Die Rittersturz-Kaserne (ehemals Deines-Bruchmüller-Kaserne) ist eine Kaserne der Bundeswehr in der Stadt Lahnstein nahe Koblenz in Rheinland-Pfalz mit einer Gesamtfläche von ca. 27,5 ha. Die Kaserne entstand zur Zeit des Nationalsozialismus. In ihr sind Teile des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr ansässig.

Geschichte Gründung und Zweiter Weltkrieg Im Kontext der Aufrüstung der Wehrmacht errichtete der NS-Staat in Lahnstein zwei Kasernen mit 13 bzw. 10,5 Hektar Fläche. Der erste Spatenstich erfolgte am 1. September 1937. Die Doppelkaserne wurde am 13. November 1938 fertiggestellt. Benannt wurden die Anlagen nach den Artillerie-Generalen Adolf von Deines und Georg Bruchmüller. Die Garnison nahm den am 10. November 1938 neu gebildeten Stab des Artillerieregiments 70 der Wehrmacht auf. Zugleich zogen die am 6. Oktober 1936 in Koblenz aufgestellte I. (bespannte) Abteilung/Artillerieregiment 70 in der Deines- (rechts der alten Wache) und die am 10. November 1938 entstandene II. (motorisierte) Abteilung/Artillerieregiment 70 in der Bruchmüller-Kaserne ein. Mit der Mobilmachung im August 1939 trat die I. Abteilung zum Artillerieregiment 34 der 34. Infanteriedivision, während die II. Abteilung dem XII. Armeekorps diente. Beide Einheiten wurden zudem in die Saarpfalz verlegt.Georg Tessin: Verbände der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945, 5. Band. Die Landstreitkräfte 31–70, Frankfurt (Main) o. J., S. 293 f.

Im Zweiten Weltkrieg waren zunächst in der Kaserne die am 26. August 1939 gebildete Artillerie-Ersatz-Abteilung 70 (ab 8. November 1939 in das Warthegau verlegt)Georg Tessin: Verbände der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945, 5. Band. Die Landstreitkräfte 31–70, Frankfurt (Main) o. J., S. 294. und die Artillerie-Ersatz-Abteilung 34, die am 26. August 1939 in Niederlahnstein aufgestellt und am 6. November 1939 in das Warthegau kam, untergebracht.Georg Tessin: Verbände der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945, 5. Band. Die Landstreitkräfte 31–70, Frankfurt (Main) o. J., S. 38. Es folgten die Heeres-Artillerie-Abteilung 511 und die am 10. Oktober 1940 gebildete Nachrichten-Ersatz-Abteilung 34, die am 1. Oktober 1942 zur Nachrichten-Ausbildungs-Abteilung 33 am Standort umgegliedert wurde.Georg Tessin: Verbände der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945, 5. Band. Die Landstreitkräfte 31–70, Frankfurt (Main) o. J., S. 40. Aus Pirna verlegte am 1. Dezember 1943 das Technische Ersatz- und Ausbildungsbataillon nach Niederlahnstein, das zum 1. April 1944 in Technisches Ersatz- und Ausbildungsbataillon 2 umbenannt wurde. Schließlich wurde am 6. März 1944 in der Kaserne das Technische Einsatz-Bataillon OKH (mot.) aufgestellt, das am 9. August 1944 zum Feldheer kam.Georg Tessin: Verbände der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945, 16. Band. Verzeichnis der Friedensgarnisonen 1932–1939 und Stationierungen im Kriege 1939–1945, bearbeitet von Christian Zweng, Teil 2, Wehrkreise VII-XIII, Osnabrück 1996, S. 293. Außerdem befand sich ein Heimatpferdelazarett in der Kaserne. Durch Luftangriffe wurden mindestens 8 Soldaten getötet, die Exerzierhalle vollständig zerstört sowie ein Unterkunftsgebäude und die Waffenmeisterei schwer beschädigt.

Die Kaserne als DP-Lager

Am 27. März 1945 besetzten US-Truppen die Kaserne. Unter der Betreuung der UNRRA wurden hier bis 1948 Displaced Persons untergebracht und von hier aus auch repatriiert. Im Mai 1945 wurden italienische Displaced Persons aus dem DP-Lager Hanau im Zuge ihrer Repatriierung nach hier verlegt. Aus diesem Anlass vermerkte der Leiter des Hanauer DP-Lagers, der Brite Harry Heath, am 27. Mai 1945 in seinem Tagebuch:

