Stemwede (niederdeutsch: Stemwäide) ist eine Gemeinde in Nordrhein-Westfalen. Sie gehört zum Kreis Minden-Lübbecke im Regierungsbezirk Detmold in Ostwestfalen-Lippe. Benannt nach einer mittelalterlichen Landschaftsbezeichnung entstand die Gemeinde 1973 durch Zusammenschluss der dreizehn Gemeinden der ehemaligen Ämter Levern und Dielingen-Wehdem. Hauptort ist Levern.
Mit 81 Einwohnern pro km² ist Stemwede die am dünnsten besiedelte Kommune des Kreises Minden-Lübbecke und eine der am dünnsten besiedelten Gemeinden in Nordrhein-Westfalen. Die Ortsteile Levern, Destel und Wehdem wurden 969 erstmals erwähnt.
Geografie Geografische Lage mini|Topographie des Gemeindegebiets Stemwede liegt im Nordostteil des Bundeslands Nordrhein-Westfalen. Die Gemeinde befindet sich im Norden Ostwestfalen-Lippes (Regierungsbezirk Detmold) und im Nordwesten des Kreises Minden-Lübbecke. Sie erstreckt sich innerhalb des Naturparks Dümmer in der Nähe des „NRW-Nordpunkts“, der den nördlichsten Teil des Landes markiert. Die nächstgelegenen Großstädte sind Osnabrück (30 km südwestlich) und Bielefeld (45 km südlich).
Stemwede gehört kulturräumlich zur Landschaft des Mindener Lands. Naturräumlich liegt das Gemeindegebiet vollständig in Geestlandschaften der Norddeutschen Tiefebene. Das Gebiet gehört zur naturräumlichen Untereinheit Dümmer-Geestniederung. Der namensgebende Dümmer liegt etwa 4 km nördlich der Gemeinde. Die Dümmer-Geestniederung lässt sich im Gemeindegebiet wiederum in zwei Naturräume gliedern. Stemwede befindet sich demnach größtenteils im Teilraum Rahden-Diepenauer Geest. Im Norden der Gemeinde geht das Gebiet bereits in die Diepholzer Moorniederung über.
Das Gemeindegebiet ist überwiegend eben, Erhebungen gibt es kaum. Ausnahme ist der Stemweder Berg (auch: „Stemmer Berge“ genannt) im Norden, deren höchster Berg, die bei Westrup gelegene Kollwesshöh, aufweist; sein nordwestlicher Nachbar ist der Scharfe Berg (). Diese kleine Bergkette ist ein isolierter Ausläufer der Mittelgebirge. Südlich davon liegen mit dem Leverner Hügel, dem Sunderner Hügel und dem westlich gelegenen Dielinger Klei kleinere kaum mehr die Umgebung überragende Erhebungen. Im Nordosten der Gemeinde erstreckt sich das Oppenweher Moor und der der tiefste Punkt der Gemeinde mit rund . Insgesamt liegen im Gemeindegebiet nur rund 6,5 km² (weniger als 4 %) höher als und lediglich rund 1,5 km² (weniger als 1 %) höher als .
Die meisten Gewässer des Gemeindegebiets zählen zu Kanälen, die das Gebiet in regelmäßigen Abständen entwässern. Sie wurden künstlich angelegt und bilden kein klassisches Flusssystem aus Neben- und Hauptflüssen, das sich aus der Fließrichtung ergibt. Größter Fluss im eigentlichen Sinn ist daher der Große Dieckfluss, der von Süden kommend die Gemeinde Richtung Nordosten durchfließt. In ihn entwässern die meisten Gewässer im Osten des Gemeindegebiets. Einige der Bäche im Südosten der Gemeinden entwässern wie der Große Dieckfluss auch direkt in die Große Aue, die im Osten nahe der Gemeindegrenze an Stemwede vorbeifließt. Im Westen liegt die Gemeinde im Einzugsgebiet der Hunte, die etwa 400 m jenseits der östlichen Gemeindegrenzen an Stemwede vorbeifließt. Das Gemeindegebiet gehört folglich zum Einzugsgebiet der Weser.
