Die Montafonerbahn ist eine normalspurige Nebenbahn in Österreich. Die 12,717 Kilometer lange Stichbahn verbindet seit dem 18. Dezember 1905 Schruns und das untere Montafon mit Bludenz, dort ist sie mit der Arlbergbahn und der Bahnstrecke Lindau–Bludenz verknüpft. Die Strecke ist als Linie „S 4“ der S-Bahn Vorarlberg in den Verkehrsverbund Vorarlberg integriert und befindet sich im Eigentum der Montafonerbahn AG. Sie fungiert sowohl als Eisenbahninfrastrukturunternehmen als auch als Eisenbahnverkehrsunternehmen. Von den Einheimischen wird die Strecke „Bähnle“ oder – in Anlehnung an die Betreibergesellschaft – „Mobah“ genannt. In Schruns, Tschagguns, Vandans und Bludenz besteht die Möglichkeit, in die Busse der Region umzusteigen. Depot, Werkstätte, Fahrdienstleitung, Fahrkartenschalter und Verwaltung befinden sich am bzw. im Bahnhof Schruns.
Geschichte Bereits 1869 gab es Pläne für eine Bahn unter dem Zeinisjoch als Alternativtrasse zur Arlbergbahn. Für diese „Zeynesjochbahn“ wurden noch 1872 Trassen- und Tunnelstudien vorgenommen, und der Professor für Geologie und Mineralogie in Wien, Gustav Adolf Koch, erstellte ein geologisches Gutachten. Doch die Streckenführung durch das Kloster- und Stanzertal erwies sich als vorteilhafter, denn die Bahn durch das Montafon hätte eine größere Streckenlänge, eine längere Bauzeit und ungünstigere klimatische und geologische Verhältnisse bedeutet.
Die Planungen für den Bahnbau im Montafon begannen mit der Eröffnung der Arlbergbahn im Jahr 1884. Maßgeblich an diesen Plänen beteiligt waren damals der Standesrepräsentant und Sternen-Wirt Jakob Stemer sowie der Mühlen-Besitzer Wilhelm Mayer.Montafoner Heimatbuch. Stand Montafon, 1974 1904 erwarb die in Gründung befindliche Montafonerbahn-Aktiengesellschaft das 1895 erbaute Litzkraftwerk.
Die Erbauer der Montafonerbahn erwogen damals auch eine Verlängerung der Bahn bis nach Davos, und auch von einer Zahnradbahn nach Gargellen sowie einem Oberleitungsbus nach Gaschurn war die Rede.
mini|links|Geschmückte Zuggarnitur zur Eröffnung am 18. Dezember 1905 im Bahnhof Schruns
Sie war eine der ersten elektrisch betriebenen Vollbahnen der österreichisch-ungarischen Monarchie. Heute ist sie – neben der nur noch im Gelegenheitsverkehr betriebenen Museumsbahn Wälderbähnle – die einzige Privatbahn im österreichischen Bundesland Vorarlberg. Im ersten Betriebsjahr beförderte das neue Verkehrsmittel fast 82.000 Personen. Während eines Hochwassers im Juni 1910 wurde mehr als die Hälfte der Bahnstrecke vernichtet – es kamen starke Regenfälle und die verspätete Schneeschmelze zusammen. Der Betrieb konnte erst im Oktober teilweise wiederaufgenommen werden, und zwischen Juli 1910 und September 1911 wurde ein Schienenersatzverkehr mit Pferdefuhrwerken zwischen Lorüns und St. Anton eingerichtet. ISBN 978-3-902225-21-4.
Durch die Elektrifizierung der Arlbergbahn musste 1924 die mit Gleichstrom betriebene Oberleitung der MBS im Bahnhof Bludenz abgebaut werden. Aus diesem Grund konnten die Züge der Montafonerbahn nicht mehr aus eigener Kraft in den Bahnhof einfahren und mussten von Dampflokomotiven geschleppt werden. Nachdem Versuche mit elektrischen Blei-Akkumulatoren in den Triebwagen keine zufriedenstellende Lösung darstellten, wurden in die Triebwagen schließlich Benzinmotor-Aggregate eingebaut.
mini|Steinbruch und ehemaliges Zementwerk Lorüns mit Alfenzbrücke (ganz links), Alfenzwerk (rechts), Montafonerbahn und Anschlussbahn mini|Ein Dampfsonderzug im Jahr 1972 mini|Montafonerbahn im Jahr 2018 auf dem damals von ihr häufig genutzten Stumpfgleis (Bahnsteig 11) in Bludenz
Mit dem Beginn der Arbeiten der Vorarlberger Illwerke 1924 wurde der Güterverkehr auf der Bahnstrecke nach Schruns stark belebt. Insbesondere während des Baues der Illwerke-Anlagen auf Vermunt und Rodund zwischen 1927 und 1948 stellte die Bahn ihre bedeutende Transportkapazität unter Beweis. Das ehemalige Zementwerk Lorüns benötigte in den 1920er Jahren 1500 Waggons Kohle pro Jahr, manchmal auch noch mehr. Im Gegensatz dazu wurden die um 1990 jährlich vom Zementwerk benötigten 10.000 Tonnen Heizöl trotz Bahnanschluss per LKW angeliefert.https://www.zementwerk.info/documents/Buch_Chronik_Zementwerk_Loruens.pdf 1954 wurde auch die 1927 zur Errichtung der Kraftwerksanlagen erbaute Schmalspurbahn nach Partenen eingestellt, welche während und nach dem Krieg sogar Personen beförderte.
