mini|ÜbersichtstafelAnm.: Der Plan enthält zahlreiche Fehler. Ein korrekter Plan des Praters findet sich auf OpenStreetMap mini|Das Mauthnerwasser in den Praterauen mini|Der südöstliche Teil des Praters beim Krebsenwasser mini|Herbststimmung auf der Jesuitenwiese

Der Wiener Prater ist ein weitläufiges, etwa 6 km² umfassendes, großteils öffentliches Areal im 2. Wiener Gemeindebezirk, Leopoldstadt, das noch heute zu großen Teilen aus ursprünglich von der Donau geprägten Aulandschaften besteht. Wenn man außerhalb Wiens vom „Prater“ spricht, ist häufig nur der bekannte Vergnügungspark im Prater, der Wurstelprater, gemeint. Dieser befindet sich an der Nordwestspitze des Areals zwischen Donau und Donaukanal und macht flächenmäßig nur einen sehr kleinen Teil des gesamten Pratergebiets aus.

Lage und Topografie Der Wiener Prater liegt im südöstlichen Teil der Flussinsel, die seit der 1875 beendeten Donauregulierung von Donau und Donaukanal gebildet wird. Eine offiziell definierte Begrenzung des Pratergebiets existiert nicht. Durch Verbauung hat sich im Lauf der Zeit die als „Prater“ bezeichnete Fläche deutlich verringert; so wird heute das verbaute Stuwerviertel (früher Schwimmschulmais, Feuerwerksmais) nicht mehr als Teil des Praters bezeichnet, ebenso der ganz im Südosten der Insel gelegene Hafen Freudenau, der auch als Winterhafen bezeichnet wird.

Der Prater wird üblicherweise (aber nicht amtlich) von folgenden Linien begrenzt: im Norden, vom Praterstern ausgehend, von der Ausstellungsstraße; im Nordosten vom Straßenzug Vorgartenstraße – Wehlistraße – Hafenzufahrtsstraße; im Südosten von der Seitenhafenstraße; im Süden und Südwesten von Donaukanal und Schüttelstraße; im Westen von der Stoffellagasse in Richtung Praterstern.

Wie für ein Augebiet üblich, ist der Prater sehr flach; die höchste Erhebung, der sieben Meter hohe Konstantinhügel, wurde künstlich aufgeschüttet. Das Gebiet des Praters lässt sich in drei verschiedene Landschaftstypen unterteilen:

Der nordwestliche Teil vom Praterstern bis zur Meiereistraße ist weitläufige Parklandschaft. Das einzige Gewässer ist der künstlich angelegte, kleine Ententeich am Konstantinhügel. Der mittlere Teil von der Meiereistraße bis zum Lusthaus ist ebenfalls ein trockenes Gebiet, besitzt aber teilweise noch die Vegetation eines Auwaldes. Durchzogen wird das Gebiet von den Donaualtarmen Oberes Heustadelwasser und Unteres Heustadelwasser sowie der kleinen Rosenlacke. Der südöstliche Teil vom Lusthaus bis zur Seitenhafenstraße stellt noch eine relativ naturbelassene, feuchte Aulandschaft dar. Die länglichen Teiche Lusthauswasser und Mauthnerwasser sind Überreste des ursprünglichen Donaukanals, der bis zu seiner Regulierung 1832 unmittelbar am Lusthaus vorbeifloss. Nördlich davon befindet sich das Krebsenwasser, ein Donaualtarm.

Der „Grüne“ Prater wurde am 27. Jänner 1978 unter Landschaftsschutz gestellt. Das Mauthnerwasser und das Krebsenwasser sind als Naturdenkmal geschützt, ebenso einige Bäume und Baumgruppen im Prater.

Namensherkunft Die älteste Erwähnung des Praters findet sich in einer Urkunde aus dem Jahr 1162, in der Kaiser Friedrich I. Barbarossa Grundstücke zwischen der Schwechat und der Donau bei Mannswörth, die Pratum (lateinisch „Wiese“) genannt werden („quod dictur Pratum“) einem Adeligen namens Conrad de Prato („Cuonradus, qui dictur de Prato“) schenkte.Urkunde Nr. 373 in: Die Familie de Prato nannte sich später Prater.

Die nächste Erwähnung findet sich in einer Urkunde aus dem Jahr 1403. Herzog Albrecht IV. belehnte die Gemeinde Stadlau mit den drei Auen Segengrundt, Scheiben und Pratter (alle Teile des heutigen Praters): „… drey Auen gelegen in der Thunaw [Donau] bey Stadlaw [Stadlau], deren Eine genandt ist Scheiben, die ander der Segengrundt Undt die dritte der Pratter, die von Unns Lehen sindt …“.

