mini|hochkant=0.6|Historische Karte der Ostheidmark Als die Heidmark werden zwei historische Landschaften im Westteil und am Ostrand der südlichen Lüneburger Heide bezeichnet.
Das eine Gebiet, die Fallingbosteler Heidmark in der westlichen Südheide, umfasst annähernd das Einzugsgebiet der mittleren Böhme und wird oft mit dem Gebiet der früheren Amtsvogtei Fallingbostel gleichgesetzt. Die Böhme teilt das Gebiet in die Westheidmark, zu der sich auch noch Visselhövede und Neuenkirchen zugehörig fühlen, und die Ostheidmark oder auch Hohe Heidmark, die das Gebiet zwischen dem Böhmetal und der Falkenberg-Endmoräne (westlich von Bergen) umfasst.
Das andere Gebiet liegt in der östlichen Südheide und entspricht ungefähr dem nördlichen Landkreis Gifhorn (ehemaliges Amt Isenhagen) zu beiden Seiten des Flusses Ise. Es grenzt im Osten an Sachsen-Anhalt.
Im Sprachgebrauch der letzten Jahrzehnte wird der Begriff Heidmark oftmals auf die Ostheidmark zwischen Bad Fallingbostel, Soltau und Bergen eingeschränkt, in enger Assoziation mit der dortigen besonderen Problematik. Für die Einrichtung eines großen Truppenübungsplatzes seitens der Wehrmacht ist die Hohe Heidmark seit 1935/1936 fast vollständig entsiedelt worden und seither militärisches Sperrgebiet. Der heutige Truppenübungsplatz Bergen gilt als der größte Truppenübungsplatz Europas.
Die Fallingbosteler Heidmark Die Gebietsbezeichnung Heytmarke taucht zuerst im Schatzregister der Großvogtei Celle von 1438 auf. Sie bestand aus den Kirchspielen Fallingbostel, Dorfmark, Meinerdingen und Düshorn einschließlich Ostenholz und gehörte zur Amtsvogtei Fallingbostel.Hinrich Baumann: Die Heidmark – Wandel einer Landschaft. ISBN 978-3-00-017185-7. Für das Kirchspiel Soltau erscheint die Bezeichnung Heidmark zuerst für 1520 im Geldregister des Klosters Walsrode. 1667 werden auch die Einwohner der Amtsvogtei Fallingbostel im Ahldener Erbregister als „Heidmärker“ bezeichnet. Heute bezieht sich der Sprachgebrauch in seinem weiteren Sinne auf den ehemaligen Kreis Fallingbostel nördlich der Aller.Hinrich Baumann: Achterberg – Entstehung des Fremdenverkehrs in der Heidmark. In: Jahrbuch Fallingbostel. 2004, S. 9.
Geschichte der Ostheidmark Bäuerliche Zeit bis zur Zwangsumsiedlung
Die Menschen der Gegend um die Sieben Steinhäuser und den Falkenberg hatten im Dreißigjährigen Krieg viel zu leiden, besonders in den Dörfern, die an den Heerstraßen lagen. Das Leben der Bauern wurde lange Zeit von der Schnuckenhaltung bestimmt, sowie von Zuverdiensten als Wanderarbeiter (Hollandgänger). Die Schaf- und Heidschnuckenhaltung rückte erst im Verlaufe des 19. Jahrhunderts in den Hintergrund, als durch die Erfindung des Kunstdüngers aus Heideland mit lehmigen Sandböden Äcker kultiviert werden konnten, die ärmeren Böden mit Nadelhölzern aufgeforstet wurden und sich so das gesamte Landschaftsbild änderte. Die Aufforstungen werden nach und nach zu Mischwäldern umstrukturiert. Viele Mühlen sorgten in der Ostheidmark für wirtschaftlichen Aufschwung. An die Stelle der Selbstversorgungs-Wirtschaft trat die Marktversorgung mit Getreide und Früchten. Das entwickelte Handwerkswesen hatte in Oerbke einen Schwerpunkt mit zahlreichen Berufszweigen. In der Heidmark ließen sich neben den Bauern- und Gutsfamilien auch Kaufleute nieder, die Guts- und Herrenhäuser errichteten. Von diesen herrschaftlichen Gebäuden sind noch zahlreiche erhalten. Es gab mehrere kleine Dorfschulen und viele Vereine. Die Ortschaften und Höfe gehörten den umliegenden Kirchspielen Bad Fallingbostel, Dorfmark, Düshorn, Ostenholz und Bergen an.
Mit der zwangsweisen Umsiedlung 1935 bis 1938 im Zuge der Errichtung des Truppenübungsplatzes für die Wehrmacht endet die Geschichte dieser Kulturlandschaft.
