Eesti Laul (deutsch: Estnisches Lied) ist der estnische Vorentscheid für den Eurovision Song Contest. Seit 1993 wird er regelmäßig ausgetragen, seit 2009 unter diesem Namen. Bis 2008 nannte sich der Vorentscheid Eurolaul, gleichbedeutend mit dem estnischen Namen für den Eurovision Song Contest. Verantwortlich für die Austragung ist der öffentlich-rechtliche Fernsehsender Eesti Televisioon (ETV).
Format Eurolaul (1993 bis 2008) Der estnische Vorentscheid zum Eurovision Song Contest wurde von 1993 bis 2008 jedes Jahr im Januar, Februar oder März in der estnischen Hauptstadt Tallinn durchgeführt. Zwischen acht und zehn Kandidaten treten dabei gegeneinander an; nur 1996 waren dreizehn Teilnehmer am Start. Von 1993 bis 2003 wurde der estnische Beitrag von einer internationalen Jury ausgewählt. Die Bevölkerung hatte jedoch die Möglichkeit, die Jury mittels Televoting zu beraten. Lediglich in den Jahren 1998, 2000 und 2001 folgte die Jury der Publikumsempfehlung. 2002 nahm die Deutsche Julia Hillens für den estnischen Produzenten Vahur Valgmaa am Vorentscheid teil, wo die Hamburgerin den sechsten Platz errang. 2004 und 2005 ging ETV zum reinen Televoting über. 2006 wurde wieder das vorherige Auswahlsystem angewandt. 2007 und 2008 wurde ein relativ kompliziertes System des Televotings verwendet.
Eesti Laul (seit 2009) Nachdem sich Estland von 2004 bis 2008 nicht für das Finale des Eurovision Song Contest qualifizieren konnte, entschied sich ETV dazu, dass der Eurolaul durch eine neue Vorentscheidung ersetzt werden soll. Seither findet regelmäßig im Februar und März des jeweiligen Jahres die Sendung Eesti Laul statt. Das System ist dabei zum Großteil stets ähnlich geblieben, allerdings wurde die Teilnehmerzahl und die Abstimmung teils leicht modifiziert über die Jahre.
Finale mit Superfinale (2009 und 2010) 2009, beim Debüt des Eesti Laul, gab es lediglich eine Sendung mit zehn Beiträgen. Zu je 50 % wählte dabei eine Jury und das Televoting zwei Superfinalisten aus. Im Superfinale wurde der spätere Sieger zu 100 % über das Televoting bestimmt. Auch 2010 fand dieses System Anwendung.
Zwei Halbfinale und Finale mit Superfinale (seit 2011) 2011 wurde die Teilnehmerzahl erhöht und insgesamt 20 Beiträge nahmen am Eesti Laul 2011 teil. Diese wurden auf zwei Halbfinals verteilt. Zu je 50 % wählten sowohl die Zuschauer als auch die Jury je fünf Finalisten pro Halbfinale aus, so dass im Finale 10 Beiträge gegeneinander antreten. Dort entschieden dann, wie schon 2009 und 2010, zu gleichen Teilen die Jury sowie die Zuschauer die zwei Superfinalisten. Im Superfinale entschied dann wieder alleinig das Televoting den Sieger. Bis 2014 wurde das System dann genauso weiter verwendet.
2015 wurde das Superfinale lediglich um einen Teilnehmer erweitert, so dass nun drei Beiträge im Superfinale gegeneinander antraten. 2017 folgte dann eine Änderung, die nur das Halbfinale betraf. Von nun an wurden im Halbfinale zwei Abstimmungsrunden durchgeführt. In der ersten Runde bestimmen zu gleichen Teilen Jury und Zuschauer vier Finalisten. In einer zweiten Abstimmungsrunde, wo die verbleibenden sechs Beiträge zur Wahl stehen, entscheiden dann lediglich die Zuschauer den fünften Finalisten.
2019 wurde dann das Teilnehmerfeld erstmals seit 2011 erweitert. Von nun an nehmen 24 Teilnehmer am Eesti Laul teil. Diese werden auf zwei Halbfinale mit je 12 Beiträgen verteilt. Je sechs Beiträge pro Halbfinale qualifizieren sich nun für das Finale. Dabei bleiben auch die zwei Abstimmungsrunden bestehen. In der ersten Runde entscheiden weiterhin zu gleichen Teilen Zuschauer und Jury über vier Finalisten. In einer zweiten Abstimmungsrunde entscheiden alleinig die Zuschauer zwei weitere Finalisten. Im Finale treten somit seither 12 Interpreten an. Die Zuschauer und Jury bestimmen dann zu je 50 % drei Superfinalisten. Im Superfinale entscheiden dann weiterhin die Zuschauer den Sieger. Dieses System wird seit 2019 nun jedes Jahr verwendet.
