Arnstadt () ist eine Kreisstadt in der Mitte von Thüringen und liegt an der Gera, rund 20 Kilometer südlich der Landeshauptstadt Erfurt. Die Stadt ist ein Mittelzentrum und der Verwaltungssitz des Ilm-Kreises.
Mit der urkundlichen Ersterwähnung im Jahr 704 ist Arnstadt die Stadt in Thüringen, die den ältesten Beleg für ihre Existenz vorweisen kann, und eine der ältesten Städte Deutschlands außerhalb der römischen Siedlungsgebiete.
1332 verkaufte Abt Ludwig II. von Hersfeld die Stadt an die Grafen von Schwarzburg; daher war Arnstadt bis zum 18. Jahrhundert eine Residenzstadt der Grafen von Schwarzburg-Arnstadt. Aus Arnstadt stammen die ersten urkundlichen Erwähnungen der Thüringer Bratwurst (1404) und des deutschen Weizenbiers außerhalb Bayerns (1617).
Arnstadt, auch als Bachstadt Arnstadt bezeichnet, ist eine von fünf Thüringer Bachstädten: An der Neuen Kirche hatte Johann Sebastian Bach seine erste Anstellung als Organist (1703–1707). Bereits im 17. Jahrhundert waren zahlreiche Vorfahren Bachs hier Hof-, Rats- oder Kirchenmusiker.
Arnstadt besitzt einen gut restaurierten historischen Stadtkern mit teilweise erhaltener Stadtmauer, darunter Neutor, Riedtor und Pulverturm. Aufgrund der Lage am Nordrand des Thüringer Waldes wird Arnstadt auch das „Tor zum Thüringer Wald“ genannt. Zwischen der Stadt und den Autobahnen 4 und 71 liegt das Erfurter Kreuz, das größte zusammenhängende Industrie- und Gewerbegebiet Thüringens.
Geografie mini|Riedtor (links) und Jacobsturm sind Wahrzeichen von Arnstadt Arnstadt liegt am Südrand des Thüringer Beckens auf etwa 300 Meter Höhe und wird von der Gera durchflossen. Die Wipfra durchfließt die östlichen Ortsteile. Das hügelige Vorland des Thüringer Waldes mit den Reinsbergen und der Alteburg reicht bis an die südliche Grenze Arnstadts. Es liegt mitten in einem Gebiet, in dem Keuper großflächig ausstreicht. Es ist die Typlokalität der Arnstadt-Formation des Mittleren Keupers in der Erdgeschichte. Der höchste Berg im Stadtgebiet ist die 605 m hohe Halskappe ganz im Süden bei Schmerfeld an der Grenze zu Ilmenau. Der niedrigste Punkt liegt im Geratal nördlich von Rudisleben in etwa 250 m Höhe.
Stadtgliederung mini|Ortsteile von Arnstadt mini|Rathaus von Arnstadt Neben der Kernstadt Arnstadt gehören die folgenden Ortsteile zur Stadt: Hauptsatzung der Stadt Arnstadt vom 27. März 2019 PDF-Datei, abgerufen am 9. April 2022. Angelhausen-Oberndorf Branchewinda Dannheim Dosdorf Espenfeld Ettischleben Görbitzhausen Hausen Kettmannshausen Marlishausen Neuroda Reinsfeld Roda Rudisleben Schmerfeld Siegelbach Wipfra Daneben sind sieben Ortsteile mit Ortsteilverfassung im Sinne des § 45 der Thüringer Kommunalordnung gebildet. Dies bedeutet, dass jeweils ein Ortsteilbürgermeister sowie ein Ortsteilrat bestehen, die durch die wahlberechtigte Bevölkerung der jeweiligen Ortsteile gewählt werden. Der Ortsteilbürgermeister steht dem Ortsteilrat vor, der abhängig von der Einwohnerzahl zwischen vier und acht Mitglieder hat. Im Wesentlichen sind die Ortsteilräte zu allen den Ortsteil betreffenden Angelegenheiten zu hören und können in eigener Zuständigkeit über bestimmte den Ortsteil betreffende Angelegenheiten entscheiden, zum Beispiel über die Verwendung des Ortsteilsbudgets. Dabei haben die Ortsteile Angelhausen-Oberndorf, Rudisleben und Siegelbach je eine eigne Ortsteilverfassung, jeweils eine gemeinsame Ortsteilverfassung haben die Ortsteile Branchewinda, Dannheim, Görbitzhausen und Roda, die Ortsteile Dosdorf und Espenfeld, die Ortsteile Ettischleben, Hausen und Marlishausen sowie die Ortsteile Kettmannshausen, Neuroda, Reinsfeld, Schmerfeld und Wipfra.
