mini|Sudanesischer Militärhubschrauber Mil Mi-24 und Panzer am Flughafen Khartum 2006 Die Sudanesischen Streitkräfte (, , kurz SAF) sind das Militär des Sudan. Es herrscht eine ein- bis zweijährige Wehrpflicht für alle Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 33 Jahren. Die Streitkräfte bestehen aus den Teilstreitkräften Heer, Luftwaffe und Marine; außerdem sind zahlreiche paramilitärische Einheiten vorhanden. Da der Sudan seit 1989 von einer Militärregierung geführt wird, haben die Streitkräfte großen Einfluss in der nationalen Wirtschaft und Politik. Traditionell ist das Militär im Sudan eine prägende Kraft, das seine Tradition aus dem zeitweise erfolgreichen Mahdi-Aufstand im 19. Jahrhundert bezieht. International berüchtigt und von vielen Staaten geächtet sind die Streitkräfte des Sudan für die zahlreichen ihnen zur Last gelegten Menschenrechtsverletzungen.

Militärhilfe erhält die Volksarmee des Sudan vor allem mit der Volksrepublik China und Saudi-Arabien,Sudan, Saudi Arabia hold joint military discussions Sudan Tribune 26. Dezember 2016 sowie von Russland und Belarus. Die bis dahin enge Partnerschaft zur Islamischen Republik Iran wurde 2015 aufgegeben.

Gegen den Sudan sind Wirtschaftssanktionen westlicher Länder in Kraft, da das Land ab 1993 auf der von den USA geführten Liste der Terrorismus unterstützenden Staaten stand; dies wirkte sich auch auf die Rüstungskäufe aus. Zudem besteht gegen den Sudan wegen des Darfur-Konflikts ein UN-Waffenembargo für Waffen, die in Darfur eingesetzt werden könnten.Waffen aus China und Russland schüren Darfur-Konflikt Amnesty Bericht, 2012 2020 wurde das Land von den USA von der Liste der terrorunterstützenden Staaten genommen.

2020 lagen die Ausgaben für die Armee bei rund 934 Mio. US-Dollar. In den letzten Jahren kam es zu verstärkten Einsätzen der Armee im Ausland, wobei der Vorwurf im Raum steht, dass der Sudan seine Soldaten als Söldner vermietet. So soll der Sudan 2012 2,2 Mrd. US-Dollar für den Einsatz seiner Armee im Jemen erhalten haben.

Geschichte Im Jahre 1925 gründeten die Briten als Kolonialmacht im anglo-ägyptischen Sudan die Sudan Defence Force als Keimzelle des sudanesischen Militärs. Seit der 1. Januar 1956 ausgerufenen Unabhängigkeit des Sudan spielte das Militär eine entscheidende Rolle in der Politik des Landes. Die heutigen Sudan People's Armed Forces wurden nach dem Militärputsch von General Umar al-Baschir 1989 offiziell im Jahre 1990 neu gegründet und unterstehen dem Präsidenten.

Der deutsche Verteidigungsminister Franz Josef Strauß (CSU) wollte den Einfluss der damals noch jungen DDR in den Ländern Afrikas eindämmen. Er startete 1961 deutsche Rüstungshilfen für die SPAF und das pro-westliche Regime im Sudan. Heckler&Koch lieferte 30.000 G3-Sturmgewehre, mehrere tausend MP5-Maschinenpistolen und HK21-Maschinengewehre. Dazu wurden MG3-Maschinengewehre von Rheinmetall und Mercedes-LKWs in den Sudan geliefert. Die Bundesrepublik förderte den Aufbau einer Munitionsfabrik durch die bundeseigene Fritz Werner AG. Diese Waffen sind bei der sudanesischen Armee teilweise noch im Einsatz und tauchten im Krieg im Jemen ab 2015 ebenfalls wieder auf.

Nach jahrzehntelangem Sezessionskrieg im Südsudan von 1955 bis 1972 und noch einmal von 1983 bis 2005 wurde im Jahre 2005 die autonome Region Südsudan gebildet. Am 9. Juli 2011 wurde Südsudan unabhängig. Die Unabhängigkeitserklärung wurde vom Sudan am 8. Juli anerkannt. Am 4. Februar 2012 meinte der damalige sudanesische Präsident al-Baschir, dass ein Krieg zwischen den beiden Staaten möglich sei.http://de.euronews.net/2012/02/04/sudan-sieht-moeglichen-krieg-mit-suedsudan/ Am 11. Februar unterzeichneten beide Staaten in Addis Abeba einen Nicht-Angriffspakt. Jedoch werden immer wieder neue Angriffe gemeldet. Die Vereinten Nationen und die USA forderten ein Ende der Gewalt. Am 12. April 2012 erklärte die sudanesische Regierung, alle Verhandlungen mit „dem Feind“ abzubrechen und beschloss die Generalmobilmachung. Seither gibt es immer wieder kleinere Auseinandersetzungen. Die Konflikte konnten später mit Ausnahme des Status des umstrittenen Abyei beigelegt werden. Im Zuge der Unruhen im Südsudan begannen wieder Verhandlungen mit dem Sudan, bei denen al-Baschir die Bildung gemeinsamer Armeeeinheiten vorschlug.

