Die Schlacht bei Alerheim, oft auch Zweite Schlacht bei Nördlingen genannt, war eine Schlacht des Dreißigjährigen Krieges, die am 3. August 1645 in und um Alerheim zwischen der französisch-weimaranischer-hessischen Armee und bayerisch-kaiserlichen Truppen stattfand und mit einem französischen-alliierten Sieg endete.

Wenige Wochen nach der verlorenen Schlacht bei Herbsthausen am 5. Mai 1645 wurde ein französisches Heer unter dem Befehl des Herzogs d’Enghien, des späteren Grand Condé, vom Elsass aus nach Hessen entsandt, um dort das geschlagene französische Heer unter Marschall Turenne zu verstärken. Dem sollte sich danach ein neuer Feldzug gegen Bayern anschließen. Bei Ladenburg vereinigten sich die beiden französischen Armeen mit hessischen Truppen unter General Geiß und den Schweden unter Feldmarschall Königsmarck aus Mähren.

Feldmarschall Franz von Mercy fiel wieder die Aufgabe zu, Bayern gegen einen Angriff dieser Armee zu decken, und er marschierte mit einem kaiserlich-bayerischen Heer nach Heilbronn, um vor dem Gegner dort zu sein. In der Zwischenzeit trennten sich die Schweden von der französisch-alliierten Armee und gingen eigene Wege. In ausweichender Kampfweise folgten die Armeen einander. Dem vereinigten französischen Heer gelang es, die Bayern bis an die Grenze Schwabens zurückzudrängen.Johann Friedrich Weng: Die Schlacht bei Nördlingen und Belagerung dieser Stadt in den Monaten August und September 1634, S. 195 Nach einem Scharmützel in der Nähe von Dinkelsbühl marschierten beide Armeen ins Nördlinger Ries. Die Franzosen samt Hessen und Weimaranern kamen am 3. August 1645 vor Nördlingen an, die Bayern und Kaiserlichen bezogen in und um Alerheim Stellung. Der Duc d’Enghien entschloss sich, gegen die Bedenken der ihm unterstellten Generale, die Schlacht anzunehmen.

Ungeachtet des heftigen Widerstands der bayerischen Truppen gelang es dem vereinigten französisch-alliierten Heer, das Dorf Alerheim einzunehmen. Nachdem der rechte Flügel der Franzosen durch eine heftige Attacke der Kaiserlichen, angeführt von General Werth, in die Flucht gedrängt wurde, begann das französische Heer unter Condé und Turenne einen letzten, verzweifelten Angriff auf den rechten Flügel der Kaiserlichen. Nach schweren Kämpfen gelang es den Franzosen und ihren Alliierten, den linken bayerischen Flügel in die Flucht zu schlagen. Die heftig geführte Schlacht war damit zu Gunsten der deutsch-französischen Allianz entschieden.

Militärisch war diese Schlacht für Frankreich ein Pyrrhussieg, der keine Entscheidung brachte, da Frankreich nicht in der Lage war, weiter nach Bayern vorzurücken. Diese Pattsituation führte aber dazu, dass die Friedensverhandlungen letztendlich forciert und weitergeführt wurden. Das Dorf Alerheim wurde so schwer verwüstet, dass sein Wiederaufbau erst nach 70 Jahren beendet war.

Vorgeschichte Kriegseintritt Frankreichs, Allianz mit Hessen und den Weimaranern Als die Schweden in der Schlacht bei Nördlingen geschlagen wurden, trat Frankreich auf der Seite Schwedens in den Krieg ein. Damit wurde die protestantische Kriegspartei nicht nur gestärkt, sondern deren Fortbestand überhaupt erst gesichert.

Der auch aus der Nördlinger Schlacht bekannte Herzog Bernhard von Weimar, der als nachgeborener Sohn von der Erbfolge ausgeschlossen war, setzte sich als Söldnerführer nach dem Vorbild Wallensteins für ein eigenes Herzogtum ein, das er mit Waffengewalt gewinnen wollte. Dazu hatte er das Elsass ausersehen, das bis dahin eine vorderösterreichische Landgrafschaft gewesen war. Richelieu war ebenfalls am Elsass interessiert, um die Staatsgrenze Frankreichs an den Rhein vorzuschieben; dazu kamen ihm die Eroberungsgelüste Bernhard von Weimars gerade recht.

Am 18. Juli 1639 starb Bernhard von Weimar, der eine eigene Streitmacht befehligte, in Neuenburg am Rhein plötzlich an einem rätselhaften Fieber. Gleich nach seinem Tod kamen Gerüchte auf, er sei vergiftet worden. Genährt wurden die Gerüchte durch die nach seinem Tod anwesenden zahlreichen französischen Unterhändler und durch die Tatsache, dass der Tod Bernhards dem in Geldnot befindlichen Richelieu sehr gelegen kam, da er nicht mehr in der Lage war, die zahlreichen Subsidienzusagen Frankreichs aus Steuergeldern zu bestreiten.