Ausdehnung des Stadtgebiets Der Stadtkern liegt auf der Westseite der Gera. Er war früher von einer Stadtmauer umgeben. Mit Einsetzen der Industrialisierung entstanden Wohnviertel im Westen, Industrieanlagen im Norden und Villenviertel im Süden der Stadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg dehnte sich die Stadt weiter nach Norden entlang des Geratals aus, neue Wohngebiete entstanden in den 1970er- und 1980er-Jahren, im Osten das Ostviertel und im Südosten das Wohngebiet Rabenhold.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn, beginnend im Nordwesten: Amt Wachsenburg – Alkersleben – Dornheim – Alkersleben – Bösleben-Wüllersleben – Stadtilm – Ilmenau – Plaue – Geratal.
Klima Der Jahresniederschlag beträgt 487 mm. Die Niederschlagsmenge liegt im unteren Zwanzigstel der in Deutschland erfassten Werte. Der trockenste Monat ist der Januar, die meisten Niederschläge fallen im Juni. Im Juni fallen 2,7-mal mehr Niederschläge als im Januar.
Geschichte Steinzeitliche Spuren finden sich im Mauerkammergrab von Arnstadt. Von der Ersterwähnung bis zur Verleihung des Stadtrechts Am 1. Mai 704 wurden in einer in Würzburg ausgestellten Schenkungsurkunde des Thüringer Herzogs Hedan II. an den angelsächsischen Bischof Willibrord von Utrecht die Orte Arnstadt (als Arnestati), Mühlberg und Großmonra erstmals genannt. Diese sind somit die ältesten urkundlich bezeugten Orte Thüringens und des mittleren und östlichen Deutschlands. Arnstadt wurde deshalb bis 1990 als älteste Stadt der DDR präsentiert. Wobei man sich bei dieser Zuschreibung vergegenwärtigen muss, dass diese Urkunde nicht in einem Original von 704 vorliegt, sondern in einer Abschrift der Mönche der Abtei Echternach im Liber Aureus Epternacensis – nicht zu verwechseln mit dem Codex aureus Epternacensis – aus dem späten 12. Jahrhundert, einer Quelle, die fast 500 Jahre später geschrieben wurde.Helge Wittmann: Zur Rolle des Adels bei der Stiftung von Kirchen und Klöstern in Thüringen (bis zum Ende der Regierungszeit Karls des Großen). In: Enno Bünz, Stefan Tebruck, Helmut G. Walther: Religiöse Bewegungen im Mittelalter. Festschrift für Matthias Werner zum 65. Geburtstag. Böhlau, Köln 2007, S. 107–154, hier S. 110.Theodericus mon. Epternacensis, Chronicon Epternacense, abgerufen am 6. August 2013 Das Dokument liegt heute in der Handschriftenabteilung der Forschungs- und Landesbibliothek im Schloss Friedenstein in Gotha. Archäologische Funde belegen, dass der Ort schon in der Jungsteinzeit ein bevorzugter Siedlungsplatz war.
726 ging Arnstadt an die Abtei Echternach und später durch Tausch Anfang des 10. Jahrhunderts an die Abtei Hersfeld über. Nach August Beck wurde der Ort von Heinrich I. im Jahre 925 als Bollwerk gegen die einfallenden Ungarn erweitert.Dr. August Beck: Geschichte des gothaischen Landes, Band I, Gotha, 1868, S. 31. Am 17. Dezember 954 hielt König Otto I. in Arnstadt einen Reichstag ab, auf dem er Frieden mit seinem aufständischen Sohn Liudolf von Schwaben schloss und einen anderen Sohn, Wilhelm, zum Erzbischof von Mainz ernannte. Dieser beschloss zugleich die Gründung der Liebfrauenkirche in Arnstadt.
Im 12. Jahrhundert fiel ein Teil Arnstadts unter die Herrschaft der Grafen von Kevernburg. Gute Verkehrswege in Nord-Süd-Richtung und die Nähe zur Via Regia begünstigten Arnstadts Entwicklung zur Marktsiedlung: Arnstadt wurde zu einem wichtigen Umschlagplatz für Holz, Getreide, Wein und Färberwaid. Die Abtei Hersfeld hatte die Grund- und Oberherrschaft inne, hielt das Münz- und Marktrecht und ernannte die Bürgermeister der Stadt.
