Das ehemalige Sackgassen- und heutige Straßendorf Jütchendorf ist ein Ortsteil der Stadt LudwigsfeldeAuflistung als Ortsteil der Stadt Ludwigsfelde im Kommunalverzeichnis Brandenburg; abgerufen am 26. April 2026 im Brandenburger Landkreis Teltow-Fläming. Das bis 1973 selbständige Dorf liegt rund sechs Kilometer südwestlich des Stadtzentrums von Ludwigsfelde und etwa 16 Kilometer südwestlich von Berlin. Der Ort hat 109 Einwohner (Stand 31. Dezember 2023) auf einer Gemarkungsfläche von 3,76 km².
Jütchendorf liegt im Naturpark Nuthe-Nieplitz an der Nuthe und am Ostufer des Gröbener Sees. Naturräumlich zählt das Dorf zur Nuthe-Nieplitz-Niederung und kulturräumlich zum Teltow.
mini|hochkant=1.5|Kleiner Bauernhof in Jütchendorf
Jütchendorf heute Lage und Einrichtungen mini|hochkant=1|Links: Dorfgemeinschaftshaus im Gebäude der alten Schule mit restauriertem Glockenturm mini|hochkant=1|Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr mini|hochkant=1|Typisches Straßendorf
Jütchendorf ist umgeben von folgenden Orten: Im Süden/Südwesten von Mietgendorf und Schiaß, im Norden von Gröben, im Nordosten von Siethen – sämtlich gleichfalls Ortsteile von Ludwigsfelde – und im Südosten vom Trebbiner Ortsteil Kleinbeuthen. Durch den Ort führt die Verbindungsstraße von Schiaß, die in die Verbindungsstraße zwischen Gröben und Großbeuthen mündet.
Das Dorf gehört zur evangelischen Gemeinde Ahrensdorf/Gröben/Nudow/Siethen im Kirchenkreis Zossen des Sprengels Görlitz, Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. – Ahrensdorf anklicken Da der Ort kein eigenes Kirchengebäude hat, nehmen die Jütchendorfer die Angebote der Kirchen in Gröben oder Siethen war. Da auch keine Schule mehr vorhanden ist, werden die Kinder per Schulbus zur 4. Ludwigsfelder Grundschule gebracht.Amtsblatt Ludwigsfelde (PDF)
Das Gebäude der ehemaligen Schule wird heute als Dorfgemeinschaftshaus „Zur Alten Schule“ genutzt. Auf dem Dach befindet sich ein historischer Glockenturm der Schule, der 2003 durch Spenden von Bürgern und Firmen wieder errichtet und mit einer Turmuhr mit Glockenschlag ausgestattet wurde. Das Gemeinschaftshaus dient als Wahllokal, als Treffpunkt und für Ausstellungen. Einmal monatlich tagte darin beispielsweise der Jütchendorfer Malkreis unter Anleitung der Berliner Malerin Marita Wiemer,Marita Wiemer – Vita, Webseite der Künstlerin, online unter marita-wiemer.de. die derzeit (Stand: 2025) in Berlin-Schmargendorf und Bergholz-Rehbrücke ihre Ateliers betreibt, aber von 1996Märkische Allgemeine, Zossener Rundschau, 13. Juni 2007 bis 2023 in Jütchendorf gelebt und gewirkt hat. Ferner gibt es die Freiwillige Feuerwehr mit Feuerwehrhaus, die am 19. November 1932 gegründet wurde und inzwischen eine Ortslöschgruppe der Ludwigsfelder Feuerwehr bildet.
Wirtschaft und Dorfbild Das Wirtschaftsleben des Dorfes ist überwiegend landwirtschaftlich orientiert. Die ehemals bedeutsame Fischerei im Gröbener See und in der alten Nuthe (in beiden Gewässern wurde der Fang in Zentnern bemessen) und der Weinbau (s. u.) spielen keine Rolle mehr. Am touristischen Aufschwung, der seit der Deutschen Wiedervereinigung Teile des südlichen Berliner Umlands erfasst, hat Jütchendorf keinen nennenswerten Anteil.
Die Häuser reihen sich zu beiden Seiten der Straße, die parallel zum Gröbener See verläuft. Neuere Einfamilienhäuser und Höfe bestimmen das architektonische Bild des Dorfes. Einige Höfe aus der Zeit um 1900 verfügen über Torhäuser, die ehemals mit Gebäuderingen ausgestattet waren. Flachdächer mit Tor und Eingangstür, die auf den angrenzenden Gebäuden aufliegen, verbanden ursprünglich die Wohnhäuser und Stallungen. Die Verbreitung der landwirtschaftlichen Maschinen erforderte neue Schuppen und Remisen, die die Lücken zwischen den Gebäuden schlossen. Nach der Kollektivierung der Landwirtschaft zur DDR-Zeit rissen der Verfall und Abriss von Scheunen und Ställen, die nicht mehr benötigt wurden, Lücken in die Gebäuderinge.
