mini|20-mm-Flabkanone Oerlikon schützt Reussbrücke, Mellingen AG, Zweiter Weltkrieg Die Fliegerabwehrtruppen (Flab Trp) (, , ) waren eine Truppengattung der Schweizer Armee. Sie bildeten ab 1936 zusammen mit den Fliegertruppen eine eigene Waffengattung, die Flieger- und Fliegerabwehrtruppen (FF Trp). Mit der Armee XXI wurde 2003 die Fliegerabwehrbrigade 33 in die Dachorganisation Lehrverband Fliegerabwehr 33 (LVb Flab 33) überführt. Per 1. Januar 2023 wurde die Brigade in Bodengestützte Luftverteidigungsbrigade 33 (BODLUV Br 33) umbenannt.Vom Lehrverband Flab 33 zur BODLUV Brigade 33. ASMZ, Band 185 (2019), Heft 11, S. 32
Erster Weltkrieg und Zwischenkriegszeit Während des Ersten Weltkriegs wurde die Flab nur improvisiert durchgeführt. Die Schweizer Armee führte 1915 die ersten Vorschriften für den Beschuss von Flugzielen mit Infanteriewaffen (Infanterie Flab) mit dem Gewehr und dem Maschinengewehr 11 ein. Das Kriegsgeschehen in der Nähe des Pruntruter Zipfels führte zu zunehmenden Grenzverletzungen durch fremde Flieger. Deshalb beschloss die Armeeführung eine Fliegerabwehrbatterie aus dem Forte Airolo (7.5-cm-Feldgeschütze auf Pivot, Seitenrichtwinkel 360°, Höhenrichtwinkel 80°, kein bindendes Schiessverfahren, Schrapnellgeschosse) in die Ajoie zu verlegen.
Die Infanteriefliegerabwehr war mit dem Problem konfrontiert, dass es für das menschliche Auge nicht möglich ist, Flugzeuge auf Distanzen über 2 km rechtzeitig zu erkennen und unterscheiden zu können und die Flabkanoniere Gefahr liefen, eigene Flugzeuge abzuschiessen. Dies führte zum Aufbau einer wirkungsvollen Luftspähorganisation, die mittels Erkennungstafeln in der Lage war, die im Einsatz stehenden elf deutschen, 13 französischen und zwei englischen Flugzeugtypen von den eigenen Flugzeugen unterscheiden zu können. Mangels entsprechenden Schiessübungen konnte bis zum Kriegsende kein fremdes Flugzeug abgeschossen werden.
1927 wurden erstmals Fliegerabwehrrekruten als Flabkanoniere auf dem Monte Ceneri ausgebildet und 1935 erfolgte der Aufbau einer wirkungsvollen Fliegerabwehr. In der Studie „Memorial Luftschutz“ von Oberst Bandi, die er im Auftrag des Eidgenössischen Militärdepartementes (EMD) verfasst hatte, beschrieb er die Schwierigkeiten des aktiven und passiven Luftschutzes.
Die politische Entwicklung, die rasante technische Entwicklung in der Luftkriegsführung und die massive Aufrüstung in den europäischen Nachbarstaaten in der Zwischenkriegszeit bewog den Bundesrat im Oktober 1936, die Flieger- und Fliegerabwehrtruppen zu einer eigenständigen Waffengattung zu erklären und der Chef EMD Rudolf Minger verfügte den Aufbau einer Abteilung für Flugwesen und Fliegerabwehr (AFLF) mit einem Divisionär an der Spitze. Chef der Abteilung AFLF und Waffenchef wurde der bisherige Kommandant des Fliegerwaffenplatzes Dübendorf, Oberst Bandi. Im Sommer 1936 fand in Kloten die erste Rekrutenschule der Fliegerabwehr mit drei Offizieren, 49 Unteroffizieren und Rekruten und folgenden Waffen und Geräten statt: Vier 7.5-cm-Flab-Kanonen «Vickers», ein Kommandogerät «Sperry», ein Telemeter 3-m-Basis «Barr & Stroud», vier 20-mm-Oerlikon-Kanonen, ein Flabscheinwerfer «Siemens», ein Horchgerät «Elaskop».
Im Juni 1937 wurden acht Flakgeschütze «Oerlikon» 20 mm bestellt. Ab Juni 1938 wurden weitere 28 20-mm-Flab-Kanonen «Oerlikon» ausgeliefert. Zusätzlich wurden 7.5-cm-Flab-Kanonen, 60 34-mm-Flab-Kanonen KTA sowie 20-mm-Flab-Kanonen der Eidgenössischen Waffenfabrik (W+F) bestellt. Ausserdem wurden von Zeiss Jena Zeiss-Stereo-Telemeter 1.25 Basis mit 20-facher Vergrösserung und einem Messbereich zwischen 250 und 20.000 m bestellt. Kantone, Städte und grosse Industriebetriebe beschafften sich Flabwaffen für den eigenen aktiven Luftschutz (Ortsflab).
