Der Motorentyp M 120 ist ein Zwölfzylinder-V-Motor von Daimler-Benz und der erste serienmäßig produzierte Pkw-Zwölfzylinder der Marke Mercedes-Benz. Der Ottomotor mit 6 l Hubraum und Vierventiltechnik hatte seine Markteinführung 1991 in den Limousinen 600 SEL und 600 SE. Im darauffolgenden Jahr wurden der Roadster 600 SL und das neue Coupé 600 SEC mit diesem Motor in das Verkaufsprogramm aufgenommen.600 SEL (V 140) Frei zugängliches Online-Archiv der Mercedes-Benz AG. Abgerufen am 23. August 2025600 SL (R 129) Frei zugängliches Online-Archiv der Mercedes-Benz AG. Abgerufen am 23. August 2025600 SEC (C 140) Frei zugängliches Online-Archiv der Mercedes-Benz AG. Abgerufen am 23. August 2025
Der Motorentyp wurde 1999 für den Einsatz in der S-Klasse der Baureihe 220 (später auch in anderen Baureihen) vom etwas kleineren und leichteren M 137 abgelöst. Der M 120 wird außerdem in optimierter Form als M 297 in einigen Sportwagen und Luxuslimousinen verwendet, zum Beispiel im Pagani Zonda, dem Mercedes-Benz CLK GTR und dem Lotec Sirius. Auch im nur fünfmal produzierten Mega Track der französischen Firma Aixam wurde der M 120 eingebaut. Außerdem wurde das Mercedes-Benz-Versuchfahrzeug C 112 mit dem M 120 bestückt und samt manuellem Sechsgang-Getriebe für Test- und Erprobungsfahrten genutzt.
Entstehung und Technik
Grundsatzüberlegungen
Mitte der 1980er-Jahre standen bei Daimler-Benz die Entwicklungsarbeiten für eine neue S-Klasse an, die 1991 vorgestellt werden sollte.
Im Marktsegment der Oberklasselimousinen hatte lediglich die britische Marke Jaguar, die auch Rechte an der Marke Daimler besaß, ab 1972 im XJ Mk. I sowie Daimler Double Six einen V12 im Angebot, ansonsten waren Zwölfzylindermotoren eine Domäne von Sportwagen-Herstellern wie Ferrari und Lamborghini.
Vorgängerbaureihe
Schon für die in Produktion stehende Baureihe 126 war außer den bewährten V8-Motoren M 117 auch ein Zwölfzylindermotor für einen projektierten „600 SEL“ entwickelt worden. Jedoch erschien es unklug, einen solch übergroßen Motor im Nachklang der Ölpreiskrisen von 1974 und 1979 vorzustellen, und Daimler entschied, ihn nicht für die Serienproduktion freizugeben.
1987: BMW 750 i
BMW stellte 1987 mit dem 750 i der 7er-Reihe den ersten Zwölfzylindermotor in einem Pkw der deutschen Nachkriegsgeschichte vor. Daimler-Benz entschied nun, es seinem schärfsten Konkurrenten gleichzutun und ebenfalls Personenkraftwagen mit Zwölfzylindermotor in sein Angebot aufzunehmen.focus.de vom 9. Mai 2015, Helmut Kohls dickste Karre, abgerufen am 29. September 2020.
1988: Entwicklungsauftrag
1988 wurde der Leiter für Motorenkonstruktion Kurt Obländer beauftragt, einen Zwölfzylindermotor für die 1991 erscheinende neue S-Klasse Baureihe 140 zu entwickeln, der das bayerische Aggregat in Leistung und Hubraum bei weitem übertreffen und mindestens entwickeln sollte. Zu dieser Zeit war bereits ein neuer 5,6-l-V8-Motor mit Vierventiltechnik und knapp unter dem Code M 117/9 fertig entwickelt, den die Tuning-Firma (und spätere Daimler-Tochter) AMG zunächst allein produzierte. Später wurden diese Aggregate zusammen mit Daimler-Benz in vereinfachtem Design hergestellt und für solvente Kunden in Coupés und Limousinen der Baureihe 126 eingebaut.
Zur selben Zeit hatte Obländer für das zunächst geplante Modell „800 SEL“ des W 140 einen Achtliter-V16 mit etwa serienreif entwickelt, vor dessen Serieneinführung Daimler-Benz dann aber zurückschreckte, ähnlich wie vor der Einführung des V12-Motors in der Vorgängerbaureihe W 126.