Verwaltungsentwicklung in der Neuzeit und Politik 1933 hatte der Jütchendorf 142, 1939 158 und 2007 109 Einwohner. In früheren Zeiten ein Teil des Gutes Kleinbeuthen,Christa und Johannes Jankowiak: Unterwegs an Nuthe … gehörte Jütchendorf bis zu dessen Auflösung im Jahr 1952 als eigenständige Gemeinde dem Landkreis Teltow an. Anschließend kam das Dorf zum Landkreis Zossen und im Dezember 1993 zum neu gebildeten Landkreis Teltow-Fläming. Am 1. Januar 1974 wurde Jütchendorf nach Gröben eingemeindet.Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt Seit dem 31. Dezember 1997 ist Jütchendorf ein Ortsteil der Stadt Ludwigsfelde.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1997
Die Interessen des Dorfes vertritt der Ortsbeirat und der Ortsbürgermeister.Homepage Ludwigsfelde, Ortsteil Jütchendorf Bei der Kommunalwahl 2003 bildete Jütchendorf gemeinsam mit Schiaß und Mietgendorf den Ludwigsfelder Wahlbezirk 0022; als Wahllokal diente das Jütchendorfer Gemeindehaus. Von 198 Wahlberechtigten nahmen 103 (= 52 %) teil, die ihre Stimmen wie folgt verteilten (gerundet): CDU 21 %, SPD 30 %, PDS 16 %, FDP 10 %, Bündnis 90/Die Grünen 9 %, DVU 0,35 % und Bauernverband Teltow-Fläming 13 %. %. Sandra Braun-Grüneberg aus Jütchendorf wurde vom Bündnis 90/Die Grünen als Direktkandidatin des Wahlkreises 23, Teltow-Fläming I, für die Landtagswahl 2004 nominiert (kam nicht in den Landtag).
Etymologie Die erste urkundliche Erwähnung findet Jütchendorf 1370 beziehungsweise im Landbuch Karls IV. aus dem Jahre 1375 als Jütkendorp. Laut Reinhard E. Fischer erfolgte die Benennung nach einem Mann mit dem deutschen Personennamen Godike.Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission. be.bra Wissenschaft, Berlin 2005, ISBN 3-937233-30-X, S. 84 Christa und Johannes Jankowiak hingegen führen den Namen auf den slawischen Namen Chodk oder Godk (Kurzform von Chocimir) = Chodkendorp oder Godkendorp zurück. Im Brandenburgischen Namenbuch schreibt Gerhard Schlimpert:Brandenburgisches Namenbuch, Teil 3 (Teltow). Weimar 1972, S. 100 „Die slawische Herkunft des Personennamens ist jedoch viel wahrscheinlicher.“ Eine spätere Quelle verzeichnet den Ort als Jütckendorf und 1775 findet sich der heutige Name Jütchendorf.
Geschichte bis zur frühen Neuzeit Frühe Besiedlung mini|hochkant=1|Niederung an der Mündung der Nieplitz in die Nuthe im Winter (Nuthe im Vordergrund)
Die feuchte, fruchtbare Nuthe-Niederung zog schon in vorgeschichtlicher Zeit Siedler an, wie Funde von Tierknochen, Tonscherben und Herdsteinen zeigen.Offizielle Ortsteilinformation ludwigsfelde.de Die Denkmalliste des Landes Brandenburg führt eine Reihe von Fundstellen in und bei Jütchendorf an, darunter eine Siedlung aus der Ur- und Frühgeschichte, eine Siedlung aus der Steinzeit, einen Einzelfund aus dem Neolithikum, Siedlungsplätze aus der Bronzezeit sowie ein Gräberfeld und Siedlungen aus der Eisenzeit. Ferner wurde eine Siedlung zur Zeit der Römischen Kaiserzeit nachgewiesen. Auch aus dem slawischen Mittelalter gibt es ein Bodendenkmal für eine Siedlung. Eine deutsche mittelalterliche Siedlung entstand mit dem Landesausbau im Zuge der Ostkolonisation im 12./13. Jahrhundert. (PDF) Denkmalliste des Landes Brandenburg, S. 4
Spätes Mittelalter und frühe Neuzeit Grenze nach Westen mini|hochkant=1|Pharus-Karte von 1903
Das Jütchendorfer Gebiet gehörte lange zum Grenzbereich nach Osten. Die Flüsse Nuthe und Havel bildeten bis in das 12. Jahrhundert die Grenze zwischen den slawischen Stämmen der Heveller in der Zauche und der Stodoranen im Teltow, die bei der Gründung der Mark Brandenburg 1157 durch den Askanier Albrecht den Bären eine mitentscheidende Rolle spielten. Die beiden Stämme mussten sich nicht nur gegen die übermächtigen Feudalstaaten aus dem Westen wehren, sondern lagen gelegentlich auch untereinander und mit weiteren angrenzenden Slawenstämmen in oft kriegerischem Streit. Die Askanier, die Brandenburg zuerst über die Zauche besiedelten, sicherten das Gebiet unter anderem mit einer Kette von Burgen entlang der Nuthe. Eine dieser Burgen befand sich im benachbarten Kleinbeuthen. Ruinen des späteren Schlosses an Stelle der alten Burg sind noch heute vorhanden.