Siehe auch: Naturräume in OWL, Gewässer in OWL
Flächennutzung mini|Stemwede zeichnet sich durch eine geringe Siedlungsdichte und vielfältige Landnutzung aus. Stemwede ist mit 81 Einw./km² die am dünnsten besiedelte Gemeinde des Kreises. Dieser Umstand ist umso bemerkenswerter, da das Gemeindegebiet über vergleichsweise wenige Waldgebiete, hingegen über überdurchschnittlich viel grundsätzlich besiedelbares Land verfügt. Ca. 6000 Einwohner, also knapp die Hälfte der Bevölkerung, konzentrieren sich dabei auf die drei größten Ortschaften Levern, Dielingen und Oppenwehe. Weite Bereiche im zentralen Gebiet der Gemeinde und im äußersten Norden weisen hingegen eine äußerst niedrige Besiedelungsdichte auf. Einzige größere Waldgebiete sind der bewaldete Stemweder Berg sowie der Lever Wald bei Levern. Eine Übersicht über die Flächennutzung gibt folgende Tabelle:
Fläche nachNutzungsart Landwirt-schaftsfläche Wald-fläche Siedlungs- undVerkehrsfläche Wasser-fläche SonstigeNutzung Fläche in ha 12.413 1.804 1.837 384 175 Anteil an der Gesamtfläche 74,7 % 10,9 % 11,1 % 2,3 % 1 %
Quelle: LDS
Geologie mini|Geothermische Karte von Stemwede Das Gebiet ist geologisch relativ einheitlich aufgebaut. Die meisten Teile bestehen aus Gesteinen aus dem Quartär. Der Stemweder Berg und einzelne Erhebungen südlich davon bei Levern (Leverner Hügel, Sunderner Hügel, Dielinger Klei) sind aus Schichten der obersten Kreide aufgebaut. Die Böden bestehen ganz überwiegend aus Geestböden. Diese sind sandig und nur wenig fruchtbar. In den Moorniederungen ist das Gebiet landwirtschaftlich höchstens extensiv nutzbar.
Stemwede eignet sich gut bis sehr gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vgl. dazu die nebenstehende Karte) (PDF; 369 kB).
Ausdehnung des Gemeindegebietes Die Gemeinde umfasst eine Fläche von 166,13 km². In Nord-Süd-Richtung erstreckt sich die Gemeinde rund 17 km. Die West-Ost-Ausdehnung beträgt maximal auch etwa 17 km.
Nachbargemeinden Stemwede grenzt an folgende Ortschaften:
im Norden an Lemförde, Brockum, Stemshorn, Quernheim und Wagenfeld im Osten an Rahden und Espelkamp im Süden an Preußisch Oldendorf Im Westen an Bad Essen und Bohmte
Gemeindegliederung Am 1. Januar 1973 wurden aufgrund des Bielefeld-Gesetzes die früheren Ämter Dielingen-Wehdem und Levern zur Gemeinde Stemwede zusammengeschlossen, die Gemeindeverwaltung befindet sich in Levern. Das Gebiet der Gemeinde Stemwede wird nach der Hauptsatzung der Gemeinde Stemwede in folgende Ortschaften eingeteilt:Stemwede: Hauptsatzung der Gemeinde Stemwede vom 10. November 2020, abgerufen am 7. Dezember 2023
Der ehemalige Bezirk Levern mit den Ortschaften Levern, Sundern, Niedermehnen, Destel und Twiehausen Der ehemalige Bezirk Dielingen mit den Ortschaften Drohne, Dielingen, Haldem und Arrenkamp Der ehemalige Bezirk Wehdem mit den Ortschaften Westrup, Wehdem, Oppendorf und Oppenwehe mini|hochkant=2.0|Gliederung Stemwedes
Einwohnerzahlen 12. Februar 2023
Ortsteil Einwohner Anteil Fläche Einwohnerdichte Levern 2.169 16,04 % 10,93 km² 198,44 Einw./km² Sundern 273 2,02 % 8,68 km² 31,45 Einw./km² Niedermehnen 528 3,90 % 13,05 km² 40,46 Einw./km² Destel 564 4,17 % 8,70 km² 64,83 Einw./km² Twiehausen 489 3,62 % 16,17 km² 30,24 Einw./km² Drohne 498 3,68 % 11,14 km² 43,89 Einw./km² Dielingen 2.104 15,56 % 7,82 km² 269,05 Einw./km² Haldem 1.745 12,90 % 18,94 km² 92,13 Einw./km² Arrenkamp 247 1,83 % 5,52 km² 44,75 Einw./km² Westrup 558 4,13 % 6,21 km² 89,85 Einw./km² Wehdem 1.611 11,91 % 13,07 km² 123,26 Einw./km² Oppendorf 733 5,42 % 17,99 km² 40,74 Einw./km² Oppenwehe 2.004 14,82 % 27,90 km² 71,83 Einw./km² Gemeinde Stemwede 13.523 100 % 166,13 km² 81,40 Einw./km²
Klima mini|Klimadiagramm von Rahden Das Klima in Stemwede wird durch die Lage im ozeanisch-kontinentalen Übergangsbereich Mitteleuropas und durch seine Lage in der Norddeutschen Tiefebene bestimmt. Das Gebiet liegt überwiegend im Bereich des subatlantischen Seeklimas, weist aber temporäre kontinentale Einflüsse auf. Die Winter sind unter atlantischem Einfluss meist mild, die Sommer mäßig-warm, die Niederschläge relativ gleichmäßig verteilt. Es überwiegen westliche und südwestliche Winde, die Niederschläge mit sich führen. Das Klima für Stemwede unterscheidet sich insgesamt kaum vom Klima des benachbarten Rahdens, das in identischer naturräumlicher Lage liegt. Die mittlere Jahrestemperatur liegt bei rund 9,3 °C; im Bereich des Stemweder Bergs um bis zu 0,5 °C kälter. Die Jahresniederschläge betragen im Mittel etwa 650 mm im Osten der Gemeinde und etwa 700 mm im Westen und Norden der Gemeinde. Damit gehört der Osten der Gemeinde zu den trockensten und wärmsten Gebieten Ostwestfalens.