Erfolg beim Eurovision Song Contest Die Vorentscheidung Eurolaul war lange Zeit sehr erfolgreich. So verpasste Estland damit zwar 1993 die Teilnahme am Finale des ESC und landte 1994 auf dem vorletzten Platz, allerdings konnte die Sendung ab 1996 einige Erfolge verbuchen. So erreichte Estland zwischen 1996 und 2003 sechs von acht möglichen Platzierungen unter den besten zehn, darunter ein Sieg (2001) und ein dritter Platz (2002). Nach Platz 21 2003, endete der Erfolg der Vorentscheidung 2004. Denn dort musste Estland im Halbfinale antreten und verpasste die Finalqualifikation knapp mit Platz 11 im Halbfinale. Von 2005 bis 2008 wurde dann jedes Jahr recht deutlich das Finale verpasst und der Erfolg der Sendung war somit vorbei.
2009 führte ETV dann nach den erfolglosen Jahren von 2005 bis 2008 die Vorentscheidung Eesti Laul ein. Bei deren Debüt konnte Estland sich erstmals über das Halbfinale für das Finale qualifizieren. Somit erreichte Estland erstmals das Finale seit 2003 und holte im Finale dann die beste Platzierung seit 2002 mit Platz 6. 2010 endete der Erfolg aber schon wieder, das Land verpasste den Finaleinzug. Von 2011 bis 2013 schaffte Estland sich dann drei Jahre in Folge für das Finale zu qualifizieren. 2011 wurde das Land dabei aber nur Vorletzter, 2013 wurde Platz 20 erreicht. 2012 hingegen wurde das Ergebnis von 2009 mit Platz 6 wiederholt. 2014 wurde dann die Finalqualifikation erstmals seit 2010 verpasst. 2015 wurde dann wieder das Finale erreicht und mit Platz 7 sprang eine weitere gute Platzierung heraus. 2016 und 2017 wurde dann erstmals seit Einführung des Eesti Lauls zwei Jahre in Folge der Finaleinzug verpasst. 2018 wurde dann das Finale wieder erreicht und es gab mit Platz 8 eine weitere gute Platzierung. Auch 2019 gelang der Finaleinzug, am Ende stand Platz 20 zu Buche.
Insgesamt war Estland also am erfolgreichsten mit dem Eurolaul (ein Sieg, ein dritter Platz), allerdings stehen dem Erfolg der Sendung zwei vorletzte Plätze (1994, 2008) gegenüber sowie vier verpasste Finaleinzüge. Mit dem Eesti Laul konnte Estland aber auch Erfolge verbuchen. Bei elf Teilnahmen mit dem Eesti Laul wurde vier Mal das Halbfinale verpasst, aber auch vier Platzierungen unter den besten Zehn erreicht. Auffällig ist dagegen, dass mit dem Eesti Laul Estland entweder unter die besten Zehn kommt, sich nicht qualifiziert oder auf den hinteren Rängen landet. Platzierungen im Mittelfeld hat Estland in seiner ESC-Geschichte aber sowieso nur ein Mal erreicht und zwar 1998 mit Platz 12.
Wiederkehrende Teilnehmer
Einige Teilnehmer des Eesti Lauls sind in mehreren Jahren angetreten.
Rolf Roosalu war fünfmal hintereinander dabei (2008 bis 2011 als Solokünstler, 2012 mit der Formation Pop Maniacs). Er erreichte dabei nie den ersten Platz.
Laura Põldvere trat als Laura in den Jahren 2005, 2007, 2009 und 2016 an und war auch mit ihrer Band Suntribe im Jahr 2005 dabei.
Die Gruppe Traffic war schon fünfmal beim Eesti Laul vertreten (2009, 2012, 2014, 2020 und 2022). Kristjan Kasearu war gleich zweimal im Jahr 2007 dabei und auch im Jahre 2008.
Die estnische Sängerin Maarja trat 2002, noch vor der Gründung ihrer Band, mit A Dream beim Vorentscheid auf und war ein Jahr später mit der Gruppe Vanilla Ninja und dem Titel Club Kung Fu wieder dort.
Die Sängerin Violina war auch schon zweimal beim Eesti Laul. Im Jahr 2010 sang sie mit Rolf Roosalu, 2012 mit Birgit Õigemeel. Auch Õigemeel war bereits dreimal dabei. Zuerst im Jahre 2008 mit dem Titel 365 Days, 2009 als Jurymitglied und 2012 mit dem Song You’re Not Alone.
Die Sängerin Ines war in den Jahren, in denen sie gewann, nämlich 2000, 2001, 2006 und 2007, ebenfalls beim estnischen Vorentscheid beteiligt und moderierte in den Jahren 2005 und 2008 den Eurolaul. Auch 2025 moderierte sie den Eesti Laul. Außerdem war sie 2010 Jurymitglied.
Die Band Glow war 2005 gleich zweimal am Vorentscheid beteiligt und trat auch 2006 wieder auf. Die Gruppe Paradise Crew war 2007 und auch 2008 dabei. Deva Deva Dance waren 2005 und auch 2007 beim Vorentscheid dabei.
