mini|Revue Thommen AG mini|Hauptsitz Revue Thommen AG, in Waldenburg Revue Thommen ist eine Schweizer Uhrenmarke mit einer wechselvollen Geschichte und einer Tradition seit 1853. Ihren Ursprung hatte sie in Waldenburg BL. Stammhaus war die Revue Thommen AG, die in Waldenburg domiziliert war.
Geschichte Der kürzeste Weg von der Nordsee ans Mittelmeer führte über Basel, via Ergolztal und das Waldenburgertal über den Pass Oberer Hauenstein (734 m ü. M.) ins schweizerische Mittelland und weiter Richtung Italien. Schon zur Römerzeit wurde diese wichtige Nord-Süd-Achse von Päpsten, Kaisern, Königen, Soldaten und Kaufleuten mit Handelswaren aller Art, stark genutzt. Der rege Fern- und Nahverkehr durch das Waldenburgertal erbrachte der hauptsächlich von der Landwirtschaft lebenden Bevölkerung zusätzliche Verdienstmöglichkeiten. Durch den bevorstehenden Bau der Eisenbahnlinie Basel – Liestal – Olten1858 wurde die Linie der Schweizerischen Centralbahn (SCB) eröffnet wird das Waldenburgertal und der Pass umfahren. Im Tal befürchtete man Verdienstausfälle, Arbeitslosigkeit und Abwanderung weiter Bevölkerungsschichten.
1853 Société d’Horlogerie à Waldenburg Um diesen Missständen entgegenzutreten, gründete die Gemeinde Waldenburg 1853 die Uhrenfabrik Société d’Horlogerie à WaldenburgGesellschaft für Uhrenfabrikation in Waldenburg. Es wurden Rohwerke montiert. Der Erfolg stellte sich jedoch nicht wie erhofft ein. Schon in den ersten Betriebsjahren erwirtschaftete die Fabrik ein Defizit von über 35'400 Franken. Um die Gemeindekasse zu entlasten, wurde der Betrieb 1859 an den Unternehmer Gedeon Thommen aus Waldenburg und den Uhrmacher Louis Tschopp aus Biel verkauft. Thommen war bereits seit 1857 Mitglied des Direktoriums. Nach der privatwirtschaftlichen Restrukturierung durch Gedeon Thommen begann sich das Unternehmen zu erholen. 1869 schied Tschopp aus. alternativtext=Gedenkstein für Gédéon Thommen (1831–1880) Unternehmer und Politiker in Waldenburg|mini|Gedenkstein für Gédéon Thommen
1870 Gédéon Thommen – Uhrenfabrikation mini|Betriebsgebäude der Gédéon Thommen - Uhrenfabrikation. Zeichnung um 1870 Ab 1870 war Gedeon Thommen alleiniger Inhaber der Société d’Horlogerie à Waldenburg. Er änderte den Firmennamen auf Gédéon Thommen – Uhrenfabrikation.
Im gleichen Jahr patentierte Thommen das «System der Auswechselbarkeit der einzelnen Werkbestandteile» und beantragte das «Remontoir-Patent».
1870 wurde ein neues Produktionsgebäude errichtet. Um sich von Zulieferanten unabhängiger zu machen, wollte Thommen die Einzelteile für die Rohwerke in eigenen Ateliers herstellen. Neben Zylinderarmbanduhren wurden ab 1875 auch Ankertaschenuhren hergestellt. Der Markenname der Uhren war G.TG.T steht für Gédéon Thommen. 1870 konnten ca. 4'000 Uhren gefertigt werden.
Inspiriert durch den Bau der kleinen Waldenburgerbahn wurde 1885 die Springeruhr G.T entwickelt.
Um in die Massenproduktion einsteigen zu können, wurden 1885 zusätzliche Produktionsräume erstellt. 1890 war die Jahresproduktion auf ca. 13'000 Exemplare angestiegen.
Nach dem Tod von Gedeon ThommenGedeon Thommen starb am 18. Dezember 1890 in Waldenburg übernahm sein Sohn AlphonsePaul-Alphonse Thommen (10.3.1864 bis 13.11.1944) das Unternehmen. Alphonse gründete 1892 in Waldenburg einen Betrieb für die Fertigung von Uhrenbestandteilen und Schrauben. Daraus entstand 1900 die Firma Tschudin & Heid.mini|Firmenorganigramm 1905 Thommens Uhrenfabrik AG mini|Ehemaliges Produktionsgebäude in Langenbruck (2011) mini|Armbanduhr der Marke Revue 1905 gründete Alphonse die Thommens Uhrenfabrik AG und änderte 1908 den Markennamen von G.T auf Revue. Gleichzeitig wurde auch die französische Übersetzung des Firmennamens Fabrique d’horlogerie Thommen S.A. verwendet.
1915 wurde in Gelterkinden und 1919 in Langenbruck je eine weitere Produktionsstätte erstellt.