In weiteren Einträgen in seinem Tagebuch wies Heath auch auf die Verlegung polnischer DPs nach Niederlahnstein hin, die von hier aus ebenfalls repatriiert werden sollten, und das zuvor erwähnte Gerücht bestätigte er aus eigener Anschauung. Anlässlich eines Besuchs im Lager hielt Heath am 19. Juni 1945 in seinem Tagebuch fest, dass das mit 6.700 Personen belegte Lager – anders als Hanau – von US-amerikanischen Militärs geleitet wurde und sauber sei. Aber diese Sauberkeit war für ihn auch das einzige, „was ich zu seinen Gunsten sagen kann. Es ist wunderschön gelegen, aber ich empfand die Armee-Atmosphäre im Camp als unangenehm. Und der Oberst konnte mich mit seiner Einstellung zu den DPs nicht beeindrucken.“ Wenig später, am 2. Juli 1945, kam Heath noch einmal auf seine Eindrücke von dem Lager in Niederlahnstein zurück, nachdem auch ihm als zivilem Leiter des Hanauer Lagers kurz die Gefahr gedroht hatte, einen militärischen Vorgesetzten zu bekommen.

Bei Heath finden sich auch Hinweise darauf, dass von Hanau nach Niederlahnstein verbrachte DPs auf eigene Faust wieder nach Hanau zurückkehrten, da ihnen da die Zustände besser zusagten.

Das DP-Lager Niederlahnstein wurde 1948 geschlossen; 24 seiner ehemaligen Bewohner ruhen auf einem eigenen Gräberfeld auf dem Niederlahnsteiner Friedhof.Onlineprojekt Gefallenendenkmäler In der Datenbank des USHMM kann über das Schicksal der Niederlahnsteiner Displaced Persons recherchiert werden.Holocaust Survivors and Victims Database des USHMM: DP CAMP NIEDERLAHNSTEIN UNRRA TEAM 48 FR. ZONE.

Ab 1947 übernahmen französische Besatzungstruppen die Kaserne und benannten sie nach dem französischen General Gaston Henri Gustave Billotte. Im Juli 1956 wurde der Standort schließlich an die Bundeswehr übergeben.

Kaserne der Bundeswehr Das Feldartillerieregiment 2 mit Stab und Stabsbatterie wurde am 1. Juli 1956 in Fulda aufgestellt und bereits am 17. Juli 1956 nach Niederlahnstein in die Deines-Bruchmüller-Kaserne verlegt. Die I./Feldartillerieregiment 2 war am 1. Juli 1956 in Kassel geschaffen und am 30. Juli 1956 nach Niederlahnstein gekommen. Stab und Stabsbatterie wurden am 15. Januar 1957 in das Scharnhorst-Lager (später: Steuben-Kaserne) verlegt, während die I./Feldartillerieregiment 2 zunächst in Lahnstein blieb. Im Juni 1958 wurde die III./Feldartillerieregiment 2 in der Deines-Bruchmüller-Kaserne aufgestellt, die am 15. März 1959 nach Fritzlar wechselte. Dort erfolgte am 16. März 1959 die Umgliederung der Einheit in Panzerartilleriebataillon 21. Die I./Feldartilleriebataillon blieb in Lahnstein, wurde jedoch zum 1. April 1959 in Feldartilleriebataillon 45 umbenannt. Dieses Bataillon war noch bis zum 7. November 1961 in der Deines-Bruchmüller-Kaserne beheimatet, kam dann jedoch nach Bad Arolsen-Mengeringhausen.Standortdatenbank der Bundeswehr in der Bundesrepublik Deutschland sowie den von der Bundeswehr genutzten Übungsplätzen im Ausland des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr.

1956 wurde in der Deines-Bruchmüller-Kaserne in Niederlahnstein das Flugabwehrversuchsregiment aufgestellt. 1957 verlegte der Stab dieses Regiments zuerst nach Schleswig und sodann nach Putlos in die Wagrien-Kaserne. Die I./Flugabwehrversuchsregiment gelangte 1957 über Schleswig im Jahr 1958 nach Hamburg. Die III./Flugabwehrversuchsregiment kam 1957 über Flensburg und Schleswig schließlich ebenfalls nach Putlos.Raketenschule der Luftwaffe USA (Hrsg.): Chronik der Flugabwehr- und Flugabwehrraketentruppe, 5. Auflage, Fort Bliss, Januar 1995.

Auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr wurde ab 15. August 1956 das Panzerartillerieregiment 5 aufgestellt und im März 1957 in die Deines-Bruchmüller-Kaserne nach Lahnstein verlegt. Am 1. April 1959 hatte es durch umfassende Personalabgaben die Panzerartilleriebataillone 145 und 155 aufzustellen. 1960 erfolgte dann die Verlegung nach Diez an der Lahn und dort die Umbenennung in Artillerieregiment 5. Es verblieb dort bis zum 31. Dezember 1979. Am 1. Januar 1980 fusionierte die Einheit schließlich mit dem Artillerielehrregiment in Idar-Oberstein zum Artillerielehrregiment 5.

