Schwalbach am Taunus ist eine Stadt mit Einwohnern () im südhessischen Main-Taunus-Kreis.
Geographie mini|Zusammenfluss von Waldbach und Sauerbornsbach zum Schwalbach
Lage Schwalbach am Taunus liegt im Vordertaunus, unmittelbar an der westlichen Stadtgrenze von Frankfurt am Main. Schwalbach ist ein wichtiger Wohn- und Gewerbestandort im suburbanen Frankfurter Umland. Annähernd die Hälfte der Schwalbacher lebt in der Limesstadt, einer von 1962 bis 1973 errichteten Großwohnsiedlung.
Stadtgliederung Das Stadtgebiet umfasst nur die Gemarkung Schwalbach (Gmk.-Nr. 60553).
Klima Wie im Westen Deutschlands üblich, hat Schwalbach atlantisches Klima mit warmen Sommern und milden Wintern. Im Sommerhalbjahr fällt (durch Gewitter) etwas mehr Regen als im Winterhalbjahr (mehr Landregen). Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 9,5 Grad Celsius. Pro Jahr fallen 550 Millimeter bis 600 Millimeter Niederschlag.
Durch den nördlich an Schwalbach vorbei verlaufenden Taunus-Hauptkamm kommt es bei nördlichen Winden, insbesondere bei Nordwestwind, zur Ausbildung von Föhn. Bei starker Ausprägung herrscht in Schwalbach aufgelockerte Bewölkung, ab Eschborn-Süd in Richtung Frankfurt regnet es.
Geologie und Böden Der kleinere nördliche Teil Schwalbachs gehört geologisch noch zum Vordertaunus, während ein größerer südlicher Teil dem Main-Taunus-Vorland zugerechnet wird. Im nördlichen Gebiet gibt es sehr dichte, zu Staunässe neigende schwere Lehmböden; im südlichen Teil sind es eher gute und nicht so dichte Ackerböden.
Fauna und Flora Für diese Gegend typisch sind Eichen-Hainbuchen-Wälder, sie prägen auch den Schwalbacher Wald. Die Bäche säumen Schwarzerlen, Weiden und Eschen. Nadelbäume sind in Schwalbach ohne Ausnahme nicht heimisch. Gute Standortbedingungen finden dagegen Edellaubhölzer wie zum Beispiel die Esskastanie, aber auch Kirsche, Ahorn und Eiche; die Bedingungen für den Obstbau sind günstig. Im Norden der Gemarkung gibt es größere, ökologisch sehr wertvolle Wiesenflächen. In Schwalbach brüten 59 Vogelarten; 32 Schmetterlings-, 18 Libellen- und sieben Amphibienarten konnten beobachtet werden.
Natur- und Landschaftsschutz mini|Das Arboretum Main-Taunus
In Schwalbach am Taunus stehen mittlerweile Flächen von 18,5 Hektar unter Natur- und Landschaftsschutz. Nahezu dreiviertel dieser Flächen sind Wiesen, zum Beispiel Streuobst- und Bachuferwiesen, der Rest Feldgehölze und Uferwälder. Der Schwalbacher Wald ist Bannwald und untersteht damit – ebenso wie das Arboretum – größtmöglichem Schutz.
Arboretum Main-Taunus Im rund 75 Hektar großen Arboretum Main-Taunus wachsen rund 600 verschiedene Baum- und Straucharten. Während Baumparks üblicherweise aus einer Ansammlung einzelner Bäume bestehen – mit Namenschild und Herkunftsbezeichnung – hat das Land Hessen mit dem Arboretum einen ganz anderen Baumpark geschaffen. Hier werden verschiedene Waldgebiete der Erde jeweils durch eine Gruppe von Bäumen und Sträuchern repräsentiert, so, wie sie als Wald auch in der Natur vorkommen. Außerdem umgibt das Arboretum den ehemaligen Stützpunkt der USA: „Camp Phönix“.
Nachbargemeinden Schwalbach grenzt im Norden an die Städte Königstein im Taunus und Kronberg im Taunus (beide Hochtaunuskreis), im Osten an die Stadt Eschborn, im Süden an die kreisfreie Stadt Frankfurt am Main sowie im Westen an die Gemeinde Sulzbach (Taunus) und die Stadt Bad Soden am Taunus.
Geschichte mini|Schwalbach um 1670
Frühe Besiedlung Der historische Ortskern war, wie Ausgrabungen Anfang der 1960er-Jahre ergaben, bereits in jungsteinzeitlicher, römischer und merowingischer Zeit besiedelt. Ein sichtbares Zeugnis dieser frühzeitlichen Besiedlung ist der 1906 gefundene römische Viergötterstein, welcher die Basis einer Jupitersäule bildete. Daher konnte man schließen, dass sich auf diesem Gebiet eine antike römische Villa rustica befand. 1983 entdeckten Archäologen 700 m entfernt vom Fundort des Steines auf der Baustelle des Schwimmbads weitere Überreste dieses Bauwerks.
