mini|Wappen der NAPMO mini|Eine NATO E-3A im Anflug auf den Stützpunkt in Geilenkirchen
Die NATO Airborne Early Warning and Control Programme Management Organisation (NAPMO) ist eine von 15 NATO-Mitgliedstaaten unterstützte Organisation, die für die Planung, Durchführung und Verwaltung des luftgestützten Frühwarn- und Führungsprogramms der NATO (englisch NATO Airborne Early Warning and Control Programme, NAEW&C) verantwortlich ist. Sie ist direkt dem Nordatlantikrat mit Sitz im NATO-Hauptquartier in Brüssel unterstellt.
→ Dieser Artikel enthält zahlreiche Abkürzungen, die im Abschnitt Abkürzungen ausgeschrieben und erläutert werden.
Auftrag Die NATO Airborne Early Warning and Control Programme Management Organisation führt im Rahmen der NATO den Auftrag aus, für die Mitgliedstaaten des Programms die Beschaffung, die Ausrüstung und den Betrieb einer Flotte von aktuell 14 Frühwarnflugzeugen des Typs Boeing E-3A (auch NATO E-3A oder NE-3A) zu betreuen. Die Flugzeuge sind mit dem Ortungs- und Führungssystem AWACS ausgestattet.
Außerdem soll die Organisation die Interoperabilität, also die möglichst reibungslose Zusammenarbeit, der luftgestützten Frühwarn- und Überwachungssysteme mit NATO-Radarstellungen am Boden gewährleisten. Dafür stattete der Nordatlantikrat die NAPMO und ihre ausführende Dienststelle, die NATO AEW&C Programme Management Agency (NAPMA, sinngemäß „NATO-Behörde zur Führung des luftgestützten Frühwarnsystems“), mit weitreichenden Befugnissen aus.
Geschichte Um 1975 formulierten die drei Oberkommandierenden der NATO (Tri Major NATO Commanders, Tri-MNC) die Anforderung, schnelle und tief fliegende Kampfflugzeuge mit hoher SignaturunterdrückungTarnfähigkeit eines Flugzeugs oder auch anderen militärischen Geräts vor gegnerischen Ortungssystemen. Hier ist vor allem die Tarnung vor gegnerischem Radar gemeint, die durch die technische Weiterentwicklung der Formen und Oberflächen von Kampfflugzeugen während der 70er und 80er Jahre verbessert wurde. entdecken zu können. Dies galt vor allem für den Luftraum an der Grenze der NATO-Staaten zu den Staaten des Warschauer Pakts. Die erforderliche Ergänzung der bestehenden Bodenradarabdeckung durch zusätzliche Ortungssysteme veranlasste die militärische Führung der NATO zu dem Beschluss, dass ein luftgestütztes Frühwarnsystem (englisch Airborne Early Warning, AEW) der Schlüssel für diese Erweiterung sei. 13 NATO-StaatenDas NATO-AEW&C-Vorhaben wurde anfangs von den folgenden 13 Staaten unterstützt: Belgien, Dänemark, Bundesrepublik Deutschland, Griechenland, Großbritannien (nur Bodensegment), Italien, Kanada, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Portugal, Spanien und die Vereinigten Staaten. richteten zwecks Durchführung des NATO-AEW&C-Vorhabens einen vorläufigen Planungsstab für das Programm (NATO AEW&C Programme Office, NAPO) im NATO-Hauptquartier ein. Großbritannien zog 1977 ein eigenes nationales Luftraumüberwachungsprogramm vor, erklärte sich jedoch bereit, sich an dem Bodensegment eines NATO-Programms zu beteiligen.
Planung und Aufbau
Das Leistungsprofil für das zukünftige NAEW&C-System forderte vor allem die Fähigkeit, eindringende Luftziele mit kleinem Querschnitt und hoher Geschwindigkeit, also möglicherweise schwer zu ortende Flugobjekte, auf lange Distanzen zu orten und zu verfolgen. Aufgrund der voraussichtlich möglichen Einsatzgebiete der AEW-Flugzeuge über dem Nordatlantik und dem Mittelmeer, forderte der Planungsstab zusätzlich die Fähigkeit, Seeziele orten zu können.
Die Flugzeuge und Einsatzsysteme, die die NAPO für die Bildung der NAEW&C-Einheiten auswählte, basierten auf dem Airborne Warning and Control System (AWACS) der Luftstreitkräfte der Vereinigten Staaten. Die Mobilität und Flexibilität eines solchen Systems, insbesondere mit Bezug auf die Führungssysteme, sollten der Führung der Luft-, See- und Landstreitkräfte wertvolle zusätzliche Informationen und Fähigkeiten eröffnen. Außerdem sei ein solches Frühwarnsystem aus der Sicht des Planungsstabes der NATO ein unterstützendes Abschreckungsmittel.
