mini|hochkant=1.65|Blick aus Südost von Osterbruch kommend mini|Leerstehendes Gasthaus an der Schleuse (2005)

Otterndorf () ist eine niedersächsische Kleinstadt – bis 1977 Kreisstadt des Landkreises Land Hadeln –, die sowohl an der Elbmündung als auch der hier in den Strom mündenden Medem sowie dem Elbe-Weser-Schifffahrtsweg liegt. Das Nordseebad Otterndorf gehört zur Samtgemeinde Land Hadeln und zum Landkreis Cuxhaven. Zu den besonderen Merkmalen zählt seine Fachwerk-Altstadt.

Geografie Lage Otterndorf liegt südlich der Niederelbe im Landkreis Cuxhaven in Niedersachsen als Teil des historischen Landstriches Land Hadeln im Elbe-Weser-Dreieck.

Stadtgliederung Otterndorf (Hauptort) Osterende Otterndorf Westerende Otterndorf

Nachbargemeinden

(Quelle:)

Geschichte

Otterndorf entstand aus einer Wurtsiedlung. Die erste urkundliche Erwähnung Otterndorfs stammt von 1261, als „Godefridus, plebanus (Pfarrer) in Otterentorpe“ in einer Urkunde erwähnt wird. Otterndorf war der Hauptort des Landes Hadeln. 1400 erhielt es von seinem Landesherrn, dem Herzog Erich von Sachsen-Lauenburg, die Stadtrechte verliehen. Die erste Lateinschule ist seit dem 15. Jahrhundert nachweisbar. Von 1778 bis 1782 wirkte Johann Heinrich Voß als Rektor der Lateinschule. 1521 hatte der Prediger Gerhard zum ersten Mal die neue Lehre von Martin Luther in Otterndorf verkündet. Eine Verteidigungsanlage wurde 1615/16 angelegt und Mitte des 18. Jahrhunderts zu den Promenaden Süderwall und Norderwall umgewandelt. 1881 wurde die Stadt an das Eisenbahnnetz angeschlossen.

NS-Zeit Die NSDAP-Ortsgruppe Otterndorf wurde 1930 gegründet. Bei der Reichstagswahl März 1933 erhielt die Partei 40,2 Prozent der Stimmen. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, wurden 1933 vor dem Rathaus die Fahnen des „alten Regimes“ verbrannt.Rudolf Lembcke: 100 Jahre Kreise an Elb- und Wesermündung 1885 - 1985. Der Landkreis Cuxhaven und seine Rechtsvorgänger. Otterndorf, Niederelbe-Druck Otterndorfer Verlagsdruckerei, 1985, 288 S. Die Verfolgung der verhältnismäßig kleinen jüdischen Minderheit wurde billigend in Kauf genommen. Der Arbeitsdienst wurde beim Deichbau und bei Entwässerungsmaßnahmen eingesetzt. Viele Bauernsöhne wurde im Zweiten Weltkrieg zum Wehrdienst eingezogen; die Höfe mussten von den Älteren und Frauen sowie durch Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene bewirtschaftet werden. Nach den massiven Luftangriffen wurden auf dem Lande Unterkünfte für Tausende von Ausgebombten beschafft. 1945/46 sind die Flüchtlinge und Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten untergebracht worden.Erich von Lehe & Werner Haarnagel: Geschichte des Landes Wursten. Bremerhaven, Heimatbund der Männer vom Morgenstern, 1973 Rudolf Lembcke (Hrsg.): Kreis Land Hadeln. Geschichte und Gegenwart. Otterndorf, Verlag J. & R. Hottendorff, 1976, 226 S. Rudolf Lembcke: 100 Jahre Kreise an Elb- und Wesermündung 1885 - 1985. Der Landkreis Cuxhaven und seine Rechtsvorgänger. Otterndorf, Niederelbe-Druck Otterndorfer Verlagsdruckerei, 1985, 288 S.

Nachkriegszeit Mehrfach wurde Otterndorf von Sturmfluten und Deichdurchbrüchen betroffen, so durch die Weihnachtsflut 1717, die Sturmflut 1962 und erneut 1976. Der Kreis Land Hadeln wurde 1977 Teil des neuen Landkreises Cuxhaven und Otterndorf verlor den Kreissitz.

Eingemeindungen Am 1. Juni 1929 wurden die beiden Gemeinden Osterende Otterndorf und Westerende Otterndorf zum größten Teil in die Stadt Otterndorf eingemeindet. Teile von Osterende Otterndorf fielen an Neuenkirchen und Teile von Westerende Otterndorf an Altenbruch.Amtsblatt der Regierung Stade 1929, S. 78

Einwohnerentwicklung mini|400px|Einwohnerentwicklung von Otterndorf von 1910 bis 2017 nach nebenstehender Tabelle

Jahr Einwohner Quelle 1910 1937 1 1925 1902 1933 3869 1939 4062 1950 7166 1956 6695 1961 5624 2 1970 5363 3 1973 6267 1975 6106 4 Jahr Einwohner Quelle 1980 6169 4 1985 6338 4 1990 6142 4 1995 6244 4 2000 6817 4 2005 7102 4 2010 7093 4 2015 7230 4 2018 7238 4 20237538 1 Angaben der 1929 eingemeindeten Orte: Osterende Otterndorf (= 1280 Einw.) und Westerende Otterndorf (= 997 Einw.) 2 Volkszählungsergebnis vom 6. Juni 3 Volkszählungsergebnis vom 27. Mai 4 jeweils zum 31. Dezember

Politik Stadtrat Der Rat der Stadt Otterndorf besteht aus 21 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für die Mitgliedsgemeinde einer Samtgemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 7001 und 8000 Einwohnern. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026.