Ende des 15. Jh. wurde der Name unter dem Ungarn Matthias Corvinus umgewandelt in Bardea, aber Kaiser Maximilian I. gab einige Jahre später der Au ihren alten Namen zurück.Andreas Faessler: Prater, 2. Bezirk. In: planet-vienna.com, mit Fotos, aufgerufen am 5. Januar 2020, sowie Elisabeth Schuster: Die Etymologie der niederösterreichischen Ortsnamen. Band 3: Ortsnamen N bis Z. Verein für Landeskunde von Niederösterreich, Wien 1994. Aus: Remaraweng Boarisch […] • Prater. In: bairische-sprache.at, aufgerufen am 6. Januar 2021. Die Schreibweise Pratter war in Wien noch lange Zeit gebräuchlich.

Geschichte Bis 1765 mini|hochkant|Der Prater als Jagdgebiet (L. Munsch, um 1888)

Der Prater war früher ein relativ unberührter Auwald. Ursprünglich bezeichnete man als Prater nur eine kleine Insel in der Donau nördlich der Freudenau, doch wurde der Begriff im Laufe der Jahrhunderte auch für angrenzende Auen verwendet, zum Beispiel seit dem 19. Jh. auch für die Krieau und den weiter stromaufwärts gelegenen, mit Wiesen durchsetzten Auwald.

Um eine Direktverbindung zwischen dem kaiserlichen Palais Augarten und dem Jagdgebiet des Hofes im Prater herzustellen, wurde im Jahr 1538 (fast parallel zum heutigen Hauptstrom der Donau) die heute 4,4 km lange, schnurgerade Hauptallee angelegt. Sie entstand durch Schlägerungen im Auwald. Bis 1866 / 1867 bestand der Mittelteil zwischen 1. Rondeau (Meiereistraße) und 2. Rondeau (Lusthausstraße) noch nicht; hier war die Allee vom Heustadelwasser unterbrochen, an dessen südlichem Ufer ein Fahrweg die Verbindung komplettierte. 1867 wurde das damals an beiden Enden Brücken über das Heustadelwasser umfassende Mittelstück eröffnet. Seither führt die Hauptallee durchgehend vom Praterstern zum Lusthaus.

Im Gebiet hatten zunächst mehrere Eigentümer Besitzungen. Ab 1444 sind die Augustiner als Besitzer einiger Gründe im Prater nachweisbar. Später erbten die Jesuiten im Prater zwei Grundstücke; die Jesuitenwiese erinnert daran. 1560 bemühte sich Erzherzog Maximilian (ab 1564 Kaiser) erfolgreich, viele dieser Gründe zu erwerben, um ein zusammenhängendes, umzäuntes Jagdrevier anzulegen. (Jagden fanden im Prater bis 1920 statt, 1880 war der letzte Hirsch geschossen worden.) Da sich immer wieder Wilderer im Prater herumtrieben, wurde das Betreten von Rudolf II. unter Strafe gestellt. Dieses Verbot wurde immer wieder erneut ausgesprochen, da es kaum befolgt wurde.

Der Prater diente zu dieser Zeit ausschließlich dem Jagdvergnügen des jeweiligen Monarchen und seines Hofes. Gejagt wurden vor allem Schnepfen, Dachse, Füchse, Wölfe, Wildschweine, Braunbären und Hirsche. Kaiserin Maria Theresia gestattete schließlich ausgewählten Mitgliedern des Adels – üblicherweise den regelmäßigen Teilnehmern an den kaiserlichen Redouten – das Betreten des Praters. Nur die Hauptallee und einige Seitenwege durften begangen oder mit Kutschen befahren werden. Mit Ausnahme der Schoßhunde der Damen herrschte strenges Hundeverbot.

Der Prater war immer wieder von kriegerischen Ereignissen betroffen. Im Zuge des Dreißigjährigen Krieges griff der Hauptführer des böhmischen Aufstandes, Heinrich Matthias von Thurn, die Stadt Wien an. Als einige seiner Soldaten in den Prater eindrangen, wurden sie von den dortigen Jägern vertrieben. Auch als im April 1645 schwedische Truppen unter Lennart Torstensson bis Wien vordrangen, errichteten die Forstmeister und Jäger des Praters eine Verteidigungsstellung. Bei der Zweiten Türkenbelagerung 1683 nahmen osmanische Truppen Schlägerungen im Prater vor.

