Der Erzgebirgsverein e. V. (EV) ist einer der ältesten und traditionsreichsten Heimat-, Gebirgs- und Wandervereine in Deutschland. Er wurde 1878 gegründet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Verein mit seinen zahlreichen Zweigvereinen verboten, aber in Westdeutschland 1955 in Göttingen wiedergegründet. Erst nach der politischen Wende 1990 gab es auch im Erzgebirge die Neugründung. Ende 2008 verfügte der Verein über 3.859 Mitglieder in 61 Zweigvereinen. Vor 1945 waren es mehr als 25.000 Mitglieder. 1929 zählte der Erzgebirgsverein sogar über 28.000 Mitglieder in 156 Zweigvereinen und unterhielt eigene Unterkunftshäuser auf dem Fichtelberg bei Oberwiesenthal und dem Schwartenberg zwischen Seiffen und Neuhausen/Erzgeb.

Heute hat der Erzgebirgsverein 12 Schnitz- und 30 Klöppelgruppen. Die Mitglieder leisteten 2008 220.000 Stunden ehrenamtliche Arbeit. Wegewarte des Vereins betreuen 4.042 Kilometer Wanderwege im Erzgebirge mit 6.136 Wegweisern, 2.346 Sitzbänken und 377 Schutzhütten.Jahresstatistik Erzgebirgsverein, Dezember 2008 Der Verein ist eingetragen in das Vereinsregister des Amtsgerichts Chemnitz (VR 30227).

Geschichte Gründung und Aufbau der Vereinsstrukturen mini|hochkant|Ehemalige Gaststätte Bahnhofseiche in Aue-Zelle, Lößnitzer Straße 1 (Tafel Gründung EZV) mini|hochkant|Denkmal Dr. Ernst Köhler in Schneeberg, Gründer des Erzgebirgsvereins Am 30. Dezember 1877 unternahmen die Schneeberger Seminaroberlehrer Ernst Köhler und Hermann Möckel, der Ratsoberförster Arnold und der Baumeister Görling eine Schlittenfahrt durch das Auersberggebiet. Fasziniert vom Reiz der tiefverschneiten Wälder beschlossen sie bei der Einkehr im Drechslers Gasthof in Wildenthal, für das Erzgebirge einen Heimat- und Wanderverein zu gründen. Der Erzgebirgsverein wurde dann am 5. Mai 1878 auf Anregung von Ernst Köhler, der auch als erster Vereinsvorsitzender fungierte, durch 63 Heimatfreunde des gehobenen Bürgertums in der Bahnhofseiche in Aue-Zelle gegründet. Noch im Gründungsjahr 1878 entstanden erste Zweigvereine in Schneeberg, Eibenstock, Schlema, Lößnitz, Wolkenstein, Schwarzenberg, Hartenstein, Marienberg, Glauchau-Waldenburg und Dippoldiswalde.Festschrift zur Feier des 25-jährigen Bestehens des Erzgebirgsverein, 1903 Im Jahr 1880 gründete sich auch in Aue ein Zweigverein. Danach entstanden auch Zweigvereine außerhalb des eigentlichen Einzugsgebietes, z. B. in Berlin (1910), Hamburg (1933), Frankfurt am Main (1936) und Hannover (1936). 1932 war der Erzgebirgsverein mit 25.000 Mitgliedern der zweitgrößte Verein seiner Art in Deutschland nach dem Alpenverein.

Zum Erreichen seines Ziels, das Erzgebirge für Wanderfreunde aus nah und fern bekannter zu machen, („Pflege der Liebe zu unserer schönen Gebirgsnatur; Erforschung und Erschließung des Erzgebirges,[…] Hebung des Besuches unserer Gegend, Schutz und Unterstützung wanderlustiger Touristen“) wurden durch den Erzgebirgsverein in den ersten 50 Jahren seines Bestehens etwa 25 Aussichtstürme und Berggasthäuser errichtet. Weitere bereits früh einsetzende Aktivitäten waren das Markieren von Wanderwegen sowie die Herausgabe von Wanderkarten. Damit wurde der Fremdenverkehr in das Erzgebirge im ausgehenden 19. Jahrhundert beachtlich gefördert. Der Erzgebirgsverein gehört seit 1885 dem Verband der deutschen Gebirgs- und Wandervereine e. V. an.

Zwischen 1920 und 1933 Unter dem Vorsitzenden Friedrich Hermann Löscher wandte sich der Erzgebirgsverein auch der Erforschung der Heimatgeschichte und Volkskunde zu. Löscher erklärte dazu: „Der Erzgebirgsverein will nicht nur Verkehrsverein oder Turmbauverein sein, sondern er will das Heimatgebiet auch nach Seiten der Volkskunde hin erschließen, ... will Forscherarbeit zur Volksseele, zur Sprache, zur Sitte und dem Wandel treiben“.Festschrift 125 Jahre Erzgebirgsverein, S. 31 Zahlreiche wertvolle Veröffentlichungen im Glückauf-Verlag folgten, u. a. durch die verdienstvollen Heimatforscher Walter Fröbe, Johannes Langer und Gerhard Heilfurth.

