Die rumänische Rugby-Union-Nationalmannschaft () ist die Nationalmannschaft Rumäniens in der Sportart Rugby Union und repräsentiert das Land bei allen Länderspielen (Test Matches) der Männer. Die Mannschaft trägt den Spitznamen („die Eichen“). Die organisatorische Verantwortung trägt der 1931 gegründete Verband Federația Română de Rugby (FRR). Vom Weltverband World Rugby wird die rumänische Nationalmannschaft in die zweite Stärkeklasse () eingeteilt. Damit gehört sie zu den stärkeren europäischen Teams außerhalb der Six Nations.
Das erste Test Match fand 1919 gegen die Vereinigten Staaten statt. Rumänien galt neben Italien jahrzehntelang als eine der besten Rugbymannschaften Europas außerhalb der damaligen Five Nations. Die Mannschaft errang bei Europameisterschaften bisher zehn Titel und klassierte sich 20 Mal auf dem zweiten sowie 17 Mal auf dem dritten Platz. Während ihrer Blütezeit in den 1980er Jahren gelang es ihr, mehrmals Rugbygrößen wie Frankreich, Wales und Schottland zu schlagen. Nach dem Sturz des kommunistischen Ceaușescu-Regimes fiel die großzügige staatliche Förderung weitestgehend weg und es begann eine schwächere Phase, die bis heute andauert.
Traditionell spielt Rumänien in gelben Trikots mit blauen Hosen und roten Socken – also in den Farben der Flagge Rumäniens. Seine wichtigsten internationalen Auftritte hat das Team bei den alle vier Jahre stattfindenden Weltmeisterschaften. Seit deren Einführung 1987 hat es an fast jedem Turnier teilgenommen und verpasste bisher nur das Turnier 2019.
Organisation
Verantwortlich für die Organisation von Rugby Union in Rumänien ist die Federația Română de Rugby (FRR). Sie wurde 1931 gegründet und 1987, kurz vor der ersten Weltmeisterschaft, Vollmitglied des International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby). Die Federația Română de Rugby war außerdem im Jahr 1934 Gründungsmitglied des Kontinentalverbandes Fédération internationale de rugby amateur (FIRA; heute Rugby Europe, RE).
Die höchste Rugby-Union-Liga in Rumänien ist die professionelle Liga Națională de Rugby mit sechs Mannschaften. Allerdings ziehen es zahlreiche Spieler wegen der wirtschaftlichen Schwäche des Landes vor, als Profisportler für Vereine in Westeuropa anzutreten (vor allem in Frankreich). Nicht in Westeuropa tätige Nationalspieler gehören meist der professionellen Mannschaft Romanian Wolves an, die seit 2022 am Rugby Europe Super Cup teilnimmt. Neben der eigentlichen Nationalmannschaft ruft die FRR weitere Auswahlmannschaften zusammen. Wie andere Rugbynationen verfügt Rumänien über eine U-20-Nationalmannschaft, die an den entsprechenden Europa- und Weltmeisterschaften teilnimmt. Kinder und Jugendliche werden bereits in der Schule an den Rugbysport herangeführt und je nach Interesse und Talent beginnt dann die Ausbildung.
Geschichte Einführung und Verbreitung von Rugby mini|Rumänien gegen Frankreich bei den Interalliierten Spielen 1919 mini|Die rumänische Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen 1924 in Paris
Die Rugbyhistorie Rumäniens begann im frühen 20. Jahrhundert, als Studenten den Sport während ihrer Auslandssemester in Paris kennenlernten und mit Rugbybällen im Gepäck in ihre Heimat zurückkehrten. Das Rugbyspiel etablierte sich in Bukarest, wo es von Studenten und Angehörigen des aufstrebenden Bürgertums ausgeübt wurde. 1913 entstand mit Stadiul Român der erste Verein, dem bald weitere folgten, zunächst jedoch ausschließlich in der Hauptstadt.Bath: The Complete Book of Rugby. S. 73–74. Diese Vereine gehörten ab 1914 dem zwei Jahre zuvor gegründeten allgemeinen Sportverband Federatiunea Societatilor de Sport din Romania (FSSR) an, der auch andere Sportarten wie Tennis, Radsport oder Fußball betreute. Die ersten Vereine in Provinzstädten entstanden 1919 in Lupeni und Petroșani.