In den Anfangsjahren wurde der Betrieb auf der Montafonerbahn durch die k.k. Staatsbahnen bzw. BBÖ auf Rechnung der Montafonerbahn AG durchgeführt. Ab 1. August 1926 übernahm die Montafonerbahn den Betrieb selbst.
Nach einem Umbau der Oberleitungsanlagen und der Energieversorgungsanlagen im Jahr 1950 wurde die Spannung der Oberleitung von 650 auf 750 Volt erhöht.
1955 feierte die Montafonerbahn ihr fünfzigstes Jubiläum, und mit einem dieselbetriebenen „Uerdinger Schienenbus“ wurde das damals modernste Fahrzeug der deutschen Nebenbahnen angeschafft. Damit konnte das Problem der zwei verschiedenen Stromsysteme im Bahnhof Bludenz beseitigt werden (ÖBB: Wechselstrom, MBS: Gleichstrom).
Durch einen weiteren Umbau der Umformerwerke wurde die Oberleitungsspannung im Jahr 1965 weiter auf 800 Volt erhöht. Seit Ende der 1960 erhielten die Zuggarnituren ihre für viele Jahre typische rot-gelbe Lackierung. In den 1970er und 1980er Jahren wurde für touristische Zwecke auch ein Dampfsonderzug eingesetzt. Nach der am 6. März 1972 erfolgten Umstellung von 800 Volt Gleichstrom auf 15 kV Wechselstrom wurde die Bahnstrecke Bludenz–Schruns grundlegend modernisiert.
Aktuelle Entwicklung Um die Jahrtausendwende wurde die Montafonerbahn in den Verkehrsverbund Vorarlberg (VVV) integriert. 2002 verkehrten Züge erstmals durchgehend von Schruns nach Bregenz und retour."Verlobungsfeier" ÖBB-Montafonerbahn (1. Februar 2002) Begegnungsmöglichkeiten bestehen von Anfang an in St. Anton sowie seit 2010 in Höhe des ehemaligen Zementwerkes Lorüns.
Die damals noch nordwestlich der jetzigen S16 befindliche Haltestelle Brunnenfeld wurde in den 1960er Jahren um knapp 300 Meter in Richtung Schruns verlegt;Protokoll über die 17. öffentliche Sitzung der Stadtvertretung Bludenz die Haltestelle Bludenz-Moos entstand erst nach den 1950er Jahren.
Im April 2005 wurde das 100-jährige Bestehen mit einer Ausstellung moderner und historischer Lokomotiven im Bahnhofsgelände begangen. (Das kleine Blatt, 28. April 2005) Im Oktober 2007 begannen die Arbeiten zur Verlegung der Bahntrasse im Bereich Alma bei St. Anton im MontafonGroßinvestition der Montafonerbahn. vol.at, welche am 12. April 2008 abgeschlossen wurden.
Im Sommer 2010 wurde zur Beschleunigung der Bahnstrecke im Bereich Lorüns ein 1½ km langer Streckenabschnitt neutrassiert. Zusätzlich wurden zwei Brücken über die Alfenz und über die Ill sowie eine zusätzliche Begegnungsstelle auf Höhe des Brech- und Siebwerkes Lorüns neuerrichtet und die Haltestelle Brunnenfeld–Stallehr umgebaut.
Die reguläre Fahrzeit von Reisezügen zwischen Schruns und Bludenz beträgt in beiden Richtungen jeweils 19 Minuten. Alle Stationen außer den beiden Endbahnhöfen und dem Kreuzungsbahnhof St. Anton sind Bedarfshaltestellen.https://www.montafonerbahn.at/wp-content/uploads/2021/12/tabellenfahrplan_2022.pdf An einigen Haltestellen (z. B. Brunnenfeld–Stallehr) sind Taster zum Bekanntgeben des Einsteigewunsches installiert.
Jahrzehntelangen auch juristischen Auseinandersetzungen zwischen der Bahn und Anwohnern, die vom lauten Quietschen der Radsätze in der engen Kurve vor dem Bahnhof Schruns genervt waren, wurde dort zunächst mit einer Sprinkleranlage zu begegnen versucht. Später installierte die MBS eine Schmieranlage. Nachdem diese unbefriedigend funktionierte, wurde um 2016 eine Anlage einer slowenischen Firma, welche die lästigen Geräusche nun weitgehend eliminiert, eingebaut.
