mini|Wappen d. Fam. v. Maltzahn. Westseite Schloss Gültz. Schloss Gültz (auch Herrenhaus Gültz) ist ein klassizistisches Herrenhaus aus den Jahren 1868 bis 1872 in der Gemeinde Gültz im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte in Mecklenburg-Vorpommern. Es ist eingetragenes Kulturdenkmal und Teil des Ensembles mit dem 1840 von Peter Joseph Lenné entworfenen historischen Landschaftspark. Das Schloss befindet sich seit 2019 im Besitz der Projektentwicklungsgesellschaft Schloss Gültz UG.
Lage und Umgebung Das Schloss befindet sich in der Parkstraße 12 in der Gemeinde Gültz, die zum Amt Treptower Tollensewinkel mit Sitz in Altentreptow gehört. Es liegt rund 8 km nördlich von Altentreptow und etwa 29 km südöstlich von Demmin, erreichbar über die Bundesstraße 194. Geographisch liegt Gültz im westlichen Ausläufer des Tollenseurstromtales; die Anhöhen westlich der Gemeinde übersteigen 110 m ü. NN.
Das Schloss ist Teil des historischen Gutsensembles, zu dem das Herrenhaus selbst, ein Fachwerkwirtschaftsgebäude auf Feldsteinsockel sowie der rund 15 Hektar große Lenné-Park gehören. Südöstlich liegt ein Schlossteich mit Wanderweg. Im Park befinden sich historische Gehölze, darunter eine der ältesten Magnolien der Region, sowie ein historischer Eiskeller.
Geschichte
Gutsgeschichte vom 15. in das 20. Jahrhundert Gültz war seit 1484 im Lehensbesitz des pommerschen Zweiges der Familie von Maltzahn.Georg Christian Friedrich Lisch: Urkunden-Sammlung zur Geschichte des Geschlechts von Maltzahn. Band IV: 1476–1525 (1554). Verlag Comm. Stiller, Schwerin/Rostock 1852, Nr. 670, Nr. 724, Nr. 855. Lediglich von 1569 bis 1646 befand sich das Gut im Besitz der Familie von Preen, bevor die Maltzahn es zurückerwarben. Bezeugend aus damaliger Zeit ist eine Relieffigur für Achim von Moltzan († 1565) in der Gültzer Dorfkirche. Nach dem Tod von Albrecht Hermann von Maltzahn, der als preußischer Major 1742 in der Schlacht bei Chotusitz gefallen war, erbte sein Vetter Axel Albrecht von Maltzahn das Gut. Nachfolgend waren u. a. Freiherr Helmuth von Maltzahn (1763–1836) und dann sein jüngerer Sohn, der königlich preußische Landrat Freiherr Axel von Maltzahn (1808–1841) Herr von Gültz, und von Hermannshöh. Der FamilienfriedhofMatthias Hübner-Neddemin: Dorfkirchen in MV: Dorfkirche Gültz. Stand 2026. der Gutsbesitzer befindet sich bis heute auf dem Friedhof der Kirche Gültz. mini|hochkant=0.4|Helmut Freiherr von Maltzahn-Gültz, Oberpräsident von Pommern. mini|hochkant=0.4|Erbbegräbnis d. Fam. v. Maltzahn (rechts) Kirchfriedhof Gültz. Die nächste Gutsherrengeneration war der Oberpräsident Helmuth Freiherr von Maltzahn-Gültz (1840–1923) und Ehefrau Anna, geb. von Rohrscheidt (1847–1913), folgend der Sohn Freiherr Axel von Maltzahn (1868–1931).
Die Gesamtheit der Besitzungen des Erblandmarschalls umfasste um 1914 mit dem Rittergut Gültz 1.100 ha, davon 143 ha Wald,Ernst Seyfert: Güter-Adressbuch für die Provinz Pommern. 1914. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und größeren Bauernhöfe der Provinz mit Angabe der Guts-Eigenschaft, des Grundsteuer-Reinertrages, der Gesamtfläche und des Flächeninhalts der einzelnen Kulturen etc. Handbuch der Königlichen Behörden. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. In: Niekammer`s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band I, 4. Auflage, Nummer: Reg. – Bez. Stralsund. Kreis Grimmen, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, u. a. S. 12–13., S. 16–17. dem Rittergut Schossow 579 ha sowie dem Rittergut Wodarg 924 ha, sämtlich im damaligen Landkreis Demmin gelegen. Von Schloss Gültz aus wurde ein moderner Gutsbetrieb mit großer Schafswirtschaft sowie Klee- und Grassamen-Vermehrungsanbau geführt; die technische Ausstattung mit Feldbahn, Zapfwellenbinder und Lanz-Bulldog galt als fortschrittlich.