Besitzende Adelsfamilien von Gröben und von Schlabrendorf Besitzer des Orts waren zunächst Heinrich von der Gröben und später die Familie von Schlabrendorf. Beide Familien saßen im benachbarten Gröben. Die Familie von Gröben war kurz nach Gründung der Mark aus Gribehne (Sachsen-Anhalt) ins Land gekommen und hatte 1170 Gröben gegründet. In der Schlacht bei Tannenberg soll die Familie 20 Mitglieder verloren haben. Sie verließ daraufhin ihr Stammland Gröben und zog sich auf Besitzungen östlich der Weichsel zurück. Den von Gröbens folgten die von Schlabrendorfs, die die Entwicklung der Dörfer um Gröben und damit auch Jütchendorfs für Jahrhunderte prägte. Noch in der Mitte des 18. Jahrhunderts war ein Mitglied der Familie Erb- und Gerichtsherr in Jütchendorf, wie Theodor Fontane in den Wanderungen durch die Mark Brandenburg aus den Aufzeichnungen im Gröbener Kirchenbuch zitiert: mini|hochkant=0.8|Wappen derer von Schlabrendorf
In der Mitte des 19. Jahrhunderts endete der Besitzstand derer von Schlabrendorfs in der Region (Gröben).
Der Soldatenkönig in Jütchendorf Eine Geschichte, auch wenn sie nur eine Anekdote sein sollte, deutet darauf hin, dass die Jütchendorfer in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts nicht unbedingt zu den königstreuesten Bürgern der Mark gehörten. Das rund neun Kilometer südwestlich gelegene Stangenhagen bildete zu dieser Zeit bis zum Wiener Kongress 1815 eine sächsische Exklave mitten in Brandenburg, die viele märkische Deserteure anzog. Bei einer Durchreise soll sich der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. unerkannt unter die Gäste des Wirtshauses in Jütchendorf gemischt haben, als diese sich über ein königliches Fahndungsschreiben nach einem Deserteur lustig machten. Der Dorfschulze verlas das Schreiben, übersetzte das königliche Siegel L.S. (Locus Sigilli – An Stelle des Siegels) ironisch mit laß schleifen und drückte seine Hoffnung aus, der arme Teufel möge es bis ins sächsische Stangenhagen schaffen. Wütend soll sich der König zu erkennen gegeben und das L.S. mit lauf schnell übersetzt haben: Er ließ den Dorfschulzen bis nach Potsdam laufen und dort festsetzen. Sollte der Deserteur entkommen, sollte der Dorfschulze an seiner Stelle dienen.Zusammengefasst nach der Darstellung in: Christa und Johannes Jankowiak: Unterwegs an Nuthe und …, S. 55
Naturraum und Naturraumgeschichte mini|hochkant=1|Gröbener See, Blick von Jütchendorf nach Gröben mini|hochkant=1|Jütchendorfer Berg, 62 Meter über NN (ehemaliger Weinberg)
Während Jütchendorf kulturräumlich zum Teltow zählt, gehört das Dorf geologisch zur Nuthe-Nieplitz-Niederung, die das Teltow-Plateau nach Westen begrenzt und die als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist. Naturnahe Bruchwälder und überflutete Wiesen dominieren das Landschaftsbild. Die Nuthe und der fast verlandete Arm der Alten Nuthe führen südlich direkt am Dorf vorbei. Rund 800 Meter nordwestlich mündet die Nieplitz in die Nuthe. Drei kleine Seen liegen südöstlich am Dorf. Die künstlichen Seen entstanden aus Gruben, die in den 1910er beziehungsweise 1930er Jahren zur Kiesgewinnung für den Bau der Berliner Avus und des Berliner Olympiastadions ausgehoben wurden. Der Naturraum um Jütchendorf und seine Flora und Fauna sind geprägt von den Charakteristika der Niederung Naturpark Nuthe-Nieplitz. An Besonderheiten des Jütchendorfer Naturraums und seiner Geschichte sind der Jütchendorfer Berg, ein ehemaliger Weinberg, das Große Nuthe-Moor und die historischen Nuthe-Überschwemmungen erwähnenswert.
Jütchendorfer Berg (Weinberg)