Der Wieprz-Krzna-Kanal, polnisch Kanał Wieprz-Krzna, ist ein 140 Kilometer langer Meliorisationskanal im Südosten Polens von Borowica rund 10 Kilometer nördlich von Krasnystaw im Süden bis nach Międzyrzec Podlaski im Norden. Er ist der längste Kanal des Landes, auf langen Abschnitten weniger als vier Meter breit und nicht schiffbar. Der Kanal nimmt Wasser aus dem Wieprz auf und führt es der Krzna zu.
Verlauf Der Wieprz-Krzna-Kanal beginnt auf 172 Metern Meereshöhe und fließt die ersten rund 11 Kilometer Richtung Nordwesten parallel zum Wieprz, ehe er sich bei Trawniki nach Norden wendet. Weitere etwa 45 Kilometer später bei Nowy Orzechow ändert sich die Richtung des Kanals nach Nordosten, um sich nach rund 20 Kilometern bei Kodeniec wieder nach Norden zu orientieren. Nur 13 Kilometer weiter wendet er sich bei Puchowa Góra erneut nach Nordwesten und fließt für rund 41 Kilometer bis nahe Szóstka, wo er dann für die letzten 10 Kilometer wieder nordwärts fließt, um auf 144,5 Metern über dem Meer in die Krzna zu münden.
Geschichte Der Kanal wurde zwischen 1954 und 1961 gebaut. Der erste Abschnitt bei Borowica wurde im August 1958 eröffnet, die gesamten Baumaßnahmen im Oktober 1961 abgeschlossen. Der Planer dieses damals größten Landgewinnungsprojekts Polens war der Ingenieur Jan Kwapiszewski, der den Bau in seinem Buch Budujemy Kanał Wieprz-Krzna beschreibt. Publikacja dostępna w Bialskiej Bibliotece Cyfrowej. Abgerufen am 8. Mai 2026 (polnisch).
Mehrere naheliegende Seen wurden zu Rückhaltebecken umfunktioniert, dazu sind künstliche Stauseen, unter anderen Mosty, Opole-Podedwórze, Zahajki und Żelizna, gebaut worden.
Umweltauswirkungen mini|links|Ein nur optisch naturnaher Kanalabschnitt in Podlasien (2006) Die Auswirkungen des Wieprz-Krzna-Kanals auf die Natur in der Region Polesie Zachodnie (deutsch West-Polesien) sind äußerst schädlich. Schätzungen zufolge reguliert der Kanal die Wasserverhältnisse auf rund 40.000 Hektar Ackerland und etwa 80.000 Hektar Grünland. Diese Daten stammen jedoch aus den 1960er und 1970er Jahren. Die durch die Wassereinwirkung verursachten Schäden könnten sich daher auf ein wesentlich größeres Gebiet erstrecken. Der Bau des Kanals führte zur Austrocknung der Böden in Kanalnähe, zur Bodendegradation und -erosion sowie zum Verschwinden zahlreicher ursprünglicher Tier- und Pflanzenlebensräume.
Dabei wurde der Kanalbau durch umfangreiche Propaganda begleitet. Es wurde erwartet, dass der neue Kanal die Fläche von Wiesen und Feldern um 70.000 Hektar vergrößern würde. Anfänglich wurde tatsächlich ein deutlicher Anstieg der Ernteerträge auf den verbesserten Böden beobachtet, doch mit der Zeit sanken die Erträge wieder und fielen letztlich sogar unter das Niveau vor dem Kanalbau.
Forschungen am Lehrstuhl für Landgewinnung und Agrarbau sowie am Lehrstuhl für Hydrobiologie und Ichthyobiologie der Uniwersytet Przyrodniczy w Lublinie (deutsch Universität für Lebenswissenschaften Lublin, ehemals Landwirtschaftliche Universität) haben gezeigt, dass in den entwässerten Gebieten zahlreiche negative Auswirkungen auftreten, sowohl aus ökologischer als auch aus landwirtschaftlicher Sicht. Entwässerungsgräben sind ineffektiv, da sie den Abfluss von überschüssigem Wasser im Frühjahr behindern und im Sommer zur Austrocknung des Bodens führen. Dies hat intensive Torffäule, das Verschwinden wertvoller Pflanzengesellschaften und folglich Ernteausfälle zur Folge. Die Entwässerung führt zur Zerstörung des Oberbodens, dessen intensiver Mineralisierung und zur Hemmung des Pflanzenwachstums. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Bau und die fortgesetzte Nutzung des Kanals die natürliche Degradation der Region Polesien stetig verschärft. In: Acta Agrophysica. Ausgabe 5 (2), S. 283 (polnisch). In: Acta Agrophysica. Ausgabe 91 (polnisch).
In den Gebieten, die später in den Nationalpark Polesie einbezogen wurden, hat der Bau des Wieprz-Krzna-Kanals über 80 % der seltenen Flora und Fauna zerstörte. Die Trockenlegung von Land in der ehemaligen Woiwodschaft Chełm führte zu großflächigen Torfbränden auf einer Fläche von etwa 15.000 Hektar, die diese in Ödland verwandelten, das von Ringdisteln, Brennnessel, Land-Reitgras und anderen, für Tierfutter ungeeigneten Pflanzen dominiert wird.Dominika Fijałkowskiego: In: wieprz.org.pl, 11. April 2010. Abgerufen am 8. Mai 2026 (polnisch). Ein Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Tadeusz J. Chmielewski von der Uniwersytet Przyrodniczy w Lublinie stellte fest, dass im Seengebiet Łęczna-Włodawa zwischen 1956 und 2006 über 73 % aller Torfmoore, Seggen- und Feuchtwiesen trockengelegt wurden. S. 5 (polnisch).
Im Jahr 2010 beantragten Landwirte, denen Flächen in der Nähe des Kanals gehören, staatliche Finanzhilfen zur „Wiederherstellung der Nutzflächen auf den Wiesen“. Die Behörden der Woiwodschaft Lublin planten, über 100 Millionen Złoty, umgerechnet rund 24 Millionen Euro, in die Renaturierung der Gebiete im Umfeld des Kanals zu investieren. Agencja Restrukturyzacji i Modernizacji Rolnictwa. Abgerufen am 8. Mai 2026 (polnisch).
Weblinks Seite über Podlasien mit Kurzbeschreibung und Fotos vom Kanal
Einzelnachweise
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