mini|Start des Farbfernsehens 1967 mini|Darstellung einer weißen „12“ auf schwarzem Hintergrund auf einem Fernseher; in der Nahaufnahme erkennt man die einzelnen Farben, aus denen die Zahlen zusammengesetzt sind. mini|Additive Farbmischung, wie sie beim Farbfernsehen angewendet wird mini|„Elektronenkanone“, ausgebaut aus einem Farbfernseher, links: Seitenansicht Vakuumdurchführung erkennbar, rechts: Frontansicht; man sieht die Austrittslöcher der drei Elektronenstrahlen, die die drei Farben ansteuern.
Als Farbfernsehen bezeichnet man eine Art des Fernsehens, bei der (im Unterschied zum Schwarz-Weiß-Fernsehen) nicht nur die Helligkeitswerte aufgenommen und wiedergegeben werden, sondern auch die Farben.
Geschichte Seit dem 18. Jahrhundert weiß man, dass sich wegen der Metamerie Licht von (fast) beliebigem Farbton durch additive Farbmischung synthetisieren lässt, indem man das Licht geeigneter Primärfarben (in der Regel Rot, Grün und Blau) je nach Bedarf gewichtet überlagert.
Fast gleichzeitig mit der Entwicklung des Fernsehens überhaupt experimentierte man auch mit dem Farbfernsehen. Bei den ersten Versuchen wurde entweder mit drei Kanälen gearbeitet, wo jeweils ein Bild in einer der drei Grundfarben übertragen wurde, oder der Übertragung mittels eines Kanals und schnell rotierender Farbfilter vor der Kamera und dem Empfänger. Hierbei musste allerdings eine wesentlich höhere Anzahl von Einzelbildern übertragen werden, damit der Eindruck eines flimmerfreien Bildes entsteht.
Das Prinzip der Bilderzeugung in einer Farbbildröhre wurde 1938 von Werner Flechsig patentiert. Der Mexikaner Guillermo González Camarena erfand 1940 ein System der Farbbildübermittlung. Dieses wurde 1977/79 in Voyager 1 eingesetzt. Das amerikanische Fernsehnetzwerk CBS stellte 1943 ein Farbfernsehsystem mit schnell rotierendem Farbfilter vor. Übertragen wurden Fernsehbilder mit nur 405 Zeilen und 144 Bildern pro Sekunde. Das Bild war zwar sehr gut, jedoch waren die Empfänger durch die sehr viel größere Farbfilterscheibe vor dem kleinen Bildschirm sehr klobig, laut und nicht kompatibel mit dem inzwischen eingeführten Schwarz-Weiß-System mit 525 Zeilen und 60 Halbbildern pro Sekunde. Im Oktober 1953 wurde schließlich in den USA die Ära regelmäßiger Farbübertragungen – jetzt mit einem zum Schwarz-Weiß-Betrieb kompatiblen System – eingeleitet. „Kompatibel“ bedeutet in diesem Fall, dass Farbsendungen auch mit herkömmlichen Schwarz-Weiß-Fernsehgeräten ohne große Qualitätseinbußen empfangen und – natürlich ohne Farbe – dargestellt werden konnten.
Farbfernseher blieben trotz der im Vergleich zu Europa wesentlich früheren Einführung auch in den USA lange sehr teuer, und bis in die späten 1960er Jahre wurde auch in den USA deutlich weniger als die Hälfte der Sendungen in Farbe übertragen. Die NBC zeigte jahrelang mehr Farbsendungen als die Konkurrenz von ABC und CBS, da die damalige NBC-Muttergesellschaft RCA auch der Haupthersteller von Farbfernsehgeräten war. Erst 1972 wurden in den USA erstmals mehr Farbfernsehgeräte als Schwarz-Weiß-Geräte verkauft.
Einführung des Farbfernsehens nach Ländern Bundesrepublik
Der Start des Farbfernsehens in der Bundesrepublik Deutschland erfolgte auf der 25. Großen Deutschen Funk-Ausstellung in West-Berlin am 25. August 1967 um 10:57 Uhr mit der Betätigung eines großen roten Tasters (der eine Attrappe war) durch Vizekanzler Willy Brandt. Dabei geschah ein kleines Missgeschick: Kurz bevor Brandt den Knopf drückte, schalteten die Techniker bereits das Farbsignal auf Sendung – man erklärte es anschließend mit einem sehr empfindlichen Taster. Allerdings war bereits im Vorfeld ausdrücklich ein symbolischer Tastendruck angekündigt worden,"Der Spiegel" vom 21. August 1967 und nur wenige Fernsehzuschauer konnten die Sendung tatsächlich schon in Farbe verfolgen, so dass die meisten Zuschauer den Patzer gar nicht bemerken konnten.
mini|Jährlich verkaufte Farbfernsehgeräte in der Bundesrepublik Deutschland 1967–1978 in Mio. Stück.