Infolge einer von den Verteidigungsministern von 13 NATO-Staaten am 7. Dezember 1978 unterschriebenen Absichtserklärung (Multilateral Memorandum of Understanding, MMOU), beschloss die NATO ein Beschaffungsprogramm (Initial NAEW&C Acquisition Programme, 1978–1988), das folgende Elemente umfasste:
Die Beschaffung von 18 Flugzeugen des Typs Boeing E-3A sowie drei zu Ausbildungs-/Transportflugzeugen (englisch Trainer/Cargo Aircraft, TCA) modifizierte Passagierflugzeuge des Typs Boeing 707-320C. Die Modernisierung von 40 Radarstellungen des NATO Air Defence Ground Environment (NADGE), einem bodengestützten Luftverteidigungsnetzwerk der NATO, das von der NAMSA betreut wird, besonders im Hinblick auf die Interoperabilität mit den AWACS-Flugzeugen. Die Einrichtung eines Hauptquartiers für ein NAEW&C Force Command. Die Einrichtung eines Hauptstützpunktes (Main Operating Base, MOB) in Geilenkirchen, drei vorgeschobenen Stützpunkten (englisch Forward Operating Base, FOB) in Griechenland, Italien und der Türkei sowie einer vorgeschobenen Einrichtung (Forward Operating Location, FOL) in Norwegen. Die in erforderlichem Maße zur Verfügungstellung von grundlegender Logistik, von Training und Personal.
Die Gesamtkosten des Beschaffungsprogramms beliefen sich auf 4,1 Milliarden US-Dollar. Am 8. Dezember 1978 bestätigten die beteiligten Nationen das Statut der NAPMOZur Vorgeschichte und zum Programmaufbau: Brig.Gen. Edward von Kospoth: NAPMO – The NATO AWACS Managers. In: NATO'S SIXTEEN NATIONS, Special Edition 1990, S. 4f..
Außerdem legten die teilnehmenden Länder fest, dass die NAPMO das Eigentumsrecht an jeglichen im Namen und als Eigentum von der NATO beschafften Objekten hält und über weitgehende organisatorische, administrative sowie finanzielle Selbstständigkeit innerhalb der NATO verfügt.
Die teilnehmenden Nationen erhielten eine Garantie, dass Beschaffungsleistungen aus dem Teilnehmerland in Höhe von 100 Prozent des eingezahlten Beitrages in Form von direkter oder indirekter Einbindung der jeweiligen nationalen Industrie abgerufen werden. Der Hauptvertragsnehmer Boeing verwaltete die Auftragsvergabe.Maj.Gen. Gary Winterberger und Patrick McCaffrey: . Auf der Webseite von SHAPE, März 2005
Beschaffungsphase mini|Boeing E-3 in Geilenkirchen
Luftsegment Boeing lieferte zwischen Februar 1982 und Mai 1985 18 NE-3A-Frühwarnflugzeuge aus, womit sie in das Eigentum der NATO, die die Flugzeuge in Luxemburg registrierte, übergingen. Die NATO erweiterte das Initial NAEW&C Acquisition Programme um eine Software-Unterstützungs- und Besatzungstrainingseinrichtung, die der E-3A-Komponente in Geilenkirchen 1987 zur Verfügung gestellt werden konnte. Bereits 1984 waren die drei Ausbildungs-/Transportflugzeuge (TCAs) des Typs Boeing 707 geliefert worden. Die Erweiterung des Programms verursachte zusätzliche Kosten in Höhe von ungefähr 300 Millionen US-Dollar. Nach dem Unfall einer NE-3A in Griechenland im Juli 1996 verfügte das NAEW&C-Programm noch über 20 Flugzeuge (17 NE-3A und 3 TCAs).
Bodensegment Mit der Betreuung der NAMSA stellten die damit beauftragten Rüstungsunternehmen das Bodensegment des NAEW&C-Programms zwischen den Jahren 1978 bis 1988 fertig. Dies bestand vor allem aus der Modernisierung der NADGE-Stellungen im Rahmen des AEW Ground Integration Segment (AEGIS) und kostete mehr als 350 Millionen US-Dollar. In Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Hughes Aircraft Systems International wurden die grundlegenden Hardware- und Softwarekomponenten in Kalifornien entwickelt und getestet. Anschließend wählte die NATO jeweils eine Radarstation in Dänemark und der Bundesrepublik Deutschland für die Felderprobung und Lizenzierung aus. Nach der Ausstattung von vier weiteren Stellungen in Italien, Griechenland, Norwegen und der Türkei (AEGIS Initial Operational Capability), wurden in der letzten Phase des Programms alle übrigen Radarstellungen entlang der NATO-Ostgrenze, verlaufend von Norwegen bis in die Türkei, sowie vier weiteren Stellungen in Großbritannien aufgerüstet.
