mini|Illustrierte Seite aus dem Druck von Johann Bämler (Ausgabe von 1481) Das Buch der Natur, auch das Buch von den natürlichen Dingen, auch NaturbuchVgl. Conradus von Megenberg: Naturbuch, von nutz, eigenschafft, wunderwirckung und Gebrauch aller Geschoepff, Element vnd Creaturn, Dem menschen zu gut beschaffen: nit allein den aertzten vnd kunstliebern, Sonder einem ieden Hauszvatter in seinem hause nützlich und lustig zu haben zu lesen und zu wissen. Gedruckt von Christian Egenolff, Frankfurt am Main 1536 und 1540. genannt, ist eine naturkundliche Enzyklopädie von Konrad von Megenberg (erste Hälfte des 14. Jahrhunderts). Es gilt als die erste bedeutende in deutscher Sprache erschienene wissenschaftliche Abhandlung.
Das Buch der Natur (entstanden ca. 1349–1350) ist eine allgemeine, schon ziemlich systematische Naturgeschichte, die als Beleg der Kenntnisse der damaligen Zeit interessant und durch Anführung von vielerlei Sagen und dergleichen kulturgeschichtlich wichtig ist. Es ist weitgehend eine Übersetzung Thomas von Cantimprés Liber de natura rerum, enthält aber auch neues Material – etwa zu einigen Tier- und Pflanzenarten oder auch Beobachtungen zu Regenbögen. Das Buch der Natur fand rasch sehr weite Verbreitung (über 100 Handschriften). Das Werk erschien im Druck zuerst ohne Ort und Jahr in Quart, dann Augsburg 1475Als Anhang zum Arzneibuch des Ortolf von Baierland. Vgl. Christina Becela-Deller: Ruta graveolens L. Eine Heilpflanze in kunst- und kulturhistorischer Bedeutung. (Mathematisch-naturwissenschaftliche Dissertation Würzburg 1994) Königshausen & Neumann, Würzburg 1998 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 65). ISBN 3-8260-1667-X, S. 172. und danach (etwa 1477 im Druck zusammen mit dem Arzneibuch des Ortolf von BaierlandBernhard Schnell: Der deutsche „Macer“: Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer floridus ‘De viribus herbarum’ kritisch herausgegeben (= Texte und Textgeschichte. Würzburger Forschungen. Band 50). Niemeyer, Tübingen 2003, ISBN 3-484-36050-X, S. 154. und gedruckt von Johann Bäumler in Augsburg 1481) öfter.
Quellenlage Konrad von Megenberg, der das Buch der Natur um 1350, als er Leiter der Regensburger Domschule war, verfasste, hat sich beim Erstellen des Werks mehrerer Quellen bedient. Die Hauptgrundlage seines, das wohl erfolgreichste deutschsprachige Kräuterbuch des Mittelalters darstellenden, Textes war dabei der Liber de natura rerum von Thomas Cantimpré, welchen er aus dem Lateinischen ins Deutsche übertrug.Bernhard Schnell: Der deutsche „Macer“: Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer floridus ‘De viribus herbarum’ kritisch herausgegeben (= Texte und Textgeschichte. Würzburger Forschungen. Band 50). Niemeyer, Tübingen 2003, ISBN 3-484-36050-X, S. 153–154 und öfter. Jedoch ist dies keine direkte Autorfassung, sondern eine Vorlage, die als Thomas III bzw. IIIa bezeichnet wird. Cantimpré war ein Schüler des Albertus Magnus und Konrad ging anfangs davon aus, dass es sich beim Liber de natura rerum um ein Buch von Albertus Magnus handelte. Allerdings lagen Konrad mindestens zwei Ausgaben des Liber de natura rerum vor, denn es gibt keine Überlieferung in der alle Artikel und Kriterien, die Konrad benutzt, enthalten sind. Die Strukturierung seines Buches übernahm er beispielsweise aus der Thomas-III-Handschrift, während er das Buch über die Wundermenschen einer anderen Handschrift entnahm.Dagmar Gottschall: Konrad von Megenbergs Buch von den natürlichen Dingen. Ein Dokument deutschsprachiger Albertus Magnus-Rezeption im 14. Jahrhundert, S. 159–163 Weitere Quellen, die Konrad von Megenberg zur Vervollständigung seines Buches benutzt, waren der Liber canonis von Avicenna, De significationibus somniorum aus dem Liber ad Almansorem von Rhazes und De vegetabilibus von Albert Magnus. Gleichzeitig lässt er auch seine Wissensgrundlage, die er aus Texten von Aristoteles und der Sphaera mundi von Johannes de Sacrobosco hat, mit in sein Werk einfließen.Dagmar Gottschall: Konrad von Megenbergs Buch von den natürlichen Dingen. Ein Dokument deutschsprachiger Albertus Magnus-Rezeption im 14. Jahrhundert. S. 165–167
Seine weiteren Überarbeitungen der Vorlage schlossen zusätzliche Allegoresen und neue Pflanzenkapitel aus anderen Quellen ein. Das Buch der Natur ist in zwei Autorfassungen überliefert: in der Widmungsfassung, die Herzog Rudolf IV von Österreich gewidmet war, und der Prologfassung. Die Widmungsfassung zeichnet sich am stärksten durch die in ihr enthaltene Texterweiterung aus. Diese Texterweiterung umfasst einen Themenkreis über die göttliche Trinität, Engel und Seele am Anfang des Buchs der Natur. Die Prologfassung war von den beiden Autorfassungen die wesentlich breiter überlieferte.Gerold Hayer: Konrad von Megenberg: Das Buch der Natur. Untersuchungen zu seiner Text- und Überlieferungsgeschichte. Tübingen 1998, S. 14. Sie zeichnet sich durch einen gereimten Prolog auf die Jungfrau Maria und einen gereimten Epilog aus.