1220 wurde Arnstadt erstmals als civitas, also als Stadt bezeichnet. Das Stadtrecht wurde dem Ort aber erst am 21. April 1266 vom Hersfelder Abt Heinrich III. von Boyneburg verliehen.Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Rechts- und Verfassungsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 57–59. Das Bemerkenswerte an diesem Vorgang ist, dass Abt Heinrich die Rechte und die Grundherrschaft der Grafen von Kevernburg in der zu Grunde liegenden Urkunde nicht berücksichtigte. Mit dieser einseitigen Willensbekundung stellte die Abtei Hersfeld die weltliche Macht der Grafen in Arnstadt in Frage. Unklare Rechtsverhältnisse und Auseinandersetzungen waren die Folge. Erst ein weiterer Vertrag von 1273 regelte schließlich den Status beider Parteien, und 1290 wurde ein Teil der Stadt Besitz der Kevernburger, während der andere Teil weiterhin hersfeldisch blieb.
Vom 14. bis zum 19. Jahrhundert mini|hochkant=1.6|Arnstadt um 1650 mini|An der Liebfrauenkirche, im 19. Jh. mini|Arnstadt um 1900 Nach dem Aussterben der Kevernburger 1302 gelangte bis 1306 deren Besitz in Arnstadt an die Grafen von Schwarzburg. 1332 verkaufte der Hersfelder Abt Ludwig II. die verbliebenen Rechte der Abtei an Stadt und Vogtei Arnstadt den Grafen von Schwarzburg, nahm die Hersfelder Rechte an dem Walpurgiskloster davon jedoch ausdrücklich. Versuche von Erfurter Seite, sich 1342 und 1345 der reichen Stadt zu bemächtigen, scheiterten an der starken Befestigung. Der Wohlstand gründete sich auf das Mühlengewerbe, das Tuchmacherhandwerk, auf Gerbereien und den Handel mit Wein und Waid, Holz, Getreide, Wolle und Gemüse.
Am 30. Januar 1349 wurde mit Graf Günther XXI. von Schwarzburg der Arnstädter Landesherr in Frankfurt am Main zum Gegenkönig Karls IV. gewählt und gekrönt. Er entsagte diesem Titel bereits am 26. Mai gegen 20.000 Mark Silber. 1496 wurde der schwarzburgische Besitz in die Oberherrschaft Arnstadt und die Unterherrschaft Sondershausen geteilt. Während des Deutschen Bauernkrieges wurden am 17. Juni und 2. August 1525 neun beziehungsweise fünf Teilnehmer am Aufstand als Rädelsführer auf dem Arnstädter Marktplatz enthauptet. Die Stadt musste wegen Unterstützung der Aufständischen eine „empfindliche Buße“ (3.000 Gulden) zahlen. 1531 wurde in Arnstadt die Reformation eingeführt. Dabei wurde zunächst das Benediktiner-Jungfrauenkloster, 1538 auch das Barfüßerkloster säkularisiert. Die Kirche des Barfüßerklosters wurde ab 1581 als Oberkirche Hauptkirche der Stadt. 1553 begannen die Bauarbeiten an der gräflichen Residenz Schloss Neideck. Das Wasserschloss wurde 1560 fertiggestellt.
1581 fielen über 380 Häuser, darunter das Rathaus, einem Großbrand zum Opfer, die Pest forderte 1582 über 1.700 und 1625 über 1.200 Opfer. Auch der Dreißigjährige Krieg verschonte Arnstadt nicht: Auf 80.000 Gulden belief sich der Gesamtschaden, den durchziehende Einheiten aller Kriegsparteien verursachten. 1670 wurden wiederum 170 Häuser im Südosten der Stadt durch ein weiteres Großfeuer vernichtet.
1703 prüfte der 18-jährige Johann Sebastian Bach die neu gebaute Orgel der Neuen Kirche, wurde zugleich als Organist eingestellt und wirkte vier Jahre in der Stadt. 1705 unternahm Bach zu Fuß eine Reise nach Lübeck zu Dieterich Buxtehude, einem der führenden Organisten seiner Zeit. Dabei überschritt er seinen genehmigten Urlaub um Wochen. Deswegen und wegen anderer „Unregelmäßigkeiten“ und Unzufriedenheiten, „er verwirre die Gemeinde mit harmoniefremden Tönen“, kam es zu Zerwürfnissen mit dem Rat der Stadt.Martin Geck: Johann Sebastian Bach. Rowohlt, Reinbek 2002, ISBN 3-499-50637-8 Im Sommer 1707 übersiedelte er nach Mühlhausen. Sein Nachfolger wurde sein Vetter Johann Ernst Bach. Im Oktober des gleichen Jahres heiratete Johann Sebastian Bach im drei Kilometer östlich von Arnstadt gelegenen Dornheim seine Cousine Maria Barbara Bach, eine Tochter von Johann Michael Bach.