Stützpunkte und Vorposten mini|Der Hauptstandort der AWACS-Flotte in Geilenkirchen Das Programm zur Einrichtung und Aktivierung sowohl des Personals als auch der Hauptstützpunkt (MOB), der vorgeschobenen Stützpunkte (FOB) und der vorgeschobenen Einrichtung (FOL) unterstand der NAMPA. Der Hauptstützpunkt der AEW&C-Flotte in Geilenkirchen, war ab März 1982 teilweise und ab 1985 mit einer Personalstärke von 2.500 Militärangehörigen und Zivilpersonen voll einsatzbereit. Die FOB in Konya (Türkei) und in FOL in Ørland (Norwegen) konnten ab 1983 genutzt werden. Die Stützpunkte in Trapani (Italien) und Preveza (Griechenland; 1995 in Aktion umbenannt) wurden 1986 fertiggestellt. Dieser Teil des Programms kostete 160 Millionen US-Dollar.
Modernisierungsprogramme des NAEW&C-Programms mini|Ein NATO E-3 AWACS im Formationsflug mit drei US-amerikanischen F-16
Near-Term Programme (1990–2000) 1988 formulierte der NATO-Militärausschuss den Bedarf einer Kampfwertsteigerung der NE-3A-Flotte, um den operativen Anforderungen in Form verbesserter Kommunikations- und Überwachungsfähigkeiten entgegenzukommen und eine weiterhin effektive Interoperabilität mit den AEW&C-Flotten Frankreichs, Großbritanniens und der Vereinigten Staaten zu gewährleisten. Die NAPMO-Mitgliedstaaten leiteten 1990 ein Modernisierungsprogramm zur schnellstmöglichen Wirkung (englisch Near-Term Programme) ein, dessen Volumen 1,1 Milliarden US-Dollar betrug.
Das Near-Term Programme umfasste folgende Punkte: Elektronische Unterstützungsmaßnahmen (englisch Electronic Support Measures, ESM) Verschlüsselter UHF-Funk sowie verbesserter Schutz des UHF-Funks gegen Störsender ABC-Schutzbekleidung für die Besatzung Austausch der monochromen Radarschirme durch Bildschirme mit mehrfarbiger Darstellungstechnik Einführung des Datenaustauschstandards Link 16 Projekt zur Verbesserung des Radarsystems (Radar System Improvement Project, RSIP): Reichweitenerhöhung, verbesserter Schutz vor ECM-Maßnahmen, erhöhte Systemleistung und -verlässlichkeit sowie verbesserte Wartungsfähigkeit.
Mid-Term Programme (1997–2008) mini|Das Mid-Term Programme sah auch die Modernisierung der Benutzerschnittstellen und Terminals vor Nach dreijähriger Planung leitete die NAPMO 1997 ein mittelfristiges Modernisierungsprogramm (englisch Mid-Term Programme) ein, um die Fähigkeiten der NE-3A weiter auszubauen und den Anforderungen der folgenden Jahre gerecht werden zu können. Dazu zählte eine Studie des NATO-Militärausschusses aus dem Jahre 1994 vor allem die Veränderungen des geopolitischen Umfeldes, die laufende Weiterentwicklung des Air Command and Control System (ACCS; ein NATO-Programm zur Ablösung der alten Luftüberwachungs- und führungssysteme Europas bis 2009), die steigenden Anforderungen an die Überwachungs- und Führungskapazitäten der NE-3As sowie die erforderliche Modernisierung verschiedener Systeme zur Vermeidung von Veralterungserscheinungen. Der Nordatlantikrat beauftragte die NAPMO im November 1994 mit der Durchführung dieses Programms, das weitere 1,6 Milliarden US-Dollar kosten sollte. Diese Einzelsatz-Kampfwertsteigerung bestand aus neun integrierten Systemverbesserungen sowie der Einrichtung moderner und erweiterbarer Softwarestrukturen.
Das Mid-Term Programme umfasste unter anderem folgende Punkte: Verbesserte Benutzerschnittstellen für eine einfachere und intuitive Nutzung der Systeme Vernetzung aller externen und internen Sensorsysteme zur komplexen Darstellung des Umfelds Ergänzung von GPS- und inertialen Navigationssystemen (INS) Verbesserung des VHF-Funks und der Satellitenkommunikation Auswechselung und Verbesserung der Freund-Feind-Erkennungssysteme (englisch identification friend foe, IFF) Fünf weitere Terminals zur effektiveren Überwachung und Führung durch die Besatzung (bisher neun Terminals)