Vor 1939 war Helene–Luise (Hella) Freifrau von Maltzahn-Gültz geb. von Platen (1879–1942) die Gutsherrin, für Gültz allod 1103 ha. Als Verwalter agierte ihr Sohn Helmuth Freiherr von Maltzahn (1900–1984), als Generalbevollmächtigter Adolf Walsleben.H. Seeliger (Hrsg.): Landwirtschaftliches Adreßbuch der Provinz Pommern 1939. Verzeichnis von ca. 20000 landwirtschaftlichen Betrieben von 20 ha aufwärts mit Angabe der Besitzer, Pächter und Verwalter, der Gesamtgröße des Betriebes und Flächeninhalt der einzelnen Kulturen. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. Teil: Regierungsbezirk Stettin-Kreis Demmin, In: Niekammer`s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band I, 9. Auflage, Selbstverlag von Niekammer’s Adreßbüchern GmbH, Leipzig 1939, S. 14.Vgl. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft (DAG). Teil A (Uradel). 1940. Jahrgang 90, Justus Perthes, Gotha 1939. mini|Gültz. Sichtfeld vom Park.
Lenné-Park (1840) Im Auftrag des genannten Landrates Axel von Maltzahn, der 1838 nach Gültz gezogen war, entwarf Peter Joseph Lenné 1840 einen englischen Landschaftsgarten für das Gut. Der Park umfasst heute rund 15 Hektar und gehört zu den gut erhaltenen Lenné-Parkanlagen Mecklenburg-Vorpommerns. Er enthält stattliche Einzelbäume, einen Schlossteich, einen historischen Eiskeller sowie eine historische Magnolie unmittelbar hinter dem Herrenhaus.
Bau des Herrenhauses (1868–1872) Helmuth Freiherr von Maltzahn ließ zwischen 1868 und 1872 nach dem Entwurf des Schweriner Baurates Georg Daniel ein klassizistisches Herrenhaus errichten.Alleburgen.de-Index: Gutshaus Gültz, ID 15413. Stand 2019. Der Bau entstand als repräsentativer, eleganter Baukörper in klassizierenden Formen und prägt bis heute das Ortsbild von Gültz.
Enteignung der Familie von Maltzahn-Gültz 1945 Das Gut Gültz mit Schloss und rund 1.000 ha blieb bis 1945 im Familienbesitz. Als letzte Besitzer gilt der SohnHans Friedrich von Ehrenkrook, Carola von Ehrenkrook, Jürgen von Flotow, Walter von Hueck, Johann Georg von Rappard, Hans-Jürgen von Witzendorff: Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser. A (Uradel). 1956. Band II, Band 13 (713) der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Glücksburg/Ostsee 1956, , S. 287–294. der erwähnten Hella von Maltzahn geb von Platen, der 1900 in Clevenow geborene Freiherr Helmuth Ludwig Joachim von Maltzahn. Er war auch Erblandmarschall von Vorpommern.Maltza(h)nscher Familienverband (Hrsg.): Die Maltza(h)n 1194–1945. Der Lebensweg einer ostdeutschen Adelsfamilie. Jöllenbeck & Schlieper, Druckservice Gütersloh Reinhard Mohn GmbH, Köln 1979, S. 349–353. Helmuth von Maltzahn war 1939 Offizier, dann 1944 kurz u.k. gestellt. Später kam er in Gestapohaft nach Greifswald. Nach seiner Entlassung dort am 17. September 1944 wurde er wieder Frontoffizier und kam Februar 1945 in Hinterpommern in Kriegefangenschaft, Entlassung 1948. Später wurde er Vorsitzender des Vorstands vom v. Maltza(h)n`schen Familienverein (Familienverband). Seine Frau Alexandra (Sanni) geb. Gräfin von Platen Hallermund (1905–1982) war 1945 nach Ellerbruch/Niederelbe gegangen.Hans-Hartwig von Platen: Die Familien von Platen. Geschichte der Familien von Platen. Stammtafeln der Märkischen und Rüganischen Familien von Platen. Band 2, 4. Ausgabe, Pkt. Daa46a, Selbstverlag, Untereisesheim Dezember 2007/(2008), S. 637–638. 1963 zog die Familie von Maltzahn-Gültz nach Warder, Kreis Bad Seegeberg, dort starb der letzte Gutsbesitzer von Gültz 1984.Maltza(h)nscher Familienverband (Hrsg.): Maltza(h)n 1945–2019. Hinstorff, Rostock 2020, , S. 264–303. Nr. 1111.
Nutzung als Berufsschule (ab 1945) Nach dem Zweiten Weltkrieg, das Herrenhaus war bereits ab März/April 1945 mit Flüchtlingen belegt, wurde das Gut enteignet. Das Schloss diente fortan als Betriebsberufsschule „Georg Ewald“ (BBS), einem Internat für Landwirtschaftslehrlinge im damaligen Bezirk Neubrandenburg.
