Walluf ist eine Weinbaugemeinde im Rheingau-Taunus-Kreis in Hessen. Die Gemeinde liegt im Walluftal am Südhang des Taunus und am nördlichen Ufer des Rheins. Walluf ist die östlichste Gemeinde des Rheingaus.

Geografie Gemeindegliederung Walluf besteht aus den Ortschaften und Gemarkungen Nieder- und Oberwalluf.

Nachbarorte Walluf grenzt im Norden und Osten an die kreisfreie Stadt Wiesbaden mit den Ortsteilen Frauenstein und Schierstein und im Westen an die Stadt Eltville am Rhein. Im Süden bildet der Rhein die Grenze zur rheinland-pfälzischen Gemeinde Budenheim.

Lage Walluf liegt im Rheingau, im Rhein-Main-Gebiet, direkt westlich angrenzend an die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden.

Oberflächengewässer und Feuchtgebiete Walluf liegt am Nordufer des Rheins. Der Rhein ist das dominierende Oberflächengewässer in Walluf und der ganzen Region und hydrologisch auf mehreren Ebenen prägend: Risiken hinsichtlich Hoch- und Niedrigwasser, Grundwasserstände, Ökologie, Ökonomie und Wasserver- / bewirtschaftung.

Der Ortskern von Niederwalluf wurde in der Vergangenheit mehrmals von starken Hochwassern überflutet. Die höchsten Pegelstände wurden im Januar 1995, im Februar 1970 und im März 1988 erreicht. Die nahe am Rhein gelegenen Wohnhäuser konnten tagelang nur über provisorisch errichtete Stege und mit Schlauchbooten erreicht werden. Größere Bereiche nördlich des Rheinufers in Walluf sind als Überschwemmungsgebiete ausgewiesen.

Eine weitere zentrale Rolle spielt die Walluf (oder Wallufbach), ein rechter Zufluss des Rheins. Seine Länge beträgt ca. 14 km und hat ein Einzugsgebiet von etwa 28 km². Sie entspringt im Hohen Taunus, bei rund 430– in der Nähe von Bärstadt und mündet in den Rhein auf ca. 80–.

In Walluf und Umgebung wurde die Renaturierung der Walluf begonnen, um den ökologischen Zustand zu verbessern, da frühere Verrohrungen und Befestigungen den natürlichen Flussverlauf und die Tierwanderung beeinträchtigten. Diese baulichen Eingriffe führten zu Ufererosion und beschleunigtem Abfluss. Zugleich besteht ein erhöhtes Risiko durch Starkregen und Hochwasser, das zu Überschwemmungen von Wegen, Grundstücken und Schutzgebieten führen kann. Einzelne Uferbereiche der Walluf innerhalb des Gemeindegebietes sind als Überschwemmungsgebiete ausgewiesen. Um Überschwemmungen entgegenzuwirken, wurden Hochwasserschutzmaßnahmen wie Kanalstauraum- und Pumpanlagen in Niederwalluf errichtet. Besonders sensible Bereiche wie die Niederwallufer Bucht sind bei Extremhochwasser gefährdet und waren in der Vergangenheit immer wieder überschwemmt.

Direkt zwischen Niederwalluf und Wiesbaden-Schierstein liegt das Naturschutzgebiet Niederwallufer Bucht (Kennung 1439041) am Rhein. Es ist eine Stillwasser-Zone des Rheins, die durch einen Leitdamm vom Hauptstrom getrennt ist. Das Gebiet ist ca. 13 Hektar groß und wurde 2000 als Schutzgebiet ausgewiesen. Es zählt zu den auenartigen Ufer- und Feuchtlebensräumen (Rheinufer, Weichholzauen), die als Brut-, Nahrungs- und Rastgebiet für Vögel sowie als Lebensraum für Fische und Amphibien dienen – typische Eigenschaften von Feuchtgebieten.

Weitere feuchte Lebensräume sind die Rhein-Auen und Flachwasserzonen entlang des Rheins rund um Walluf. Sie sind aufgrund ihrer Nähe zum Fluss saisonal feucht und ökologisch relevant. Auch wenn diese nicht als formale Feuchtgebiete ausgewiesen sind, gehören sie funktional zu den feuchten Überschwemmungs- und Auenbiotopen entlang des Flusses.

Die Walluf und ihre Mündung in den Rhein bilden lokal feuchte Bach- und Uferbereiche, die für Amphibien, Libellen und wassergebundene Arten wichtig sind, besonders wo renaturiert bzw. ökologisch aufgewertet wurde.