Zerstörung der Ostheidmark in der Zeit des Nationalsozialismus mini|Karten aus den Jahren 1935 und 2002 mini|hochkant|Karte der ehemaligen Dörfer auf dem Truppenübungsplatz Bergen In der Zeit des Nationalsozialismus erreichte am 15. September 1934 die Kunde von der Errichtung eines Truppenübungsplatzes die Bauern der Ostheidmark. Eine „Umsiedlung“ der ortsansässigen Bevölkerung stand an. Am 1. Oktober 1934 versammelten sich die von der Umsiedlung betroffenen Bauern am Platz Sieben Steinhäuser zu Beratungen. Eine dort gewählte Abordnung fuhr noch am gleichen Tag nach Goslar, um dem Reichsbauernführer die Bedenken am folgenden Tag vorzutragen. Das geschah auch, aber ohne Erfolg. Am 18. März 1935 fuhren dann mehr als achtzig Bauern der Ostheidmark nach Berlin, um Gewissheit über ihre und ihrer Höfe Zukunft zu erlangen. Auch diese Fahrt führte die Bauern nicht zu dem von ihnen gewünschten Erfolg. Sie hatten sich damit abzufinden, ihre seit Jahrhunderten angestammte Heimat zu verlassen.
So wurden gezwungenermaßen Verkaufsverhandlungen über den Besitz geführt und neue Höfe gesucht. Unter anderem verschwanden die Orte Deil, Hörsten, Hoppenstedt, Hohne bei Bergen, Hohnerode, Manhorn, Lohe, Gudehausen, Ettenbostel, Oberndorfmark, Oberhode, Benhorn, Hartem, Fahrenholz, Böstlingen, Pröbsten, Kolk, Südbostel, Nordbostel, Obereinzingen, Untereinzingen, Achterberg, Wense (Osterheide) und Teile von Oerbke, Ostenholz, Becklingen, Bleckmar, Wardböhmen und Hasselhorst von der Landkarte. Das traditionelle Land der Heidebauern wurde Militärgelände.
Die Ostheidmark heute mini|Denkmal für Heinrich von Quintus Icilius (1864) mini|„Hof der Heidmark“ ein Zweiständerhaus von 1642, ehemals der „Bookholts Hof“ aus dem Ort Kolk, ehemalige Gemeinde Oberndorfmark, Osterheide mini|Friedhof der Namenlosen in Oerbke mini|hochkant|Hoher Stein in Ostenholz
Der überwiegende Teil der Heidmark ist gesperrt, weil sich hier der größte Truppenübungsplatz Europas befindet. Zwar hat sich die urwüchsige Heidelandschaft erhalten, aber durch die militärische Nutzung anfallende Schwermetalle wie Cadmium und Quecksilber sowie auslaufendes Öl belasten die Umwelt stark und gefährden die Tier und Pflanzenwelt.Holger Fiegenbaum, Jürgen H. Voss: Ökologische Bestandsaufnahme des Truppenübungsplatzes Bergen 1996. Es werden gelegentlich Führungen über das militärische Übungsgelände organisiert.Hinrich Baumann: "Die Heidmark – Wandel einer Landschaft – Die Geschichte des Truppenübungsplatzes. In den verbliebenen Dörfern und Städten hat sich ein reger Tourismus entwickelt, der von „Ferien auf dem Bauernhof“ bis hin zur Kur in Bad Fallingbostel reicht.
2013 hat sich die Initiative Biosphärengebiet Hohe Heidmark in Bad Fallingbostel gegründet mit dem Ziel, das Gebiet des NATO-Truppenübungsplatzes in ein Biosphärengebiet umzuwandeln und somit der Bevölkerung und einem umfassenderen Naturschutz zu öffnen.hohe-heidmark.de
Der einstige Kulturraum der Ostheidmark Landwirtschaft In der Heidmark wurden neben der Heidebauernwirtschaft mit der Heidschnuckenhaltung, die leichteren Böden auch landwirtschaftlich genutzt. Noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurden hauptsächlich der Schafmist, Heidplaggen und Heidestreu als Dünger genutzt. Die schweren Böden, wie beispielsweise die Lehmböden von Untereinzingen, waren im Frühjahr und Herbst so nass, dass sie mit den Gespannen nicht befahren werden konnten. Entwässerungsanlagen gab es seinerzeit noch nicht. Nur die trockenen höheren Flächen von Oerbke, Hartem und Ostenholz wurden landwirtschaftlich genutzt. Auf den anderen schweren Böden stand überwiegend Wald. Hauptsächlich Roggen und Buchweizen wurden angebaut, oft mehrere Jahre hintereinander auf dem gleichen Acker. Um 1780 wurden erstmals Kartoffeln in der Heidmark gepflanzt, überwiegend für den Eigenbedarf. Eine Änderung trat ein, als Anfang des 19. Jahrhunderts erstmals der Mergel aufkam. In Mengebostel wurde eine Mergelgrube entdeckt. Die Erträge nahmen merklich zu und Gerste, Weißhafer, Sommerweizen und Erbsen konnten jetzt angebaut werden. Mitte des 19. Jahrhunderts kamen noch andere Kunstdünger wie Guano, Knochenmehl, Thomasschlacke, Kainit und Chilesalpeter auf. Zusätzlich kam die Gründüngung mit Serradella und Lupinen hinzu. Um 1860 wurden dann die ersten Maschinen in der Landwirtschaft eingesetzt. Dadurch konnten die Ernteerträge, auch auf den kargen Heideböden, enorm gesteigert werden. Aus den großen Heideflächen, die früher für die Heidschnuckenherden unentbehrlich waren, wurden jetzt, insbesondere aus den lehmigen Sandböden, großteils Ackerflächen. Aus manchen anmoorigen Flächen wurden Weiden. Die planmäßige Aufforstung der Heideflächen, in erster Linie mit Kiefern, setzte um 1865 ein. Der Buchweizenanbau ging stark zurück. Dafür setzte ein ausgedehnter Kartoffelanbau und etwa ab 1880 eine gesteigerte Schweinemast und Schweinezucht ein.Hans Stuhlmacher: Die Heidmark. C. V. Engelhard, Hannover 1939.