1915 erhielt die Thommens Uhrenfabrik AG einen Auftrag des Bundes für die Entwicklung von Cockpitinstrumenten. Diese sollten in die ersten, damals aus Frankreich importierten Flugzeuge für die neugegründete Fliegertruppe eingebaut werden. Bereits 1916 konnte der fertige Pilotcronograph an die Fliegertruppe übergeben werden. Damit war der Grundstein der Aktivitäten in der Luftfahrt gelegt. Die technische Entwicklung dieser Produkte wurde während vieler Jahre durch Eduard Mettler geprägt.
1918 wechselte der Techniker Reinhard StraumannReinhard Straumann (3.11.1892 bis 2.10.1967), von Bennwil von der Schweizer Fliegertruppe zur Thommens Uhrenfabrik AG. Dies war der Beginn der Spezialisierung auf avionische Armaturen. Über den Fliegeroffizier Straumann konnten die für die Entwicklung wichtigen Kontakte zur Fliegertruppe sichergestellt werden. Straumann übernahm 1938 den von Alphonse im Jahre 1892 gegründeten Betrieb, der mittlerweile unter dem Namen Tschudin + Heid AG Uhrenbestandteile produzierte.
Im Verwaltungsrat von Thommens Uhrenfabrik AG hatte Alphonse Thommen das Mandat des Präsidenten bis 1932 und bis zu seinem Tod 1944 war er dessen Delegierter. Von 1932 bis 1938 übernahm Hermann StraumannHermann Straumann (14.7.1862 bis 1.11.1948), von Waldenburg, der Schwiegersohn von Gédéon Thommen, die Leitung des Unternehmens und das Amt des Verwaltungsratspräsidenten.
1936 sollte sich ein Grossauftrag des schweizerischen Militärs als Wendepunkt in der Firmengeschichte erweisen. Um eine optimale Abwicklung dieses Auftrags gewährleisten zu können, wurde der Bereich Thommen Fluginstrumente geschaffen.
Aus Altersgründen wollten Alphonse Thommen und Hermann Straumann ihre Verantwortungen an der Thommens Uhrenfabrik AG abgeben. So wurde ihrem Wunsche entsprechend Hermanns Sohn Roland StraumannDr. med. Roland Straumann-Beck (3.10.1899 bis 24.11.1999), von Waldenburg im März 1938 in den Verwaltungsrat gewählt. Roland wollte nun die Aktienmehrheit am Unternehmen erlangen. Mit Unterstützung seines Schwagers Rudolf Gelpke begann er viele kleine Aktienpakete der Thommens Uhrenfabrik AG aufzukaufen. Dank dem Paket des Hauptaktionärs Alphonse Thommen erlangte er schliesslich die Aktienmehrheit.
Ab 1942 war Roland Straumann-Beck Delegierter des Verwaltungsrats und ab 1944 bis 1994 Verwaltungsratspräsident.
Bis 1950 wurden verschiedene neue Uhrwerktypen entwickelt. Unter anderem das Werkkaliber GT 82. Das Unternehmen war mittlerweile vollständig unabhängig. Alle Bestandteile für Uhrwerke und Uhren konnten im Hause gefertigt werden. Die dafür benötigten Werkzeuge und Maschinen wurden ebenfalls im eigenen Betrieb entwickelt und gebaut.
1961 fusionierten die Unternehmen Thommens Uhrenfabrik AG, Fabrique des Montres Vulcain SA von Le Locle, Buser & Cie Uhrenfabrik Aktiengesellschaft von Niederdorf, Phénix Watch Co.SA von Delémont und die Compagnie des Montres Marvin SA von La Chaux-de-Fonds zur Manufactures d’Horlogerie Suisses Réunies SA (MSR-Holding). Das Ziel der Schaffung der MSR-Holding war der Versuch durch das Vereinen der Herstellkompetenzen der damaligen Welle von billigen Quarz-Uhren aus Fernost entgegenzutreten. Die Produktion der Armbanduhren Revue wurden innerhalb der MSR-Holding zum Lizenznehmer Vulcain SA verlagert und die Produktion von Armbanduhren in Waldenburg eingestellt.
Zur Positionierung auf internationalen Märkten hatte 1987 die Thommens Uhrenfabrik AG den Doppelnahmen Revue Thommen als Hauptmarke eingeführt.
1993 trat Roland Straumann-Beck als Verwaltungsratspräsident zurück. Bis 2004 war das nun als Revue Thommen AG geführte Unternehmen mehrheitlich im Besitze seiner zwei Söhne und der Tochter.
Bis 1999 wurden die Armbanduhren Revue, ab 1987 als Revue Thommen, beim Lizenzhalter Vulcain et Studio SA produziert. Trotz aller Bemühungen führte die Quarzkrise im Jahre 2000 zum Konkurs fast der gesamten Schweizer Uhrenbranche. Dies betraf auch die Fabrique des Montres Vulcain et Studio SA. Die Manufactures d’Horlogerie Suisses Réunies SA (MSR-Holding) war dadurch ebenfalls betroffen.