Das Regime von al-Baschir vermittelte iranische Raketen an die Hamas im Gazastreifen. Auch wurde die Lord’s Resistance Army in Uganda militärisch unterstützt.

2019 setzte die Armee den langjährigen Präsidenten und Oberbefehlshaber Umar al-Baschir ab und übernahm selbst die Staatsführung, nach eigenen Angaben für eine zweijährige Übergangsphase. Das Militär wurde durch von Veteranen der al-Bashir’s Regierung gestützt, die nach 2020 eine Amnestie erhielten und in die zivile Regierung integriert wurden.

Seit einem neuerlichen Putsch des Militärs ist Oberbefehlshaber General Abdel Fattah al-Burhan de facto Präsident des Landes.

2023 forderten Teile der Bevölkerung die Rückgabe lukrativer wirtschaftlicher Beteiligungen des Militärs in Landwirtschaft, dem Handel und verschiedenen Industrien des Landes. Zudem forderten zivile Kräfte, die Kontrolle über das Militär wieder zu erlangen und die Integration der mächtigen ehemaligen Milizen, die später als RSF agieren in die reguläre Armee. Am 15. April 2023 griffen Truppen der RSF unter Mohammed Hamdan Daglo, insbesondere in der Hauptstadt Khartum strategisch wichtige Ziele an. Daraufhin brachen an vielen Orten Kämpfe zwischen den Streitkräften und der RSF aus.

Einsätze Sezessionskrieg im Südsudan Libysch-Tschadischer Grenzkrieg Konflikt im Ostsudan Darfur-Konflikt „Operation Infinite Reach“ (Angriff der USA) Zweiter Kongokrieg Kämpfe um Abyei 2011 Bürgerkrieg in Libyen 2011Sudan militarily backs Libyan rebels Kampf um das Ölfeld Heglig 2012 Bürgerkrieg im Südsudan seit 2013Sudan and S. Sudan agree to protect oilfields Al Jazeera 2014 Krieg im Jemen seit 2015 Krieg im Sudan (seit 2023)

Gliederung Die Masse der SAF umfasst 14 Brigaden, (12 Infanterie- sowie je eine mechanisierte und Luftlandebrigade) und bildet 6/7 Infanterie- und eine Panzerdivision. Sie sind in den fünf Wehrbereichen Khartum (Khartum), Khashm al Quirbah (Ostregion), al-Faschir (Westregion/Darfur), Schandi (Nordregion), Port Sudan (Rotes Meer) stationiert. Eine 6. Infanteriedivision war im Südsudan stationiert und bildete den Wehrbereich in Juba. Diese Division wurde in Darfur im Zuge des Darfur-Konfliktes neu aufgestellt und ist nun in al-Faschir stationiert. Eine weitere Infanteriedivision wurde in Darfur neu gebildet und ist in Nyala stationiert. Zwei Panzerbrigaden und ein Aufklärungsbataillon bilden die in Khartum stationierte 7. Panzerdivision.

1. Infanteriedivision, al-Faschir/Darfur 2. Infanteriedivision, Khashm al Qirbah, Ostregion 3. Infanteriedivision, Nordsudan 4. Infanteriedivision, Zentralsudan 5. Infanteriedivision, al-Ubayyid, Südregion 6. Infanteriedivision, al-Faschir/Darfur 7. Panzerdivision, Khartum 16. Infanteriedivision, Nyala/Darfur

Zusätzlich sind in Khartum drei bis fünf Brigaden stationiert, die eine mobile Reserve bilden. Des Weiteren sind seit 2014 eine unbekannte Anzahl von Soldaten wieder im Südsudan stationiert, die zusammen mit den Streitkräften des Südsudans die Ölfelder vor den Bürgerkriegswirren schützen sollen. Seit der Unabhängigkeit des Südsudan 2011 wird die Ölproduktion des Südsudan gemeinsam von beiden Ländern verwaltet, da die einzige Pipeline aus dem Südsudan nach Port Sudan führt und daher beide Staaten wirtschaftlich aufeinander angewiesen sind.