Überlieferung Das Buch der Natur ist in 173 Textzeugen überliefert. Diese schließen Handschriften und Drucke im Ganzen, in Teilen, in Kapitelgruppen, in Einzelkapiteln oder als Ausschnitte ein. Den Kernpunkt der Überlieferung bilden 80 Handschriften und Fragmente und 6 InkunabeldruckeGerold Hayer: Konrad von Megenberg: Das Buch der Natur. Untersuchungen zu seiner Text- und Überlieferungsgeschichte. Tübingen 1998, S. 8.. Von diesen überliefern 70 Handschriften das Buch der Natur vollständigGerold Hayer: Zur Kontexüberlieferung und Gebrauchsfunktion von Konrads von Megenberg ,Buch der Natur‘. In: Nikolaus Henkel u. a. (Hrsg.): Latein und Volkssprache im deutschen Mittelalter 1100–1500.Tübingen 1992. S. 65..
Verbreitung Das Buch der Natur war hauptsächlich im süddeutschen Raum verbreitet. Die ältesten Textzeugen stammen noch aus Konrads Lebzeiten. Als älteste Handschrift gilt der Schlierbachercod. 36 von 1369.Gerold Hayer: Zur Kontexüberlieferung und Gebrauchsfunktion von Konrads von Megenberg ,Buch der Natur‘. 1992, S. 68. Der Schwerpunkt der handschriftlichen Überlieferung liegt zwischen 1430 und 1460. Den Endpunkt der Überlieferung bilden die Inkunabeldrucke. Der letzte dieser Drucke entstand 1499. Bis ins 16. Jahrhundert gab es noch weitere Teilabschriften und Bearbeitungen des Buchs der Natur,Gerold Hayer: Konrad von Megenberg: Das Buch der Natur. Untersuchungen zu seiner Text- und Überlieferungsgeschichte. Tübingen 1998. etwa das 5. Buch als separat überliefertes Kräuterbuch.Bernhard Schnell: Der deutsche „Macer“: Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer floridus ‘De viribus herbarum’ kritisch herausgegeben (= Texte und Textgeschichte. Würzburger Forschungen. Band 50). Niemeyer, Tübingen 2003, ISBN 3-484-36050-X, S. 244. Ein Drittel der Handschriften waren im Besitz von weltlich-adeligen bzw. bürgerlichen Personen.Gerold Hayer: Zur Kontexüberlieferung und Gebrauchsfunktion von Konrads von Megenberg ,Buch der Natur‘. 1992, S. 65 und 153–158.
Aufbau Das Buch der Natur ist in acht große Teilbereiche gegliedert, die in den Ausgaben der Prologfassung durch Pro- und Epilog gerahmt werden. Die Kapitel im Buch der Natur sind – mit Ausnahme der I., II. und VIII. Teilbücher – alphabetisch nach den lateinischen Begriffen der Themen geordnet. Diese Ordnung geht nicht über den ersten Buchstaben der Begriffe hinaus.
Buch I umfasst Glieder und Organe des Menschen, die in der Reihenfolge von Kopf bis Fuß abgehandelt werden.Herfried Vögel: Sekundäre Ordnungen des Wissens im Buch der Natur des Konrad von Megenberg. In: Franz M. Eybl und andere (Hrsg.): Enzyklopädien der frühen Neuzeit. Beiträge zu ihrer Erforschung. Tübingen 1995, S. 46–47. In Buch II werden zunächst die himeln, dann die ſiben planeten und letztendlich die Elemente beschrieben.Konrad von Megenberg: Das >Buch der Natur<, II.I. Band II Kritischer Text nach den Handschriften. Hrsg.: Robert Luff & Georg Steer, Tübingen, 2003, S. 83 Die Planeten und Elemente sind nach den Himmelssphären (Kosmologie des Mittelalters) in absteigender Reihenfolge geordnet. Das Kapitel III A0 enthält eine Erklärung hinsichtlich der Ordnung der Tiere nach ihren Habitaten.Konrad von Megenberg: Das >Buch der Natur<, III.A0. Band II Kritischer Text nach den Handschriften. Hrsg.: Robert Luff & Georg Steer, Tübingen 2003, S. 139. Das VIII. Buch weist keine erkennbare Ordnung auf.Herfried Vögel: Sekundäre Ordnungen des Wissens im Buch der Natur des Konrad von Megenberg. In: Enzyklopädien der frühen Neuzeit. Beiträge zu ihrer Erforschung. Hrsg.: Franz M. Eybl et al., Tübingen 1995, S. 47. Die Hauptquelle (Thomas IIIa) hat Konrad um 66 Kapitel erweitert, davon 33 (aus dem Kräuterbuch von Albertus Magnus stammend) im fünften Buch, dem Kräuterbuch.Bernhard Schnell: Der deutsche „Macer“: Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer floridus ‘De viribus herbarum’ kritisch herausgegeben (= Texte und Textgeschichte. Würzburger Forschungen. Band 50). Niemeyer, Tübingen 2003, ISBN 3-484-36050-X, S. 154.