Im 1938 wurde erstmals versuchsweise auf dem nachmaligen Schiessplatz Zuoz/S-chanf geschossen.
Ende 1939 besass die Leichte Fliegerabwehr 131 20-mm-Flab-Kanonen Oerlikon und die Schwere Flab 23 7.5-cm-Flab-Kanonen Modell «Schneider» und vier 7.5-cm-Flab-Kanonen Modell «Vickers».
Zweiter Weltkrieg Während des Zweiten Weltkriegs waren die Flieger- und Flabtruppen die einzigen mit Feindberührung. Der Bundesrat bot auf den 29. August 1939 neben dem Grenzschutz die Flieger- und Flabtruppen auf. Die ebenfalls mobilisierte Ortsflab Zürich besass 21 20-mm-Flab-Geschütze.
Die Fliegerabwehr verfügte über folgende Truppen mit insgesamt 663 Wehrmännern: Zwei 7.5-cm-Flab-Batterien (Flab Bttr 20–21) Sechs 20-mm-Flab-Bttr 22–27 (je sechs bis 10 20-mm-Flab-Kanonen) Zwei 20-mm-Ortsflab-Bttr 301–302 Zwei Flab-Scheinwerfer Kompanien 28–29 34-mm-Ortsflab Bttr (geplant) Die 7.5-cm-Flab wurden zum Schutz der Flugplätze in Dübendorf und Thun stationiert.
Die für Deutschland bestimmten Oerlikon-Geschütze wurden nach dem Kriegsbeginn nicht mehr ausgeliefert, sondern der schweizerischen Fliegerabwehr übergeben. Bis Ende 1940 erhielt die Armee weitere 131 20-mm-Flab-Kanonen Oerlikon. Damit kein Mangel an Bedienungsmannschaften entstehen konnte, wurden 50.000 20- bis 40-jährige Hilfsdienstpflichtige nachträglich für diensttauglich erklärt und davon 18.000 als «Nur Flab-diensttauglich» nachgemustert.
Bei der 2. Mobilmachung am 10. Mai 1940 hatte die Armee 15 20-mm-Flab-Einheiten und 5 Flab-Abteilungen. Bei Grenzverletzungen durch deutsche Flieger im Jura wurde am 8. Juni 1940 eine deutsche Messerschmitt Bf 110 durch die Schweizer Flab getroffen und stürzte bei Nunningen ab.Flab-Beschuss einer deutschen Bf-110 mit Kennzeichen 2N+GN Am 20. Juni 1940 verbot General Guisan auf Druck von Deutschland der Flugwaffe den Luftkampf über der Schweiz, nachdem die Schweizer Flieger elf deutsche Maschinen abgeschossen hatten.Schweizer Fernsehen vom 6. Mai 2015: Luftkampf über der Schweiz. Die Wahrung der schweizerischen LufthoheitVerordnung über die Wahrung der Lufthoheit. musste durch die Schwere Flab erfolgen, weil die hoch fliegenden Flugzeuge nur mit 7.5-cm-Kanonen bekämpft werden konnten. Diese konnte dem Überflug des schweizerischen Luftraums durch deutsche, englische und amerikanische (ab August 1943) Bombengeschwader nur wenig entgegensetzen.
1941 wurde der L-Flab-Schiessplatz Savièse (34-mm-Flab) eröffnet und die Armee besass 59 L Flab Bttr mit 520 20-mm-Geschützen sowie 370 Telemeter 1.25 m Basis von Wild Heerbrugg. Die Fliegerabwehr war 1942 das ganze Jahr in Bereitschaft, kam aber nie zum Schuss. Die Armeekorps bekamen je einen Chef Flieger und einen Chef Flab. 1943 wurde die 20-mm-Flab zum Schutz der Gotthard- und Simplon-Linien und der Flugplätze im Mittelland und im Réduit gegen Tieffliegerangriffe und plötzliche Überfälle eingesetzt.
Aufgrund der Landung der Alliierten 1944 in der Normandie wurde die ganze Fliegerabwehr mobilisiert. Die Treffgenauigkeit der Schweren Flab wurde von den Besatzungen der in der Schweiz infolge Flabbeschuss abgestürzten oder zur Landung gezwungenen Flugzeuge als präzise beurteilt. Hingegen gab es kaum Treffer der Leichten Flab. Nachforschungen ergaben, dass das Feuer auf zu grosse Distanz eröffnet und oft schnell fliegende Flugzeuge im Vorbeiflug beschossen wurden. Seit 1943 seien die Fliegerabwehrtruppen in Gluringen und Reckingen zu Gast, erklärte Jean-Claude Dutoit anlässlich der 60-Jahre-Feier der Flab 1996 in Gluringen.
Im Februar 1945 schoss eine der zum Schutz des Bahnhofes Chiasso eingesetzten 20-mm-Flab-Batterien ein amerikanisches Jagdflugzeug des Typs „Thunderbolt“ ab. Von 1943 bis 1945 schoss die Schweizer Fliegerabwehr neun Flugzeuge der Alliierten ab, die in den neutralen Schweizer Luftraum eingedrungen waren, und die Fliegertruppen weitere sechs.Aargauer Zeitung vom 24. Dezember 2014: 25. Dezember 1944 – Plötzlich rumpelte es am Himmel über Würenlingen.