Ebenfalls 1919 erhielt Rumänien als einer der Siegermächte des Ersten Weltkrieges eine Einladung zu den in Paris stattfindenden Interalliierten Spielen. Die FSSR stellte eine Nationalmannschaft aus jenen Angehörigen der Armee zusammen, die die größte Begabung für das Spiel gezeigt hatten und einem der bereits existierenden Vereine angehörten. Ihr erstes internationales Spiel am 23. Juni endete mit einer 5:48-Niederlage gegen eine inoffizielle Auswahl des Gastgebers. Drei Tage später folgte gegen die Vereinigten Staaten eine 0:21-Niederlage. Es zählte im Gegensatz zum Frankreich-Spiel als Test Match und gilt deshalb als erstes offizielles Länderspiel Rumäniens. Ein Jahr später hätte Rumänien am Rugbyturnier der Olympischen Spiele 1920 teilnehmen sollen, musste aber verzichten, da das Nationale Olympische Komitee nicht genügend Geld hatte, um überhaupt Athleten nach Antwerpen zu entsenden. Bei den Olympischen Sommerspielen 1924 kam schließlich die Teilnahme zustande. Das rumänische Team traf nach viertägiger Zugfahrt erschöpft, ohne Verpflegung und mit knappen finanziellen Mitteln in Paris ein. Es musste sich Frankreich mit 3:61 und den Vereinigten Staaten mit 0:39 geschlagen geben. Trotz der sehr deutlichen Niederlagen erhielten die Rumänen die Bronzemedaille, da nur drei Mannschaften am Turnier beteiligt gewesen waren.
In den folgenden Jahren trat Rumänien sporadisch zu Freundschaftsspielen an, der erste Sieg gelang 1927 gegen die Tschechoslowakei. 1931 machte sich die Rugby-Kommission der FSSR selbstständig und bildete daraufhin den bis heute bestehenden Verband Federația Română de Rugby (FRR). Im Januar 1934 gehörte die FRR zu den neun Gründungsmitgliedern des Kontinentalverbandes Fédération internationale de rugby amateur (FIRA; heute Rugby Europe, RE), der sich unter französischer Führung als Konkurrent zum damals exklusiven, angelsächsisch geprägten International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby) etablierte. 1936 beteiligte sich Rumänien am ersten FIRA-Turnier in Berlin, die als inoffizielle Europameisterschaft galt, und unterlag im Spiel um Platz drei Italien knapp mit 7:8. Im April 1937 endete das erste Heimspiel überhaupt mit einem punktelosen Unentschieden gegen Italien. Ein halbes Jahr später verlor Rumänien bei dem in Paris ausgetragenen FIRA-Turnier 1937 erneut im Spiel um Platz drei, dieses Mal gegen Deutschland. 1938 war Bukarest Austragungsort des dritten FIRA-Turniers und Rumänien belegte unter drei Teilnehmern den letzten Platz. 1939, 1940 und 1942 fand jeweils ein Freundschaftsspiel gegen Italien statt, danach ruhte der internationale Spielbetrieb wegen des Zweiten Weltkrieges für mehrere Jahre; die nationale Meisterschaft konnte ununterbrochen durchgeführt werden.
Symbol der kommunistischen Propaganda mini|hochkant|Alex Penciu gilt als einer der besten Rugbyspieler der 1960er
Nach der kommunistischen Machtübernahme schien die Zukunft des rumänischen Rugbys zunächst ungewiss, denn er galt bei manchen Kommunisten als typischer Sport der eben erst entmachteten „Bourgeoisie“. Doch der Staat tolerierte Rugby nicht nur, sondern begann ihn sogar gezielt zu fördern. Ein Grund dafür dürfte gewesen sein, dass Gheorghe Gheorghiu-Dej, der Vorsitzende der Rumänischen Arbeiterpartei, früher in der Bukarester Grivița-Betriebswerkstätte der rumänischen Staatsbahn gearbeitet hatte, die ein erfolgreiches Rugby-Werksteam besaß. Welche Wertschätzung die Regierung für Rugby hatte, zeigte sich auch daran, dass Außenminister Grigore Preoteasa gleichzeitig Präsident der FRR war. 1954 gab es die ersten sportlichen Kontakte über den Eisernen Vorhang hinweg, als der walisische Verein Swansea RFC eine Tour durch Rumänien unternahm. Ein Jahr darauf erfolgte der Gegenbesuch der rumänischen Nationalmannschaft, die gegen walisische und englische Vereine antrat und mit einer ausgeglichenen Bilanz heimkehrte.
