Der Niederländische Postkurs war seit der Gründung unter König Maximilian I. im Jahre 1490 ein europäischer Hauptpostkurs und zugleich die erste dauerhaft betriebene Postlinie im Heiligen Römischen Reich. Die Route verlief über Alt- und Reichsstraßen und verband Innsbruck mit den Niederlanden und Italien. In den Niederlanden waren seit 1505 Mechelen oder Brüssel die Endpunkte, ab 1516 nur noch Brüssel,Postverträge vom 18. Januar 1505 und vom 12. November 1516, vollständiger Wortlaut bei Rübsam: Johann Baptista von Taxis, 1889, S. 188–197 und S. 215–227. wo unter Karl V. eine neue Zentrale mit Generalpostmeistern aus der Familie der Taxis entstand.
Nach der Abdankung Karls V. und der Reichsteilung fielen die Niederlande und die italienischen Besitzungen an Spanien. Seitdem war der Niederländische Postkurs sowohl eine Transitroute zwischen den Spanischen Niederlanden und den italienischen Besitzungen der Spanischen Habsburger als auch der zentrale Postkurs der Kaiserlichen Post innerhalb des Heiligen Römischen Reiches. Durch die Eroberungskriege Ludwigs XIV. verlor dieser Postkurs zunehmend an Bedeutung. Mit der französischen Besetzung der Spanischen Niederlande und Luxemburgs zu Beginn des Spanischen Erbfolgekrieges und der Aufkündigung des spanisch-niederländischen Postgeneralats der Thurn und Taxis1650 Umbenennung des Hauses Taxis in Thurn und Taxis, siehe hierzu: Behringer: Thurn und Taxis, S. 207f. im Jahre 1701 endete der spanische Transitpostkurs von den Niederlanden nach Italien.
Gründung mini|hochkant|Zahlungen für die Post in den Innsbrucker Raitbüchern 1489/90 Das Jahr 1490 gilt als das Gründungsjahr des neuzeitlichen europäischen Postwesens. Nach der Übernahme Tirols beauftragte Maximilian I. mehrere Mitglieder der italienischen Kurierfamilie Tasso, wie Janetto, dessen Bruder Franz und deren Neffen Johann Baptista eine Postfelleisen- und Kurierroute zwischen den Burgundischen Niederlanden, wo sein minderjähriger Sohn Philipp erzogen wurde, und seiner Residenz Innsbruck einzurichten, mit einer Fortsetzung über Südtirol nach Italien. Neben Innsbruck hatte Maximilian die Freie Reichsstadt Speyer als Anlaufstelle für die Briefe der Fürsten und Reichsstände vorgesehen: „nach dem Speyer an einem gelegen endt ligt“. In einem Brief vom 14. Juli 1490 beklagte er sich beim Rat der Stadt Speyer, dass er noch immer keine Antwort erhalten hatte, obwohl er sechzig Gulden geschickt hatte, um dort einen Fußboten und einen Postreiter zu stationieren. Korzendorfer: Urkunden zur Frühgeschichte der Deutschen Post, in: Archiv für Postgeschichte in Bayern, 3/1927; siehe auch: Gottfried North: Der Brief Maximilians I. an die Stadt Speyer, in: Archiv für deutsche Postgeschichte 2/1990, S. 10–12. Nachdem auch dieser Brief unbeantwortet blieb, richteten die Taxis im Dorf Rheinhausen auf der östlichen Rheinseite neben der Fähre eine Poststation ein. Der erste Rheinhausener Posthalter war der Fährmann, der sein Amt nachweisbar von 1495 bis 1499 ausübte.Ohmann: Die Anfänge des Postwesens und die Taxis, Leipzig 1909, Seite 318 und 324.
Weitere Quellen sind die Innsbrucker Raitbücher sowie die Aufzeichnungen Heinrich Löhlins in der Memminger Stadtchronik Item inn dem Jar legt der Römische König reitbotten von dem land ostereich, biis in das Niderlandt, biis in franckrich auch biis gehn Rohm, und lag allweg ein potten 5. meils weeg von einander …Uli Braun, in: Archiv für deutsche Postgeschichte (AdPg) 2/90, S. 7 mit Abbildung, Transkription mit kleinen eigenen Korrekturen, siehe auch: Ausstellungskatalog 500 Jahre Post Thurn und Taxis, Neusäß/Augsburg 1990, S. 63.
Die entscheidende Neuerung gegenüber dem bestehenden Botensystem bestand darin, dass es Poststationen gab, auf denen die Reiter und Pferde wechselten und nur das verschlossene und versiegelte Felleisen mit den Briefschaften wie bei einer Staffel weitergereicht wurde. Da die Post auch nachts ritt, verkürzte sich die Wegezeit erheblich, was auch aus der Memminger Chronik hervorgeht. Zunächst wurden fast nur in unbefestigten Dörfern Pferdewechselstationen eingerichtet, weil die Städte nachts die Tore schlossen. Der Abstand zwischen den einzelnen Stationen betrug ursprünglich 5 lange Meilen, was etwa 37,5 km entsprach.