Ende 1945 besass die Armee 67 leichte Flab Bttr mit 1.504 20-mm-Flab-Kanonen und 51 schwere Batterien Kaliber 7.5 cm sowie 14 Scheinwerferkompanien. Die Flab hatte 2.000 Kanonen (274 7,5 cm; 278 34 mm; 1.448 20 mm), mit jenen der Infanterie und der Festungen waren es insgesamt rund 4.000 Flab-Geschütze. Dazu kamen zwölf 20-mm-Batterien und 33 34-mm-Batterien der Ortsflab. Der Flabschiessplatz Brigels wurde in diesem Jahr eröffnet.
Kalter Krieg 1946 wurde die Motorisierung der Flab aus Beständen (Willis Jeeps, Dodge-WC) der US-Armee verstärkt. Die 20-mm-Flab-Züge der 36 Füsilierbataillone wurden 1949 als selbständige motorisierte Flab-Kompanien den zwölf jeweiligen Regimentern unterstellt.
Mit der Truppenordnung 1951 hatte die Flab folgende Bestände: elf Flabregimenter mit zwei schweren und einer leichten Flab Abteilung, 15 mobile leichte Flabbatterien in den Divisionen, Leichten Brigaden und Festungsbrigaden, 21 Flugplatzflabbatterien, die Stauwehrflababteilung 121 (neu), zwölf Flabkompanien in zwölf Infanterieregimentern.
In den 1950er-Jahren wurden die ersten Radargeräte eingeführt: Das SFR Luftraumüberwachungssystem (1955–1966) war das erste flächendeckende Luftraumüberwachungssystem (Frühwarn- und Führungsradar ER-200, SFR-Höhenradarantenne, LGR-1-Radar) der Schweizer Luftwaffe. Das Zielzuweisungsradar TPS-1E (ZZR) (1958–1989) war ein Rundsuch-Impulsradargerät für die Schwere Flab. Das Feuerleitradar Mark VII (1958–1967) ersetzte die Suchscheinwerfer und Horchgeräte. Bis 1961 waren die Scheinwerferkompanien auf das Zielzuweisungsradar umgeschult. Mit dem Rüstungsprogramm 1954 wurde die Leichte Flab mit 900 20-mm-Flab-Kanonen 54 Oerlikon (Reichweite bis 1500 m) modernisiert. 1957 fand in S-chanf ein Demonstrationsschiessen für die Presse statt mit den Kalibern 20 mm, 34 mm und 7,5 cm. Bei dieser Gelegenheit wurde auch über zwei Exemplare einer 30-mm-Hispano-Suiza-Vierlingskanone mit vollelektronischer Feuerleitanlage orientiert, welche versuchsweise beschafft worden war.Major Herbert Alboth: Probleme der Schweizerischen Fliegerabwehr. Schweizerische Luftschutz-Offiziers-Gesellschaft, Band 23 (1957), Heft 5-6, S. 70Die Vierling 30 mm Fliegerabwehrkanone Hispano Suiza. gazette online, 1. November 2019
1960 wurde das nach dem Zweiten Weltkrieg für die Flab-Schiessausbildung geschaffene und seither auf 80 Flieger ausgebaute Schleppfliegerkorps als selbständiges Zielfliegerkorps 5 (ZFK 5) in die FF-Truppen eingegliedert.
Armee 61 Die Flab wurde 1963 mit der Beschaffung der Oerlikon 35-mm-Zwillingskanone und des Feuerleitgerätes «Superfledermaus» sowie des Mitte der 1960er-Jahre eingeführten Flab-Lenkwaffensystems BL-64 Bloodhound zur modernen Waffengattung. Die «Bloodhound»-Feuereinheiten wurden in das Führungssystem Florida integriert.Bloodhound, Flab-Raketen für den oberen Luftraum Von 1964 bis 1968 wurden die schwere Flab auf die mittlere Flab umgerüstet und umgeschult.
Im Rahmen der Reorganisation des Kommandos der Flieger- und Fliegerabwehrtruppen wurde 1964 die Flab-Brigade 33 mit einem Bestand von 15.000 Mann – einem Drittel aller Flabangehörigen – geschaffen. Die Flugplatzflab wurde 1964 auf die 20-mm-Flab-43/57-Drillingskanone umgerüstet. 1968 wurde der Abteilung für Flugwesen und Fliegerabwehr AFLF das Kommando der Flieger- und Fliegerabwehrtruppen (KFLF) übergeordnet. Zum Schutz der unterirdischen Höhenstellungen (2100 bis ) der Flieger-Radar Kompanien wurden 1969 20-mm-Flab-Zwillingskanonen 54/60 Oerlikon auf Sockellafette aufgestellt.