Das am 1. August 1956 in Grafenwöhr aufgestellte Panzerfernmeldebataillon 5 wurde am 8. März 1957 nach Niederlahnstein verlegt. Im Oktober 1957 bezog es die Falckenstein-Kaserne in Koblenz-Lützel. Ab 1. April 1959 erhielt die Einheit den Namen „Fernmeldebataillon 5“. Von März 1969 bis zum 30. September 1992 war das Bataillon in Diez an der Lahn untergebracht. Mit dem Ende des Kalten Krieges wurde das Bataillon am 1. Oktober 1993 mit dem Fernmeldebataillon 330 zum Stabs- und Fernmeldebataillon 5 zusammengefasst sowie in der Fritsch-Kaserne untergebracht. Zum 1. November 1997 verließ das Bataillon die Fritsch-Kaserne und fand wieder in Niederlahnstein in der Deines-Bruchmüller-Kaserne eine Heimat. Das Stabs- und Fernmeldebataillon 5 wurde in Niederlahnstein am 1. Juli 2003 zunächst in Fernmeldebataillon 283 umbenannt, erhielt aber bereits am 1. Oktober 2005 eine neue Bezeichnung als „Führungsunterstützungsbataillon 283“. Am 31. März 2015 erfolgte schließlich die Auflösung.Chronik des Fernmeldebataillon 5

Die Aufstellung des Korpsfernmeldebataillon 213 begann am 15. April 1957 in der Deines-Bruchmüller-Kaserne. Die Einheit zog jedoch kurz darauf in die Falckenstein-Kaserne nach Koblenz um und erhielt zum 1. August 1959 die neue Bezeichnung als Fernmeldebataillon 310.Chronik des Fernmeldebataillon 310 bei diefernmelder.de

Das in der Pionier-Kaserne in Koblenz am 16. Mai 1957 aufgestellte schwere Pionierregiment 706 wurde am 14. Oktober 1957 nach Niederlahnstein in die Deines-Bruchmüller-Kaserne verlegt und war bis zum 1. September 1958 hier stationiert. Danach wechselte es in die Alte Artilleriekaserne nach Mainz und verblieb dort bis zu seiner Umbenennung in schweres Pionierregiment 85 zum 1. April 1972.

Das am 1. Juli 1956 in Wildflecken aufgestellte Panzerjägerbataillon 2 wurde nach einem Aufenthalt im Lager Aulenbach bei Baumholder in die Deines-Bruchmüller-Kaserne verlegt. Anschließend zog das Bataillon nach Marburg in die Tannenberg-Kaserne um, wo es zum 16. März 1959 im neu aufgestellten Panzerbataillon 63 aufging.

Das Panzerpionierbataillon 5 wurde am 1. Oktober 1958 in der Deines-Bruchmüller-Kaserne aufgestellt, nachdem die gleichnamige Einheit aus Hannoversch Münden in Pionierbataillon 2 umbenannt worden war. Am 1. April 1959 erfuhr es eine Umbenennung in Pionierbataillon 5. Seinen Dienst als Einheit der 5. Panzerdivision verbrachte das Bataillon bis zum 31. März 1991, dem Tag seiner Auflösung, am Standort in Niederlahnstein.

Am 1. April 1959 wurde in der Deines-Bruchmüller-Kaserne das Versorgungsbataillon 146 aufgestellt, das bis zum 30. September 1972 hier Dienst tat. Zum 1. Oktober 1972 wurde aus der aufgelösten Einheit die Nachschubkompanie 140 und die Instandsetzungskompanie 140, beide mit neuem Standort in Koblenz gebildet.

Aus Teilen des Panzerartillerieregiments 5 entstand am 1. April 1959 in der Deines-Bruchmüller-Kaserne das Panzerartilleriebataillon 145. Es gehörte zur Panzerbrigade 14. Zum 1. Juli 1980 wurde es im Rahmen der Heeresstruktur 4 zum Feldartilleriebataillon 545 umgegliedert und der Heimatschutzbrigade 54 beim Heimatschutzkommando 16 unterstellt. Am 1. Juli 1986 wurde aus der 5. Batterie des Bataillons die Luftlandeartilleriebatterie 9 gebildet. Kurz nach dem Fall der Berliner Mauer wurde das Bataillon am 1. April 1990 bereits aufgelöst. Sein Personal sollte zur Bildung einer Heeresunteroffiziersschule des III. Korps in Lahnstein herangezogen werden, wurde jedoch für die Gründung einer gleichen Einrichtung beim II. Korps verwendet.

Ebenfalls aus Abgaben des Panzerartillerieregiments 5 wurde am 1. April 1959 das Panzerartilleriebataillon 155 in der Deines-Bruchmüller-Kaserne gebildet. Es war der Panzerbrigade 15 unterstellt. Es blieb bis zu seiner Auflösung am 30. September 1991 in Lahnstein.Geschichte des Panzerartilleriebataillons 155 (Kurzfassung), bei: Lahnsteiner Artilleristen – die 155er e. V.