Die U-20-Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2010 (offiziell 2010 FIFA U-20 Women’s World Cup) war die fünfte Ausspielung dieses Wettbewerbs für Fußballspielerinnen unter 20 Jahren (Stichtag: 1. Januar 1990) und fand vom 13. Juli bis 1. August 2010 in Deutschland statt. Deutschland war damit zum ersten Mal Gastgeber eines FIFA-Turniers im Juniorenbereich und konnte als bisher einzige Mannschaft (Stand 24. August 2018) den Heimvorteil nutzen und das Turnier gewinnen. Gespielt wurde in den Städten Augsburg, Bielefeld, Bochum und Dresden. Am Turnier nahmen 16 Mannschaften teil, die zunächst im vier Gruppen- und danach im K.-o.-System gegeneinander antraten.
Gastgeber Deutschland besiegte im Finale die Mannschaft Nigerias mit 2:0 und konnte das Turnier damit zum zweiten Mal gewinnen.
Vergabe des Turniers Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte sich erst auf Wunsch der FIFA um die Austragung des Turniers beworben. Zuvor hatte ein nicht näher genanntes Land aus Südamerika Interesse signalisiert.Deutschland will U20-WM 2010 ausrichten. In: Womensoccer.de, 25. Januar 2008, abgerufen am 18. Juli 2010. Da der Austragungsort der WM 2008 mit Chile bereits auf dem südamerikanischen Kontinent lag, wollte die FIFA das Turnier 2010 an einen anderen Kontinentalverband vergeben. Schließlich wurde Deutschland auf der Sitzung des FIFA-Exekutivkomitees in Zürich am 14. März 2008 mit der Turnierorganisation beauftragt. Und so kam es, dass seit 2010 der jeweilige Gastgeber der Frauen-Weltmeisterschaft auch die vorherige U-20-Weltmeisterschaft ausrichtet.Es bleibt bei 16 Teams. In: Kicker.de, 14. März 2008, abgerufen am 18. Juli 2010.
Spielorte Der Deutsche Fußball-Bund gab am 14. November 2008 bekannt, dass das Turnier in vier Städten ausgetragen wird.Vier Spielorte der U 20-WM der Frauen festgelegt. In: DFB.de, 14. November 2008, abgerufen am 18. Juli 2010.
Augsburg: In Augsburg wurde in der impuls arena gespielt. Die im Juli 2009 fertiggestellte Heimspielstätte des FC Augsburg bietet bei voller Bestuhlung Platz für 25.579 Zuschauer. Sechs Vorrundenspiele und ein Viertelfinale wurden in Augsburg gespielt. Bielefeld: Die SchücoArena ist die Heimat von Arminia Bielefeld. Seit dem letzten Umbau im Jahre 2008 können 27.300 Zuschauer die Spiele verfolgen. Das Bielefelder Stadion war Austragungsort für sechs Vorrundenspiele, ein Viertelfinale, ein Halbfinale, das Spiel um Platz 3 und das Finale. Bochum: Das Ruhrstadion in Bochum bietet Platz für 32.000 Zuschauer. Das Stadion des VfL Bochum wurde bis zum Turnier renoviert. In Bochum wurden sechs Vorrundenspiele, ein Viertelfinale und ein Halbfinale ausgetragen. Dresden: Größtes Stadion des Turniers war das Rudolf-Harbig-Stadion in Dresden. Die Spielstätte von Dynamo Dresden bietet Platz für 32.066 Zuschauer. Wie in Augsburg wurden in Dresden sechs Vorrundenspiele und ein Viertelfinale ausgetragen.
Augsburg, Bochum und Dresden wurden zudem Spielorte der Frauen-Weltmeisterschaft 2011. Laut DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach war es der „grundsätzliche Wunsch der FIFA, die 32 Spiele der 16 teilnehmenden U-20-Teams in Stadien auszutragen, in denen ein Jahr später auch die Frauen-WM stattfindet“. Bielefeld hatte sich vergeblich als Austragungsort für die WM 2011 beworben. Der Zuschlag als Austragungsort der U-20-Weltmeisterschaft erfolgte als Kompensation.
Die Stadien in Augsburg, Bielefeld und Bochum führten während des Turniers ihre durch Sponsorenverträge erhaltenen Namen nicht, die Bezeichnungen änderten sich zu „FIFA WM Stadion Stadtname“, einzig das zum damaligen Zeitpunkt noch nicht mit einem Sponsornamen versehene Rudolf-Harbig-Stadion in Dresden behielt seinen Namen. Zur WM wurden die Kapazitäten jeweils deutlich reduziert.
