Die Heereslogistiktruppen sind eine Truppengattung der Einsatzunterstützung des Deutschen Heeres. Ihre Hauptaufgaben sind der Nachschub (Materialbewirtschaftung mit Material-Lagerhaltung, -Umschlag und -Zu-/-Abführung), die Instandhaltung der technischen Ausrüstung (Materialerhalt) sowie der Materialtransport im Heer im engen Zusammenspiel mit der Logistiktruppe der Streitkräftebasis.
Auftrag Aufträge der deutschen Logistiktruppe sind vor allem die Versorgung der Truppen des Heeres, im militärischen Sprachgebrauch „Nachschub“ und die Instandsetzung der Geräte, Fahrzeuge und Waffen des Heeres. Die Heereslogistiktruppen sichern damit die Einsatzbereitschaft und Kampfkraft des Heeres. Kräfte der anderen Teilstreitkräfte und militärischen Organisationsbereiche können bei Bedarf unterstützt werden.
Die Instandsetzungstruppe trägt dafür Verantwortung, dass das hochwertige Material des Heeres möglichst lange verwendet werden kann. Direkt bei den Truppenteilen ist die Instandsetzungstruppe mitverantwortlich für die Wartung und Instandsetzung auf niedriger Materialerhaltungsstufe, allgemein für die Einsatzfähigkeit aller militärischen Ausrüstung. Logistikbataillone sind zentral mit der Instandsetzung auf höherer Materialerhaltungsebene beauftragt. Die ehemals ausgeplanten Heeresinstandsetzungswerke für kompliziertere Instandsetzungsarbeiten sind aufgelöst und ihre Fähigkeiten zählen nicht mehr zum Fähigkeitsprofil des Heeres. Darüber hinaus gewährleistet die Instandsetzungstruppe im Verteidigungsfall und auf Übungen die Feldinstandsetzung des gesamten Materials des Heeres mit Waffen, Flugkörpern und Fahrzeugen und versetzt es in einen feldbrauchbaren Zustand. Darüber hinaus ist die Ergänzung von Ersatzteilen und Versorgungsmaterialien sicherzustellen. Im Einsatzfall ist die Instandsetzungstruppe befähigt, ausgefallenes Großgerät auf dem Gefechtsfeld zu bergen und in dafür vorgesehenen mobilen oder ortsfesten Einrichtungen wieder einsatzfähig zu machen. Zum Führungspersonal der Instandsetzungstruppe zählen häufig Ingenieure, Kfz-Meister und weitere technisch ausgebildete Soldaten. Zu beachten ist, dass insbesondere die Heeresfliegertruppe über eigene Instandsetzungseinheiten für ihr Großgerät verfügt.
Die Nachschubtruppe ist zuständig für Bereitstellung, Verwaltung, Ausgabe und Transport der von der Truppe benötigten Versorgungsgüter wie Waffen, Fahrzeugen und Gerät, Munition, Betriebsstoffen und Ersatzteilen sowie Verpflegung. (der Sanitätsdienst der Bundeswehr verfügt aber über eigene Nachschubdienste zur Versorgung mit medizinischen Gütern.) Die Nachschubtruppe bildet Versorgungsketten, die von der Streitkräftebasis, die die Grundleistung der Versorgung im Frieden sicherstellt, über die Großverbände des Heeres bis direkt in die Versorgungsteileinheiten reichen. Die Umschlagpunkte und Depots (für Munition, für Mobilmachungstruppenteile und für anderes Gerät – nicht aber für Sanitätsmaterial) werden, wenn sie im Bereich des Heeres angesiedelt sind und nicht zur Streitkräftebasis zählen, maßgeblich durch die Nachschubtruppe eingerichtet und betrieben. Besondere Bedeutung hatten die Depots im Kalten Krieg für die Mobilmachung des Territorialheeres. Das Spektrum der gelagerten und transportierten Güter ist vielfältig. Unterschieden wird im Wesentlichen in: Mengenverbrauchsgüter (MVG): Güter die verbraucht und von der Truppe in großen Mengen benötigt werden. Dazu zählen in erster Linie Munition, Kraftstoff und Verpflegung. Einzelverbrauchsgüter (EVG): Nachschubgüter, die einem Verschleiß unterliegen, aber entweder nur bei Bedarf oder in kleinen Stückzahlen an die Front geliefert werden müssen. Nichtverbrauchsgüter (NVG): Alles, was normalerweise keinem Verschleiß unterliegt. Also zum Beispiel Großgerät wie Fahrzeuge etc. In den Bereich der Nachschubtruppe fällt im Verteidigungsfall auch die Zustellung der Feldpost, deren sonstige Aufgaben in den Bereich der Streitkräftebasis fallen. Zur Verpflegung hätte die Nachschubtruppe im Verteidigungsfall im Kalten Krieg eigene Bäckereien, Schlachtereien sowie Hygieneeinrichtungen wie Bäder und Wäschereien (im Auslandseinsatz sind dazu heute vorrangig die Spezialpioniere zuständig) betrieben. Im Verteidigungsfall ist die Nachschubtruppe außerdem für den Abtransport von Beutematerial zuständig.