Am 1. April 2015 gab al-Baschir bekannt, dass sich der Sudan mit drei Suchoi-Su-24-Bombern bei der Militärintervention im Jemen beteiligen werde. Neben Flugzeugen erklärte al-Baschir zudem, dass der Sudan auf Wunsch auch eine Infanteriedivision bereitstellen werde.Sudanese planes pound Houthi targets in Yemen Sudan Tribune, 1. April 2015 Die ersten Bodentruppen erreichten schließlich im Oktober 2015 den Jemen.Keine Kubaner in Syrien, aber Sudanesen im Jemen Standard 19. Oktober 2016Saudi-Arabiens Krieg mit dem Scheckbuch Spiegel.online 19. Oktober 2016Sudan sends ground troops to Yemen to boost Saudi-led coalition. Reuters 18. Oktober 2016 Seitdem sind eine unbekannte Anzahl von sudanesischen Soldaten im Jemen stationiert.

Dem Wehrbereich Khartum sind zudem die Republikanische Garde unterstellt. Dem Generalstab der SPAF direkt unterstellt ist der militärische Geheimdienst. Ebenfalls dem Generalstab untergeordnet sind die fünf Wehrbereichskommandos, selbstständige Heeresverbände und die Kampftruppen. Das Heer hat keine eigenen Führungsstäbe, sondern untersteht dem Generalstab der SPAF. Ebenfalls dem Generalstab unterstellt sind die Zentralen Militärischen Dienststellen. Sie nehmen Führungs- und Unterstützungsmaßnahmen wahr und erfüllen ihre Aufträge durch Schaffung von Grundlagen (z. B. auf Gebieten der Nachwuchswerbung, Ausbildung, Kostenrechnung, Fernmeldewesen) und unterstützen die Truppe durch besondere Dienststellen (z. B. Logistik, Artilleriewesen, Entwicklung von Waffen und Gerät). mini|Hongdu JL-8 der sudanesischen Luftwaffe starten vom Militärflugplatz Bur Sudan Zusätzlich unterstützen die SPAF mehrere zehntausend Kämpfer irreguläre Truppen in den verschiedenen Konflikten, wobei gerade die Dschandschawid (Rapid Support Forces) bekannt wurden. Gerade diese irregulären Streitkräfte des Sudans werden für schlimmste Kriegsverbrechen in Darfur und im Südsudan verantwortlich gemacht, etwa Massenexekutionen, Vergewaltigungen, Vertreibungen, Zerstörung von Dörfern und ethnische Säuberungen.

Ausbildung Bei der Ausbildung orientiert sich die SAF im Wesentlichen am britischen und ägyptischen Vorbild. Führende Ausbildungsstätten sind die Sudanesische Militärschule in Wadi Sayedna, die höhere Militärakademie sowie die Stabsschule in Omdurman. Truppenschulen befinden sich in Karima (Infanterie) und Ash Shaajara (Panzer). Darüber hinaus unterhält jedes Korps noch ein eigenes Ausbildungszentrum, beispielsweise die Artillerieschule in Atbara. Jedes der fünf Wehrkreiskommandos ist verpflichtet, den erforderlichen Nachwuchs aus der eigenen Region zu rekrutieren.

Islamistische Tendenzen Die SAF ist von dschihadistischen Fraktionen im Sudan beeinflusst. Einige führende SAF Generäle stehen der Al-Bara-Bin-Malik-Brigade, dem lokalen militärischen Arm der Muslimbruderschaft, der Bunyan-Al-Marsous-Brigade und den Rebellen der Justice and Equality Movement unter der Führung des Finanzminister Jibril Ibrahim nahe. Diese Gruppen kooperierten zuvor mit Bashirs rücksichtslosem Nationalen Geheimdienst und Sicherheitsdienst, stellen ihren Kampf als „Dschihad“ gegen die von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützten RSF dar.

Chinesische Unterstützung

Die Zusammenarbeit Sudan-Volksrepublik China ist in den letzten Jahren trotz des Darfur UN-Embargos intensiver geworden. Der damalige chinesische Verteidigungsminister Cao Gangchuan bestätigte 2007 die militärischen Beziehungen zwischen beiden Ländern „in jedem Bereich zu vertiefen“ zu wollen.

Zwischen 1985 und 1989 betrugen die Waffenlieferungen 50 Mio. US-Dollar. Nach der Machtübernahme al-Baschirs 1989 betrug 1990 das Volumen bereits 400 Mio. US-Dollar. 1991 verkaufte China an den Sudan Waffen im Wert von 300 Mio. Dollar. 1996 betrug das Volumen 200 Mio. Dollar. Anschließend verhinderte die Volksrepublik als UNO-Vetomacht ein komplettes Waffenembargo gegen den Sudan.