Stimm- und sitzberechtigt im Stadtrat ist außerdem der ehrenamtliche Bürgermeister.

Die Kommunalwahl am 12. September 2021 führte zu folgendem Ergebnis (mit Vergleich zur Wahl 2016):Gemeinderatswahl 2021 – Stadt Otterndorf

Partei / Bewerberin Stimmenanteil 2021 Sitze 2021 Stimmenanteil 2016 Sitze 2016 CDU 38,28 % 8 42,77 % 9 SPD 35,03 % 8 45,05 % 9 Grüne 10,69 % 2 – – FDP 10,40 % 2 12,16 % 3 Susann Rennebeck 4,60 % 1 – – Wahlbeteiligung 63,60 % 61,85 %

Bürgermeister seit 2021: Claus Johannßen (SPD) 2016–2021: Thomas Bullwinkel (CDU) 2011–2016: Claus Johannßen (SPD) 1972–2011: Hermann Gerken (FDP) 1950–1972: Carl Bortfeldt (DP dann CDU) 1948–1950: Heinrich Himmelreich (SPD) 1946–1948: Carl Bortfeldt (DP) 1945–1946: Emil Dantzer (SPD) 1942–1945: Carl Johannßen 1936–1942: Adalbert Herwig (NSDAP) 1933–1936: Albert Rodegerdts (NSDAP) 1929–1933: Alfred Oest 1903–1929: Wilhelm Haasemann 1902–1903: August Billeb 1901–1902: Ludolf Paysen 1874–1901: Wilhelm Hüpeden 1873–1874: Hesse 1865–1873: Alexander Plato Sostmann 1864–1865: Wilms 1862–1864: Petersen 1861–1862: Meyer 1855–1861: Gustav Adolf Lindenhan 1838–1855: Heinrich Friedrich Otto Henrici 1806–1838: Johann Nicolaus Goetze 1789–1806: Hinrich Matthias Goetzecke 1781–1788: Hinrich Wilhelm Schmeelke 1766–1781: Johann Hinrich Brütt 1759–1766: Johann Jacob Mühlenhoff 1727–1759: Sebastian Hackmann 1723–1727: Otto Friedrich VollhagenStadtdirektoren seit 2021: Frank Thielebeule 1995–2021: Harald Zahrte 1986–1995: Wolfgang Vockel 1979–1986: Wolfgang Schmitz 1972–1979: Hans-Wilhelm Schroerschwarz 1956–1972: Karl-Heinz Vogel 1946–1956: Otto Prieß, (1902–1956)

Wappen mini| Skulptur Wappentier vor dem Rathaus Der Urentwurf des Otterndorfer Kommunalwappens ist historisch. Es stammt höchstwahrscheinlich aus den Anfangsjahren des 15. Jahrhunderts, weil es einen Teil des herzoglichen Wappens enthält und weil das Land Hadeln schon seit 1407 jahrzehntelang an die Stadt Hamburg verpfändet war.

1948 erklärte sich das Niedersächsische Staatsarchiv mit dem aktuellen Wappen einverstanden. Den Entwurf dazu fertigte der Heraldiker und Wappenmaler Albert de Badrihaye, der zahlreiche Wappen im Landkreis Cuxhaven erschaffen hat. Das Wappen wurde mit der Hauptsatzung am 20. September 1955 vom Otterndorfer Rat beschlossen. mini|hochkant=0.3|links Blasonierung: Gespalten; vorn: neunmal geteilt von Schwarz und Gold, überdeckt mit einem schrägen und gebogenen grünen Rautenkranz; hinten: in Blau auf grünem Boden ein aufgerichteter goldener Fischotter.Rudolf Lembcke, Hg Kreis Land Hadeln: Kreis Land Hadeln. Geschichte und Gegenwart, Buchdruckerei Günter Hottendorff, Otterndorf 1976, S. 58

Begründung: Der Balkenschild mit dem Rautenkranz ist das Wappen des historischen Stadtherrn, des Herzogs von Sachsen-Lauenburg. Der Fischotter versinnbildlicht als redendes Wappen den Ortsnamen. Das Stadtwappen geht auf das Bild in den Siegeln zurück, die nach der Stadtrechtsverleihung 1400 einsetzen. Zeitweise änderte sich die Reihenfolge der Schildhälften.