DDR-Sanierung 1982–1988 und historische Bauakten Von 1980 bis 1988 fand eine umfangreiche Sanierung des Gebäudes statt. Beteiligte Institutionen waren das ZBO „25. Jahrestag der DDR“ Altentreptow, der VEB (St) Baureparaturen Neubrandenburg, der Rat des Kreises Altentreptow sowie das Büro für Stadt- und Dorfplanung Neubrandenburg, Abteilung VI. Der Kreisdenkmalschutz war aktiv in die Planung eingebunden; Originalprotokolle belegen den ausdrücklichen Willen der Behörden, die klassizistische Gesimsgestaltung zu erhalten.
Originalakten aus dieser Sanierungsphase – darunter Protokolle von Bauablaufberatungen, Behördenpost des Rates des Kreises, Einladungen zur Farbprojektberatung, Maßnahmenlisten für Turm und Dachkonstruktion sowie historische Fotografien der Fassaden aus den Jahren 1982 bis 1984 – befinden sich im Alleinbesitz der heutigen Eigentümer von Schloss Gültz. Diese Dokumente wurden 2025 erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.Schloss-Gültz.de: Bauakten 1982–1984, Erstveröffentlichung 2025. Online: Bauakten. Sie gelten als singuläres Zeitdokument zur Denkmalpflegepraxis in der DDR, da vergleichbare Aktenbände zu diesem Objekt in keinem anderen Archiv überliefert sind.
Zu den dokumentierten Befunden zählen u. a. der Holzschädlingsbefall der Dachkonstruktion, der Nachweis von Asbest in der Ticolorbe-Beschichtung, der baufällige Zustand des Turmaufbaus sowie eine Baubehinderungsanzeige wegen Nichterscheinens beauftragter Handwerker. Das im Aktenband überlieferte Farbkonzept enthält eine Empfehlung zur Bepflanzung mit Waldgeißblatt an der Rückfassade.
Hotelbetrieb und Leerstand (1989–2019) Nach 1989 wurde das Schloss nach weiteren Sanierungsarbeiten kurzzeitig als Hotel genutzt. 2004 folgte eine Zwangsversteigerung. In den folgenden Jahren stand das Gebäude leer.Werner Conrad-Waren-Fotografien: Schloss Gültz. 2010.
Neustart seit 2019 2019 erwarb die Projektentwicklungsgesellschaft Schloss Gültz UG das Gebäude im Wege einer Versteigerung. Seit 2019 wird das Schloss als Kulturdenkmal, Veranstaltungsort und historisches Forschungsarchiv entwickelt. Geschäftsführer ist Michael Peter Schneider, Assessor jur. und Berufsbetreuer mit Kanzleisitz in Prenzlau.
Architektur mini|Herrenhaus (Schloss) Gültz. Sammlung Alexander Duncker sen. Berlin 1873. Außenbau Das Herrenhaus ist ein zweigeschossiger Putzbau über winkelförmigem Grundriss im Stil des Spätklassizismus. Die Hoffront zählt 14 Achsen; in der Mitte befindet sich ein dreiachsiger Mittelrisalit mit Säulen-Altan. Am Südrand der Hofseite erhebt sich ein dreigeschossiger Eckturm. Wesentliche Fassadenelemente sind klassizistische Dreiecksgiebel, Rundbogenfenster im Turmgeschoss sowie ein umlaufendes Hauptgesims, dessen Erhalt bereits in den DDR-Bauakten von 1984 als denkmalpflegerisches Ziel festgehalten wurde.
Der ehemalige Wintergarten an der Südwestfassade wurde im Rahmen der Sanierung 1982–1988 abgetragen und durch eine Freisitzterrasse ersetzt, wie aus den Originalakten hervorgeht.
Innenräume Im Inneren befindet sich u. a. ein Spiegelsaal, der für Konzerte, Kammermusikabende, Lesungen und Hochzeiten genutzt wird. Weitere Räume befinden sich im Umbau (Stand 2026).
Wirtschaftsgebäude Unmittelbar hinter dem Herrenhaus befindet sich ein historisches Fachwerkgebäude auf einem Feldsteinsockel, das zum Gutsensemble gehört.
Lenné-Park Der von Peter Joseph Lenné 1840 entworfene Landschaftspark gehört zum eingetragenen Denkmalkomplex. Er umfasst rund 15 Hektar und enthält: Eine historische Magnolie unmittelbar hinter dem Herrenhaus – eines der ältesten Exemplare in der Region Einen alten Eiskeller aus der Zeit der Gutswirtschaft Einen Schlossteich südöstlich des Herrenhauses mit Wanderweg und Uferbereichen Stattliche Einzelbäume, darunter Eichen, Linden und Ahornbäume Das historische Fachwerkwirtschaftsgebäude
Der Park soll durch den Förderverein Schloss Gültz e.V. für die Öffentlichkeit wiederhergestellt und zugänglich gemacht werden.
Denkmalschutz