mini|hochkant=2|Stiller Hof mit Konventbau (l.), Refektorium (m.) und Aula (r.) mini|Terrassenhof mit Propstei (m.) und Neuem Bau (r.)
Das Kloster Höchst in Höchst im Odenwald war ein zwischen 1177 und 1244 vom Kloster Fulda über dessen Besitztum Burg Breuberg gegründetes ehemaliges Filialkloster der Augustinerinnen. 1503 verließ die letzte verbliebene Nonne das Kloster, das 1511 mit Benediktinerinnen neu besetzt wurde. Im Laufe der Reformation wurde das Kloster 1568 aufgelöst und als evangelischer Klosterfonds fortgeführt. Die in der Folge stark erweiterte Anlage ist seit 1957 im Besitz der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. 1962 zog das Evangelische Jugendzentrum Kloster Höchst in das Anwesen. Seit 2004 dient das ehemalige Kloster als Jugendbildungsstätte.
Zu der erhaltenen Klosterausstattung gehören in der ehemaligen Kloster- und heutigen Pfarrkirche neben Grabplatten aus dem 14. Jahrhundert drei Altäre aus der Zeit der Augustinerinnen und ein Altar aus der Zeit der Benediktinerinnen. Besonders bemerkenswert ist die im Klosterhof gefundene Figur des „Höchster Klosterlöwen“, eine um 1200 gefertigte, ausdrucksstarke Sandsteinskulptur.
Lage mini|hochkant|Karte der Gemarkung Höchst (1753)
Das Kloster Höchst liegt am nördlichen Rand der Kernstadt von Höchst im Odenwald am südlichen Hang des Schorschberges, am Kirchbergweg oberhalb des Hetschbachs, der bis ins 19. Jahrhundert offen durch den gleichnamigen Ortsteil floss. Einen Besucherparkplatz gibt es unweit davon entfernt in der Frankfurter Straße. Die heute dreiflügelige Anlage mit Mittelbau und Kirche hat eine Ausdehnung von etwa 75 mal 55 Metern, die gesamte Klosteranlage mit Grünanlagen von etwa 200 mal 150 Metern.
Geschichte Entstehung des Klosters Die erste urkundliche Erwähnung von Höchst stammt aus dem Jahr 1156, die des Klosters aus dem Jahr 1244.Ludwig Hahn: Kloster Höchst und sein Grundbesitz. In: Hans H. Weber (Hrsg.): Höchst im Odenwald. Höchst 1956, S. 22. Veröffentlichte Vermutungen, das Kloster sei vor 1219 gegründet worden,Elisabeth Kleberger: Territorialgeschichte der Grafschaft Erbach und der Herrschaft Breuberg. Darmstadt und Marburg 1951. sind aufgrund einer schlechten Quellenlage nicht wissenschaftlich nachzuweisen. Nonnen aus der 1177 gegründeten Kongregation der Augustinerinnen lebten anfangs im Kloster, sodass dessen Gründung zwischen der Ordensgründung und der Ersterwähnung liegen muss und üblicherweise mit „um 1200“ angegeben wird. Die Gründung ging vom Kloster Fulda aus, das sich bereits zu dieser Zeit umfangreiche Besitzungen im nördlichen Odenwald gesichert hatte, unter anderem gegen Ende des 12. Jahrhunderts die Burg Breuberg, den Mittelpunkt der späteren Herrschaft Breuberg, die als Kleinstaat bis 1806 bestand und zu der Hetschbach bis dahin gehörte.Karl-Heinz Winter: Hetschbach. In: Verein für Heimatgeschichte Höchst im Odenwald (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte von Höchst im Odenwald. Höchst im Odenwald 2006, S. 345–348.
Der eigentliche Stifter des Klosters ist nicht bekannt. Durch das Kloster Fulda erhielten die Pfalzgrafen bei Rhein die Schutz- und Schirmherrschaft über das Kloster Höchst als Lehen, die es als Afterlehen an die Herren von Crumbach übertrugen.Christian Alexander Klinke: Zur Historie des Klosters in Höchst. In: Verein für Heimatgeschichte Höchst e. V. (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte von Höchst im Odenwald, Höchst 2006, S. 35 f.
Weiterführung bis zur Reformation Das Kloster Höchst erreichte lokale Bedeutung als religiöses Zentrum des nördlichen Odenwalds. Fast 300 Jahre wurde es von den Augustinerinnen geführt, nach deren Ordensregeln liturgisches Feiern (Chorgebet) und diakonisches Handeln (Krankenpflege) eine Einheit bildeten. Zum Unterhalt des Klosters trugen üblicherweise Erträge aus der Land- und Forstwirtschaft bei, die durch zahlreiche Güterüberschreibungen in der Umgebung von Höchst beurkundet sind. So verkauften 1279 und 1282 Marquardt von Rosenbach und sein Sohn Ulrich umfangreiche Güter, darunter ein Gut zu Breitenbrunn, an das Kloster Höchst.