Diese ersten Postkurse dienten einerseits dem Transport von Postfelleisen, waren anderseits aber auch Kurierrouten. Daneben boten sie vielen Postreisenden die Möglichkeit, auf den Relaisstationen die Pferde zu wechseln und mit Begleitung zur nächsten Wechselstation zu reiten. Ein Beispiel dafür ist das Tagebuch des Lucas Rem, eines Augsburger Kaufmanns in Diensten der Welser.
Die Anfänge Postkurs von 1490/91 Nach der Memminger Chronik und weiteren Quellen ritt die Post im Jahre 1490 von den Niederlanden über Rheinhausen, Elchingen, Pleß und Kempten nach Innsbruck und Italien. Bereits im Jahre 1491 gab es eine erste Änderung. So verlief der Postkurs von Innsbruck aus ab Pleß weiter östlich über Mindelheim statt über Kempten.Ohmann: Die Anfänge des Postwesens und die Taxis, S. 92, n 2. Schon hieraus wird deutlich, dass es noch keine festen Poststationen gab. Dies geht auch aus der Memminger Chronik hervor, wo berichtet wird, dass die Postreiter in Herbergen stationiert waren.
Dass auch die Routen variabel waren und sich nach dem Aufenthaltsort von Maximilian I. und seinem begrenzten Budget richten, bestätigen viele spätere Belege. So wurden Poststationen aufgehoben, neue Postkurse häufig nur kurzfristig eingerichtet und wieder aufgekündigt, oder die Postreiter liefen mangels Bezahlung weg.
Postkurse 1495–1499 mini|Ehrenberger Klause Zum Wormser Reichstag im Jahre 1495 ließ Ludovico Sforza, der Onkel von Maximilians zweiter Gemahlin Bianca Maria Sforza, von Mailand aus einen neuen Postkurs nach Worms anlegen. Dieser führte ab Bormio durch Tirol mit Mals (Südtirol), dann über Landeck, an Innsbruck vorbei über Prutz, Nassereith, die Ehrenberger Klause bei Reutte, Durach bei Kempten, Boos im Nordosten von Memmingen, Pfuhl bei Ulm, Cannstatt, Knittlingen und Rheinhausen nach Worms, was durch mehrere Poststundenpässe belegt ist.Ohmann: Die Anfänge des Postwesens und die Taxis, S. 319–326. Auch ein Postkurs in die Niederlande ist durch einen Brief aus Antwerpen belegt. Dort beschwerte man sich, dass der Postverkehr nur schleppend verlief, und dass ein Brief von Worms nach Antwerpen 10 Tage gebraucht hätte. Dieser Postkurs bestand nachweisbar bis 1496.Ohmann: Die Anfänge des Postwesens und die Taxis, S. 150 und S. 119. In einem Brief vom 24. Juli 1496 schrieb Maximilians Sohn Philipp, dass er einen neuen Postkurs von Mechelen nach Worms eingerichtet hat.Ohmann: Die Anfänge des Postwesens und die Taxis, S. 119.
Nach Dokumenten aus den Jahren 1494 und 1499 verlief die nördliche Route zu dieser Zeit ab Worms am Rhein entlang über Bingen, Koblenz, Köln und Jülich, wobei keine Zwischenstationen genannt wurden.Ohmann: Die Anfänge des Postwesens und die Taxis, S. 119 und 318, Briefe des Postenlegers Meurl. Der Endpunkt des Postkurses war abhängig vom Aufenthaltsort Philipps, wobei Antwerpen (1495–1496), Mechelen (1496) und Gent (1501)Dallmeier: Quellen zur Geschichte des europäischen Postwesens 1501–1806, Teil II, Urkunden-Regesten, S. 3, Regest 1. belegt sind.
Der Postkurs von 1506 Im Postvertrag vom 18. Januar 1505 zwischen Philipp dem Schönen und Franz von Taxis wurden genaue Zeitvorgaben vereinbart, wobei auch die Start- und Zielorte und die Beförderungszeiten genannt wurden. Nach diesem Vertrag durfte die Wegezeit von Brüssel oder Mechelen nach Innsbruck im Sommer nicht mehr als 5,5 Tage, im Winter nicht mehr als 6,5 Tage betragen. Nur für die kriegsbedingte Sonderroute nach Geldern war bereits ein Abstand von 4 Meilen (etwa 30 km) zwischen den Poststationen festgelegt. Philipp übernahm die Kosten bis zum Aufenthaltsort Maximilians innerhalb des Reiches. Die Bezahlung eines Postkurses nach Italien war nicht im Vertrag vorgesehen.Dallmeier: Quellen zur Geschichte des europäischen Postwesens 1501–1806, Teil II, Urkunden-Regesten, S. 3f.