1991: Einführung mit der neuen S-Klasse
Der mit der Baureihe W 140 eingeführte neue Sechsliter-V12 leistete . Der Zylinderabstand von 97 mm wurde vom Sechszylinder M 104 übernommen, womit auch dessen Zylinderköpfe verwendet werden konnten. Lediglich die Bohrung wurde von 88,5 auf 89,0 mm vergrößert, um den Hubraum nicht unter 6,0 l absinken zu lassen. Für den Motorblock wurde eine Aluminiumlegierung verwendet. Der M 120 war nicht nur der erste serienmäßig produzierte Pkw-Zwölfzylinder von Mercedes-Benz, er war auch der bis dahin leistungsstärkste Mercedes-Benz Pkw-Motor. Das Drehmoment überschreitet schon bei 1600/min die 500-Nm-Marke und beträgt maximal 580 Nm. Der V12 ist mit einer Nockenwellenverstellung der Einlassnockenwellen sowie mit einer vollelektronischen Bosch-Einspritzanlage mit Hitzdraht-Luftmassenmesser (LH-Motronic) ausgerüstet.Öffentliches Konzernarchiv von Mercedes-Benz, S 600, Reiter Technische Daten, Motor, abgerufen am 28. September 2020.
Entwicklungsziele
In der Motorenentwicklung stand die Minimierung der Schadstoffemissionen und des Kraftstoffverbrauches im Vordergrund. Die elektronische Zündung berechnet aus 300 Zündkennpunkten den optimalen Zündzeitpunkt, für jeden Zylinder einzeln und an die Klopfgrenze angepasst. Als einziger Zwölfzylinder weltweit hat der M 120 diese Zylinder-selektive Antiklopfregelung. Nur damit ist die für eine optimale Kraftstoffausnutzung erforderliche hohe Verdichtung von 10:1 möglich. Neuartig war das Motor- und Antriebsmanagement, bei dem alle Steuermodule über einen gemeinsamen Datenkanal (CAN-Bus) miteinander kommunizieren. Dies wird unter anderem zur schnellen Aufheizung der Katalysatoren nach dem Kaltstart des Motors benutzt, außerdem zur Antriebs-Schlupf-Regelung und zur neuen Motor-Schleppmoment-Regelung, die verhindert, dass ein Wagen auf glatter Fahrbahn infolge Gaswegnehmens ausbricht.
Abgasanlage
Die Abgasanlage des Motors beherbergt die weltweit größte Katalysator-Anlage für Pkw. Sie wurde mit sieben Litern Volumen so dimensioniert, dass durch den Katalysator kein Kraftstoffmehrverbrauch auftritt und eine hohe Langzeitstabilität gewährleistet wird. Durch ein neuartiges Konzept doppelwandiger und dreischichtig gedämmter Auspuffkrümmer und ebenfalls doppelwandiger Zuleitungen erreichen die in einer wärmegedämmten Quellmatte eingebetteten Keramik-Katalysatoren in kurzer Zeit Betriebstemperatur.mb-w140.de, Menüpunkt Die Limousine, abgerufen am 29. September 2020.
1992: Verzicht auf Gemischanreicherung
Nachdem öffentliche Kritik laut wurde, verzichtete Daimler-Benz im September 1992, drei Jahre nach Fertigstellung des M 120, auf die Gemischanreicherung bei Volllast, die mehr Benzin einspritzte, als zur Wandlung der Schadstoffe zulässig war. Der Hersteller modifizierte die Motorsteuerung, womit ein Leistungsverlust von 1/30 (3,33 %) bzw. auf und eine kleine Reduktion des Drehmoments auf 570 Nm einherging.
Serienfahrzeuge mit M 120
Ab 1991
im 600 SE, (ab 06/1993 S 600) W 140 im 600 SEL, (ab 06/1993 S 600 lang) V 140
Ab 1992
im 600 SEC, (ab 06/1993 CL 600) C 140 im 600 SL, (ab 06/1993 SL 600) R 129
Leistungssteigerung
M 297 AMG
mini|M 297 AMG im CLK GTR AMG entwickelte auf Basis des M 120 diverse Motoren mit 6,9, 7,0 und 7,3 l Hubraum, die u. a. im CLK GTR, im SL 70 AMG und im SL 73 AMG eingesetzt wurden. Sie wurden auch im Sportwagen Pagani Zonda eingebaut. Diese Motoren werden als M 297 bezeichnet und leisten beziehungsweise .motor-car.net, Mercedes M 120 V12 engine, Abschnitt Performance (englisch), abgerufen am 29. September 2020.