Augsburg Bielefeld Bochum Dresden FIFA WM Stadion AugsburgKapazität (WM): 22.216 FIFA WM Stadion BielefeldKapazität (WM): 23.043 FIFA WM Stadion BochumKapazität (WM): 19.226 Rudolf-Harbig-StadionKapazität (WM): 22.933 200px|impuls arena 200px|SchücoArena 200px|Ruhrstadion 200px|Rudolf-Harbig-Stadion 6 Vorrundenspiele 1 Viertelfinale 6 Vorrundenspiele 1 Viertelfinale 1 Halbfinale Spiel um Platz 3 / Finale 6 Vorrundenspiele 1 Viertelfinale 1 Halbfinale 6 Vorrundenspiele 1 Viertelfinale
Qualifikation mini|Platzierungen der Teilnehmer
Bei der Tagung des FIFA-Exekutivkomitees am 20. März 2009 in Zürich legte die FIFA die Verteilerschlüssel für die 16 Startplätze fest. Das größte Kontingent erhielt Europa mit vier Startplätzen. Jeweils drei Teilnehmer stellen Asien und Nordamerika. Südamerika und Afrika erhalten jeweils zwei Plätze während Ozeanien eine Mannschaft entsenden wird. Komplettiert wird das Teilnehmerfeld vom Gastgeber Deutschland.. In: Fifa.com, 20. März 2009, abgerufen am 18. Juli 2010.
Die europäischen Teilnehmer wurden bei der U-19-Europameisterschaft 2009 in Belarus ermittelt. Jeweils die beiden besten Mannschaften der zwei Vorrundengruppen qualifizierten sich für die Weltmeisterschaft. Hätte die ebenfalls teilnehmende deutsche Mannschaft einen dieser Plätze belegt, so wären die beiden Gruppendritten in einem Entscheidungsspiel gegeneinander angetreten um den vierten europäischen Teilnehmer zu ermitteln. Schließlich qualifizierten sich England, Frankreich, Schweden und die Schweiz.
Asiens Vertreter wurden bei der U-19-Asienmeisterschaft 2009 in der Volksrepublik China ermittelt. Die drei Endrundenplätze bei der Weltmeisterschaft gingen an die beiden Finalisten Japan und Südkorea sowie an den Drittplatzierten Nordkorea.
Die beiden Vertreter Afrikas wurden in einem Qualifikationsturnier ermittelt. 21 Nationalmannschaften spielten über vier Runden mit Hin- und Rückspiel im K.-o.-System die beiden Teilnehmer aus. Ghana und Nigeria konnten die Finalpaarungen gewinnen und sich somit für die Endrunde qualifizieren.
In Nordamerika wurden die Teilnehmer bei der CONCACAF U-20-Meisterschaft ausgespielt. Das Turnier fand in der Zeit vom 20. bis 31. Januar 2010 in Guatemala statt. Neben dem Turniersieger USA und dem Zweitplatzierten Mexiko qualifizierte sich erstmals die Mannschaft aus Costa Rica für die WM-Endrunde.
Südamerika ermittelte seine beiden Teilnehmer bei der U-20-Fußball-Südamerikameisterschaft der Frauen. Das Turnier wurde im März 2010 in Kolumbien ausgespielt. Neben den Gastgebern konnte sich Brasilien für das Finale qualifizieren, wodurch beide Mannschaften das Ticket zur Weltmeisterschaft lösten.
Der Teilnehmer aus Ozeanien wurde bei der kontinentalen Meisterschaft ermittelt, die in der neuseeländischen Großstadt Auckland ausgetragen wurde. Ursprünglich sollte das Turnier vom 5. bis 9. Oktober 2009 ausgetragen werden. Wegen des Erdbebens bei den Samoainseln wurde es auf den Zeitraum vom 21. bis 25. Januar 2010 verschoben.. In: Oceaniafootball.com, 12. Januar 2010, abgerufen am 18. Juli 2010. Gastgeber Neuseeland gewann das Turnier und qualifizierte sich somit für die Weltmeisterschaft.. In: Fifa.com, 25. Januar 2010, abgerufen am 18. Juli 2010.
Teilnehmer 5 aus Europa * 3 aus Asien 3 aus Nord-, Mittelamerika, Karibik * 2 aus Afrika * 2 aus Südamerika * 1 aus Ozeanien * Erstteilnahme.
Modus der Endrunde Nach dem FIFA-Reglement bestand das Turnier zunächst aus Gruppenspielen sowie anschließend aus Viertelfinale, Halbfinale, Spiel um Platz drei und Finale. Die Spielzeit betrug zweimal 45 Minuten.
Die 16 Teilnehmer wurden in vier Vorrundengruppen mit je vier Mannschaften gelost, von denen sich jeweils die ersten beiden für das Viertelfinale qualifizierten. In der Gruppenphase spielte jede Mannschaft einmal gegen jede andere Mannschaft ihrer Gruppe nach dem Ligasystem. Die Vorrundenspiele wurden als Doubleheader ausgetragen, d. h., es finden jeweils zwei Spiele hintereinander in einem Stadion statt. Für einen Sieg wurden drei Punkte, für ein Unentschieden wurde ein Punkt vergeben.