Der Erzgebirgsverein im Nationalsozialismus Von der Gleichschaltung der deutschen Vereine im April 1933 war auch der Erzgebirgsverein betroffen, der als Mitglied des Verbands der deutschen Gebirgs- und Wandervereine als Sportverein in den Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen eingruppiert wurde. Die Jugendgruppen des Erzgebirgsvereins wurden zwangsweise in die Hitlerjugend eingegliedert. Ein bleibendes Zeichen der fortschreitenden Gleichschaltung ist z. B. Walter Fröbes 1933 gedrucktes Werk Ein Jahrtausend erzgebirgischer Geschichte, in dem sich bereits drei Kapitel nationalsozialistischen Gedankenguts finden.Walter Fröbe: Ein Jahrtausend erzgebirgischer Geschichte, Glückauf-Verlag, 1933, Seiten 191–196 Sämtliche kulturellen Aktivitäten wurden in der Folge in die Veranstaltungen der NS-Organisation Kraft durch Freude sowie in das durch den Schwarzenberger Industriellen Friedrich Emil Krauß geführte Heimatwerk Sachsen – Verein zur Förderung des sächsischen Volkstums e. V. integriert. Vereinsfunktionäre, die nicht gewillt waren, in die NSDAP einzutreten, wurden gedrängt, ihre gewählten Ämter niederzulegen. Dies taten auf der Außerordentlichen Abgeordnetenversammlung am 4. und 5. Dezember 1937 der bisherige Vorsitzende des Vereins, Fritz Grundmann, und der Schatzmeister, Ratsoberförster i. R. Carl Heßmann, dem bei dieser Gelegenheit das höchste Ehrenzeichen des Erzgebirgsvereins, der Bergdank, verliehen wurde; Fritz Grundmann erhielt das goldene Ehrenzeichen des Hauptvorstandes und die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Anschließend wurde der NSDAP-Kreisleiter von Annaberg, Werner Vogelsang, zum neuen Vorsitzenden gewählt, der sich ab März 1938 als Vereinsführer bezeichnete. Somit stand der politisierte Verein nunmehr vollständig unter Kontrolle der Partei. Der bisherige Annaberger Kreiskulturwart, Studienrat Max Günther, übernahm 1940 kommissarisch die Vereinsführung.

Nachkriegszeit Die Auflösung und Liquidierung des Vereins erfolgte durch das Gesetz Nr. 2 des Alliierten Kontrollrats vom 10. Juni 1945. Eigentum und Unterlagen des Vereins wurden in der Folge beschlagnahmt. 1948 wurde der Verein aus dem Vereinsregister Aue gelöscht.

Während in der eigentlichen Heimat des Vereins ein Neuanfang in der DDR nicht möglich war, erfolgte am 19. Juni 1955 in Göttingen eine Wiedergründung des Vereins in der BRD durch die von der Auflösung nicht betroffenen Heimatfreunde der Zweigvereine in Hamburg, Westberlin, Hannover und Frankfurt am Main sowie den neu gegründeten Zweigvereinen in Düsseldorf, Wolfsburg, Hameln, Krefeld und Goslar. Der Verein arbeitete nun als Erzgebirgsverein e. V., Sitz Frankfurt am Main (früher Schneeberg/Erzgebirge). 1976 wurde ein Erzgebirgisches Heimatmuseum eröffnet, 1978 konnte mit inzwischen 23 westdeutschen Zweigvereinen das einhundertjährige Jubiläum in Kirchberg an der Jagst gefeiert werden. Für seine Verdienste um Wandern, Heimat und Umwelt wurde der Verein 1984 durch Bundespräsident Karl Carstens mit der Eichendorff-Plakette ausgezeichnet.

1990–2010 – 20 Jahre Wiederbelebung mini|Das offizielle Logo des Jahrestages der Wiederbelebung des Erzgebirgsvereins 2010 mini|Kuchenhaus Zschorlau, Infotafel Wiedergründung Erzgebirgsverein 1990

Nach der politischen Wende wirkten bei der Wiederbelebung des Erzgebirgsvereins in dessen Heimat zunächst die Mitglieder des 1955 in Westdeutschland reaktivierten Erzgebirgsvereins federführend. Die Strukturen mussten zunächst neu ausgerichtet werden, da der Heimatverein in der DDR verboten war und Heimattradition und -pflege in der DDR nur im zentralisierten Kulturbund der DDR möglich war.