Städtepartnerschaften , Vereinigtes Königreich , Mecklenburg-Vorpommern

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke (Auswahl)

Wohnhaus Wallstraße 10 in Fachwerk von 1563, Straßengiebel von 1655 Wohn- und Wirtschaftsgebäude Marktstraße 28, im Kern von 1606, teils in Fachwerk Wohnhaus Reichenstraße 2 von um 1640 (Wirich-Haus), im 18. und 19. Jh. überformt; heute Teekontor und Kunstgalerie Wohnhaus Marktstraße 1 vom 17. und 18. Jh. in Fachwerk Wohnhaus Himmelreich 29 aus dem 17. Jh. in Fachwerk und mit dem Hexenbesen im Giebel Wohnhaus Johann-Heinrich-Voß-Straße 2 vom 17. Jh., bis 1768 Haus des örtlichen Gerichtsdirektors Wohnhaus Johann-Heinrich-Voß-Straße 8 vom 17. Jh., Fachwerkhaus, ehemaliges Rektorhaus der Lateinschule, heute Johann-Heinrich-Voß-Literaturmuseum Wohnhaus Johann-Heinrich-Voß-Straße 10 vom 17. Jh. in Fachwerk Wohnhaus Himmelreich 27 von 1727 in Fachwerk Wohnhaus Himmelreich 8 der Bullsche Speicher aus dem ersten Drittel des 18. Jh. Wohnhaus Müggendorfer Straße 2 als Villa von 1740 Wohnhaus Große Ortstraße 50 von um 1750 in Fachwerk Ehemaliges barockes Kaufhaus Marktstraße 2 von 1754, heute Archiv des Landkreises Cuxhaven Hofanlage Sophienweg 8 von 1777 in Fachwerk Wohnhaus Marktstraße 14 von 1782 in Fachwerk und mit Mansarddach Wohnhaus Marktstraße 12 von um 1780, in Fachwerk, seit 2000 Puppenstube Ehemaliges Verwaltungsgebäude Landeshäuser Straße 12 von 1786 als Versammlungsort der Hadler Stände Ehemaliges Pfarrhaus Himmelreich 4 von 1796 in Fachwerk Wohnhaus Sackstraße 1 vom Ende des 18. Jh. in Fachwerk und Mansarddach Wohnhaus Eschstraße 14 von um 1790 in Fachwerf, östlich der Medem Gasthaus Schleuse 1 in Fachwerk von vom 18. Jh. und von um 1850 Süderwall Otterndorf mit klassizistischen Gartenhaus von um 1800 Ehemaliges Armenhaus Stader Straße 24 von 1802 Medemschleuse von 1864 mit Schöpfwerk I von 1929 und Schöpfwerk II von 1955 Ehemaliges Gefängnisgebäude Am Großen Specken 10 von 1885, heute Schulungszentrum der Wirtschaft Ehemaliges Postgebäude Otterndorf von 1891 Schulgebäude Cuxhavener Straße 16 von 1892, aktuell Grundschule Villa Cuxhavener Straße 14 von 1900 für W. Harms Bankgebäude Cuxhavener Straße 18 von 1907 (Sparkasse)

Hexenbesen mini|In einigen alten Häusern sind diese „Hexenbesen“ gemauert Viele dieser Häuser haben im Mauerwerk der Giebel Steine, die wie ein Besen gemustert sind; diese „Donnerbesen“ sollten dem lokalen Aberglauben zufolge die bösen Kräfte abwehren.

St.-Severi-Kirche Die St.-Severi-Kirche mit ihrem farbenfroh gestalteten Innenraum ist der größte Bauerndom im Land Hadeln. Die Gloger-Orgel von 1741/42 ist die bedeutendste und größte Barockorgel der historischen Orgellandschaft zwischen Elbe und Weser; sie enthält noch Register der Vorgängerinstrumente von 1553, 1596 sowie 1662 und wurde 2022–24 restauriert.Otterndorf feiert die Rückkehr der barocken Gloger-Orgel. In: ndr.de. 21. Oktober 2024, abgerufen am 21. Oktober 2024.Von Ihnen gerettet: Die Gloger-Orgel in Otterndorf. 4 Videos der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, je ca. 10-15 min.

An jedem Freitag findet von 8 bis 12.30 Uhr vor der Kirche auf dem Kirchplatz der Wochenmarkt statt. In den Sommermonaten gibt es um 10 Uhr eine 20-minütige Musik zur Marktzeit in der Kirche.

Kranichhaus mini|hochkant|Kranichhaus Das Kranichhaus Otterndorf, im Kern in Fachwerk stammt im ältesten Teil (Vorhaus) von 1696. Der barocke Steingiebel mit dem Kranich wurde 1764 durch Elisabeth Radiek gebaut. Der große Speicher (Hinterhaus) entstand 1735. Heute ist hier das Museum des alten Landes Hadeln untergebracht. Es zeigt das großbäuerliche und bürgerliche Leben auf dem Lande bis um 1850.Rudolf Lembcke: Das Kranichhaus in Otterndorf: Historisches Wohn- und Geschäftshaus, Baudenkmal, Kulturinstitut. Kranichhaus-Gesellschaft 1983.

Die Kranichhaus-Gesellschaft (400 Mitglieder) wurde 1957 gegründet, um zusammen mit dem Landkreis Cuxhaven das Haus zu erhalten.

Rathaus mini|hochkant|Rathaus Otterndorf