Um 9:30 Uhr übertrugen die Fernsehsender ARD und ZDF die Begrüßungsmoderation durch Edith Grobleben vom Sender Freies Berlin noch in Schwarz-Weiß, die Verabschiedung dann in Farbe. Ab 14:30 Uhr zeigten ARD und ZDF gemeinsam als Testsendung den französischen Spielfilm Cartouche, der Bandit mit den Hauptdarstellern Jean-Paul Belmondo und Claudia Cardinale. Am selben Abend zeigte das ZDF seine erste farbige Fernsehshow mit der 25. Ausgabe von Der goldene Schuß mit Vico Torriani; die ARD folgte einen Tag später um 16:30 Uhr mit einem Bericht von Gerd Ruge über die Expo 67 in Montréal und am Abend dem Galaabend der Schallplatte, präsentiert von Vivi Bach und Dietmar Schönherr.
In den Anfangsjahren wurden nur wenige Sendestunden pro Woche tatsächlich in Farbe gesendet, und noch über Jahre hinweg wurden weniger Farbfernseher als Schwarzweißgeräte verkauft.
Zum Start des Farbfernsehens 1967 brachte Körting bei Neckermann einen Farbfernseher Weltblick Color-Supermatic auf den Markt, ein Gerät mit der Lochmasken-Bildröhre A63-11X, 14 Elektronenröhren und 33 Transistoren mit Zwei-Trafo-Konzept. Der Einführungspreis von 1.840 DM lag unter dem seinerzeitigen allgemeinen Großhandelspreis der anderen Hersteller von etwa 2.000 DM inklusive Umsatzsteuer. Allgemein lag der Endverkaufspreis von Farbfernsehern in einer Zeit, als es noch Preisbindung gab, bei rund 2.400 DM.Industrie / Farbfernseh-Preisbindung: Schwarze Kanäle, Der Spiegel, 21. August 1967, S. 31. Zum Vergleich sei angemerkt, dass ein 1967 als „Sparkäfer“ vermarkteter VW 1200 für 4.525 DM angeboten wurde.Ulrich von Pidoll: , IG Historische VWs Braunschweig, abgerufen am 20. April 2011. Der Körting Farbfernseher wurde vom Fernmeldetechnischen Zentralamt (FTZ) der Deutschen Bundespost, seinerzeit unter anderem das Aufsichtsorgan für Rundfunk- und Fernsehtechnik, als Referenzgerät für die Einhaltung der Vorschriften ausgewählt. Eine Pionierleistung war auch, dass Körting bereits ab der zweiten Generation 1968 Steckmodule hatte.
Einen starken Kaufanreiz für Farbgeräte brachten die Olympischen Sommerspiele 1972 in München sowie die Fußball-Weltmeisterschaft 1974 in der Bundesrepublik Deutschland. Gemessen an heutigen Angeboten waren die Geräte vergleichsweise teuer: um 1975 kostete ein Farbfernseh-Tischgerät mit 66-cm-Bildschirm und Fernbedienung rund 2.000 DM, was aktuell einer Kaufkraft von € entspricht.Stand Januar .
In den ersten Jahren wurden den aufgrund der bedeutend höheren Kosten noch seltenen Farbproduktionen als Hinweis für die sogenannten Schwarz-Weiss-Seher und sicher auch als Kaufanreiz kurze Teaser vorangestellt.
Im ersten Programm der ARD öffnete sich 15 Sekunden lang auf schwarzem Hintergrund – von einer Orchesterfanfare aus Bläsern, Streichern und Harfe akustisch untermalt, komponiert von Klaus Doldinger – eine mehrschichtig ovale Farbrosettengrafik in Blütenoptik mit zum Ende hin dem zentralen weißen Schriftzug „in farbe“ auf blaugrünem Grund.
Im ZDF wurde, von Klängen einer Celesta untermalt, ein auf der Spitze stehender Glaswürfel vor weißem Hintergrund gezeigt, der sich in 25 Sekunden links herum einmal um die eigene Achse drehte, bevor er schließlich zum Stillstand kam. Dabei brach sich das Licht in ihm – wie in einem Prisma – und über die gesamte Zeit war das damalige ZDF-Logo in weiß darüber geblendet.
