit des in dieser Gegend herrschenden Geschlechts der Grafen Giso, die auf der Burg Hollende saßen und die Vogtei über das Stift Wetter innehatten. Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Engelbach erfolgte unter dem Namen Engelenbach um das Jahr 1230. Er gehörte um 1534 innerhalb des kleinen Gerichtes Dexbach zum Gericht Dautphe, Amt Biedenkopf, stand im 15. Jahrhundert unter dem Dekanat Kesterburg (Christenberg) und wurde 1577 nach Dexbach hineingepaart.
Engelbach gehörte schon 1318 dem Stadtgericht Biedenkopf an: damals wurde ein Verkauf Engelbächer Güter vor dem dortigen Gericht beurkundet. Im Jahre 1356 wurde das Untergericht (1495 Haibgericht) Dexbach bekannt, als es vom hessischen Landgrafen Heinrich II. und dessen Sohn Otto als Teil des Amtes Biedenkopf an Wiegand von Sichertshausen und dessen Stiefsohn Johann von Breidenbach verpfändet wurde. Es bestand 1502 aus den Dörfern Dexbach und Engelbach, außerdem gehörte die heutige Wüstung Pferdsbach dazu.
Es wird angenommen, dass das Dexbacher Gebiet ursprünglich zu Wetter gehörte und das Gericht deshalb eingerichtet wurde, weil der Weg nach Biedenkopf über die Bergkette für die Bewohner vorgenannter Orte zu beschwerlich war. Es hatte wohl nur örtliche Bedeutung, denn das Schultheißenamt wurde zwischen 1451 und 1472 mit dem des Stadtgerichts Biedenkopf vereinigt. Es wurde noch 1592 und 1630 erwähnt.
Graf Siegfried von Wittgenstein, seine Ehefrau Ida und ihre Söhne geistlichen und weltlichen Standes überließen dem Zisterzienserinnenkloster Caldern im 13. Jahrhundert einiges Eigentum, unter anderem einige Güter zu Engelbach mit allem Zubehör.
Am 26. Juni 1301 überließen Bertrad, genannt von Rüdigheim (Rutdinkeln), und ihre Tochter Bertrad dem Kloster Caldern zu ihrem und ihrer Vorfahren Seelenheil unter anderen alle ihre Güter zu Engelbach mit sämtlichem Zubehör, behielten sich aber lebenslang den Ertrag vor. Auch durften sie sich an die Güter halten, sollten sie in Not geraten.
Wo der Treisbach entspringt, östlich unter dem Aarnest, am Weg von Engelbach nach Katzenbach, lag vor Zeiten der Ort Albertshausen (Alberdehusen 1519). Er kann im 15. Jahrhundert aber nicht mehr bestanden haben, da er im Diözesanverzeichnis nicht mehr genannt ist. Seine Einwohner waren wohl nach Engelbach, Dexbach und Treisbach gezogen.
Erzfunde wurden bereits 1654 erwähnt. In der „Grube Elisabeth“ wurde Kupfer- und Silbererzbergbau betrieben; der Eingang des Stollens ist noch erhalten.
Im Jahre 1788 herrschte in der Gegend unter den Hunden die Tollwut. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Verordnung von Landgraf Ludwig von Hessen-Darmstadt vom 31. Januar 1778: „Kein Aussaugen der Wunde! Es ist notwendig, daß gebissener Mensch keine Wärme, aller Gemüts- und Leibesbewegungen enthalte, kein Fleisch, Wein, Gewürz, Alkohol, nur Milch, Obst oder Pflanzenspeisen, folgender Trank mit Nutzen dabey zu gebrauchen: Man nimmt 4 Loth ungerollte Gerste, wäscht sie in lauem Wasser, kocht sie nachhero mit 5 Schoppen Wasser so lange, bis sie durchgehends aufgesprungen ist, seiget sie sohin durch Leinwand und mischet endlich 3 Loth Honig und 2 Loth Weinessig darunter. Von diesem Trank soll Patient nach genügen trinken, und derselbe so oft frisch gemacht werden, als von Nöthen ist. Dieses Heilmittel ist von Hochfürstlicher Regierung dahio zur Vertheilung in sämtliche Hochfürstliche Lande der Hirschapotheke anvertraut und übergeben worden. Dosis von diesem Pulver kosten 6 Kreuzer.“
Am 12. April 1813 erhob der Schulvikar Holzheimer zu Dexbach Klage beim Großherzoglichen Kreisrat in Biedenkopf gegen 21 Engelbacher, weil diese nicht die zu leistenden drei Kronen bzw. einen Laib Brot gegeben hätten. Für Nr. 16 vermerkte er am Schluss, dass dieser wohl das Brot geliefert hatte, aber nach Prüfung durch den Kirchenvorstand als nicht genießbar wieder zurückerhielt. Am 24. Mai 1853 berichtete der Gemeindeeinnahmer Medebach von Dexbach an den Kreisrat, dass er den Entwurf des Pfändungsbefehls an seinen Bürgermeister übergeben habe und dass vier Engelbacher die Mahnzettel zurückschickten und Lieferung von Brot und Geld verweigert hatten.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Engelbach:
Nach der Hauptbevölkerungsliste von 1846 des Landratsamtes Biedenkopf hatte die Gemeinde Engelbach „zwei öffentliche Gebäude, 62 Wohnhäuser, 74 Familien, 54 Knaben, 73 Mädchen. Über 14 Jahre 134 männliche und 160 weibliche Seelen. 421 Seelen (Lutheraner), außerdem zwei Staatsdiener, 35 Ackerleute, elf Gewerbeleute, vier Acker- und Gewerbeleute zugleich sowie 19 Tagelöhner männlich und elf Tagelöhner weiblich, ein männlicher Dienstbote, zwei weibliche Dienstboten. Zahl der Ortsansässigen, die sich außerhalb aufhielten: Inland: 10, Ausland 5. Eine Cappelle, ein Backhaus. Keine Personen über 90 Jahre“.