Vielfach sind Angehörige der Adelsfamilien des vorderen Odenwalds (Grafen von Erbach, Gans von Otzberg, Wambolt von Umstadt) als Nonnen im Kloster Höchst belegt. In der Regel handelte es sich um Töchter aus kinderreichen Adelsfamilien, was die Zahlung einer Mitgift im Falle einer Verheiratung vermied. So erwuchs dem Kloster eine weitere Einnahmequelle durch die Übertragung von Zehntrechten und anderen Privilegien, die die Güter- und seine Besitzverhältnisse stützten.
Der Grundbesitz des Klosters lag vornehmlich in den Zehnten Otzberg und Umstadt. Dazu gehörten neben Höchst 31 weitere Ortschaften: Annelsbach, Breidenbach, Breitenbrunn, Dieburg, Dorndiel, Dusenbach, Forstel, Frau-Nauses, Groß-Umstadt, Habitzheim, Hassenroth, Heubach, Hummetroth, Kleestadt, Klein-Umstadt, König, Lengfeld, Mosbach, Mümling-Grumbach, Nieder-Klingen, Ober-Klingen, Pfirschbach, Radheim, Richen, Semd, Sickenhofen, Wald-Amorbach, Wiebelsbach, Huppelnheim, Unrode und Wackenbrunn.o. g. Ludwig Hahn: Kloster Höchst und sein Grundbesitz, S. 23.
Dem Kloster gelang es so, bis ins 14. Jahrhundert seinen Besitz zu vergrößern. Dann zeigten sich, wie in vielen anderen Klöstern der Zeit auch, wirtschaftliche Probleme. 1400 kam es zu ersten Zwangsverkäufen von klösterlichen Gütern, um Schulden zu tilgen. Durch die Einflussnahme des Mainzer Erzbischofs Dietrich Schenk von Erbach wurde 1448 die Kirche von Ober-Klingen mitsamt allen Einkünften und Rechten dem Kloster in Höchst unterstellt, um der fortschreitenden Verarmung entgegenzuwirken. Als weitere Hilfsmaßnahme erhielt es 1452 die Zehnte aus Kirchbrombach, Höchst und den Flachszehnt aus Dusenbach. Auch eine 1453 von Graf Wilhelm zu Wertheim genehmigte klostereigene Schäferei und die daraus resultierende Textilherstellung verschafften den Nonnen notwendige Einkünfte.Christian Alexander Klinke: Zur Historie des Klosters in Höchst. S. 36, 37.
Anfang des 16. Jahrhunderts fehlte es dem Kloster so sehr an Ordensnachwuchs, dass 1503 die letztverbliebene Nonne, Anna von Geiling, abgefunden und in ihre Heimat geschickt wurde. Der Fuldaer Fürstabt Johann II. Graf von Henneberg-Schleusingen besetzte nach dem Tod Annas am 21. Juli 1511 das Kloster Höchst neu mit Benediktinerinnen. Diese führten es die folgenden 64 Jahre weiter, obwohl sich die Reformation in der Herrschaft Breuberg, die inzwischen von Graf Georg II. von Wertheim regiert wurde, bereits 1537 bis 1542 vollzogen hatte. In diesem Zeitraum wurden auf Veranlassung der Gräfin Barbara von Wertheim in ihrer Funktion als Vormund des noch unmündigen Grafen Michael III. die Pfarrstellen in den umliegenden Dörfern mit evangelischen Pfarrern besetzt. Dennoch blieb die Pfarrstelle an der Klosterkirche zu Höchst bis 1567, dem Todesjahr der letzten noch verbliebenen Nonne und Äbtissin Anna Gans von Otzberg,Staatsarchiv Wertheim, Bestand G-Rep. 24 Nr. 194. in der Hand eines katholischen Pfarrers, der gleichzeitig Prior des Klosters war.
Vorsteherinnen und Vorsteher Das Augustinerinnenkloster Höchst wurde von einem Propst und einer Meisterin geleitet. Die folgende Liste basiert auf den nicht immer fortlaufenden und teilweise widersprüchlichen Einsetzungsurkunden.Lothar Lammer: Vorsteherinnen und Vorsteher des Klosters Höchst. In: Verein für Heimatgeschichte Höchst e. V. (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte von Höchst im Odenwald. Höchst 2006, S. 39, 40.