The President’s Watch 1947 gelang es der Fabrique des Montres Vulcain SA die erste wirklich funktionstüchtige Armbanduhr mit Wecker auf den Markt zu bringen. Der durchdringende Ton des Weckwerks erinnerte an das Zirpen einer Grille (engl. cricket) was der Uhr zu ihrem Namen verhalf. Die CricketCricket war ein Markenname der Production & Marketing Horloger SA (PMH SA), Vulcain SA in Le Locle wurde bald unter dem Namen „the President’s watch“ weltberühmt. Dem 33. Präsidenten der USA Harry S. TrumanAmtszeit von Harry S. Truman war von 1945 bis 1953 wurde durch Robert Ditisheim eine Cricket-Armbanduhr als Geschenk überreicht. Nach Truman trugen noch weitere US-Präsidenten und der sowjetische Präsident Michail Gorbatschow eine Cricket.
Zur Zeit der MSR-Holding wurde die Cricket unter dem Markennamen Revue Thommen in grossen Stückzahlen fabriziert. Nach der Neugründung der Manufacture des Montres Vulcain SA im Jahre 2001 und dem Rückkauf der Markenrechte darf der Name Cricket nicht mehr fremdgenutzt werden.
1936 Thommen Fluginstrumente Für den in der Schweiz durch die Eidgenössische Konstruktionswerkstätte für die Schweizer Flugwaffe hergestellten Mehrzweck Doppeldecker C-35 sollten Höhenmesser, Fluggeschwindigkeitsanzeiger, sowie Vertikale Geschwindigkeitsanzeiger entwickelt werden.
Um die für diesen Grossauftrag erforderliche Forschung, Entwicklung und Fabrikation von der Uhrenproduktion klar trennen zu können, wurde 1936 der Bereich Thommen Fluginstrumente geschaffen. Aus diesem Bereich entstand die zweite Hauptaktivität der Thommens Uhrenfabrik AG. Zusätzlich wurde in der Druck-Messung und bei den Prüfgeräten für Industrielle Anwendungen rege geforscht und entwickelt.
1936 Industrielle Messtechnik mini|Thommen Taschenhöhenmesser für Sport und Freizeit Bis 1943 wurde an der Entwicklung von Druckmess- und Prüfgeräten für industrielle Anwendungen geforscht.
1945 begann die Produktion des Poket-Höhenmessers. Dieser wurde speziell für Alpinisten entwickelt und galt als Meilenstein im Sport- und Freizeitbereich.
Da die Geschäftsleitung der Revue Thommen AG im 2010 entschied die Aktivitäten auf das Kerngeschäft Flugzeug und AvionikAvionik ist eine Wortkombination aus Aviatik (lat. avis = Vogel) und Elektronik zu konzentrieren, wurde die Geschäftslinie der Industriellen Messtechnik per 31. Dezember 2010 geschlossen. Die Firma Huber Instrumente AG in Reigoldswil hat den gesamten Bereich Produktion, Kalibrierung, Reparaturdienst, inkl. der Mitarbeiter übernommen.
1945 Apparatebau/Werkzeugmaschinen Um von jeglichen Zulieferanten unabhängig zu sein, wurde um 1945 die Abteilung Apparatebau/Werkzeugmaschinen gegründet.
Mit den selbstgebauten Maschinen konnten nun alle benötigten Uhrenbestandteile im Hause produziert werden.
2004 konnte der Bereich Profilwalzmaschinen an die Deutsche Gesellschaft Leistritz AG, Nürnberg verkauft werden.
1987 Revue Thommen AG Als klare Positionierung auf Internationalen Märkten hatte 1987 die Thommens Uhrenfabrik AG den Doppelnamen Revue Thommen als Hauptmarke eingeführt. Damit sollte die klare Verbindung zwischen der Uhrenmarke Revue und den Thommen Fluginstrumenten verdeutlicht werden.
Durch den Konkurs der Fabrique des Montres Vulcain et Studio SA und der Auflösung der MSR Holding wurde die Uhrenproduktion 1999 eingestellt.
In den 1990er Jahren verstärkte die Revue Thommen AG ihre Produktion der Luftfahrt Instrumente. Es konnten weltweit alle führenden Flugzeughersteller, im Bereich der militärischen und der zivilen Anwendung, mit Swiss Quality Bordinstrumenten und Flugzeugausrüstungen beliefert werden.
Um die von der Luftfahrt Industrie geforderten Qualitäts- und Leistungsstandards zu erfüllen, wurden die erforderlichen Zertifizierungen erarbeitet. Im 1992 Swiss Calibration Service (SCS) und Zertifizierung nach ISO 9001. Im 1998 Zertifizierung nach JAR – 145 (Wartungsarbeiten). Im 2005 Zertifizierung nach EASA Part 145, EASA Part 21G, EASA Part 21 O und ADOA (Wartung, Produktion, Design und Entwicklung). Im 2009 Zertifizierung nach AS / EN 9100.