Die Platzierung der Mannschaften in den Vorrundengruppen ergab sich dabei in folgender Reihenfolge:Artikel 25, Absatz 5 des . In: Fifa.com, März 2009, abgerufen am 13. Juli 2010 (PDF; 269 kB).
Anzahl der Punkte aus allen Gruppenspielen; Tordifferenz aus allen drei Spielen; Anzahl der erzielten Tore; Anzahl Punkte aus den Direktbegegnungen der punkt- und torgleichen Teams; Tordifferenz in den Direktbegegnungen der punkt- und torgleichen Teams; Anzahl der in den Direktbegegnungen der punkt- und torgleichen Teams erzielten Tore; Losentscheid durch die FIFA-Organisationskommission.
Ab dem Viertelfinale wurde das Turnier im K.-o.-System fortgesetzt, wobei sich der Sieger eines Spiels für die nächste Runde qualifizierte. Spiele, die nach Ablauf der regulären Spielzeit unentschieden endeten, wurden um zweimal 15 Minuten verlängert. Sollte nach Ablauf der Verlängerung immer noch keine Entscheidung gefallen sein, kam es zum Elfmeterschießen.WM 2010. Modus. In: DFB.de, abgerufen am 18. Juli 2010.
Vorrunde Die Auslosung der Endrunde wurde am 22. April 2010 im Dresdner Residenzschloss durchgeführt. Geleitet wurde die Zeremonie von der FIFA-Abteilungsleiterin für Frauenfußballwettbewerbe, Tatjana Haenni. Die Lose wurden von den Bundesligaspielerinnen Alexandra Krieger, Yūki Nagasato, Carol Carioca, Adjoa Bayor, Marie-Louise Bagehorn und Dzsenifer Marozsán gezogen.. In: Fifa.com, 22. April 2010 um abgerufen am 18. Juli 2010.
Gruppe A
mini|hochkant|Vor dem letzten Gruppenspiel von Gastgeber Deutschland gegen Frankreich: gut gefüllte Ränge.
Gastgeber Deutschland konnte als einzige Mannschaft alle drei Vorrundenspiele gewinnen und stellte mit elf Toren die torhungrigste Mannschaft. Großen Anteil am deutschen Erfolg hatte die Stürmerin Alexandra Popp, die alleine sechs Tore erzielte. Überraschend wurde Kolumbien Gruppenzweiter. Den Südamerikanerinnen gelang bei ihrer ersten WM-Teilnahme der Viertelfinaleinzug durch ein 3:0 gegen Costa Rica und sie profitierten vom deutlichen 4:1-Sieg Deutschlands über Frankreich. Die Französinnen wurden Gruppendritte und schieden ebenso wie Costa Rica vorzeitig aus. Costa Rica verlor bei der WM-Premiere alle drei Spiele.
Gruppe B
Mit etwas Glück sicherte sich WM-Neuling Schweden den Gruppensieg. Im entscheidenden Spiel gegen Nordkorea profitierten die Skandinavierinnen von einem Eigentor von Nordkorea, die den zweiten Platz in der Gruppe B belegten. Mitfavorit Brasilien schied dagegen als Dritter aus. Der abschließende 4:1-Sieg über den Letzten Neuseeland war wertlos.
Gruppe C
mini|Hymnenzeremonie vor der Begegnung Nigeria – Japan
Mit einer Überraschung endeten die Vorrundenspiele in der Gruppe C. Durch ein 1:1 im direkten Aufeinandertreffen sicherten sich die als Außenseiter gehandelten Mannschaften aus Nigeria und Mexiko den Einzug in die Runde der letzten Acht. Die Mexikanerinnen überstanden zum ersten Mal die Vorrunde. Die favorisierten Mannschaften aus Japan und England mussten dagegen die Heimreise antreten.
Gruppe D
Auch bei der fünften Weltmeisterschaft sicherte sich die Mannschaft aus den USA den Gruppensieg. Gruppenzweiter wurde die Mannschaft aus Südkorea vor Ghana. Enttäuschend verlief das Turnier für die Mannschaft der Schweiz, die alle drei Vorrundenspiele verlor und dabei ohne eigenen Torerfolg blieb.
Finalrunde Viertelfinale mini|Nigeria konnte sich gegen die favorisierten USA im Elfmeterschießen durchsetzen. mini|Viertelfinale Mexiko – Südkorea in Dresden: ein mexikanischer Angriff
Zwei Überraschungen und zwei Favoritensiege brachte das Viertelfinale. Gastgeber Deutschland besiegte den Finalisten von 2008 Nordkorea mit 2:0. Südkorea setzte sich klar mit 3:1 gegen die Überraschungsmannschaft aus Mexiko durch. Gleich zum Auftakt der Viertelfinalspiele kam Kolumbien im Duell der WM-Neulinge zu einem 2:0-Sieg über Schweden. Titelverteidiger USA schied im Elfmeterschießen gegen Nigeria aus. Damit zog Nigeria als erste afrikanische Mannschaft in das Halbfinale ein.
Halbfinale