Inhaltsverzeichnis Buch I
Das erste Buch im „Buch der Natur“ handelt von dem Menschen, beginnend mit der Erläuterung der Schöpfung des Menschen durch Gott, werden in den folgenden Kapiteln einzelne Körperteile und Organe näher beschrieben. Auch die Zeugungslehre ist Teil dieses Buches.
I.0 Von dem menſchen in ſeiner gemainen natur. I.1 Von der hirnſchal. I.2 Von dem hirn. I.3 Von dem har. I.4 Von dem ſlaf. I.5 Von den augen. I.6 Von den augenbran. I.7 Von den oren. I.8 Von der naſen. I.9 Von dem part. I.10 Von dem mund. I.11 Von den czenden. I.12 Von der czungen. I.13 Von der ſtimme. I.14 Von dem aichleinn. I.15 Von dem uberual. I.16 Von der ſluntrorn. I.17 Von der luftrörn. I.18 Von der keln. I.19 Von dem hals. I.20 Von den achſſeln. I.21 Von den armen. I.22 Von den mäuſlein. I.23 Von den henden. I.24 Von den vingern. I.25 Von den negeln. I.26 Von den pain. I.27 Von dem margk. I.28 Von dem flaiſch. I.29 Von der haut. I.30 Von dem ruck. I.31 Von der pruſt. I.32 Von den pruſtlein. I.33 Von dem herczen. I.34 Von der lebern. I.35 Von der gallen. I.36 Von der lungen. I.37 Von dem miltz. I.38 Von dem pauch. I.39 Von dem magen. I.40 Von dem nabel. I.41 Von der plaſen. I.42 Von den nyeren. I.43 Von den adern. I.44 Von den pant adern. I.45 Von den czaichen, ob ein fraw ſwanger ſey. I.46 Von welhen ſachen ein fraw ſwanger werd eins knaͤbleins. I.47 Von den czaichen, ob ein fraw ein knaͤblein trag. I.48 Wie dye gepurd an dy werlt kom. I.49.1 Von den czaichen der nâturlichen ſyten vnd dez êrsten von dem hâr. I.49.2 Von der varb. I.49.3 Von den augen. I.49.4 Von der uberpra. I.49.5 Von den naſlochern. I.49.6 Von der ſtirn. I.49.7 Von dem mund. I.49.8 Von dez menſchen antlucz. I.49.9 Von den oren. I.49.10 Von der ſtymme. I.49.11 Von dem flaiſch. I.49.12 Von dem lachen. I.49.13 Von der wegung. I.49.14 Von dem hals. I.49.15 Von der pruſt. I.49.16 Von den rippen. I.49.17 Von den achſeln. I.49.18 Von den armen. I.49.19 Von den henden. I.49.20 Von den fueſſen. I.49.21 Von den ſchrieten. I.49.22 Welher kün ſey. I.49.23 Welher vorchtig ſey. I.49.24 Welher gutz ſyns ſey. I.49.25 Wer einen wolgeſtallten leib hat. I.49.26 Wer dy weiſhait lieb hat. I.49.27 Wer ſtumpfs ſynns ſey. I.49.28 Wer vnſchamig ſey. I.49.29 Wer czornig ſey. I.49.30 Von ainem vnkewſchen mann. I.49.31 Der ein weibiſchen mut hat. I.49.32 Von den poſen mannen. I.50 Von den trawmen.
Buch II mini|Darstellung eines Regenbogens aus dem ‚Buch der Wunder‘ (Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 300, Fol. 65r). In diesem Buch wird das Kosmosmodell zur Zeit Konrad von Megenbergs erläutert und die einzelnen Bestandteile, wie die Planeten, Wetterphänomene oder das Element Luft beschrieben.
II.0 Von den himeln vnd von den ſiben planeten. II.1 Dez ersten von dem ſatiar. II.2 Von dem helfater. II.3 Von dem streytgot. II.4 Von der ſunnen. II.5 Von dem morgenſtern. II.6 Von dem kaufherren. II.7 Von dem monn. II.8 Von den planeten in ainer gemain. II.9 Von dem fewr. II.10 Von dem lufft.