Durch Absendung von Truppen und durch Bestechung von weimaranischen Offizieren zog Richelieu das gesamte Heer Bernhards auf seine Seite. So leistete im Oktober 1639 das weimaranische Heer den Fahneneid auf den König von Frankreich. Die weimaranischen Truppen zogen nun unter dem Oberbefehl zweier französischer Generale nach Hessen und bewogen die Landgräfin Amalie zum Abschluss einer hessisch-französischen Allianz. Aus diesem Grunde operierten in den folgenden Jahren die Weimaraner und die Hessen unter französischem Oberbefehl.

Die Franzosen wurden allerdings wiederholt geschlagen und keine Seite errang ein Übergewicht, um eine rasche Entscheidung herbeizuführen. So zog sich der Krieg jahrelang hin. Wegen des allgemeinen Geldmangels mussten sich die Heere aller Krieg führenden Parteien aus den besetzten Ländern ernähren. Brandschatzungen, Plünderungen und schlimmste Ausschreitungen waren die Folgen.

Feldzug der französisch-alliierten Armee gegen Bayern Vereinigung der französischen und alliierten Truppen in Hessen Obwohl schon im August 1644 die Friedensverhandlungen zwischen den Kriegsparteien in Münster begannen, gingen die Kampfhandlungen weiter und die einzelnen Kriegsparteien versuchten noch, Vorteile für sich zu erreichen. Nachdem die Franzosen im August 1644 nach der Schlacht bei Freiburg im Breisgau das Elsass besetzt hatten, versuchten die bayerisch-kaiserlichen Truppen, das Blatt nochmals zu wenden. So kam es am 5. Mai 1645 in der Schlacht von Herbsthausen zu einer vernichtenden Niederlage der Franzosen.

Die Operationen der französisch-alliierten Armee unter Marschall Turenne hatten auf dem deutschen Kriegsschauplatz dadurch einen empfindlichen Rückschlag erlitten. Turenne zog sich nach Hessen zurück, wo Graf Königsmarck, der ein schwedisches Korps kommandierte, sich mit seiner Armee vereinigte. Außerdem verstärkten die Truppen der Landgräfin Amalie von Hessen-Kassel die Streitkräfte Turennes.

mini|Dargestellt ist der Rheinübergang der französischen Armee bei Speyer am 19. Juni 1645 unter dem Kommando des Prinzen Condé Kardinal Mazarin, der Premierminister des Königs von Frankreich, beauftragte den Herzog von Enghien (den späteren Prinzen Condé) und den Marschall Graf Gramont, an der Spitze von etwa 8.000 Mann nach Deutschland zu marschieren, um dort zu den Truppen des Marschalls Turenne zu stoßen. Mazarin drohte, dass er den Bayern einen überlegenen Gegner auf den Hals ziehen werde. Nach der Vereinigung mit den Truppen der Landgräfin Amalie von Hessen-Kassel und mit dem Kontingent des schwedischen Generals Graf Königsmarck umfasste die Armee des Marschalls Turenne 14.000 Mann. Turenne marschierte von Friedberg in Hessen nach Gelnhausen. Als er vom Marsch von Duc d’Enghien zum Rhein Nachricht erhalten und Order bekommen hatte, sich mit ihm zu vereinigen, überquerte er zwischen Frankfurt am Main und Hanau den Main, wandte sich zur Bergstraße hin, nahm das Städtchen Weinheim und vereinigte sich bei Ladenburg mit der Streitmacht des Duc d’Enghien, der am 19. Juni bei Speyer über den Rhein gegangen war.

Die vereinigte französisch-hessisch-weimaranisch-schwedische Streitmacht hatte danach eine Kampfstärke von 22.000 Mann. Den Oberbefehl übernahm auf Anordnung Mazarins der Duc d’Enghien. Sein Ziel war, den Ruhm der französischen Waffen wiederherzustellen, den die Herbsthausener Niederlage erschüttert hatte. Duc d’Enghien, voll jugendlichen Tatendrangs, konnte den Augenblick kaum erwarten, sich mit seinem Gegner in offener Feldschlacht zu messen.

