Bokeloh ist ein Ortsteil der niedersächsischen Kreisstadt Meppen im Landkreis Emsland.
Ortsbeschreibung und Geschichte Bokeloh ist ein kleiner, idyllisch gelegener Ort an der Hase im Osten der Stadt Meppen. Fünf ehemalige Kirchpächterhöfe, hervorgegangen aus einem karolingischen Hof mit Eigenkirche, gruppieren sich um eine der ältesten Missionskirchen im Emsland aus luidgerianischer Zeit. Der Schutzpatron der Kirche, St. Vitus, weist auf die Zugehörigkeit der Kirche zum Kloster Corvey hin (seit 1037).Gerd Steinwascher: Klöster im Emsland vom Mittelalter bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. In: Annuntiata Bays, M. Gerharda Rekers, Franz Solan Nüßlein, Karl Schulte-Wess, Gerd Steinwascher: Von Klöstern und Klosterleuten. Orden wirken im Emsland. Emsländischer Heimatbund, Sögel 1999, ISBN 3-88077-082-4, S. 4–39, hier S. 6. Die Einweihung der Kirche erfolgte zwischen 978 und 996 unter dem Bischof Dodo II von Osnabrück.
Heute ist Bokeloh ein beliebter Ausflugsort für Radfahrer und Wassersportler. Das „Alte Gasthaus Giese“ ist ein bekanntes Ausflugslokal an der Hase.
Bokeloh wurde am 1. März 1974 in die Stadt Meppen eingemeindet. Im Jahr 2021 hatte Bokeloh 1247 Einwohner auf einer Fläche von 4,45 km².
Bokeloh stellt hinsichtlich des Grundbesitzes einen Sonderfall dar: Einer nicht gesicherten Überlieferung nach war der für die Säkularisation kirchlichen Besitzes in den napoleonischen Zeiten zuständige Sekretär beim Bischof von Osnabrück ein Cousin des damaligen Pfarrers von St. Vitus in Bokeloh. Ihm gelang es, die Akte Bokeloh so weit auf die „lange Bank“ zu schieben, bis diese für kirchlichen Besitz schwierigen Zeiten vorüber waren.
Auf diese Weise blieb aller Grund und Boden des Dorfes Bokeloh bis in die 1960er Jahre Eigentum der Kirchengemeinde, ganz im Gegensatz zu den direkt angrenzenden Flächen außerhalb der Ortsgrenzen wie in Hofe (die Höfe Jansen und Meyring) und Vormeppen (der Hof Wekenborg mit dem mittelalterlichen Burgwall Wekenborg). Erst dann konnten die Bürger des Dorfes die Grundstücke käuflich erwerben, auf denen ihre Häuser standen.
Da die übrigen Flächen weiterhin Eigentum der Kirchengemeinde sind, lässt sich auch ein späterer Vorgang erklären: Obwohl sich der Einwohnerzuwachs eher im nördlichen Dorf (Siedlung in Richtung Bundesstraße) ergab, bestand die Kirchengemeinde darauf, die St.-Vitus-Kirche zu vergrößern. Die im alten Dorfzentrum (Kirchberg) ansässigen landwirtschaftlichen Betriebe wurden ausgesiedelt, das alte Lehrerhaus abgerissen und an die Kirche ein moderner Neubau angefügt.
Der Maler Otto Pankok lebte in den Jahren 1938 bis 1941 in Bokeloh zurückgezogen mit seiner Familie, um dort ungestört von den Nationalsozialisten leben und arbeiten zu können. In der alten Dorfschule, die im Jahre 2002 saniert wurde, wird in einer Dauerausstellung an ihn erinnert.
Ortsvorsteher ist Hubert Kruse.
Namensherkunft Der Name Bokeloh ist zusammengesetzt aus dem Bestimmungswort boke (Buche) und dem Grundwort lo, loh auch la (Gehölz, Wald). Der Name bedeutet also Buchenwald.
Einwohnerentwicklung Jahr EinwohnerEinwohnerzahlen nach: G. Uelschen: Die Bevölkerung in Niedersachsen 1821–1961, Hannover 1966; Jahrbuch des Emsländischen Heimatbundes, Bd. 20, 1973 für 1971; www.meppen.de ab 2005 1749Emsland/Bentheim, Beiträge zur Geschichte, Band 10 94 1821 77 1848 83 1871 85 1885 81 1905 118 Jahr Einwohner 1925 143 1933 174 1939 213 1946 312 1950 320 1956 357 Jahr Einwohner 1961 413 1971 917 2005 1.235 2007 1.237 2021 1.247
Wirtschaft Nördlich der Bundesstraße 402 befindet sich ein Werk zur Herstellung von Spanplatten und mitteldichten Holzfaserplatten. Im Ortskern befindet sich die Gaststätte Giese (unterhalb der Kirche an der Hase). Im Juni 2008 wurde das Backhaus Café mit integriertem Kiosk eröffnet. Seit 2002 werden in der Galerie Atelierspuren internationale Künstler präsentiert.
Die Hase hatte früher einen anderen Verlauf und umschloss das Lager an den Seiten. Nur im Nordosten musste es durch zusätzliche Wälle und Gräben stärker gesichert werden.
Entdeckt wurde eine Wallanlage, die ein Quadrat mit einer Seitenlänge von rund 200 Metern bildete. Über den römischen Ursprung, und dass es sich um ein Marschlager gehandelt hatte, gab es bei den beteiligten Forschern keinen Zweifel, weil nicht nur die Art und Konstruktion der Wälle darauf hinwies, sondern auch ein mutmaßlicher römischer Heerweg in nur einem Kilometer Entfernung vorbeiführte.
Persönlichkeiten Ludger Abeln (* 1964), früherer Fernsehmoderator des NDR, aufgewachsen in Bokeloh
Trivia Aufgrund der künstlerischen Aufenthalte von Otto Pankok und dem heutigen Kulturangebot mit der St.-Vitus-Kirche, der Alten Schule mit Museum, dem Otto-Pankok-Malerweg und der Galerie Atelierspuren mit Skulpturengarten wird das idyllische Dörfchen Bokeloh auch gerne als das „Worpswede des Emslandes“ bezeichnet.
Weblinks Bokeloh auf www.meppen.de Galerie „Atelierspuren Kunst & Design“
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Emsland Kategorie:Ortsteil von Meppen Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Emsland) Kategorie:Gemeindeauflösung 1974