Der Wunsch nach schneller Rückkehr in die Eigenständigkeit als Heimatverein führte schon vor der offiziellen Neugründung zu ersten Gründungen. Als Pioniere sind die Heimatfreunde in Pobershau anzusehen, die schon am 20. Dezember 1989 den ersten Zweigverein wiederbelebten. Sie erhofften sich insgeheim damit, das Recht der Neugründung des Gesamtvereins vollzogen zu haben. Doch die formell-juristische Neugründung des Erzgebirgsvereins in den Neuen Bundesländern erfolgte erst am 21. April 1990 im Kuchenhaus in Zschorlau. Am 12. Oktober 1991 folgte in Eibenstock dann auch die Vereinigung mit dem westdeutschen Verein zum traditionellen Erzgebirgsverein mit Sitz in Schneeberg, wo der Verein 1878 gegründet worden war. Am 28. Mai 1990 wurde der Erzgebirgsverein in das Vereinsregister beim Kreisgericht Aue unter der Nummer 9 eingetragen.

Wiederbelebung im Erzgebirge Bereits vor der formellen Neugründung hatten sich die Zweigvereine Pobershau und Lauter (jeweils 1989), sowie Zschorlau, Schwarzenberg, Sayda, Bärenstein und Freiberg (jeweils 1990) wiedergegründet. Nach der Neugründung nahmen 1990 die Zweigvereine Geyer, Zwickau, Ehrenfriedersdorf, Markersbach, Annaberg-Buchholz, Mildenau, Olbernhau, Marienberg, Zwönitz und Bernsbach ihre Arbeit auf.

Initiativen des Erzgebirgsverein 1990–2009 Brauchtum: Zwischen 1990 und 2010 wurden über 9.500 Heimatabende durchgeführt, an denen mehr als 340.000 Gäste teilnahmen. Jugend: 16 Erzgebirgische Jugendkulturtage wurden für die Bereiche „Gesang, Instrumentalmusik und Mundart“ sowie „Schnitzen, Klöppeln und Basteln mit Naturmaterialien“ organisiert. Mundart: Neun Erzgebirgische Mundarttage wurden seit 1990 durchgeführt. Wandertage: 9.600 öffentliche Wanderungen wurden von den Zweigvereinen mit über 170.000 Wanderfreunden organisiert. 13 „Erzgebirgischen Wandertage“ fanden statt. 2003 richtete der Erzgebirgsverein den 103. Deutschen Wandertag aus 40.000 Wanderer aus dem gesamten Bundesgebiet kamen. Wegwarten: Der Erzgebirgsverein war im Dezember 2009 für die Pflege und Instandhaltung von 4.042 Kilometer Wanderwegen und Lehrpfaden verantwortlich. Dazu gehörten: über 2.350 Bänke, 430 Schutzhütten, 6.135 Wegweiser, 1.015 Übersichtstafeln sowie 577 Kilometer Loipen.Offizielle Pressemitteilung des Erzgebirgsvereins, 8. November 2009

Vereinsvorsitzende mini|200px|Vorsitzende Köhler und Möckel mini|200px|Vorsitzende Gilbert und Löscher

Als 1. Vorsitzende des Erzgebirgsvereins fungierten seit seiner Gründung50 Jahre Erzgebirgsverein 1878–1928, Hans Siegert, Leipzig; Glückauf – Zeitschrift des Erzgebirges, September 1928 (Heft 9), 48. Jahrgang.Festschrift 125 Jahre Erzgebirgsverein, S. 111: 1878–1899: Ernst Köhler, Seminaroberlehrer in Schneeberg († 1903) 1899–1910: Hermann Möckel, Seminaroberlehrer und Stadtverordnetenvorsteher in Schneeberg, später Dresden († 1920) 1910–1925: Paul Gilbert, Oberjustizrat in Hartenstein († 1925) 1925–1928: Friedrich Hermann Löscher, Pfarrer in Zwönitz 1928–1937: Fritz Grundmann, Oberstudiendirektor in Eibenstock 1937–1945: Werner Vogelsang, NSDAP-Kreisleiter in Annaberg, ab 1940 kommissarisch Max Günther 1955–1971: Erich Neubert, Bankoberinspektor in Frankfurt am Main 1971–1980: Gottfried Zeidler, Betriebsleiter in Gaildorf 1980–1991: Hermann Kaden, Oberstleutnant a. D. in Ansbach 1991–2007: Wolfgang Kraus, Gymnasiallehrer in Johanngeorgenstadt seit 2007: Gabriele Lorenz, Leiterin des Amtes für Kultur und Tourismus der großen Kreisstadt Radebeul

Mitgliederentwicklung des Erzgebirgsvereins