Untergrundverhältnisse Walluf liegt geologisch im Übergangsbereich zwischen dem Rheinischen Schiefergebirge (Taunus) und dem Mainzer Becken. Dadurch treffen dort alte metamorphe Gesteine und junge Sedimentablagerungen aufeinander. In den höheren Lagen treten Gesteine des Schiefergebirges auf, vor allem Tonschiefer, Phyllite und Serizitgneise. In den tiefer gelegenen Bereichen und Richtung Rhein dominieren tertäre Sedimente wie Sand-, Ton- und Mergelschichten, teilweise mit Kalkstein. Darüber liegen quartäre Ablagerungen: vor allem Löss und Lösslehm, die fruchtbare Böden bilden, sowie Terrassenkiese und Sande aus früherer Flusstätigkeit des Rheins. Insgesamt prägt die Kombination aus altem Schieferuntergrund und jüngeren Sediment- und Lössschichten die abwechslungsreiche Geologie und Bodenstruktur von Walluf.

Aus der Geologie, die für Walluf bekannt ist, könnten folgende typische Verhältnisse bestehen: Der obere Grundwasserleiter dürfte in den quartären Sedimenten (Lockersedimenten, Kies/Sand, Lösslehm etc.) liegen, also relativ flach unter der Geländeoberfläche – möglicherweise im Bereich von wenigen Metern bis wenigen Dutzend Metern, je nach Gelände und Hanglage. In tieferen Bereichen, wo tertiäre Sedimente vorkommen oder metamorphe Gesteine (Schiefer, Phyllit etc.), ist es möglich, dass Grundwasserleiter existieren, die tiefer liegen, aber oft mit geringerer Durchlässigkeit und/oder geringerer Mächtigkeit.

Geschichte mini|Ruine der Johanniskirche in Niederwalluf mini|Niederwallufer Ortszentrum

1932 wurden in unmittelbarer Nähe des sogenannten Johannisfeldes unterhalb der Ruinen der Johanniskirche die Überreste einer charakteristischen ottonischen Turmburg ausgegraben. Die Forschungen brachten zudem Spuren keltischer, römischer und karolingischer Siedlungen sowie einer Pfalz zutage. Keramikscherben belegen eine Besiedlung bereits in der Latènezeit (etwa ab 400 v. Chr.).

Walluf wurde 770 erstmals schriftlich als Waltaffa erwähnt. Seit dieser Zeit wird dort auch Weinbau betrieben, womit Walluf die älteste Weinbaugemeinde in der Weinbauregion Rheingau ist.

Die erste Erwähnung einer Kirche oder Kapelle stammt aus der Zeit des Mainzer Erzbischofs Willigis (975–1011). Die ursprüngliche Johanniskirche, heute nur noch Ruine, wurde um das Jahr 1000 erbaut. Möglicherweise bestand bereits 744 an dieser Stelle eine Kirche oder ein Baptisterium, da die Überlieferung den Ort als Stätte der Taufe des späteren Benediktinermönchs Gerhardus nennt, der dabei den Namen „Fidelis“ erhielt. Die Johanniskirche blieb bis 1719 Pfarrkirche von Walluf.

Der genaue Zeitpunkt der Errichtung der Wallufer Turmburg im heutigen Niederwalluf ist unbekannt; ihre Entstehung wird jedoch ebenfalls um das Jahr 1000 vermutet.

Im frühen Mittelalter war das Gebiet des heutigen Walluf politisch geteilt. Nur der westliche Teil der Siedlung in der Nähe der heutigen Pfarrkirche gehörte zum Rheingau und unterstand der Herrschaft des Erzbistums Mainz. Der größere Teil lag ursprünglich östlich des Wallufbachs und gehörte zum Königssondergau.

Später ging dieses Gebiet in den Besitz der Grafen von Lindau über. Hier begann das Rheingauer Gebück, die von den Mainzer Erzbischöfen angelegte Rheingauer Landwehr, die aus einer undurchdringlichen Hecke bestand. Durch den Ort Walluf führte einer der wichtigsten Wege in den Rheingau. Dessen Durchlass durch das Gebück bestand aus einer stark befestigten Toranlage, die wegen ihrer Form „Backofen“ genannt wurde. Daher bezeichnet sich Walluf noch heute als „Pforte des Rheingaus“.

Im 11. Jahrhundert entstand oberhalb des bereits bestehenden Ortes eine weitere Siedlung, die später eigenständige Gemeinde Oberwalluf. Der vermutlich ältere, am Rhein gelegene Ort wurde später Niederwalluf genannt; dokumentiert ist die Bezeichnung Nidenwaldoff aber erst seit 1304. Von Waldaffo Superior ist bereits seit dem Jahr 1211 die Rede.