Marko Reikop arbeitete insgesamt 16-mal, von 1996 bis 2008 und 2013 bis 2015, als Moderator des Vorentscheides. Ott Sepp fungierte als Co-Moderator bereits in den Jahren 2010 und 2011. Mimicry traten 2010 und 2011 beim Vorentscheid auf. Slobodan River standen 2003 und 2004 auf der Bühne des Eurolauls. Soul Militia waren auch schon zweimal dabei (2001 und 2007). Maian Kärmas nahm 2000 gleich mit zwei Titeln am Vorentscheid teil, belegte aber nur die Plätze vier und fünf. 2001 schaffte sie es auf Platz sechs.
Gerli Padar nahm bislang fünfmal am Vorentscheid teil. 1999 (Platz 10), 2002 (Platz 3), 2006 als Moderatorin, 2018 und 2007 als Siegerin mit dem Song Partners in Crime. Maiken war zweimal beteiligt. Ihren ersten Auftritt hatte sie im Jahr 1999; ihren bislang letzten 2003. Ivo Linna hatte seinen Debütauftritt beim Vorentscheid im Jahre 1998. Vier Jahre danach, 2002, trat er wieder an. Koit Toome war viermal am Eurolaul (Eesti Laul) beteiligt. 1997 stand er als Code One auf der Bühne. 1998 gewann Toome mit Mere lapsed. 2003 und 2007 nahm er wieder teil. Anu Välba fungierte 1997, 1998 und 2013 als Co-Moderatorin neben Marko Reikop.
Maarja-Liis Ilus nahm bislang sechsmal am Vorentscheid teil. 1996 nahm sie mit verschiedenen Interpreten zweimal am Vorentscheid teil. 1997 gewann sie den Eurolaul, stand aber auch gemeinsam mit Hanna-Liina Võsa und Anne Värvimann zusammen auf der Bühne. 2004 nahm sie wieder teil, ehe sie dann 2007 als Co-Moderatorin fungierte. Die Sängerin Kate trat viermal hintereinander an. Von 1997 bis 2000 nahm sie an der nationalen Vorentscheidung teil.
Die estnische Girlgroup Vanilla Ninja trat 2003 mit Club Kung Fu und 2007 mit Birds of Peace beim Eesti Laul auf. Beim Eesti Laul 2026 trat die Band wiedervereint mit dem Song Too Epic to Be True an und gewann den Vorentscheid. Die Frontfrau der Band, Lenna Kuurmaa, war 2010 mit Rapunzel, 2012 mit Mina jään, 2014 mit Supernoova und 2017 mit Slingshot dabei und moderierte zusammen mit ihrer Vanilla-Ninja-Bandkollegin Piret Järvis den Eesti Laul 2011. Järvis wiederum war 2010 mit der Band Disko 4000 und dem Song Ei Usu dabei. Außerdem moderierte sie die Vorentscheidung mit Kuurmaa 2011 und im Jahr 2012 mit Tiit Sukk und Taavi Teplenkov.
Ollie war fünf Mal beim Eesti Laul vertreten, davon einmal als Co-Autor und einmal als Backgroundsänger. Bisher konnte er jedoch noch keinen Erfolg feiern. Er war Co-Autor des Liedtextes für Pretty Little Liar, das von Uku Suviste beim Eesti Laul 2019 aufgeführt wurde, und nahm als Backgroundsänger für Mariliis Jõgeva am Halbfinale des Eesti Laul 2020 teil. Beim Eesti Laul 2023 trug Ollie den von ihm selbst geschriebenen Song Venom vor und belegte den zweiten Platz hinter dem von Alika gesungenen Song Bridges. Er nahm am Eesti Laul 2024 mit dem von ihm selbst geschriebenen Lied My Friend teil und belegte den zweiten Platz hinter dem Lied (Nendest) narkootikumidest ei tea me (küll) midagi, das von 5miinust und Puuluup gesungen wurde. Im Jahr 2026 nahm er mit dem Lied Slave am Eesti Laul 2026 teil und belegte den dritten Platz hinter NÖEP und Vanilla Ninja.
Stig Rästa nahm insgesamt elf Mal am Eesti Laul teil und konnte den Wettbewerb 2015 zusammen mit Elina Born und dem von ihm selbst geschriebenen Song Goodbye to Yesterday (dt.: Abschied von gestern) gewinnen. Außerdem nahm er fünf Mal mit der Band Traffic (2009, 2012, 2014 und 2020), zweimal mit Slobodan River (Eurolaul 2003 und 2004) und 2026 mit Victor Crone unter dem Namen Stockholm Cowboys teil. Er trat beim Eesti Laul 2018 allein mit dem Lied Home an, das den zweiten Platz im Wettbewerb belegte. Er nahm mit dem Lied Interstellar am Eesti Laul 2022 teil und erreichte im Finale den 9. Platz.
Elisa Kolk, bekannt unter ihrem Künstlernamen ELYSA, nahm schon vier Mal an Eesti Laul teil: 2015, 2022, 2023 und 2025. Sowohl 2015 und als auch 2022 erreichte sie den dritten Platz.