Auch Spuren von Franken wurden bereits in Schwalbach gefunden. Man fand beim Bau eines Hauses im heutigen Gärtnerweg eine „Franziska (Waffe)“. Dabei handelt es sich um bei den Franken gebräuchliche Streitaxt. Daher vermutet man, dass es sich hierbei um eine alte Grabstätte handelt.Brinitzer, Sabine et al. (2009): 50 Jahre Wohnstadt Limes in Schwalbach am Taunus
Mittelalter mini|links|Ein altes Fachwerkhaus in der Taunusstraße
Wie in den meisten anderen „-bach“-Orten der Umgebung erfolgte die eigentliche Dorfgründung in karolingischer Zeit. Die erste erhaltene Erwähnung eines villa Sualebach stammt aus einer Schenkungsurkunde an das Kloster Lorsch aus dem Jahr 781. Dabei schenkte Starcfrit dem Kloster 70 Joch Acker, Land und Wiesen. Weitere Belege des Dorfes Schwalbachs stammen aus den folgenden Jahren von 782 bis 789. In einer Urkunde aus dem Jahre 782 taucht der Name Sulbach auf. Schwalbach blieb jahrhundertelang ein bäuerlich geprägtes Dorf mit 200 bis 300 Einwohnern.Stadt Schwalbach: . Der früheste Beleg des Namens von Schwalbach stammt aus dem Jahr 1237. Dabei wurde ein gewisser Herr namens Hartmut von Schwalbach als Zeuge für einen Prozess geladen.
Seit dem 13. Jahrhundert stand das Dorf Schwalbach ebenfalls unter der Herrschaft eines Vogtes, welcher seinen Sitz in der Burg Schwalbach hatte. Des Weiteren wurde im gleichen Jahrhundert eine erste Kirche in Schwalbach erbaut. Man kann jedoch nicht genau festlegen, wann sie gebaut wurde. Die erste Erwähnung dieser Kirche stammt aus dem Jahre 1285, welche am alten Friedhof stand. 1439 verlor das Dorf Schwalbach seine Burgrechte gegenüber Frankfurt. Dadurch stand es nicht mehr unter dem Schutz der freien Reichsstadt. Bis 1535 unterstand das Dorf unter der Herrschaft der Eppsteiner. Nach deren Aussterben kam Schwalbach an die Stolberger. Graf Ludwig zu Stolberg bekannte sich zum protestantischen Glauben und änderte somit die kirchlichen Verhältnisse in seinem Land, womit auch Schwalbach protestantisch wurde. Nach dessen Tod im Jahre 1574 trat sein Bruder Christoph von Stolberg die Nachfolge an. 1581 kam es zum gewaltsamen Rechtsstreit zwischen den Stolbergern und Kurmainz um den Anspruch auf das Land. Die Kurmainzer Truppen belagerten die Burg Königstein und zwangen so den Grafen Albrecht-Georg, bereits der zweite Nachfolger von Ludwig von Stolberg, zur Aufgabe. Jedoch konnte zunächst der evangelische Glaube bestehen bleiben.
Frühe Neuzeit mini|hochkant|St.-Pankratius-Kirche
Erst unter Kurfürst Johann Adam von Bicken wurde dies geändert. Dieser strebte die Rückkehr zum katholischen Glauben im ganzen Land an. Im August 1604 wurde somit der katholische Glaube wieder in Schwalbach eingeführt. Im Dreißigjährigen Krieg konnten sich zeitweise die Stolberger wieder etablieren, jedoch änderte sich nichts an den Schwalbacher Verhältnissen. Am 20. Juni 1622 standen sich bei Höchst die Truppen von Feldherrn Tilly und von Herzog Christian von Braunschweig gegenüber. Beim Rückzug der Truppen von Herzog Christian von Braunschweig wurden viele Dörfer im Vordertaunus, wie Bad Soden, Sulzbach und auch Schwalbach, zerstört. Dabei wurde auch die Schwalbacher Burg weitestgehend in Mitleidenschaft gezogen. 1635 kam Schwalbach unter die Herrschaft der Herren von Königstein, die ihrerseits zum Kurfürstentum Mainz gehörten. Die eingesetzten Vögte hatten in der Burg Schwalbach einen lokalen Sitz. Bis 1660 wurde die Burg dann wieder aufgebaut und konnte wieder als Amtssitz der kurmainzischen Schultheißen dienen. Im Jahr 1668 zählte Schwalbach 174 Einwohner, welche in 48 Wohnhäusern untergebracht waren. Mitte des 18. Jahrhunderts, in den Jahren 1754 bis 1756, wurde die St.-Pankratius-Kirche erbaut. 1792 wurde in Schwalbach, in der Nähe des alten Rathauses, eine Schule erbaut.Heinrich Heym: Schwalbach, Die Stadt am Taunus. 1970.