Siehe auch: Klima in Ostwestfalen-Lippe
Geschichte mini|hochkant|Tracht aus Haldem (um 1870) Bereits um 800 wurde Dielingen zu einer der ältesten Pfarreien im heidnischen, von Karl dem Großen eroberten Sachsen. Vorgängerbauten der heutigen Dielinger St.-Marien-Kirche lassen sich aus dieser Zeit nachweisen, also so alt wie die ersten Dome in Köln, Paderborn, Osnabrück und Minden.Das Dorf Dielingen im Wandel der Zeiten : 350 Jahre Bruderschaft St. Matthias in Dielingen 1654–2004, ISBN 3-89646-905-3
In einer Urkunde des Bischofs wurde 969 berichtet, dass Ritter Worad dem Mindener Dom verschiedene Höfe, Leibeigene und Weiteres schenkte. Bischof von Minden war zu dieser Zeit Milo von Minden. In dieser Urkunde wurden die Dörfer Levern, Destel und Wehdem erstmals erwähnt. Für das Jahr 1055 wird berichtet, der Bischof Egilbert von Minden besitze in Arnicambe ein Vorewerch. 1198 wurde im Osnabrücker Urkundenbuch erstmals die Bezeichnung Stemwede erwähnt. Schließlich wird für das Jahr 1222 ein Ritter Wulfried de Arnechamp genannt, der als Zeuge auftritt und 1224 ein Haus in Arrenkamp an das Domkapitel Osnabrück veräußert. 1227 wurde durch Konrad I. von Rüdenberg, Bischof von Minden, ein Zisterzienserinnenkloster in Levern gegründet, für welches Papst Gregor IX. 1228/31 Schutzbriefe ausstellt. Im 13. Jahrhundert erfolgte die Grundsteinlegung der St.-Marien-Kirche in Dielingen sowie die Anlegung des Schlosses in Haldem durch die Bischöfe von Minden. 1368 ging die Gerichtsbarkeit in der Freigrafschaft Stemwede auf den Bischof und das Kapitel des Bistums Minden über. Das Gebiet wurde damit fester Bestandteil des Hochstifts Minden. 1558 wurde das Kloster in Levern im Zuge der Reformation in ein freiweltliches, adeliges Damenstift umgewandelt. Das Gebiet des heutigen Stemwede fiel 1648 zusammen mit dem Hochstift Minden, jetzt Fürstentum Minden, an Brandenburg-Preußen.
1806 eroberte Napoleon das Gebiet und das heutige Stemwede wurde 1807 Teil des Königreichs Westphalen (Département du Weser), ab 1811 eingegliedert in das Kaiserreich Frankreich (Département de l’Ems-Supérieur). 1810 wurde das Damenstift durch Napoleon Bonaparte aufgehoben. Nach Ende der napoleonischen Herrschaft wurde das Gebiet 1813 wieder preußisch. Bis 1816 wurden die Verwaltungsstrukturen neu geordnet; das Gebiet lag jetzt im Nordosten der preußischen Provinz Westfalen und im neuen Kreis Rahden (später umbenannt in Kreis Lübbecke). Ab 1843 war das Gebiet der heutigen Gemeinden in die Ämter Dielingen, Wehdem und Levern organisiert. Dabei wurden Dielingen und Wehdem temporär immer wieder in Personalunion zusammengefasst, so zum Beispiel im Jahre 1936. Innerhalb der Ämter bestanden bereits die heutigen Ortsteile sowie zeitweise auch der Gutsbezirk Haldem als eigenständige Gemeinde bzw. Gutsbezirk.
In der Zeit von 1895 bis 1910 kam es zu einer von der Preußischen Ansiedlungskommission geförderten beträchtlichen Auswanderung in die Provinz Posen.Wilfried Gerke: Auswanderungen aus dem Raum Alswede und Stemwede nach Posen. Mitteilungen des Mindener Geschichtsvereins, Jahrgang 51 (1979), S. 73–84.
Am 16. Dezember 1943 stürzte in Oppendorf ein mit einer 1800 kg schweren Sprengbombe und vielen Brandbomben beladener britischer Bomber ab. 19 Gehöfte wurden zerstört, und Menschen (keine einheitliche Angabe der Todesopferanzahl) getötet. Dies sollte nicht die einzige Kriegszerstörung im Gebiet der heutigen Gemeinde Stemwede bleiben. Denn am 4. April 1945 kam es in Levern zu Kämpfen, als deutsche Soldaten die britische Vorhut angriffen. Bei den Gefechten starben 10 deutsche Soldaten, 6 Mitglieder der britischen Streitkräfte und 6 Zivilisten und es wurden über 50 Gebäude in Levern und den umliegenden Dörfern zerstört oder beschädigt.