Ausbildung Die lehrgangsgebundene Ausbildung der Nachschub- und Transportanteile der Heereslogistiktruppen übernimmt federführend die Logistikschule der Bundeswehr in Garlstedt für Logistikkräfte aller Teilstreitkräfte und Organisationsbereiche. Die Logistikschule der Bundeswehr ist Teil der Streitkräftebasis, hat ihre Wurzeln aber maßgeblich in der ehemaligen Nachschubschule des Heeres. Zentrale Ausbildungsstätte für das militärische Tragtierwesen ist das Einsatz- und Ausbildungszentrum für Tragtierwesen 230 in Bad Reichenhall.
Die lehrgangsgebundene Ausbildung der Instandsetzungsteile der Heereslogistiktruppen übernimmt federführend die Technische Schule des Heeres in Aachen. Die Technische Schule des Heeres (TSH) ist für die teilstreitkräftegemeinsame und organisationsbereichübergreifende Ausbildung der Instandsetzer zuständig. Gelehrt wird aber nur die Instandsetzung für landgebundene Waffensysteme und Elektronik, soweit diese Geräte bei den Truppen von Heer und Streitkräftebasis Verwendung finden. Kommandeur der Schule ist gleichzeitig der General der Heereslogistiktruppen. Der General der Heereslogistiktruppen ist in besonderer Weise für die Ausbildung der Heereslogistiktruppen, also auch der Nachschub- und Transportanteile, verantwortlich. Für die Weiterentwicklung der Truppengattung ist seit Juni 2013 das Amt für Heeresentwicklung zuständig.
Geschichte mini|Feldinstandsetzung (Motorentausch) Spz Hotchkiss (1968) mini|Abtransport Spz Hotchkiss ohne Gleiskette, links (1968) mini|Feldinstandsetzung (1969)
Die Heereslogistiktruppe hat ihre Wurzeln in der Quartiermeister- und Feldzeugtruppe. Als ersten Schritt zum Aufbau der beiden Truppengattungen wurden im Gründungsjahr der Bundeswehr 1956 die „Feldzeug-Truppenschule“ in Sonthofen sowie die „Quartiermeister-Truppenschule“ in Andernach aufgestellt. Die Quartiermeistertruppe entsprach der späteren Nachschubtruppe. Die Feldzeugtruppe entsprach der späteren Instandsetzungstruppe. Truppenteile der beiden Truppengattungen wurden völlig analog bezeichnet: Quartiermeisterkompanie, Feldzeugbataillon usw. 1959 erhielten die Feld- und Quartiermeistertruppe ihre heutigen Bezeichnungen Instandsetzungs- und Nachschubtruppe. An der Spitze standen zuletzt der General der Nachschubtruppe und der General der Instandsetzungstruppe. Mit der zunehmend komplexeren Technik im Kalten Krieg wurden spezielle Truppenteile zur Wartung und Instandsetzung der Elektronik im Heer aufgestellt. Im Rahmen des WHNS übernahmen die beiden Truppengattungen wichtige Aufgabe rund um die Wartung und den Nachschub amerikanischer „Sonderwaffen“. Zeitweilig bildeten die beiden Truppengattungen Instandsetzungs- und Nachschubtruppe (zeitweilig zuzüglich Sanitätstruppe) die Technische Truppe des Heeres mit entsprechend benannten Truppenschule. Die beiden Truppengattungen waren also in der Geschichte bereits häufig auf das engste verknüpft. In der Geschichte des Heeres waren davor auch immer wieder gemischte Einheiten und Verbände gebildet worden, die sich aus diesen Teilbereichen der heutigen Heereslogistiktruppe zusammensetzten. Dazu zählen bzw. zählten die Stabskompanien, Versorgungsbataillone, Logistikbrigaden und gemischte Nachschubverbände. Folgerichtig entstand durch Neuordnung der Truppengattungen im Zuge der Transformation der Bundeswehr (Bekanntgabe im Kommandeurbrief des Inspekteurs des Heeres vom 17. Oktober 2005) aus den damals eigenständigen Truppengattungen Nachschubtruppe, Instandsetzungstruppe und den Transporteinheiten des Heeres die Heereslogistiktruppe. Anstelle