Wiesenmahd Den Heidebauern mangelte es an Wiesen und Weiden. Um ihr wirtschaftliches Überleben zu sichern, hatten sie, mindestens seit der Erwähnung in einem Erbregister von 1667, weit von ihren Höfen entfernt liegende Weiden im Krelinger Bruch erworben. Zur Mähzeit verweilte man solange in dieser grünlandreichen Niederung, bis das Heu trocken war. Diese Bruchzeit konnte länger als zwei Wochen dauern.
Die Hollandgänger schulterten, urkundlich nachweislich seit 1786, ihre Sensen und begaben sich im Mai auf den Fußmarsch nach Holland, um dort für Lohn zu mähen. Die meisten dieser Hollandgänger waren Häuslinge und auf diesen Zuverdienst angewiesen. Nach 1850 ebbte das „Hollandgehen“ allmählich ab (letzte Erwähnung im Jahre 1865).
Jagd Neben der Herrschaft (Herzog) war in alter Zeit der Adel in der Heidmark jagdberechtigt. Die Hauptjagdberechtigten in der Heidmark waren die von der Wense und die von Hodenberg.
Im Erbregister 1667 heißt es:
Die Bauern waren nicht nur nicht jagdberechtigt, sie mussten auch noch sogenanntes „Jagdgeld“ dafür bezahlen, dass man sie durch die Jagd vor Wildschaden bewahrte. Die Bauern der Heidmark, denen die Jagd „als altes Ahnenerbe im Blut steckte“, wie es in einer Überlieferung heißt, hielten sich schadlos. Sie wilderten, wann immer es ihnen möglich war. Die Wilderei diente gleichzeitig dem Schutz der eigenen Felder vor Wildschäden und unter anderem zum Begleichen von Schulden in ortsansässigen Gasthäusern. Das galt als ungeschriebenes Recht und nicht als Sünde. Dennoch hatten die Gendarme die Wilddiebe zu verfolgen und den Gerichten zu überführen. Das geschah aufgrund der Abgelegenheit der staatlichen Wälder sowie des adeligen Besitzes jedoch nur mit geringem Erfolg. mini|Wolfsstein im Becklinger Holz Am östlichen Rand der Ostheidmark, in dem Forst „Becklinger Holz“,Ausführlich: Das Becklinger Holz zwischen Bergen und Soltau, Matthias-Blazek.eu, abgerufen am 8. Februar 2014. wurde am 13. Januar 1872 der seinerzeit letzte Wolf in Niedersachsen geschossen. Schütze war der Förster H. Grünewald aus Wardböhmen, ehemals ein Leibjäger von König Georg V. von Hannover, dem letzten König von Hannover. Er erhielt dafür eine Prämie von zehn Talern und ein Jagdgewehr. Der erlegte Wolf war ein sehr alter Rüde. Zur Erinnerung an dieses Ereignis wurde 1892 dort ein Wolfsstein aufgestellt.Wolfsstein im Becklinger Holz
Rechtswesen Überliefert ist, dass Goding (Gogerichte) und Holting (Holzgerichte) in Dorfmark, Fallingbostel, Ostenholz und beim Heidhof gehalten wurde. Beim Heidhof soll auch nach Art der Femegerichte geurteilt worden sein. Die letzte Hinrichtung in der Heidmark war laut mündlicher Überlieferung im Jahre 1777 (die Akten darüber waren 1784 bei einem Brand vernichtet wurden).Der Besitzer des Jacobshofs in Ahlften, Johann Hinrich Apenriep, der von Castens Hof in Meimen (Meinern) stammte, hatte nach der Überlieferung den Scharfrichter Holdorf aus Lüneburg abzuholen und nach Fallingbostel zu fahren. Holdorf habe dann eine Frau oder ein Mädchen geköpft