Tuning
Zeitgenössisches Tuning
Auch Tuningfirmen bearbeiteten den M 120. Von Brabus, Lorinser, Koenig-Specials, Renntech, Väth und Carlsson gab es den Zwölfzylinder mit Maximal-Hubräumen zwischen 7,2 und 7,4 l. Sehr bekannt ist der Brabus 7.3S mit einer Leistung von . Die Leistungsbandbreite geht hin bis zum weniger bekannten Carlsson RS74 Le Mans mit bis zu . Das Drehmoment der verschiedenen Hubraumversionen reicht von 720 bis 850 Nm.
2022: Renntech S76R (USA)
Im September 2022 präsentierte der amerikanische Tuner Renntech auf Basis des V 140 SEL 600 schließlich den S76R, welcher mit einem Aggregat auf Basis des M 120 versehen wurde. Bei dieser Restomod wurde der Motor komplett neu aufgebaut und im Zuge dessen auf 7,6 l Hubraum vergrößert. Viele Teile wurden von Renntech entwickelt. Daraus resultieren und 956 Nm Drehmoment. Der Wagen wurde bei dem Umbau äußerlich kaum verändert, allerdings wie bei einer Restomod üblich, unter dem Blech komplett modernisiert. Unter anderem wurde das Fahrwerk und die Carbon-Keramik-Bremsanlage aus aktuellen Mercedes-AMG Modellen eingebaut.
Lotech (Deutschland)
Vom M 120 gibt es auch zwei aufwendige Umbauten mit Turbolader. Die Lotec GmbH in Kolbermoor hat es bei den serienmäßigen 6,0 l Hubraum belassen, jedoch zwei Abgasturbolader (K 27) samt Ladeluftkühler eingebaut und den Motor im Lotec Sirius eingebaut. Er entwickelt eine Leistung von . Er liefert ein maximales Drehmoment von 1100 Nm bei 0,85 bar Ladedruck. Mit kurzzeitig abrufbarem „Overboost“ (1,2 bar Ladedruck) sind es und 1320 Nm. Der Lotec Sirius ist ein Einzelstück.
A-Level (Russland)
Eine weitere Version des M 120 mit Turbolader kommt vom russischen Tuner A-Level. Dieser Motor leistet durch Biturboaufladung und auf 6,7 l vergrößertem Hubraum und entwickelt 1182 Nm maximales Drehmoment. Dieser Motor wurde in einem S-Klasse-Coupé des C 140 eingebaut und ist ein Einzelstück.
Perspektiven
Seit etwa 2008 geht mit Turbo-Technik insbesondere bei der Daimler AG der Trend zum „Downsizing“ mit kleineren, leichteren und sparsameren Motoren, sodass seit Einführung der Baureihe 221 auch in der S-Klasse ein Vierzylinder-Dieselmotor angeboten wird.
Daten
Motor-Typ: M 120 E 60 Einbaulage im Fahrzeug: Vorn, längs Zylinderzahl: 12 Zylinderanordnung: V-Form Zylinderbankwinkel: 60° Bohrung × Hub: 89,0 × 80,2 mm Hubraum: 5987 cm³ Verdichtungsverhältnis: 10,0 : 1 Ventile je Zylinder, Anordnung: 4 (2 Einlass, 2 Auslass), v-förmig hängend Ventilsteuerung: DOHC, je Zylinderbank zwei obenliegende Nockenwellen, Einlass-Nockenwellen verstellbar Nockenwellenantrieb: Duplex-Rollenkette Zündung: Elektronisch mit Kennfeldsteuerung Kühlung: Flüssigkeitskühlung, 18,5 l Kühlflüssigkeit Schmierung: Druckumlaufschmierung, 9,5 l Öl Gemischbildung: Saugrohreinspritzung mit Hitzdraht-Luftmassenmessung (Bosch LH-Jetronic); ab 09/1995 mit HFM (Motorsteuerung Bosch ME) Leistung: bei 5200/min; ab 09/1992: bei 5200/min Drehmoment: 580 Nm bei 3800/min; ab 09/1992: 570 Nm bei 3800/min Verbrauch: rund 20 lClassic Driver vom 8. Januar 2009: „Mercedes-Benz S-Klasse W140“, abrufbar am 30. September 2020. (im Mercedes S 600 mit 5-Gang Automatikgetriebe mit elektron. Steuerung ab 09/1995): 11,8 / 13,7 / 20,7 l (Werte für 90 km/h / 120 km/h / Stadtzyklus, nach Richtlinie 80/1268/EWG)Öffentliches Konzernarchiv von Mercedes-Benz, S 600, Reiter Getriebe & Fahrleistungen (dort Reiter für 5-Gang-Automatik), abgerufen am 28. September 2020.
Weblinks
motor-car.net, Mercedes M 120 V12 engine (englisch)
Einzelnachweise
M 120 Kategorie:Motorenmodell (V-Motor) M 120