19. Jahrhundert mini|links|Das alte Schulgebäude von 1835 Bis zum Jahr 1806 gehörte das Dorf weiterhin zum Gebiet von Kurmainz. Nach dessen Auflösung kam Schwalbach an das Herzogtum Nassau. Dadurch wurde die Leibeigenschaft der Bauern aufgelöst. Zwischen den Jahren 1795 und 1812 entstanden für Schwalbach Kriegskosten. Zunächst forderten die preußischen Truppen ihren Tribut, dann ab 1797 die französischen Truppen. Insgesamt entstanden bis 1812 Kosten von bis zu 6800 Gulden. Bis 1835 stieg die Bevölkerungszahl auf 622 Menschen. Dadurch wurde auch mehr Platz im Schulgebäude benötigt. 1833 begann man mit dem Bau eines ganz neuen Schulgebäudes außerhalb des Dorfes auf der sogenannten „Rothen Wiese“. 1835 konnte der Bau abgeschlossen werden. 1843 hatte Schwalbach 703 Einwohner.
Nachdem Österreich und das mit ihm u. a. verbündete Herzogtum Nassau den Preußisch-Österreichischen Krieg von 1866 verloren hatten, wurde Nassau von Preußen annektiert. Infolgedessen wurde Schwalbach der preußischen Provinz Hessen-Nassau zugeordnet und dort dem Obertaunuskreis. Bei der Volkszählung 1865 registrierte man 933 Dorfbewohner. 1897 erhielt das Schulgebäude sein heutiges Aussehen. Dabei wurde der rechte Flügel mit dem Glockentürmchen errichtet. Pünktlich zur Jahrhundertwende wurde die Kirche im Ortskern renoviert. Im Zuge der Industrialisierung, ab den 1870er Jahren, änderte sich die Schwalbacher Wirtschaftsstruktur. Während der Ort bisher fast ausschließlich von der Landwirtschaft lebte, fanden nun viele Schwalbacher in den benachbarten Städten Rödelheim, Bockenheim oder Höchst am Main als Arbeiter in den entstehenden Fabriken ihr Auskommen.
20. Jahrhundert mini|Alte Ansicht von 1920 mini|Der Marktplatz in der Limesstadt
Während des Ersten Weltkrieges musste die Kirchengemeinde Schwalbach drei ihrer vier Glocken zur „Metallspende des deutschen Volkes“ abgeben. 1920 wurde der „Bau- und Siedlungsverein“ gegründet. Dieser plante die erste moderne Bausiedlung in Schwalbach auf der großen Rohrwiese. 1924 waren die ersten Häuser fertiggestellt. Aufgrund der erweiterten wirtschaftlichen Basis steigt, wie überall im Vordertaunus, auch die Einwohnerzahl. 1925 hatte Schwalbach 1500 Einwohner. 1928 wurde die Gemeinde Schwalbach Teil des neu gegründeten Main-Taunus-Kreises mit Sitz in Höchst am Main. 1930 bekam Schwalbach seinen amtlichen Namen Schwalbach am Taunus.
Im Zweiten Weltkrieg wurde auch Schwalbach Ziel von alliierten Bombern. Viermal wurde die Gemeinde davon heimgesucht. Allein am 25. September 1944, dem schwersten Angriff, starben 24 Menschen und 14 Häuser wurden vollkommen zerstört. Dabei wurde auch das Wasserhaus, gegenüber der alten Schule, zerstört, wodurch die Wasserversorgung im Dorf zusammenbrach. Insgesamt fielen 143 Schwalbacher Soldaten im Krieg.
Der erste Bürgermeister nach dem Krieg war Peter Scherer von der SPD. Ab 1948 stellte die CDU den Bürgermeister. 1956 zählte Schwalbach 3300 Einwohner. Die Suburbanisierung führte in den 1960er und 1970er im ganzen Vordertaunus zu einem weiteren, noch stärkeren Wachstum der Einwohnerzahlen. Dies geschah in Schwalbach in extremer Form durch den Bau der vom Architekten Hans Bernhard Reichow geplanten Limesstadt, der zweitgrößten Großwohnsiedlung im Rhein-Main-Gebiet durch die Nassauische Heimstätte. Zum Zeitpunkt des Baubeginns hatte Schwalbach rund 4000 Einwohner, die neue Siedlung war für 10.000 Menschen konzipiert. Die Limesstadt machte aus der kleinen Vordertaunusgemeinde eine moderne Vorstadt am Rande der Metropole Frankfurt. 1970 wurde die Limesbahn von Bundesverkehrsminister Georg Leber eröffnet.
Am 14. April 1970 wurde der Gemeinde Schwalbach a. Ts. durch die Hessische Landesregierung das Recht zur Führung der Bezeichnung Stadt verliehen.
Während der Gebietsreform in Hessen 1972 bis 1977 konnte das stark angewachsene Schwalbach seine Eigenständigkeit erhalten. 1978 erhielt die Stadt Anschluss an das neue Frankfurter S-Bahn-Netz. 1981 feierte die Stadt ihr 1200-Jahr-Jubiläum. Seit den 1990er-Jahren entwickelte sich der Wohnvorort auch zu einem wichtigen Gewerbestandort, vor allem als Deutschlandsitz ausländischer Großkonzerne.