der Generale der Nachschub- und Instandsetzungstruppe wurde die Dienststellung General der Heereslogistiktruppe geschaffen. Erstes Logistikbataillon der Bundeswehr war das 2002 aufgestellte und inzwischen wieder aufgelöste Logistikbataillon 51. In der Streitkräftebasis sind heute ein Großteil der heutigen Kräfte für Nachschub, Transport und Instandsetzung der Bundeswehr angesiedelt. Im Heer verblieben vor allem die Truppenteile, die unmittelbar die logistische Unterstützung bis hin zur Gefechtslogistik für die Kampftruppen des Heeres unmittelbar sicherstellen. Den logistischen Grundbetrieb im Frieden zu sichern, ist dagegen vorrangig Aufgabe der Truppenteile der Streitkräftebasis. Neue Aufgaben für die Heereslogistiktruppe erwuchsen der Truppe durch die „Übernahme“ der bisher organisch in die Truppenteile des Heeres eingegliederten Wartungs- und Instandsetzungszüge der Stabs- und Versorgungskompanien, die auf niedrigeren Materialerhaltungsstufen bisher direkt bei den Truppenteilen deren Gerät warteten und instand setzten. Im Einsatz und im Heimatland, wurde seit Ende des Kalten Krieges die Kooperationen mit privatwirtschaftlichen Unternehmen und zivilen Behörden auf dem Gebiet der Logistik ausgebaut. Beispiele dafür sind die Heeresinstandsetzungslogistik, die originäre Aufgaben der Instandsetzungstruppe übernimmt, sowie die Gründung der Bundeswehr-Dienstleistungszentren, die wichtige Versorgungsaufgaben in den Garnisonen übernimmt, wobei zu beachten ist, dass viele dieser Funktionen schon vor der Transformation von den Standortverwaltungen geleistet wurden und daher bereits zivil organisiert waren.
Organisation Einordnung Die Heereslogistiktruppen sind eine Truppengattung im Heer der Bundeswehr, die zu den Einsatz- und Führungsunterstützungstruppen zählt. Die Heereslogistiktruppen bestehen aus den ehemals getrennten Truppengattungen Nachschubtruppe inklusive der Transporteinheiten des Heeres und der Instandsetzungstruppe. Auf Ebene der Bataillone und Regimenter erbringt die Heereslogistiktruppe direkt mit den eingegliederten Versorgungsdiensten Leistungen unmittelbar bei der Truppe. Konkret wurden beispielsweise die ehemals zu einem Panzer- oder Panzergrenadierbataillon gehörenden Instandsetzungszüge der Stabskompanien heute durch die logistischen Dienstleister ersetzt. Neben den zu den Heereslogistiktruppen zählenden Truppenteilen haben aber viele andere Verbände im Heer eigene Transport-, Nachschub-, Material- und Instandsetzungsgruppen. Diese auf Ebene der Regimenter, Bataillone und Kompanien für die Logistik zuständigen Kräfte (Versorgungsdienste), sind häufig weiterhin organischer Teil dieser Truppenteile und zählen zu der Truppengattung, dem ihr übergeordneter Truppenteil zugeordnet ist. Sie arbeiten aber eng mit den Heereslogistiktruppen zusammen. Große Transportkapazitäten besitzen im Heer vor allem die Transporthubschrauberregimenter der Heeresfliegertruppe. Diese sind aber Teil der Heeresfliegertruppe und zählen nicht zu den Heereslogistiktruppen, die ausschließlich landgebundene Transportkapazitäten umfassen. Nicht zur Heereslogistiktruppe, sondern überwiegend zur Pioniertruppe zählen nicht (bzw. zählten auch nicht zur Nachschubtruppe) die Kräfte zum Betrieb der NATO-Pipeline, die das Rückgrat des Kraftstoffnachschubes in der Bundesrepublik darstellte. Die ebenfalls im Kalten Krieg von der Bundeswehr betriebenen Fähren zählten nicht zu den Truppenteilen der Nachschub- oder Transporttruppe, sondern waren ebenfalls Teil der Pioniertruppe (Flusspioniere).