1766–1872 mini|Versammlung der Schoenen Welt bey den Kaffee-Haeusen in der Grossen Prater-Allee, um 1793 mini|Das Neue Wiener Ringelspiel im Prater, 1799 Am 7. April 1766 gab Kaiser Joseph II. als Mitregent Maria Theresias den Prater zur allgemeinen Benutzung frei. Diese Verfügung wurde in Amtsdeutsch im Wienerischen Diarium kundgemacht:

Ab sofort besuchten vor allem an den Sonn- und Feiertagen sehr viele Menschen den Prater. Das Areal durfte am Sonntag erst ab zehn Uhr betreten werden, um dem sonntäglichen Frühgottesdienst keine Konkurrenz zu machen. Am Abend signalisierten drei Böllerschüsse, dass der Prater verlassen werden musste. Joseph II. genehmigte auch die Ansiedlung von Kaffeesiedern und Wirten; der Grundstein zur Entstehung des Vergnügungsparks Wurstelprater. Der Prater wurde zu einem Zentrum der Unterhaltung und (in seinen Randbereichen nahe dem Wurstelprater) auch der Prostitution.

mini|Das Stuwerviertel um 1830 (farbig), rechts oben der Feuerwerks-Platz

In der Folge entwickelte sich der Prater zu einem der beliebtesten Erholungsgebiete der Wiener, das insbesondere zur „Saisoneröffnung“ am 1. und 2. Mai sowie am Ostermontag und zu Pfingsten regelmäßig überfüllt war. Den besonderen Charakter dieses Naherholungsgebiets beschrieb Adalbert Stifter so: Wenige Hauptstädte in der Welt dürften so ein Ding aufzuweisen haben wie wir unseren Prater. Ist es ein Park? »Nein.« Ist es eine Wiese? »Nein.« Ist es ein Garten? »Nein.« Ein Wald? »Nein.« Eine Lustanstalt? »Nein.« — Was denn? Alles dies zusammengenommen.Am 24. Mai 1771 veranstaltete der Italiener Peter Paul Girandolini erstmals ein großes Feuerwerk im Prater vor etwa 10.000 Menschen:

Zwei Jahre später zog der Deutsche Johann Georg Stuwer nach Wien und erhielt 1773 das Privileg zur Durchführung von Feuerwerken. Er errichtete unmittelbar nördlich der Ausstellungsstraße auf einer Wiese, die schon bald Feuerwerkswiese genannt wurde, ein großes hölzernes Gerüst, auf dem seine pyrotechnischen Artikel montiert wurden, sowie Tribünen für das Publikum. In den folgenden Jahren entwickelte sich ein regelmäßiger Konkurrenzkampf zwischen dem „deutschen Feuerwerk“ Stuwers und dem „welschen Feuerwerk“ Girandolinis. Stuwer hatte meistens die Publikumsgunst auf seiner Seite, auch da er es stets am damals günstigen Freitag veranstaltete, Girandolini dagegen am ungünstigeren Sonntag. Außerdem beeindruckte Stuwer sein Publikum durch enorme Lautstärke. Ein zeitgenössischer Bericht vermeldete:

Stuwer wurde durch seine Veranstaltungen reich. Bei Zuschauerzahlen von bis zu 25.000 Menschen nahm er bei gutem Wetter bis zu 6.000 Gulden pro Feuerwerk ein. Er trat am 29. September 1799 zum letzten Mal vor sein Publikum und starb drei Jahre später im Alter von 69 Jahren. Stuwer galt als ein „Wahrzeichen Wiens“; die Stuwerstraße und das Stuwerviertel in der Leopoldstadt wurden nach ihm benannt. Mehrere Nachfolger führten die Feuerwerke weiter. Im Zuge der Vorbereitungen für die Weltausstellung 1873 mussten jedoch 1871 auf behördlichen Befehl das Feuerwerksgerüst und die Tribünen abgetragen werden. Der Besitzer Anton Stuwer, ein Urenkel Johann Georg Stuwers, erhielt nur 60 Gulden als Entschädigung. Stuwer gab die Feuerwerkerei auf, in der Folge wurden nur noch gelegentlich Feuerwerke im Prater abgehalten.

1774 verschwanden auf Veranlassung von Kaiser Joseph II. die nachtsüber zugesperrten Gitter um das Gelände, von da an durfte der Prater zu jeder Zeit betreten werden.Ferdinand Opll, Peter Csendes (Hrsg.): Wien: Die frühneuzeitliche Residenz (16. bis 18. Jahrhundert), Band 2 der Trilogie Wien: Geschichte einer Stadt, Böhlau Verlag, Wien 2003, ISBN 3-205-99267-9, S. 31, Volltext online in: library.oapen.org.

Im Jahr 1780 wurde der Fugbach, ein sehr schmaler Donauarm, der den westlichen Teil des heutigen Pratersterns umfloss, zugeschüttet; die Fugbachgasse zwischen Nordbahn- und Heinestraße erinnert daran. 1782 entstand aus einer Straßenkreuzung am nordwestlichen Ende des Praters nach der Anlage weiterer Straßen im damals noch großteils unverbauten Gelände ein sternförmiger Platz. Von diesem Praterstern gehen sieben Alleen aus, von denen zwei – die Hauptallee und die Ausstellungsstraße – in den Prater führen bzw. diesen begrenzen, eine, die heutige Heinestraße, die Hauptallee Richtung Augarten fortsetzt.

mini|Das Lusthaus im Jahr 1875