Ursprünglich war der Ort östlich des Wallufbachs rings um die heutigen Ruinen der Johanniskirche und der Turmburg angesiedelt, scheint aber bereits im 12. Jahrhundert, vermutlich schrittweise, in den Schutz des Rheingauer Gebücks auf die westliche Seite verlegt worden zu sein. Damit wurde das spätere Niederwalluf Teil des kurmainzischen Rheingaus.

Nach der Erweiterung der vermutlich im 13. Jahrhundert errichteten Adelheidkapelle, der heutigen Pfarrkirche St. Johannes der Täufer, wurde diese 1314 geweiht. Sie weist gotische Fundamente auf. Seitdem verlagerte sich das religiöse Leben in die weiter westlich gelegene und zentral im Ort befindliche Kirche.

Das Rathaus der ehemals selbstständigen Gemeinde Oberwalluf wurde erstmals 1412 errichtet und 1616 neu aufgebaut. Es ist bis heute erhalten. An seiner Fassade befinden sich das Wappen von Oberwalluf – links das Mainzer Rad, rechts ein Schlüssel.

In Oberwalluf ist außerdem die Pfarrkirche St. Martin erwähnenswert, die seit 1803 das kostbare Bußgewand der heiligen Elisabeth von Thüringen besitzt.

Nach der Auflösung des Kurstaates ging der Ort 1803 an Nassau-Usingen über und gehörte zur Zeit des Herzogtums Nassau (1806–1866) zum Amt Eltville, später zum Rheingaukreis (1866–1976).

Die evangelische Heilandskirche wurde 1902 errichtet.

Während der NS-Diktatur unterhielt die Zahnfabrik Wilde aus Niederwalluf im Gasthof Grüner Wald in Oberwalluf ein Firmenlager für Zwangsarbeiterinnen. Am 1. April 1943 war das Lager mit 16 Frauen belegt.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten am 1. Oktober 1971 die beiden bis dahin eigenständigen Gemeinden Niederwalluf und Oberwalluf zur neuen Gemeinde Walluf.

Am 15. Dezember 1988 erschütterten schwere Gasexplosionen ein Wohngebiet des Ortes. Ursache war ein Gasaustritt aus dem Leitungsnetz, da infolge eines Schaltfehlers Gas unter zu hohem Druck aus dem Fernversorgungsnetz eingespeist wurde. Bei den Explosionen kamen zwei Menschen ums Leben, mehrere wurden verletzt. Rund 200 Einwohner mussten für einige Tage evakuiert werden.

Der Ortskern von Niederwalluf wurde mehrfach von starken Hochwassern überflutet. Die höchsten Pegelstände wurden im Februar 1970, im März 1988 und im Januar 1995 erreicht. Die nahe am Rhein gelegenen Wohnhäuser konnten tagelang nur über provisorisch errichtete Stege oder mit Schlauchbooten erreicht werden.

Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Walluf 5542 Einwohner. Darunter waren 359 (6,5 %) Ausländer, von denen 160 aus dem EU-Ausland, 130 aus anderen europäischen Ländern und 69 aus anderen Staaten kamen. (Bis 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 8,8 %.) Nach dem Lebensalter waren 933 Einwohner unter 18 Jahren, 2795 zwischen 18 und 49, 1231 zwischen 50 und 64 und 1284 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 2688 Haushalten. Davon waren 945 Singlehaushalte, 762 Paare ohne Kinder und 741 Paare mit Kindern, sowie 194 Alleinerziehende und 46 Wohngemeinschaften. In 549 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 1796 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung

Religionszugehörigkeit • 1987: 1762 evangelische (= 32,7 %), 2822 katholische (= 52,9 %), 778 sonstige (= 14,4 %) Einwohner • 2011: 1579 evangelische (= 28,5 %), 2076 katholische (= 37,5 %), 1888 sonstige (= 34,0 %) Einwohner

Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Walluf erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:

Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 44,1 11 39,1 10 51,0 13 41,7 12 38,9 11 39,0 12 BVW Bürgervereinigung Walluf 16,7 4 22,1 5 18,9 5 27,3 8 21,2 6 20,5 6 30,4 8 18,6 5 21,6 5 25,9 8 33,2 10 33,7 11 Wir Wir für Walluf – – 13,4 3 – – – – – – – – 8,9 2 6,8 2 8,5 2 5,1 1 6,7 2 6,8 2 Gesamt 100,0 25 100,0 25 100,0 25 100,0 29 100,0 29 100,0 31 Wahlbeteiligung in % 62,1 58,9 58,3 52,7 51,5 57,1 mini|Rathaus von Walluf (Foto: 2010)

Bürgermeister