Die Tagesschau der ARD wurde erst ab 1970 in Farbe ausgestrahlt. Viele eingespielte Beiträge sowie Übertragungen aus dem Plenarsaal des Bundestages in Bonn erfolgten noch bis Ende der 1970er Jahre in Schwarz-Weiß. Adrian der Tulpendieb, gedreht 1966 mit Heinz Reincke in der Titelrolle, war die erste Fernsehserie, die in Deutschland – schon während des Versuchsprogramms – in Farbe ausgestrahlt wurde.
DDR Das Präsidium des Ministerrats der DDR hatte im Mai 1965 die Einführung des Farbfernsehens beschlossen und wenig später den Start des zweiten, farbtüchtigen Programmkanals auf den 3. Oktober 1969 festgelegt. Mit dem Start des zweiten Programms des Deutschen Fernsehfunks (DFF) und der gleichzeitigen Inbetriebnahme des Berliner Fernsehturms vier Tage vor dem 20. Jahrestag der Gründung der DDR wurde dort das Farbfernsehen eingeführt. Die technische Neuerung ging einher mit dem Wunsch nach einer reformierten Programmarbeit. Bereits 1967 hatte Werner Lamberz, Mitglied im Zentralkomitee der SED, dem DDR-Fernsehen „Schwächen in der Programmkomposition“ attestiert. Vier Jahre später wurde der neue Erste Sekretär des ZK der SED Erich Honecker deutlicher und forderte auf dem VIII. Parteitag, „die Programmgestaltung zu verbessern, eine bestimmte Langeweile zu überwinden, den Bedürfnissen nach guter Unterhaltung Rechnung zu tragen.“
Zur Farbübertragung wurde jedoch anders als in der Bundesrepublik das in Frankreich entwickelte und auch in der Sowjetunion benutzte SECAM-System verwendet. Damit war es zunächst prinzipiell nicht möglich, Farbsendungen aus dem jeweils anderen Teil Deutschlands in Farbe zu empfangen. Gegenseitiger Empfang in Schwarz-Weiß (Kompatibilität) blieb jedoch möglich.
Um in der Bundesrepublik Deutschland die DDR-Programme auch farbig sehen zu können, wurden bald von der Industrie PAL/SECAM-Decoder („DDR-Farbe“) zu Preisen von bis zu 300 DM (inkl. Einbau) angeboten. Auch in der DDR gab es in Form von „Bastellösungen“ und später auch Nachrüstsätzen relativ schnell Lösungen für dieses Problem. Ab 1976 wurden auch in der DDR Fernsehempfänger angeboten, die bereits ab Werk beide Normen empfangen konnten. Verwendet wurden Lizenzschaltkreise der MCA-Reihe, hergestellt von Tesla CSSR.
Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde in der Nacht vom 14. auf den 15. Dezember 1990 in der bisherigen DDR die Farbfernsehnorm von SECAM auf PAL umgestellt. Gleichzeitig damit begann hier die flächendeckende Ausstrahlung des ARD-Fernsehprogramms auf den bis dahin vom 1. Programm des DFF genutzten Frequenzen. Für die Farbwiedergabe auf älteren SECAM-Fernsehempfängern war von nun an ein PAL-Dekoder notwendig.
Österreich
Österreich entschied sich am 7. Februar 1967 für das deutsche PAL-System als technischen Standard. Die erste Farbfernsehsendung des Österreichischen Rundfunks war das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker vom 1. Januar 1969.
Schweiz Das FarbfernsehenJuri Jaquemet: Als das Fernsehen in der Schweiz farbig wurde Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 1. Oktober 2018 im Schweizer Fernsehen im PAL-System startete offiziell mit einem Festakt am 1. Oktober 1968 in Anwesenheit von Bundesrat Roger Bonvin und SRG-Generaldirektor Marcel Bezençon. Zuvor wurde am 29. August 1968 die Quiz-Sendung Dopplet oder nüt als Probelauf in Farbe ausgestrahlt. Viele Schweizer konnten das farbige Fernsehen aber nicht genießen, da zu diesem Zeitpunkt nur etwa ein Prozent der Fernsehgeräte Farbe wiedergeben konnten. Ein Farbfernseher kostete damals um 3'000 CHF, was drei Monatsgehälter oder halbsoviel wie ein neuer VW Käfer war. Anfänglich wurden sechs Stunden Farbfernsehen pro Woche ausgestrahlt, ähnlich wie in der Bundesrepublik Deutschland, wo die Einführung ein Jahr zuvor stattfand. In der französischsprachigen Schweiz brauchte man ein Fernsehgerät, das neben dem PAL-System auch mit der in Frankreich entwickelten SECAM-Fernsehnorm kompatibel war. Seit dem 1. März 1973 wird die Schweizer Tagesschau in Farbe gesendet.
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