2015 wurde ein möglicher Ausbau der Bahnstrecke bis St. Gallenkirch, 2019 bis Partenen erwogen und mit der Detailplanung der Verlängerung der Bahnstrecke bis Gaschurn begonnen. Die geschätzten Kosten dafür liegen bei etwa 284 Millionen Euro.
Die Bahn erbringt im Auftrag des Landes Vorarlberg und des Bundes im Rahmen von Verkehrsdiensteverträgen Beförderungsleistungen im Montafon. Zuletzt wurde solch ein Vertrag im Dezember 2019 beschlossen. Weiterhin soll ein durchgehender Halbstundentakt eingeführt werden. Die öffentliche Hand beteiligt sich auch an Investitionen beispielsweise in die Sicherungstechnik der Bahn.
2019 beförderte die Montafonerbahn etwa 1,14 Millionen Reisende sowie 3934 Tonnen GüterGeschäftsbericht der Montafonerbahn AG für 2019 und erbrachte etwa 245.000 Fahrplankilometer.
Jahrzehntelang konnte man Fahrkarten auch in den Zügen der Montafonerbahn beim Personal ohne Aufpreis kaufen. Nachdem alle Stationen sukzessive bis zum 1. Oktober 2020 mit Fahrkartenautomaten ausgestattet wurden, ist dieses Service eingestellt worden.
Mit dem Fahrplanwechsel 2021 erfolgte eine erneute Ausweitung der Betriebszeiten: An Samstagen, Sonn- und Feiertagen pendelt eine Garnitur nach Mitternacht nun noch länger zwischen Bludenz und Schruns; der letzte Kurs erreicht Schruns planmäßig um 02:42 Uhr in der Früh.https://www.montafonerbahn.at/wp-content/uploads/2021/12/tabellenfahrplan_2022.pdf 2022 und 2023 lag die Fahrplankilometerleistung bei 310.000 km/Jahr.
Im Jahr 2022 wurde angekündigt, bis 2025 ein zweites Gleis zwischen Vandans und St. Anton zu errichten. Weiters waren Umbauten von Eisenbahnkreuzungen und die Anpassung von Bahnsteigen an die ÖBB-Triebzüge geplant. Die zuvor mit Rotlicht gesicherte, als „Alma-Bahnübergang“ bezeichnete Eisenbahnkreuzung mit der Landesstraße 188 südöstlich von Lorüns wurde im August 2024 mit einer Vollschrankenanlage gesichert. Die Umsetzung anderer Maßnahmen verzögert sich jedoch, da die Gemeinden keine Einigung erzielten. In Lorüns ist zwischen der Bahn und der Ill der Bau einer Umfahrungsstraße geplant. Der zur Verfügung stehende Platz reicht aber nicht für die Straße und das dort geplante zweite Bahngleis.https://vorarlberg.orf.at/stories/3270189/
Fahrzeugeinsatz Zur Eröffnung der Bahnstrecke wurden zwei Triebwagen der Baureihe kkStB 20.0, ein Personenwagen und zwei Güterwagen angeschafft.
Im Laufe der Jahre kamen alle Fahrzeuge zum Einsatz, welche sich im Besitz der MBS befanden, zeitweise auch Uerdinger Schienenbusse. Der mittlerweile verschrottete ET 10.101 wurde von der Bad Eilsener Kleinbahn in Niedersachsen/Deutschland erworben, wo er als ET 204 eingesetzt worden war.
Das erste moderne Fahrzeug der Montafonerbahn war der 1965 in der eigenen Werkstätte aus dem Dieseltriebwagen VT 63.905 der DB umgebaute Zweisystemtriebwagen ET 10.103. Im Hinblick auf die bereits absehbare Umstellung der Strecke Bludenz – Schruns auf das von den ÖBB verwendete Wechselstromsystem war dieses Fahrzeug sowohl für den Einsatz unter 800 V Gleichstrom als auch unter 15 kV 16,7 Hz Wechselstrom eingerichtet worden. Nachdem die Umstellung 1972 erfolgt war, erhielt der für jene Zeit komfortable Umbau-Triebwagen 1974 einen Zwilling in Form des ET 10.104, welcher auf dem Untergestell des DB VT 63.907 entstanden und ausschließlich unter Wechselstromfahrleitung einsetzbar war. Die noch bis 2008 als Reserve vorgehaltenen Fahrzeuge wurden durch den Verein Pro Bahn Vorarlberg übernommen, wo der ET 10.104 heute für Sonderfahrten angemietet werden kann, während ET 10.103 als Ersatzteilspender dient.