Hessische Gebietsreform (1970–1977) Zum 31. Dezember 1971 wurde im Zuge der Gebietsreform in Hessen die bis dahin selbständige Gemeinde Engelbach auf freiwilliger Basis nach Biedenkopf eingemeindet. Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Biedenkopf wurde je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Engelbach angehört(e):
vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Biedenkopf ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Biedenkopf Die Zugehörigkeit des Amtes Biedenkopf anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: strittig zwischen Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Biedenkopf ab 1627: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Biedenkopf, Gericht Dexbach ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Oberhessen, Amt Biedenkopf ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Biedenkopf ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk BattenbergTrennung von Justiz (Landgericht Biedenkopf) und Verwaltung ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Biedenkopf ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf ab 1867: Königreich Preußen,Infolge des Deutschen Krieges. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf (übergangsweise Hinterlandkreis) ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Dillenburg ab 1933: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Landkreis Biedenkopf ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Biedenkopf ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Biedenkopf, Stadt BiedenkopfAm 31. Dezember 1971 als Ortsbezirk zur Stadt Biedenkopf. ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Stadt Biedenkopf ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Stadt Biedenkopf
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Engelbach 333 Einwohner. Darunter waren 6 (1,8 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 57 Einwohner unter 18 Jahren, 135 zwischen 18 und 49, 69 zwischen 50 und 64 und 72 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 123 Haushalten. Davon waren 30 Singlehaushalte, 30 Paare ohne Kinder und 54 Paare mit Kindern, sowie 9 Alleinerziehende und keine Wohngemeinschaften. In 27 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 69 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1577: 24 Hausgesesse • 1630: 21 Hausgesesse (5 zweispännige, 9 einspännige Ackerleute, 7 Einläuftige), 2 Witwen • 1677: 20 Hausgründe, 2 Witwen, 13 ledige Personen • 1742: 43 Haushalte • 1791: 212 Einwohner • 1800: 221 Einwohner • 1806: 241 Einwohner, 44 Häuser • 1829: 323 Einwohner, 49 Häuser
Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1829: 323 evangelische (= 100 %) Einwohner • 1885: 337 evangelische (= 100 %) Einwohner • 1961: 329 evangelische (= 94,0 %), 21 katholische (= 6,0 %) Einwohner
Historische Erwerbstätigkeit • 1961: Erwerbspersonen: 110 Land- und Forstwirtschaft, 80 produzierendes Gewerbe, 7 Handel und Verkehr, 17 Dienstleistungen und Sonstiges.
Politik
Ortsbeirat Engelbach verfügt als Ortsbezirk über einen Ortsbeirat, bestehend aus drei Mitgliedern, dessen Vorsitzender ein Ortsvorsteher ist. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 60,24 %. Der Ortsbeirat wählte Eckhard Müller zum Ortsvorsteher.
Wappen
Am 3. August 1960 genehmigte der Hessische Minister des Innern das Wappen mit folgender Beschreibung:
Flagge Am 17. September 1962 genehmigte der Hessische Minister des Innern die Flagge mit folgender Beschreibung:
Verschwisterung Engelbach ist seit der deutschen Wiedervereinigung mit Engelsbach in Thüringen verschwistert.
Vereine Engelbach hat eine ganze Reihe von Vereinen: Heimatverein, Männergesangverein, Landfrauen, Freiwillige Feuerwehr, Gymnastikgruppe, Burschenschaft, Jazztanzgruppe und DRK-Zug.
In einer Gemeindeversammlung nach der 750-Jahr-Feier in 1987 wurde die Gründung des Heimatvereines beschlossen. Die Versammlung beauftragte den Ortsbeirat mit den vorbereitenden Arbeiten.