Nach einem von Franz von Taxis initiierten Poststundenpass vom 25. März 1506 wurden folgende Poststationen angeritten:Ohmann: Die Anfänge des Postwesens und die Taxis, S. 326–329. Malines/Mechel = Mechelen (Start der Stafette) Rellar= Rillaar bei Aarschot [NN] Name der Poststation fehlt Peudargent Identifizierung zweifelhaft, Bois d’argenteau, oder Eigenname?Text nach Ohmann: Die Anfänge des Postwesens und die Taxis, S. 327: „je ambros aie rechus la bouget a III heurs a mantin et la livrens a peudargent (?) a IX heur a mantin“ (Ich, Ambrosius, habe den Ledersack um 3 Uhr morgens empfangen und ihn in/an Peudargent um 9 Uhr morgens abgeliefert). Ohmann glaubte nach Fußnote 1, S. 141 bei peudargent an eine „absichtliche Namensverdrehung“, um auf den Geldmangel des Postreiters aufmerksam zu machen und schlug den Bois d' Argenteau südlich von Maastricht als Pferdewechselstation vor. Andererseits ist Peudargent auch als Familienname bekannt, siehe den Komponisten Martin Peudargent aus Huy (Belgien). „Vee“ oder „Der vee“Identifizierung unsicherText laut Stundenpass, Ohmann, Die Anfänge des Postwesens und die Taxis, S. 327: „Moy pouste der vee aie rechus la bouget …“ (Ich, Postreiter von der vee, habe den Ledersack empfangen…) Fritz Ohmann: Die Anfänge des Postwesens und die Taxis, Verlag von Duncker und Humblot, Leipzig 1909, S. 141 vermutete in „Vee“ die Ausläufer des Hohen Venn. Bulesem= Büllesheim (Groß- oder Kleinbüllesheim) bei EuskirchenBryssche= Breisig Hatsport/Hatzenporten= Hatzenport (Moselfähre) Rempolen= Rheinböllen Flonem= FlonheimHeppenheim= Heppenheim bei Worms Speir= Speyer, VorbeirittHausen= Rheinhausen[NN]Name der Poststation fehlt Blochingen= Plochingen, nahe der späteren Poststation DeizisauGingen= Gingen zwischen Göppingen und GeislingenSefflingen= Söflingen bei UlmBless= Pleß bei Memmingen[NN]Name der Poststation fehlt[NN]Name der Poststation fehlt Lermos= Lermoos Pairwies= BarwiesIspruch= Innsbruck
In Innsbruck nahm Gabriel von Taxis am 31. März das Felleisen in Empfang und leitete es nach Wiener Neustadt weiter, wo sich Maximilian I. zu diesem Zeitpunkt aufhielt.Ohmann: Die Anfänge des Postwesens und die Taxis, S. 329.
Poststationen nach dem Tagebuch des Lucas Rem 1515 In den Jahren danach wurde auch Augsburg mehrfach in den Postkurs eingebunden, sodass sich die Wegstrecke nach Innsbruck verlängerte. Im Jahr 1515, als sich Maximilian I. in den Habsburger Stammlanden aufhielt, war Augsburg ganzjährig an den Niederländischen Postkurs angeschlossen und es gab von dort aus kurzfristig einen Abzweiger nach Wien. Im selben Jahr ritt der Augsburger Kaufmann Lucas Rem in der Zeit vom 6. bis 13. Oktober in knapp sechs Tagen auf der Postroute von Brüssel nach Augsburg. „adi. 6. Ottob. 1515 ritt ich aus Antorff gen Brüssel. Adi 7 dito fruo rit ich alda aus auf der post, und ritt 5. 3. 4. 3. 4. 4. posten, (und) in 6 tagen gen Augsburg, dan ich 13 dito fruer, dan ich zu Antorff fruo ausritt, kam.“ Sein Rückweg war kaum langsamer. „adi 4 December nachtz rit Ich aus Augspurg auf der post. Dieselbe nacht nur 1, darnach 3. 3. 3. 3. 5. 2. 3. posten. Kam gen Brussel adi 11. ..“Lucas Rem (Hrsg. Greiff): Tagebuch, S. 18. Demnach gab es im Jahre 1515 zwischen Augsburg und Brüssel 23 Poststationen. Leider nannte Rem nicht die Orte, über die er geritten ist. Seine nächste Reise von Augsburg nach Brüssel und Antwerpen unternahm Rem im September 1518. Bei der Rückreise im Januar 1519 ritt er wieder „mit den posten zuo post“.Lucas Rem (Hrsg. Greiff): Tagebuch, S. 21.
Poststationen nach dem Postvertrag von 1516