Ausweichmanöver des bayrischen Feldmarschalls Mercy Das kaiserlich-bayerische Heer unter Feldmarschall Franz von Mercy marschierte von Aschaffenburg den Main entlang bis Miltenberg, ging hier auf das linke Mainufer und vereinigte sich am 4. Juli 1645 mit dem 5.000 Mann starken Korps (3.000 Mann Infanterie und 2.000 Mann Kavallerie) des kaiserlichen Generals Geleen. Im Bewusstsein, einen zahlenmäßig überlegenen Gegner vor sich zu haben, wich Mercy immer wieder aus und zog sich zurück, denn er hatte erkannt, dass der Duc d’Enghien die Donau und damit Bayern zu gewinnen trachtete, was er durch seine hinhaltende Kampfesweise zu verhindern suchte. Den Feind nicht nach Bayern eindringen zu lassen, war die Direktive des bayrischen Kurfürsten Maximilian. Von Amorbach aus marschierte Mercy in Eilmärschen auf Heilbronn zu, um vor dem Feind dort zu sein, denn er nahm richtigerweise an, dass der Feind diese Festung zum vordringlichsten Ziel hatte.

Abzug des schwedischen Kontingents Der Duc d’Enghien wandte sich tatsächlich nach Heilbronn, damals die wichtigste schwäbische Festung. Mercy kam ihm jedoch durch seine kluge Voraussicht und seinen forcierten Marsch dorthin zuvor. Er erschien völlig unerwartet für den Duc d’Enghien am rechten Neckarufer auf einer günstig gelegenen Anhöhe, einem Weinberg zwischen Heilbronn und Neckarsulm, um mit seiner ganzen Streitmacht Heilbronn zu verteidigen. Er traf eine Stunde vor den Franzosen ein. Nur die Kavallerie der französisch-alliierten Armee war bei Heilbronn angekommen und musste auf das Eintreffen der Infanterie warten.

Nachdem er dort nichts ausrichten konnte, beschloss Duc d’Enghien, sich nach Wimpfen zu wenden. Für diese Aufgabe war Marschall Graf Gramont ausersehen. Sein Detachement sollte aus Kontingenten von Hessen, Schweden, Weimaranern und Franzosen bestehen. Unter den Generälen bestanden jedoch Meinungsverschiedenheiten über das weitere strategische Vorgehen. Der hessische General Geiß und der schwedische General Graf Königsmarck hatten bereits in Ladenburg zum Ausdruck gebracht, dass sie Mercy nicht dazu reizen wollten, sich zwischen die alliierte Armee einerseits und Franken und Hessen andererseits zu werfen und sie von den wichtigen Versorgungswegen abzuschneiden.

Die Beratung wurde offenbar heftig geführt. Eine Beleidigung, die sich der arrogante Duc d’Enghien gegenüber den Generalen Geiß und Königsmarck zuschulden kommen ließ, hatte deren Trennung von der alliierten Armee zur Folge. Mit großer Mühe und mit gutem Zureden gelang es Turenne, Geiß mit seinen Hessen zum Bleiben zu bewegen. Parallel dazu wurde auch die Landgräfin Amalie von Hessen-Kassel durch Kuriere ersucht, ihr hessisches Kontingent bei der Armee zu belassen. Der hessische General Geiß erklärte sich bereit, bis zum Eintreffen der Antwort seiner Souveränin bei der vereinigten Armee zu bleiben. Die Schweden waren allerdings nicht mehr zu halten und nahmen an der späteren Alersheimer Schlacht nicht teil.

Für die Weimaraner stellte sich die Frage, zu bleiben oder abzuziehen nicht, da sie auf den König von Frankreich vereidigt waren. Nach dem Abzug der Schweden bestand die alliierte Armee aus jeweils etwa 6.000 Franzosen, 5.000 Weimaranern und 6.000 Hessen; also zusammen etwa 17.000 bis 18.000 Mann mit insgesamt 27 Geschützen. Die Stärke der kaiserlich-bayerischen Armee betrug demgegenüber 15.000 bis 16.000 Mann mit 29 Geschützen.

Nach dem Abzug der französisch-alliierten Armee und der Eroberung Wimpfens durch die Franzosen am 8. Juli 1645 sah Feldmarschall Mercy voraus, dass sich der Duc d’Enghien nach Schwäbisch Hall wenden würde; er kam dieser Operation durch einen Marsch über Weinsberg, Löwenstein und Mainhardt zuvor. Bei Schwäbisch Hall stellte er seine Streitmacht in Schlachtordnung. Die französisch-alliierte Armee zog sich nach Mergentheim und dann gegen Rothenburg ob der Tauber zurück. Auf diesem Marsch ließ Duc d’Enghien die meisten Ortschaften, an denen die Armee vorbeikam, in Brand stecken, da die Einwohner beschuldigt wurden, nach der für Turenne am 5. Mai 1645 verlorenen Schlacht von Herbsthausen eine große Anzahl versprengter Franzosen erschlagen zu haben.