Im Kalten Krieg und insbesondere nach dem Beginn der Herrschaft von Nicolae Ceaușescu im Jahr 1965 nutzte das kommunistische Regime Rugby und andere Sportarten für den internationalen Wettstreit mit dem kapitalistischen „Klassenfeind“ im Westen. Jeder internationale Erfolg diente propagandistisch als Beweis der angeblichen Überlegenheit des kommunistischen Systems und dessen Ideologie. Der Staat scheute keinen Aufwand, um die Ausrüstung und das Training der Nationalmannschaft zu verbessern. Die dazu notwendige Aufbauarbeit leisteten zu Beginn überwiegend französische Trainer, bevor dann Einheimische diese Rolle übernahmen. Die meisten Spitzenspieler waren Angestellte der Armee oder der Polizei, weshalb sie entweder für Steaua Bukarest oder für Dinamo Bukarest spielten (entsprechend dominierten beide Mannschaften die Meisterschaft). Als so genannte Staatsamateure betrieben sie fast ausschließlich Leistungssport und trainierten in gut eingerichteten Anlagen. Diese Infrastruktur und Förderung brachte eine Reihe an Talenten für die Nationalmannschaft hervor.
mini|Die rumänische Nationalmannschaft von 1960
Als die Nationalmannschaft 1949 wieder zu spielen begann, trat sie zunächst überwiegend gegen die sozialistischen Bruderländer Osteuropas an und erwies sich dabei als überlegen. Das Heimspiel am 19. Mai 1957 gegen Frankreich im Bukarester Stadionul 23 August war in zweierlei Hinsicht historisch: Die erste Begegnung zwischen beiden Mannschaften seit zwanzig Jahren endete mit einer knappen 15:18-Niederlage der Gastgeber, nachdem diese zur Halbzeit noch geführt und den Sieg erst in der letzten Minute aus der Hand gegeben hatten. Die ausländische Presse berichtete auch, dass 100.000 Zuschauer das Spiel mitverfolgt hatten – ein neuer Weltrekord für ein Rugbyspiel, der bis zu einer Begegnung zwischen Australien und Neuseeland im Jahr 2000 bestehen blieb. 1958 kam es zu politischen Säuberungen im rumänischen Rugbysport, als mehrere Spitzenspieler von den Behörden als „politisch verdächtig“ bezeichnet, aus den beiden führenden Vereinen entlassen und aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen wurden. Dies beeinträchtigte zwar nicht die Stärke der Nationalmannschaft an sich – in Osteuropa blieb sie unangefochten an der Spitze – führte aber dazu, dass geplante Partien gegen britische Mannschaften abgesagt und für mehr als ein Jahrzehnt zurückgestellt werden mussten. Die Italiener und Franzosen blieben weiterhin die einzigen westeuropäischen Teams, die regelmäßig gegen Rumänien antraten. Am 5. Juni 1960 gelang in Bukarest ein bemerkenswerter Erfolg, als Frankreich, das wenige Monate zuvor das Five Nations 1960 für sich entschieden hatte, mit 11:5 bezwungen werden konnte.
Nachdem sie selbst in der Folge eine weitere Niederlage und zwei Unentschieden hatten hinnehmen müssen, gelang es den Franzosen im November 1964 schließlich, eine seit 20 Spielen anhaltende Ungeschlagenheit der Rumänen zu beenden. Ab 1965 nahm Rumänien jährlich an dem von der FIRA eingeführten Nationenpokal teil und gehörte aufgrund der damaligen Spielstärke sogleich der höheren von zwei Divisionen an. Nach einem dritten und zwei zweiten Plätzen in den drei ersten Ausgaben entschieden die Rumänen den FIRA-Nationenpokal 1967/68 für sich, gleichbedeutend mit ihrem ersten Europameistertitel. Den Grundstein dazu legten sie im Dezember 1968 mit einem hart umkämpften 15:14-Heimsieg über Frankreich, das die Five Nations 1968 noch mit einem Grand Slam für sich entschieden hatte.
Goldene Ära des rumänischen Rugbys mini|Rumänien gegen Argentinien 1973