Pröpste 1244 Conrad 1246, 1249 Johannes I. 1282 Dyther 1301, 1303 Heinrich von Phersdorff 1305–1309 Bertold von Wiesenfeld 1312 Berno 1313 Emmeram 1314–1336 Berno 1347–1349 (?) Johannes II. 1343–1374 Groschlag zu Dieburg (Grasloc) 1375, 1383 (?) Erwin Löw de Steinfurt 1378, 1384–1391 (?) Johann von Rorbach nach 1395 Heinrich Fink von Altenburg 1410–1424 Simon von Wolkenstein 1424–1475 Balthasar von Haun 1475 Johannes von Hutten 1508 Johannes Loher (Verwalter des unbesetzten Klosters)
Meisterinnen 1320 Irmengart 1331–1345 Ida von Erbach 1353, 1356 Elisabeth 1370, 1378 Ursula „Stille“ 1384 Mechthilde von Rohrbach 1391, 1397 Yrmele von Waltmann („Waltmännin“) 1402 Fyhe („Kreyssen“) von Buergenstad 1403 Agnes Wambolt von Umstadt 1404 Contzel von Ulbach 1448, 1452 Ida von Erbach 1457–1458 Magdalene von Rosenbach 1475, 1491 Margarete Schad vor 1503 Magdalene von Brubach („von Angeloch“) 1503–1508 Anna von Geiling
Nach dem Tod Anna von Geilings 1511 wurde das Kloster mit Benediktinerinnen besetzt, denen ein Propst und eine Äbtissin vorstanden.
Pröpste 1511 Johann Scharlach 1511–1520 Paul von Kutzleben 1520–1538 (?) Johannes von Hundelshausen 1539–1545 Eustachius Butler („Treusch“) 1545–1567 (?) Kaspar Lang
Äbtissinnen 1511, 1543 Margarete Reuser 1566–1567 Anna Gans von Otzberg
Dreißigjähriger Krieg Nach Auflösung des Klosters Höchst um 1568/1569 setzte Fulda Pröpste ein, um die angenommenen Rechtsansprüche zu wahren. Sie hielten sich jedoch nicht im aufgehobenen Kloster auf. 1570–1572 Johannes Eitel von Trohe 1609–1618 Georg von Hatzfeld 1614, 1619 Peter Ernst von und zu der Fels 1624–1630 Johann Friedrich von Kerpen 1642–1681 Philipp Christoph von Rosenbach
Nach dem Tod Michaels III. erlosch die Wertheimsche Linie. Die Erben der Herrschaft, die Grafen von Erbach und die Grafen von Stolberg, beschlossen die Auflösung der Propstei Höchst. Es entbrannte ein langjähriger Streit mit der Mutterabtei, die ab 1572 unter anderem durch Fürstabt Bernhard Gustav von Baden-Durlach, letztlich erfolglos, die Herausgabe des Klosters Höchst und der Klostergüter verlangte.
Im Januar 1620, im zweiten Jahr des Dreißigjährigen Krieges, waren zehn Reiter des Grafen Johann Dietrich von Löwenstein, der zum katholischen Glauben zurückgekehrt war, in Höchst einquartiert. Im Mai 1621 rückten 3000 spanische Reiter in die Herrschaft Breuberg ein. Die großen Plünderungen und Verwüstungen begannen und erreichten im September 1627 mit der Einquartierung eines Regiments des Don Verdugo in Höchst ihren Höhepunkt. Fürstabt Johann Bernhard Schenk zu Schweinsberg nutzte 1628 die geschwächte Situation der Herrschaft Breuberg aus und trug erneut sein Ansinnen, das Kloster Höchst zurückzuerhalten, Kaiser Ferdinand II. vor, der zwei Jahre später kaiserliche Reitertruppen nach Höchst sandte und das Kloster am 17. Dezember 1630 gewaltsam einnehmen ließ. Zu dieser Zeit wütete in Höchst die Pest. Die Bevölkerungszahl schrumpfte von vormals 230 (um 1620) auf 25.Dittmar Fleck: Höchst im Dreißigjährigen Krieg. In: Verein für Heimatgeschichte Höchst e. V. (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte von Höchst im Odenwald. Höchst 2006, S. 64–67. 18 Jahre nach der Einnahme des verwaisten Klosters, am 24. Oktober 1648, stellte der Westfälische Friede den vorhergehenden Besitzstand wieder her. Er lag nun wieder bei den Erben der Herrschaft Breuberg, den Erbachern und Löwensteinern.
Höchster Klosterfonds